mini|hochkant|Sevim Dağdelen (2021) Sevim Dağdelen []Die korrekte Aussprache ist in diesem Video nach 5 Sekunden zu hören (Interview mit DW Deutsch im Februar 2018). (* 4. September 1975 in Duisburg) ist eine deutsche Politikerin (BSW, zuvor Die Linke). Sie war von 2005 bis 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Herkunft und Studium Dağdelen wuchs mit fünf Geschwistern in Duisburg-Bruckhausen auf. Ihr türkischer Vater und ihre kurdische Mutter waren als Gastarbeiter aus der Türkei nach Duisburg gekommen. Der Vater war als Schichtarbeiter bei Thyssen-Krupp beschäftigt, die Mutter kümmerte sich zu Hause um die Kinder. Beide Eltern waren Aleviten.Sevim Dağdelen: Von Erdogans Liebling zur türkischen Staatsfeindin welt.de, 7. Januar 2017.

Im Jahr 1997 absolvierte Dağdelen das Abitur an einer Duisburger Gesamtschule. Von 1998 bis 2001 studierte sie Rechtswissenschaft an der Philipps-Universität Marburg. Anschließend absolvierte sie ein akademisches Jahr an der juristischen Fakultät der University of Adelaide. Von 2002 bis 2006 setzte sie das Studium an der Universität zu Köln fort.Über mich auf sevimdagdelen.de. Sie schloss das Studium nicht ab.

Frühes Engagement Von 1993 bis 2001 war Dağdelen Mitglied der Bundesjugendkommission der Jugendorganisation der Föderation Demokratischer Arbeitervereine (DIDF). Von 1996 bis 1998 gehörte sie dem Vorstand der Landesschülervertretung Nordrhein-Westfalen und dem Bundesausschuss der Bundesschülervertretung an. Im Jahre 2005 zählte Dağdelen zu den Mitbegründern des Bundesverbandes der Migrantinnen in Deutschland.Angaben zu Sevim Dağdelen als Abgeordnete im 18. Deutschen Bundestag (2013–2017) auf bundestag.de.

Bundestagsabgeordnete Nach der Bundestagswahl 2005 zog Sevim Dağdelen erstmals in den Bundestag ein. Sie kandidierte 2005 direkt im Wahlkreis Krefeld II – Wesel II sowie 2009, 2013, 2017 und 2021 im Wahlkreis Bochum I und zog jedes Mal über die Landesliste Nordrhein-Westfalen der Partei Die Linke (bis 2007 Linkspartei.PDS) in den Bundestag ein. Im 19. Deutschen Bundestag war Dağdelen Obfrau im Auswärtigen Ausschuss. Zudem gehörte sie als stellvertretendes Mitglied dem Ausschuss für Inneres und Heimat, dem Ausschuss für Energie und Wirtschaft, sowie dem Verteidigungsausschuss an. Nach ihrer ersten Wahl ins Parlament wurde sie außerdem migrationspolitische und integrationspolitische Beauftragte der Fraktion, 2009 folgte die Position der Sprecherin für Internationale Beziehungen.

Von 2017 bis 2019 war sie stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion. Zuvor hatte die Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht, zu deren Vertrauten Dağdelen zählt, mit Rücktritt gedroht, falls Dağdelen nicht gewählt werde. Nach dem Rückzug von Wagenknecht 2019 kandidierte Dağdelen nicht wieder für den Posten der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Zudem war sie ab 2017 Sprecherin für Abrüstungspolitik.

Nach der Rede des israelischen Präsidenten Schimon Peres vor dem Bundestag am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus 2010 schloss sie sich, ebenso wie Sahra Wagenknecht und Christine Buchholz, nicht dem stehenden Applaus der übrigen Abgeordneten an. Das Verhalten der drei Abgeordneten wurde auch von Klaus Lederer und Michael Leutert vom reformorientierten Flügel der Partei scharf kritisiert.:

Im Jahr 2010 lehnte Dağdelen die Einladung des türkischen Premierministers Erdoğan zu einer Veranstaltung der türkischen Regierung nach Istanbul ab, die türkischstämmige Politiker in ihrer neuen Heimat zu mehr politischer Aktivität im Interesse der Türkei ermuntern sollte. Sie bezeichnete solche Versuche der Einflussnahme als „Nebenaußenpolitik“ des türkischen Staates und erklärte:

Im Jahr 2010 beteiligte sie sich bei Protesten gegen den Transport radioaktiver Abfälle in Niedersachsen an einem Aufruf zum Schottern. Nachdem der Bundestag die politische Immunität von Sevim Dağdelen aufgehoben hatte, wurde sie 2013 wegen „öffentlicher Aufforderung zu Straftaten“ zu einer Geldstrafe verurteilt.

