mini|Der Rosenhofbrunnen (2009) Der Rosenhofbrunnen oder Max-Frisch-Brunnen wurde 1967 errichtet und steht auf dem Rosenhof in der Altstadt von Zürich. Geschaffen wurde er von Peter Meister, die Inschriften auf der abstrakten Skulptur stammen von Max Frisch und sind ein wichtiges Zeugnis engagierter Literatur in den 1960er Jahren. Sie weisen den Brunnen als «freies Denkmal» aus. Weil sie ferner umständlich aufzählen, wem der Brunnen nicht gewidmet ist, nannte ihn Georg Kreis ein «Antidenkmal».
Geschichte Die freie Fläche des heutigen Platzes entstand zwischen 1954 und 1957, als das Hochbauamt der Stadt Zürich hier im Rahmen der Altstadtsanierung drei Häuserreihen abreissen liess. Damit sollten «hygienisch nicht mehr tragbare Verhältnisse» beseitigt und den umstehenden Gebäuden mehr Raum und Licht verschafft werden. Jahrelang lag das Areal brach. Dem Ansinnen der Anwohner, es als Parkplatz zu nutzen, gab die Stadtverwaltung abschlägigen Bescheid. Ein erstes Projekt, das eine Bebauung mit Geschäften vorsah, konnte ebenfalls nicht realisiert werden. Im Herbst 1965 beauftragte das Büro für Altstadtsanierung und Denkmalpflege schliesslich den Architekten Benedikt Huber, ein Projekt ohne Bauten auszuarbeiten. Der neugestaltete, nach der nahen Rosengasse benannte Platz wurde am 6. Juli 1967 eingeweiht. In einer kleinen, musikalisch untermalten Feier übergab ihn der Vorsteher des Bauamts, Stadtrat Edwin Frech, feierlich dem Stadtpräsidenten Sigmund Widmer.Der neugestaltete Rosenhof. Ein wohlgelungenes Stück Altstadtsanierung. In: Neue Zürcher Zeitung. Abendausgabe. Nr. 2954, 7. Juli 1967, S. 21 (online). Das Schweizer Fernsehen berichtete im Infomagazin Antenne darüber. Das Projekt hatte 228'000 Franken gekostet.Wiederentdeckung der Altstadt. In: Neue Zürcher Nachrichten. Band 63, Nr. 160, 13. Juli 1967, S. 5 (online).
Als «Hauptanreiz» fungierte die zentrale Brunnenanlage, die von Peter Meister geschaffen und mit Inschriften von Max Frisch versehen worden war. Anlässlich der Einweihung sagte Benedikt Huber über die Entstehungsgeschichte:
Sigmund Widmer hatte vom Hinweis auf Vietnam «eher abgeraten», weswegen «Vietnamkrieg» zu «Krieg in Vietnam» abgeändert wurde.Georg Kreis: Zeitzeichen für die Ewigkeit. 300 Jahre schweizerische Denkmaltopografie. Verlag NZZ, Zürich 2008, S. 383.
Beschreibung Der Brunnen ist aus Blaubank-Muschelkalk gehauen. Er ist 2,63 Meter hoch und hat einen fast quadratischen Grundriss von 2,07 × 2,02 Metern. Den Brunnenstock bildet eine abstrakte kubische Skulptur, auf deren vier Seiten in unterschiedlichen Schriftgraden folgender Text Max Frischs eingemeisselt ist:
HIER RUHT 1967kein grosserZÜRCHERdenker undSTAATSMANNoder REBELLweitsichtigerPLANERder freiheitusw. NIEMANDzeitGENOSSEpatriotREFORMATORDER SCHWEIZim xx. jahrhundertBEGRÜNDERder ZUKUNFTdie trotzdem kommt1967 kein berühmter flücht-ling wohnte hier oderstarb ungefähr hier zumruhm unsrer vaterstadt ·kein ketzer wurde hierverbrannt · hier kam eszu keinem sieg · keinesage, die uns ehrt, erfor-dert hier ein denkmalaus stein · hier gedenkeunserer taten heute ·dies denkmal ist frei hier ruht keinkalter krieger1967dieser stein derstumm ist wurdeerrichtet zur zeitdes krieges inVIETNAM
Rezeption In einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung zur Einweihung wurde Max Frischs Text als «für den Durchschnittsbürger zumindest ungewöhnlich anmutend» bezeichnet. Ausserdem wurde darauf hingewiesen, dass er «ebenso gut im Rundumschreiten, Zeile für Zeile, wie Seite für Seite» gelesen werden könne. Er sei ein «Mahnmal»:
Noch kritischer waren die Neuen Zürcher Nachrichten, die zu den Inschriften meinten:
Der Brunnen wird heute alltagssprachlich auch «Max-Frisch-Brunnen» genannt. Auf die Frage, ob man mit ihm auch Max Frisch ein Denkmal setzen wollte, antwortete der Architekt Huber bei der Einweihung:
Georg Kreis nahm den Brunnen sowohl 2008 in sein Standardwerk zur Schweizer Denkmaltopografie als auch 2021 in seinen Bericht zu den öffentlichen Denkmälern der Stadt Zürich auf. Gerade dadurch, dass er kein Denkmal sein wolle, werde er zum «Antidenkmal».Georg Kreis: Die öffentlichen Denkmäler der Stadt Zürich. Ein Bericht im Auftrag der Arbeitsgruppe KiöR. 30. Juni 2021, S. 190 (PDF; 8,3 MB). Ohne die Inschrift fände das «in konventionell abstrakter Weise gestaltete» Monument heute aber «keine weitere Beachtung».Georg Kreis: Zeitzeichen für die Ewigkeit. 300 Jahre schweizerische Denkmaltopografie. Verlag NZZ, Zürich 2008, S. 381.
Siehe auch Liste der Personendenkmäler in Zürich
Literatur Der neugestaltete Rosenhof. Ein wohlgelungenes Stück Altstadtsanierung. In: Neue Zürcher Zeitung. Abendausgabe. Nr. 2954, 7. Juli 1967, S. 21 (online). Wiederentdeckung der Altstadt. In: Neue Zürcher Nachrichten. Band 63, Nr. 160, 13. Juli 1967, S. 5 (online). Benedikt Huber: Rosenhof. In: Zürcher Denkmalpflege. 5. Bericht 1966/1967. Genossenschaftsdruckerei, Zürich 1971, S. 189–191 (PDF; 37,2 MB). Georg Kreis: Zeitzeichen für die Ewigkeit. 300 Jahre schweizerische Denkmaltopografie. Verlag NZZ, Zürich 2008, S. 381–383. Georg Kreis: Die öffentlichen Denkmäler der Stadt Zürich. Ein Bericht im Auftrag der Arbeitsgruppe KiöR. 30. Juni 2021, S. 189–191 (PDF; 8,3 MB). Tobias Amslinger, Martina Schönbächler: «hier ruht kein grosser ZÜRCHER». In: ETHeritage. 15. September 2023.
Weblinks
Rosenhofbrunnen im Kunstbestand der Stadt Zürich
Einzelnachweise
Kategorie:Max Frisch Kategorie:Skulptur (1967) Kategorie:Denkmal in Zürich Kategorie:Bauwerk in Zürich Kategorie:Brunnen in Zürich Kategorie:Erbaut in den 1960er Jahren