mini|Amalie Rother (1897) Amalie Rother (* 1865; † nach 1927)Salvisberg, Der Radfahrsport, S. 16.Nachweisbar ist eine Amalie Rother, geborene Klose (* 27. Juni 1849 in Mittel-Faulbrück, Kreis Reichenbach, Niederschlesien; † 26. Januar 1940 in Berlin), aber es ist ungeklärt, ob es sich dabei um dieselbe Person handelt. war eine deutsche Fahrradpionierin und -aktivistin.
Biographie mini|hochkant|Ausfahrt des Damen-Radfahr-Clubs Berlin im Grunewald (ca. 1894) mini|hochkant|Clubsitzung des Damen-Radfahr-Clubs (ca. 1894) Über den Lebensweg von Amalie Rother ist nur wenig bekannt. Sie wurde 1865 geboren und gehörte zum „gehobenen bürgerlichen Beamten-Milieu Berlins“. Sie wohnte mit Mann und Kindern am Blücherplatz in Berlin-Kreuzberg und bezeichnete sich selbst als „einfache deutsche Hausfrau“.Amenda, Amalie Rother, S. 73. Zuletzt war sie im Berliner Adressbuch von 1927 in der Triftstr. 62 in Berlin-Wedding als Witwe verzeichnet.
Fahrradaktivismus und Wirken Dass Amalie Rother bekannt wurde, geht auf ihre Artikel zum Thema Radfahren für Frauen zurück. Ihr erster war Das Damenfahren, der 1897 in dem Sammelband Der Radfahrsport in Bild und Wort von Paul von Salvisberg publiziert wurde und in dem sie unterhaltsam und lebendig ihre Erfahrungen schildert. Dieser Text ist eines der raren ausführlichen Zeugnisse einer Frau inmitten einer erregt geführten Debatte über das Radfahren von Frauen und Mädchen Ende des 19. Jahrhunderts. Er wird seit seinem Erscheinen in deutscher und internationaler Forschung über die Geschichte des Frauenradsports immer wieder angeführt.Amenda, Amalie Rother, S. 69.
1890 hatte Rother als eine der ersten Frauen in Berlin zusammen mit ihrer Freundin Clara Beyer das Radfahren begonnen, zunächst auf einem Dreirad. 1892 erwarb sie ein Damenrad mit Luftreifen, also ein Rad ohne Oberstange. Diese Oberstange stabilisierte die Räder, bei Damenmodellen wurde aber mit Rücksicht auf die Röcke der Frauen darauf verzichtet; um stabil zu sein, waren diese Räder aber schwerer. Rother riet ihren Leserinnen, unbedingt auf die „hässliche und unpraktische Damenmaschine“ zu verzichten.Rother, Das Damenfahren, S. 128.
Da Rother sportliche Ambitionen hatte, wechselte sie zu einem sogenannten „Herrenmodell“, also ein leichteres Rad mit Oberstange. Um ein Herrenrad fahren zu können, mussten Frauen jedoch Hosen tragen, was als unmoralisch gewertet wurde. In der Öffentlichkeit wurden Fahrradpionierinnen wie Rother daher angefeindet. Eine Zeitlang sammelte sie sogar solche Beschimpfungen. Besonders der „Pöbel in Glacéhandschuhen“, wie sie „Gutbürgerliche“ nannte, attackierte sie verbal. Dabei hätten sich insbesondere Frauen aus „besseren Ständen“ besonders „rüde und gemein“ verhalten. Rother lehnte zudem das Tragen eines Korsetts ab – das gehöre in die „Rumpelkammer“ – und befürwortete das Tragen von Bloomers.
1893 nahm Amalie Rother am ersten offiziellen Damenrennen in Deutschland mit weiteren sieben Starterinnen in Berlin-Halensee teil. Dieses Rennen trug nach ihrer Ansicht entscheidend zur Entwicklung des Frauenradfahrens in Berlin bei, auch wenn sie selbst keinen vordere Platz belegte.Bleckmann, Wehe wenn sie losgelassen, S. 26.
Rother selbst trat bald vom Radrennsport zurück, da sie nach eigenen Angaben nicht mit den besten Fahrerinnen mithalten konnte. Sie wandte sich dem Tourenfahren zu und bereiste bis 1897 Teile Deutschlands, Dänemarks, Frankreichs und Italiens mit dem Rad.Amenda, Amalie Rother, S. 75.
1894 gründete Rother zusammen mit sieben weiteren Frauen (die auch an dem Rennen in Halensee teilgenommen hatten) den Damen-Radfahr-Club Berlin, den vierten reinen Frauenclub im deutschsprachigen Raum.Bleckmann, Wehe wenn sie losgelassen, S. 117. Mit den ersten Frauen-Vereinen ab 1894 traten zunehmend auch mehr weibliche Mitglieder dem Deutschen Radfahrer-Bund (DRB) bei. Zu einer umkämpften Frage entwickelte sich das Stimmrecht von Frauen im DRB, das die Mitglieder bei Eintritt automatisch erwarben. Der DRB-Bundestag 1897 in Bremen schlug vor, dass weibliche Mitglieder bei Verzicht auf die Verbandspublikationen einen geringeren Beitrag zu entrichten hätten und gleichzeitig ihr Stimmrecht verlören. Amalie Rother attackierte diesen Vorschlag in der Verbandszeitschrift Die Radlerin 1897 heftig:Bleckmann, Wehe wenn sie losgelassen, S. 123.
Im Laufe des Jahres 1898 veröffentlichte Amalie Rother weitere Beiträge in Die Radlerin, in denen sie dafür argumentierte, dass Frauen vollwertige Mitglieder im Verband mit Stimmrecht sein sollten. Ihr sei dabei sehr bewusst gewesen, dass die sportliche Emanzipation symbolisch auf andere gesellschaftliche Bereiche ausstrahlte, so der Historiker Lars Amenda. Der folgende Verbandstag in Dortmund beschloss jedoch, die Beiträge von weiblichen Familienangehörigen herabzusetzen, die dafür lediglich ein Abzeichen und eine Zeitschrift erhalten sollten. Im Jahr 1900 wurde das Wahlrecht von Frauen im Verband eingeschränkt und Frauenradrennen verboten.Amenda, Amalie Rother, S. 79.
Publikationen
Literatur
Weblinks Josephin Meistring: Eine Herrin ihrer Maschine: Die Fahrradpionierin Amalie Rother. In: Berliner Großstadtgeschichten. 5. Oktober 2017
Einzelnachweise
Kategorie:Radsportgeschichte Kategorie:Person (Radsport, Deutschland) Kategorie:Aktivist Kategorie:Frauenradsport Kategorie:Sportler (Berlin) Kategorie:Sportler (19. Jahrhundert) Kategorie:Person (deutsche Frauengeschichte) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1865 Kategorie:Gestorben im 20. Jahrhundert Kategorie:Frau