Alfried Nehring (* 1939 in Rostock) ist ein deutscher Filmproduzent, Drehbuchautor, Dramaturg und Autor.

Leben Alfried Nehrings Eltern waren der Direktor der Landwirtschaftlichen Versuchsstation in Rostock, der Agrikulturchemiker Kurt Nehring (1898–1988) und dessen Frau Charlotte, geborene Bark (1906–1972). Sein älterer Bruder war der Ozeanograph Dietwart Nehring (1930–2025). Nehring studierte in seiner Heimatstadt und später an der Berliner Humboldt-Universität Latein, Germanistik und Theaterwissenschaft, u. a. bei Leopold Magon. Seine Diplomarbeit schrieb er 1960 über Gustaf Gründgens als Opernregisseur, den er dazu im selben Jahr ausführlich in Hamburg interviewt hatte.

Seine berufliche Tätigkeit begann 1960 als Dramaturg in der Theaterabteilung des Deutschen Fernsehfunks, die Leitung der Abteilung übernahm er 1966. Von 1972 bis 1990 war er als Chefdramaturg für Weltliteratur und Theater im Adlershofer Fernsehen tätig und betreute die wesentlichen Literaturverfilmungen des DDR-Fernsehens. Hierzu gehörten etwa Von Sachsens Glanz und Preußens Gloria, Die Rottenknechte mit Dieter Mann, Goethes Stella mit Jutta Hoffmann oder Die unheilige Sophia mit Renate Richter und Wolf Kaiser. Es folgten Hans Falladas Kleiner Mann, was nun?, Thomas Manns Der kleine Herr Friedemann mit Ulrich Mühe, die Karl-May-Verfilmung Präriejäger in Mexiko mit Gojko Mitic oder die Erzählung Selbstversuch von Christa Wolf. In vielen wissenschaftlichen und essayistischen Publikationen zum Thema „Literatur und Film“ stellte er seine praktischen Erfahrungen zur Diskussion.

Nach der Wende folgte die Arbeit für das „Westfernsehen“. Ab 1992 wirkte Alfried Nehring als Produzent bei der Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft. Für das ZDF produzierte er u. a. die erfolgreichste deutsche Sitcom Salto Postale und Salto Kommunale mit Wolfgang Stumph sowie mehr als 20 Folgen des Samstagskrimis Stubbe – Von Fall zu Fall, den Kinofilm Bis zum Horizont und weiter und die Fernsehfilme Das blaue Wunder (ZDF 2003), Das Schwalbennest (ZDF 2004) und Eine Liebe in Königsberg mit Suzanne von Borsody (ZDF 2006).

Mit dem Ruhestand begann für Nehring ein neues Kapitel. Das Ehepaar Nehring zog nach Ahrenshoop an der Ostsee, entdeckte die Kunst der Ahrenshooper Künstlerkolonie und begann selbst mit dem Sammeln von Bildern. Mit einem Bild von Walter Moras, über dessen Lebensweg und -daten es kaum Informationen gab, wurde sein Interesse an den unbekannten Malern aus dem Umfeld der Kolonie geweckt. Zu diesen Daten musste er nachforschen, eine Arbeit, die ihm als TV-Produzent vertraut war. Dem folgte das Schreiben von Büchern neben Moras u. a. über Künstler wie Hermann Eschke, Oskar Frenzel, Fritz Grebe, Konrad Müller-Kurzwelly und weiterer, in Vergessenheit geratener Künstler. Zudem ist Alfried Nehring als Förderer des Ahrenshooper Kunstmuseums aktiv. Sein Engagement begann bereits in der Zeit des Entstehens, als mit der Infobox als Dokumentationszentrum das Projekt vorgestellt wurde.

Filmografie (Auswahl)

D=Drehbuch, DR=Dramaturgie, P=Produzent, R=Redaktion 1963: Johannes R. Becher – D, R 1965: Die Ermittlung – Oratorium in 11 Gesängen – DR 1967: Ein Dichter bittet ums Wort – R 1968: Kleiner Mann, was nun? – DR 1969: Porträt Erika Dunkelmann – D 1971: Rottenknechte – DR 1972: Anfang am Ende der Welt – DR 1975: Die unheilige Sophia – DR 1976: Absage an Viktoria – DR 1978: Ursula – DR 1980: Meines Vaters Straßenbahn – DR 1981: Der Leutnant Yorck von Wartenburg – D, DR 1981/1982: Wilhelm Meisters theatralische Sendung – DR 1982: Stella – DR 1982/1983: Alfons Köhler – DR 1983: Die Zeit der Einsamkeit – DR 1983–1985: Mein lieber Onkel Hans – DR 1985: Sachsens Glanz und Preußens Gloria – DR 1987: Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Rache – D 1988: Schlaft nicht daheim – R 1988: Präriejäger in Mexiko – DR 1989: Selbstversuch – DR 1990: Der kleine Herr Friedemann – DR 1990: Selbstversuch – DR 1991: Vaněk-Trilogie – DR 1993–1996: Salto Postale TV-Serie, 24 Folgen – P 1995–2003: Stubbe – Von Fall zu Fall – P 1998–2001: Salto Kommunale TV-Serie, 26 Folgen – P 1998: Bis zum Horizont und weiter – P 2003: Oskar der Klomann – P 2004: Das Schwalbennest – P 2004: Das blaue Wunder – P 2006: Eine Liebe in Königsberg – P 2008: Stürmische Zeiten – P 2009: Romeo und Jutta – P

Stubbe – Von Fall zu Fall 1995: 1. Stubbes Erbschaft 1995: 2. Stubbe sieht rot 1995: 3. Stubbes Urlaub 1995: 4. Stubbes Hunderttausend 1996: 5. Stubbe und der Pferdestecher 1996: 6. Stubbe und die andere Frau 1996: 7. Stubbe und das Kind 1997: 8. Stubbe taucht ab 1997: 9. Stubbe und der Geisterpolizist 1997: 10. Stubbe und die Killer 1997: 11. Stubbe und Elli 1998: 12. Stubbe und das fremde Mädchen 1998: 13. Stubbe und der Tote an Loch Neun 1999: 14. Die Seherin 1999: 15. Kein Tod ist wie der andere 2000: 16. Baby-Deal 2000: 17. Tod des Models 2000: 18. Blattschuss 2001: 20. Unschuldsengel 2002: 21. Das vierte Gebot 2003: 22. Tödlicher Schulweg 2003: 25. Yesterday

Schriften (Auswahl)

Literatur

Weblinks

Werke von Alfried Nehring im Verbundkatalog des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV)

Einzelnachweise Thomas Beutelschmidt, Franziska Widmer: Zwischen den Stühlen. Die Geschichte der Literaturverfilmung Ursula von Egon Günther, eine Koproduktion des Fernsehens der DDR und der Schweiz. Siehe Literatur. Michael Meyer: Der Mann hinter den Bildern. In: Ostsee-Zeitung. 3. Juli 2010.

Die Liste folgt den Angaben bei filmportal.de, IMDb und Crew United.

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