mini|Ansicht von Süden Das Landhaus Schenk, auch bekannt als Villa Schenk, ist eine Villa des deutschen Architekten Martin Dülfer, die in den Jahren 1905–1906 im Freiburger Osten für den Fabrikanten Wilhelm Schenk errichtet wurde. Sie zählt zu den letzten ausgeführten Villenentwürfen Dülfers und ist ein bedeutendes Beispiel für dessen architektonische Handschrift im Übergang vom Späthistorismus zum Jugendstil. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und beheimatet heute den Kindergarten St. Carolus der Pfarrgemeinde Hl. Dreifaltigkeit.

Bauherr, Architekt, Baugeschichte und Nutzung Auftraggeber der heute in der Schwarzwaldstraße 90a., vormals 27/78/96,Zugleich Hansjakobstraße 7a; Dieter Klein: Martin Dülfer. Wegbereiter der deutschen Jugendstilarchitektur (= Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Bd. 8), München 1981, S. 120; Max Creutz: Martin Dülfer (= Architektur des XX. Jahrhunderts, 4. Sonderheft), Berlin 1910, S. 29; Joanna Flawia Figiel: Jugendstil in Freiburg, Freiburg i.Br. 1999, S. 325. gelegenen Villa war der Freiburger Fabrikant Wilhelm Schenk, Inhaber der in unmittelbarer Nähe gelegenen Nährmittelfabrik Muffler & Comp. in der Schwarzwaldstraße 80. Die Wahl des Grundstücks im damals noch peripher gelegenen Teil der Stadt stand wohl in direktem Zusammenhang mit der Nähe zum Fabrikstandort. Das Landhaus wurde in eine weitläufige Gartenanlage eingebettet, deren Grundstruktur trotz späterer Eingriffe in gewissen Teilen bis heute erhalten ist.Dieter Klein: Martin Dülfer. Wegbereiter der deutschen Jugendstilarchitektur (= Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Bd. 8), München 1981, S. 120; auch Joanna Flawia Figiel: Gesamtkunstwerke des Jugendstils. Drei Freiburger Beispiele. In: Jugendstil in Freiburg. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung, 2. März–13. Mai 2001 im Augustinermuseum Freiburg, hrsg. v. der Stadt Freiburg u. dem Augustinermuseum in Freiburg, Freiburg i.Br. 2001, S. 79–92, hier: S. 87. mini|„Moderne Bauformen - Monatshefte für Architektur“ (1907) Als Architekten wählte Schenk den aus Breslau stammenden Titularprofessor Martin Dülfer (1859–1942), der seit den 1890er-Jahren in München lebte. Dülfer zählt zu den frühen Vertretern des Jugendstils in Deutschland. Seine Villa Bechtolsheim (1896–1898) gilt als eines der ersten Jugendstilbauten in Deutschland. Bekannt wurde er vor allem als Theaterarchitekt. Zu seinen bedeutendsten Bauten zählen das Stadttheater in Meran (1899–1900) und das Theater in Dortmund (1903–1904). In Freiburg trat Dülfer erstmals 1901 mit einem Wettbewerbsbeitrag für das dortige Stadttheater öffentlich in Erscheinung, konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Das Landhaus Schenk blieb sein einzig realisiertes Bauwerk in der Stadt und gehört zu den letzten von ihm ausgeführten Villenentwürfen.Zu seiner Biographie Dieter Klein: Martin Dülfer. Wegbereiter der deutschen Jugendstilarchitektur (= Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Bd. 8), München 1981; zusammenfassend Joanna Flawia Figiel: Gesamtkunstwerke des Jugendstils. Drei Freiburger Beispiele. In: Jugendstil in Freiburg. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung, 2. März–13. Mai 2001 im Augustinermuseum Freiburg, hrsg. v. der Stadt Freiburg u. dem Augustinermuseum in Freiburg, Freiburg i.Br. 2001, S. 79–92, hier: S. 87f.

