James Pearse „Jim“ McGuinness (* 17. Februar 1920 in Derry, County Londonderry; † 22. August 2008 in DonnybrookDeath of Jim Mc Guinness - former Head RTÉ News. In: superannrte.ie, 2008) war ein irischer Zeitungs- und Hörfunkjournalist. Im Laufe seiner 30-jährigen journalistischen Karriere war er unter anderem Herausgeber der Irish Press und Leiter der Nachrichtenabteilung von Raidió Teilifís Éireann (RTÉ).

Leben (Quelle: Terry Clavin, Dictionary of Irish BiographyTerry Clavin: McGuinness, Jim (James Pearse). In Dictionary of Irish Biography. 2015. (Freigabe: CC BY Lizenz))

Jugend und Mitgliedschaft in der IRA Jim McGuinness wurde 1920 in Derry als eines von vier Kindern eines Gastwirtes und einer Krankenschwester geboren. Er wuchs in einer republikanischen Familie auf und besuchte die Waterside Boys’ School und das St. Columb’s College. Als McGuinness 11 Jahre alt war, starb seine Mutter. Seine Familie zerbrach daran und geriet in eine finanziell schwierige Lage, die letztendlich dazu führte, dass sie ihren Pub verlor. McGuinness blieb bei seinem Vater und verbrachte die Wochenenden im Haus seines Großvaters mütterlicherseits in Ballyliffin, County Donegal. Nach Beendigung der Schule verließ er 1937 sein Zuhause und absolvierte eine Ausbildung zum Büroangestellten bei der Royal Air Force in Großbritannien. 1938 war er in London als Arbeiter bei McAlpine’s Builders beschäftigt und schloss sich der IRA an, wobei er sich dort Pearse McGuinness nannte.

McGuinness wurde sogleich in den Vorbereitungen des S-Planes, einer Kampagne der IRA, Bombenanschläge in Großbritannien zu verüben, aktiv. Im Januar 1939 wurde er in London verhaftet und im März im Old Bailey wegen des Besitzes von Sprengstoffen angeklagt. McGuinness weigerte sich, ein Geständnis abzulegen. In der folgenden Verhandlung wurde er freigesprochen. Bald darauf wurde er nach Irland abgeschoben, wo er in der Dubliner Brigade der IRA aktiv wurde und sich als fähiger Agent erwies. Im Sommer 1940 wirkte er an der Reorganisation des Westkommandos mit.

Nachdem ein Polizist der Garda Síochána ihn in Dublin mit der verbotenen IRA-Zeitung War News gesehen hatte, wurde McGuinness verhaftet und am 3. Juli 1941 von einem Sonderstrafgericht wegen Mitgliedschaft in der IRA zu zwölf Monaten Haft verurteilt. Nach Verbüßung dieser Strafe wurde er in Curragh, County Kildare interniert. Obgleich er dort von seinen doktrinäreren Mitgefangenen gemieden, weil er 1939 die britischen Gerichte stillschweigend anerkannt hatte, schätze er seine Zeit in Curragh, da er viel las und Irisch studierte, das er später fließend beherrschte. Nach seiner Entlassung im Jahr 1943 verließ er die IRA und wurde in einem Torfabbaulager der Turf Development Board Ltd in Turraun, nahe Ferbane, County Offaly tätig, zunächst als Arbeiter, dann als Leiter des Arbeiterwohnheims. Seine Verurteilung hätte ihn eigentlich von der Position des Leiters ausgeschlossen, doch der Generaldirektor des Unternehmens, Todd Andrews, ließ diese Disqualifikation aufheben. 1946 kehrte McGuinness nach London zurück und hatte verschiedene Anstellungen inne. Des Weiteren engagierte er sich in der dortigen irischen Diaspora und der Anti-Partition League.

Wechsel in den Journalismus und Arbeit für die Irish Press Da McGuinness schon immer ein gewisses Interesse für Journalismus hatte, wurde er 1948 als Juniorreporter bei der Irish Press in London tätig, wo er einem Kollegen assistierte und auch dessen Texte schrieb, wenn dieser unpässlich war. Im Oktober 1950 wurde McGuinness zum Londoner Redakteur der Irish News Agency ernannt, aber die Arbeit bei der Agentur gefiel ihm nicht und er kehrte im Sommer 1951 als Dáil-Korrespondent und Leitartikelautor nach Dublin zur Irish Press zurück. McGuinness vertrat mit großer Hingabe die Parteilinie der Zeitung und betrachtete Éamon de Valera, dem die Zeitung praktisch gehörte, als sein Idol. Im April 1953 wurde er Herausgeber der Irish Press, was ihm die Möglichkeit gab, sich regelmäßig mit de Valera auszutauschen und sich mit ihm anzufreunden.