Im September 2012 besuchte sie Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London.Bundestagsabgeordnete besucht Julian Assange; Heise Online, 3. September 2012.

Am 7. Juli 2014 wurde das Bochumer Wahlkreisbüro von Dağdelen mit einem roten Hakenkreuz beschmiert und mit weißen Farbbeuteln beworfen. Russische Staatliche Rundfunkgesellschaft STIMME RUSSLANDS, 8. Juli 2014.

Am 29. Mai 2016 bekundete Sevim Dağdelen in der Sendung bei Anne Will ihre Unterstützung für die von Deutschland, den USA und der EU als Terrororganisation eingestufte PKK. Sie sagte, diese sei keine Terrororganisation, sondern eine „politische Organisation“. Dafür wurde sie von den anderen Diskussionsteilnehmern scharf kritisiert.

Noch vor deren offizieller Gründung erklärte Dağdelen im August 2018 in einem zusammen mit Marco Bülow und Antje Vollmer verfassten Gastkommentar für den Spiegel ihre Unterstützung für die Organisation Aufstehen.

Im Jahr 2017 sorgte Dağdelen für einen Eklat im Bundestag, als sie während einer Rede die Fahne der syrischen Kurdenmiliz YPG zeigte.

Im Juli 2020 war sie gemeinsam mit Gregor Gysi zu Besuch bei Edward Snowden in Moskau.Linken-Politiker Gysi und Dagdelen besuchen Edward Snowden in Moskau; Heise Online, 7. Juli 2020.

Im Oktober 2023, mit der Vorstellung des Vereins BSW – Für Vernunft und Gerechtigkeit, trat Dağdelen mit neun weiteren Bundestagsabgeordneten aus der Linkspartei aus. Sie wurde im Januar 2024 Mitglied der neugegründeten Partei BSW, die aus dem Verein hervorging. Seit Dezember 2025 ist sie Mitglied des Bundesvorstands der Partei.

Bei der Bundestagswahl 2025 trat Dagdelen für das BSW als Direktkandidatin im Wahlkreis Berlin-Mitte an, konnte jedoch nicht das Direktmandat gewinnen.Detail-Ergebnis Berlin-Mitte. tagesschau.de, 24. Februar 2025, abgerufen am 21. September 2026. Auf der Landesliste der Partei war sie auf Platz 2 geführt.Landesliste Berlin: BSW. wen-wahlen.de, abgerufen am 21. September 2026 Da das BSW an der 5-%-Hürde scheiterte und nicht in den Bundestag einzog, schied Dagdelen aus dem Parlament aus.

Nach dem Bundestag Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2026 kandidierte sie auf Platz 4 der BSW-Landesliste. Das BSW scheiterte bei dieser Wahl an der 5-%-Hürde.

Dagdelen ist regelmäßige Gastautorin im Overton-Magazin des Westend Verlags.Über uns. Overton-Magazin, abgerufen am 21. September 2026

Russlandpolitik und Positionen zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine Positionen bis 2022 Während einer Debatte im Deutschen Bundestag am 20. Februar 2014 über die Eskalation der Gewalt in der Ukraine schrieb Dağdelen, die selbst an der Sitzung nicht teilnahm, auf Twitter: „Unerträglich diese verwelkten Grünen, die die Faschisten in der Ukraine verharmlosen, die antisemitische Übergriffe begehen. Ein Tabubruch!“ Die Grünen-Abgeordnete Britta Haßelmann verlas diesen Tweet und nannte ihn unerträglich.

2014 trat sie während der Krimkrise wiederholt bei Russia Today auf, gab ihrer Meinung Ausdruck, dass die Europäische Union, die Bundesregierung und die NATO „den Sturz des Janukowytsch-Regimes mit Hilfe von Faschisten in der Ukraine betrieben“ hätten, und wies Kritik am russischen Präsidenten zurück. Sie lehnte Sanktionen gegen Russland als Reaktion auf die Annexion der Krim ab.