Die Bauarbeiten an dem Gebäude begannen 1905 und dauerten bis 1906 an. Die Baukosten beliefen sich hierbei auf 65.000 Mark.Hermann Muthesius (Hrsg.): Landhaus und Garten. Beispiele neuzeitlicher Landhäuser nebst Grundrissen, Innenräumen und Gärten, 2., umgearb. und verm. Aufl., München 1910, S. 37. Das Landhaus Schenk vereint typische Merkmale des Jugendstils, wie geschwungene Linien und eine dekorative Fassade, mit klassizistischen Elementen, die den Übergang zur Reformarchitektur markieren. Es ist ein Beispiel für Martin Dülfers integrativen Ansatz, bei dem Architektur, Innenausstattung und Garten als gesamtheitliches Konzept behandelt wurden. Dülfer verband regionale Stilelemente mit modernen Jugendstilmotiven und schuf so ein harmonisches Gesamtkunstwerk.Joanna Flawia Figiel: Gesamtkunstwerke des Jugendstils. Drei Freiburger Beispiele. In: Jugendstil in Freiburg. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung, 2. März–13. Mai 2001 im Augustinermuseum Freiburg, hrsg. v. der Stadt Freiburg u. dem Augustinermuseum in Freiburg, Freiburg i.Br. 2001, S. 79–92, hier: S. 87.

Das Landhaus durchlief im 20. Jahrhundert mehrere Nutzungsphasen. Bereits zu Lebzeiten Wilhelm Schenks wurde das ursprünglich für einen „großen Haushalt“ konzipierte Gebäude im Inneren an veränderte Bedürfnisse angepasst.Dieter Klein: Martin Dülfer. Wegbereiter der deutschen Jugendstilarchitektur (= Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Bd. 8), München 1981, S. 120. In den 1920er Jahren erwarb Pfarrer Karl Hausch von der Pfarrgemeinde Maria Hilf das Anwesen, um dort einen Kindergarten einzurichten. Im Mai 1928 übernahmen auf seine Einladung hin die Franziskanerinnen von Erlenbad die Leitung des Kindergartens und richteten zusätzlich eine Nähschule sowie Räume für die Krankenpflege ein. Der im Anwesen wohnende Caritasdirektor Prälat Alois Eckert beging in einem Raum des Gebäudes regelmäßig Eucharistiefeiern für eine kleine Altargemeinde, bestehend aus Bewohnern des zur Pfarrei Maria Hilf gehörenden Neubaugebiets. Aufgrund des regen Zulaufs reichte dieser Raum bald nicht mehr aus. 1936 wurde daher an der nordöstlichen Ecke des Gebäudes eine Kapelle angebaut. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Gottesdienstbesucher weiter an, sodass die Kapelle bald erneut zu klein wurde. Im Jahr 1950 wurde schließlich die Pfarrkuratie St. Carolus als Teil der Pfarrgemeinde Maria Hilf gegründet – von Beginn an mit dem Ziel eines Kirchenneubaus. Mit der Weihe der Dreifaltigkeitskirche in der Hansjakobstraße im Jahr 1953 erhielt die Kuratie den Namen „Heiligste Dreifaltigkeit“. Im Jahr 2010 wurde der Kindergarten St. Carolus umfassend renoviert und umgebaut. Der Kapellenraum, in dem bis dahin noch regelmäßig Gottesdienste gefeiert worden waren, wurde dabei in einen Mehrzweckraum für den Kindergarten umgestaltet. Der Altarbereich blieb erhalten, wurde jedoch durch einen Vorhang vom restlichen Raum getrennt.Katholische Kirchen- & Evangelische Pfarrgemeinde Freiburg Ost (Hrsg.): Orte des Glaubens im Freiburger Osten, Freiburg i.Br. 2017, S. 10f., 64f. Das äußere Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Gebäudes ist – abgesehen von der später angebauten Kapelle, die einen Teil des Erdgeschosses verdeckt, sowie einer Kinderrutsche, die den ersten Stock mit dem Garten verbindet – weitgehend im ursprünglichen Zustand erhalten. Auch ein kleinerer Teil der immobilen Innenausstattung hat sich bewahrt.Dieter Klein: Martin Dülfer. Wegbereiter der deutschen Jugendstilarchitektur (= Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Bd. 8), München 1981, S. 120; Joanna Flawia Figiel: Gesamtkunstwerke des Jugendstils. Drei Freiburger Beispiele. In: Jugendstil in Freiburg. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung, 2. März–13. Mai 2001 im Augustinermuseum Freiburg, hrsg. v. der Stadt Freiburg u. dem Augustinermuseum in Freiburg, Freiburg i.Br. 2001, S. 79–92, hier S. 87, 89.