Als Herausgeber versuchte McGuinness ein gebildetes Publikum anzusprechen.Brian Fallon: An Age of Innocence. Irish Culture, 1930-1960. Seite 229. 1998 Hierzu stellte er verstärkt Schriftsteller ein.A Bit of a Writer - Brendan Behan's road to literary stardom, 14. Mai 2023, www.rte.ie Neben bereits bekannteren Schriftstellern und Dichtern wie etwa Lennox Robinson oder Padraic Fallon, die jeweils eine wöchentliche Kolumen schrieben,Brian Fallon: An Age of Innocence. Irish Culture, 1930-1960. Seite 230. 1998 stellte er auch junge Talente wie Brendan Behan ein. Behan, der ein ehemaliger IRA-Kamerad aus Tagen des S-Planes war,Michael O’Sullivan: Brendan Behan: A Life. Roberts Rinehart Pub, 1999. Seite 172f. ISBN 978-1-57098-274-3. schrieb eine reguläre Kolumne die ein großer Erfolg wurde und später in Buchform, unter dem Titel Hold Your Hour and Have Another,Michael O’Sullivan: Brendan Behan: A Life. Roberts Rinehart Pub, 1999. Seite 173. ISBN 978-1-57098-274-3. gesammelt erschien.

Ab Mitte der 1950er Jahre sanken jedoch die Qualität und die Auflage der Zeitung. Dem überarbeiteten McGuinness, der zwischen einem autoritären Management und widerspenstigen Journalisten gefangen war, wurden Ressourcen verweigert und er war gezwungen, langweilige politische Propaganda zu veröffentlichen.

McGuinness war zunehmend unzufrieden und die Beziehung zu seinem Geschäftsführer Vivion de Valera verschlechterten sich zusehends. Anders als mit dessen Vater war McGuinness mit Vivion de Valera nie warm geworden. Im März 1957, als führende Vertreter der Zeitung der ersten Messe, die ein frisch geweihter ehemaliger Mitarbeiter hielt, beiwohnten, kam es zum endgültigen Bruch zwischen den beiden.Mark O’Brien: De Valera, Fianna Fáil and the Irish Press. Seite 103. Irish Academic Press, 2001. Als de Valera zu spät kam und er keinen prominenten Sitzplatz mehr erhielt, forderte er McGuinness auf, ihm dessen Platz zu überlassen, was zu einem heftigen Streit zwischen den beiden führte.Mark O’Brien: De Valera, Fianna Fáil and the Irish Press. Seite 103f. Irish Academic Press, 2001. Später reichte McGuinness seinen Rücktritt ein.Mark O’Brien: De Valera, Fianna Fáil and the Irish Press. Seite 104. Irish Academic Press, 2001. Sein Ausscheiden wurde von führenden Vertretern der Fianna Fáil beklagt und auch Vivion de Valera bedauerte diese Entwicklung. Später versuchte er, wenn auch erfolglos, McGuinness wieder einzustellen.

Zwischenstation in San Francisco, Rückkehr nach Irland und erste Tätigkeiten für RTÉ McGuinness ging nun in die Vereinigten Staaten und ließ sich in San Francisco nieder, wo er für die San Francisco Call-Bulletin und den San Francisco Examiner arbeitete. Seine Reportage über einen mexikanischen Arbeiter, dem die Arbeitslosenunterstützung verweigert wurde, nachdem er nicht zur Arbeit erschienen war, um stattdessen an der Beerdigung seiner Tochter teilzunehmen, erhielt 1959 einen Preis und führte zu einer Änderung des kalifornischen Gesetzes. Auch seine Interviews mit dem Todeskandidaten Caryl Chessman stießen auf größeres Interesse.