Am 4. Juni 2014 zitierte Dağdelen in einer Bundestagsdebatte über die Krimkrise mit Bezug auf die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt, die geäußert hatte, dass die Gefahr durch Rechtsextremisten in der Ukraine nach ihren geringen Wahlergebnissen zu beurteilen sei, Bertolt Brecht: „Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!“. Sie sei „darüber wirklich schockiert, dass Sie [Göring-Eckardt] hier die Behauptung aufstellen, dass sich mit den geringen Stimmenzahlen für die Kandidaten der Swoboda oder des Rechten Sektors das Problem des Neofaschismus, das Problem des Antisemitismus in der Ukraine erledigt habe“, was Göring-Eckardt eine „absurde Unterstellung“ nannte. In einer gemeinsamen Erklärung distanzierten sich die Linken-Partei- und Fraktionsvorsitzenden Katja Kipping, Bernd Riexinger und Gregor Gysi von der Bezichtigung Göring-Eckardts durch Dağdelen, obgleich sie deren Kritik in der Sache für „legitim“ hielten. Dağdelen erklärte daraufhin ihre Verwunderung über die Partei- und Fraktionsspitze, da Heiner Geißler 1983 dasselbe Zitat benutzt habe, was folgenlos geblieben sei. Der Tagesspiegel titelte dazu: Keine Einsicht nach Entgleisung trotz des ungewöhnlichen Vorgangs einer Rüge durch die Parteivorsitzenden.

2017 forderte sie die Bundesregierung auf, wegen Sanktionsdrohungen dreier US-Senatoren gegen eine am Bau der Pipeline Nordstream 2 beteiligte deutsche Firma in Sassnitz den Weltsicherheitsrat anzurufen. Diese Drohungen seien „ein unverhohlener Akt der Aggression, der sich letztlich gegen die Bevölkerung in der Stadt Sassnitz und in Mecklenburg-Vorpommern richtet“. Es gehe den USA darum, eigenes Frackinggas zu verkaufen „und die Frontstellung zu Russland zu verschärfen“.

2020 bezweifelte sie in einer Fernsehdiskussion, dass Alexei Nawalny von einem russischen Geheimdienst vergiftet worden sei und warf in einer Rede Angela Merkel eine Eskalationspolitik vor. Auch westliche Geheimdienste hätten möglicherweise Zugang zum verwendeten Nervengift Nowitschok, man solle nicht spekulieren.

Russischer Überfall auf die Ukraine 2022 Noch im Februar 2022 bestritt Dağdelen nach dem Truppenaufmarsch an den ukrainischen Grenzen den Ernst der Hinweise westlicher Geheimdienste auf den kurz bevorstehenden russischen Überfall auf die Ukraine 2022. Am 13. Februar äußerte sie in einem Interview, es finde ein „Informationskrieg“ statt; die „Lügengeschichten“ der USA erinnerten sie an die Situation 2003, als die USA den „mörderischen Irak-Krieg“ initiierten. Am 18. Februar 2022 trat Dağdelen bei einer Demonstration mit dem Motto „Sicherheit für Russland ist Sicherheit für unser Land“ in Berlin auf, wo sie den deutschen Medien vorwarf, die „Lügenmärchen des US-Geheimdienstes“ zu verbreiten. Der Truppenaufmarsch diene dazu, eine ukrainische Rückeroberung des Donbas oder der Krim zu verhindern. Wer solle denn den „Blödsinn glauben“, dass ein russischer Angriff bevorstehe, die USA betrieben „Kriegstreiberei“. Nicht Putin sei schuld an der Eskalation, sondern die Ukraine und die NATO.

Nach dem russischen Überfall gehörte Dağdelen zu den Mitunterzeichnern einer Erklärung, welche den Vereinigten Staaten eine maßgebliche Verantwortung für den russischen Angriff zuschreibt. Der außenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der Linken Gregor Gysi zeigte sich angesichts des Briefs entsetzt über die „völlige Emotionslosigkeit hinsichtlich des Angriffskrieges, der Toten, der Verletzten und dem Leid“ und warf den unterschreibenden Parteifreunden vor, nur daran interessiert zu sein, ihre alte Ideologie, die allein darin bestünde den USA oder der Bundesregierung die Schuld zuzuweisen, in jeder Hinsicht zu retten. Der Ukraine werde durch die Ablehnung von Waffenlieferungen faktisch das Recht zur Selbstverteidigung abgesprochen. Dağdelen warf Gysi daraufhin Rufmord vor und dass es diesem darum gehe, ein „gigantisches Aufrüstungsprogramm“ durchzubringen. Sie spricht sich generell gegen Waffenlieferungen an die Ukraine aus, diese würden zu einer Eskalation und einer möglichen Kriegsbeteiligung Deutschlands führen. Auch Sanktionen seien abzulehnen und hätten keinen Einfluss auf Putin, das Ende der Pipeline Nordstream 2 würde nur Deutschland schaden.