Im Jahr 1961 kehrte McGuinness nach Irland zurück und ließ sich in Foxrock, County Dublin nieder und er wurde Leiter der Öffentlichkeitsarbeit für den staatlichen Rundfunk- und Fernsehdienst, den späteren Raidió Teilifís Éireann (RTÉ). Im darauffolgenden Jahr wurde ihm zusätzlich auch die Verantwortung für alle Veröffentlichungen des Dienstes übertragen und er war HerausgeberDesmond Fisher: In memory of Jim McGuinness. In: superannrte.ie, 25. August 2008 der Radio- und Fernsehzeitschrift RTV Guide. Im November 1966 trat er die Nachfolge von Pearse Kelly, den er noch aus seiner Zeit in Curragh kannte, als Leiter der Nachrichtenabteilung von RTÉ an. Kelly war im Zuge der Berichterstattung des Senders über die Bauernproteste zurückgetreten, nachdem die Regierung scharf darauf reagiert hatte. Kritiker führten McGuinness’ Beförderung auf seine Verbindungen zur Fianna Fáil zurück, insbesondere auf seinen alten Gönner Todd Andrews, den damaligen Vorsitzenden der RTÉ Authority.

Arbeit als Leiter der Nachrichtenabteilung von RTÉ McGuinness, der von seinen Untergebenen weithin respektiert wurde, war sich bewusst, dass er an der kurzen Leine gehalten wurde. Gemäß seinem Credo, dass Fernsehnachrichten „nicht lehren, sondern zeigen und beschreiben“, schränkte er die Aktivitäten der Nachrichtenredaktion ein und hielt sich mit politischen Kommentaren zurück. Dies kam der Fianna Fáil entgegen, insbesondere 1968 während des Referendums über die Abschaffung des Verhältniswahlrechts.

Auch wirkte er der Programmabteilung entgegen, die für ihre subversiven Beiträge zu aktuellen Themen und politisch radikalen Produzenten bekannt war. Die Programmgestaltung und die Rolle des Produzenten wurden zurückgestuft, während die Mittel in die Nachrichtenredaktion flossen, was McGuinness in die Lage versetzte, den Radionachrichtendienst zu verjüngen.

Auch bemühte sich McGuinness, der Programmabteilung die Kontrolle über das Themenfeld aktuelles Geschehen zu entreißen. Im Januar 1968 übernahm er die Verantwortung für das entsprechende Programm-Flaggschiff, die Sendung 7 Days. Infolge internen Widerstandes blieb 7 Days ansonsten von der Nachrichtenabteilung getrennt. Mit dem Redakteur von 7 Days, Muiris Mac Conghail, verband ihn eine robuste, aber fruchtbare Zusammenarbeit. Im Oktober 1969 löste ein Beitrag von 7 Days über Geldverleihpraktiken jedoch eine Regierungsuntersuchung aus, die sich mit der angeblichen Verleitung von Teilnehmern durch die Programmmacher und den Einsatz von versteckten Kameras und Mikrofonen beschäftigte. Der Abschlussbericht im August 1970 verurteilte die Sendung als unverantwortlich, entlastete aber gleichzeitig McGuinness. Danach hielt er 7 Days, auch aufgrund finanzieller Zwänge, stärker unter Kontrolle und konzentrierte sich auf die Entwicklung des Aufgabenbereichs aktuelle Themen in seiner eigenen Abteilung. Ab 1971 führte er mehr Analysen, Hintergrunderklärungen und sachkundige Kommentare in die Nachrichtensendungen ein und richtete innerhalb der Nachrichtenabteilung ein Programm für aktuelle Themen ein.

Berichterstattung im Schatten des aufkommenden Nordirlandkonfliktes Schon früh erkannte McGuinness die Bedeutung der Bürgerrechtsbewegung in Nordirland der 1960er Jahre und setzte sich trotz der Skepsis von Seiten des Managements und Zuschauerwiderstandes für mehr Berichterstattung über den Norden ein. Das bedeutsamste Resultat hiervon waren RTÉs, später auch international verbreitete Kameraaufnahmen von der verbotenen Demonstration rund 2000 katholischer Bürgerrechtler in Derry, wie diese bei ihrem friedlichen Protestmarsch von der Royal Ulster Constabulary in der Duke Street eingekreist und brutal niedergeknüppelt wurden.Martin Melaugh: The Derry March - Main Events of the Day. In: Conflict Archive on the Internet (CAIN), 2024, abgerufen am 19. April 2025. Mehr als 100 Demonstranten wurden verletzt. Im Februar 1969 eröffnete McGuinness ein RTÉ-Büro in Belfast.

Die irische Regierung verließ sich in hohem Maße auf McGuinness und seine Untergebenen, um das Fehlen einer eigenen Presseagentur auszugleichen und der Welt eine andere Perspektive als die der britischen Medien zu bieten.