Gebäudearchitektur

Außengestaltung Dülfer griff bei der Gestaltung des Gebäudes auf ein bereits erprobtes Repertoire an Jugendstilelementen zurück, das er in früheren Villenbauten entwickelt hatte.Joanna Flawia Figiel: Gesamtkunstwerke des Jugendstils. Drei Freiburger Beispiele. In: Jugendstil in Freiburg. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung, 2. März–13. Mai 2001 im Augustinermuseum Freiburg, hrsg. v. der Stadt Freiburg u. dem Augustinermuseum in Freiburg, Freiburg i.Br. 2001, S. 79–92, hier: S. 88. Die äußere Erscheinung der Villa Schenk ist durch eine asymmetrische Bauweise und einen reich gegliederten Grundriss geprägt. Die vier Hauptfassaden sind jeweils unterschiedlich gestaltet und zeichnen sich durch ein Zusammenspiel von Vor- und Rücksprüngen, Loggien, Erkern und Veranden aus. Typisch für Dülfer ist der großzügige Ausbau des Dachbereichs mit weit auskragenden, tief gezogenen Dächern und baukörperhaften Ausbuchtungen. Anleihen an die regionale Bautradition der Schwarzwaldhäuser zeigen sich auch in der Verwendung von Holzschindeln und dem Vorkragen der oberen Geschosse. Dülfer integrierte regionale Elemente stets selektiv, frei und gestalterisch modifiziert – wie auch in seinen anderen Villenprojekten. So griff er beispielsweise bei der Villa Albert Schmitt, der Villa Stützel und der Villa KalbZu diesen Villen vgl. Dieter Klein: Martin Dülfer. Wegbereiter der deutschen Jugendstilarchitektur (= Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Bd. 8), München 1981, S. 107–9, 111f. auf barocke, alpenländische Stilmittel zurück, während bei der Villa Curry (neben amerikanischen Landhausdetails) oberbayerischer Bauernhäuser einbrachte.Dieter Klein: Martin Dülfer. Wegbereiter der deutschen Jugendstilarchitektur (= Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Bd. 8), München 1981, S. 120, zur; Joanna Flawia Figiel: Gesamtkunstwerke des Jugendstils. Drei Freiburger Beispiele. In: Jugendstil in Freiburg. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung, 2. März–13. Mai 2001 im Augustinermuseum Freiburg, hrsg. v. der Stadt Freiburg u. dem Augustinermuseum in Freiburg, Freiburg i.Br. 2001, S. 79–92, hier: S. 87f.

Der asymmetrische Aufbau des Gebäudes ergibt sich im Wesentlichen aus dem unregelmäßigen GrundrissGrundriss des Hauses häufig abgedruckt, so in Moderne Bauformen. Monatshefte für Architektur und Raumkunst (MBF), Jg. 6 (1907), S. 400. und führt zu vier sehr unterschiedlich gestalteten Schaufassaden. An der Nordfassade treten drei voneinander abweichende Loggientypen in Erscheinung: Auf der linken Seite ist eine Seitenöffnung der Ostloggia erkennbar, während sich auf der rechten Seite zwei übereinanderliegende Loggien befinden – eine Küchenloggia im Erdgeschoss und darüber eine kleinere, ursprünglich dem Töchterzimmer zugehörige Loggia. Im Zentrum der Fassade lockert ein großes, fünfteiliges Atelierfenster die Fläche auf. Die Westfassade zeigt ein komplexes Spiel aus vorspringenden und zurückgesetzten Baukörpern. Dominant tritt ein Querhaus hervor, aus dem wiederum ein Windfangvorbau ausgegliedert ist. Während auf der linken Seite des Querhauses das Dach tief herabgezogen ist – wodurch im Erdgeschoss lediglich die Öffnung der Küchenloggia sichtbar bleibt – ist das Dach auf der rechten Seite weit nach oben ausgeschnitten, was zu einer überraschenden Fassadenwirkung führt. Eine kleine, links im Giebel platzierte Loggia verstärkt den unkonventionellen Charakter dieses Fassadenabschnitts.Joanna Flawia Figiel: Gesamtkunstwerke des Jugendstils. Drei Freiburger Beispiele. In: Jugendstil in Freiburg. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung, 2. März–13. Mai 2001 im Augustinermuseum Freiburg, hrsg. v. der Stadt Freiburg u. dem Augustinermuseum in Freiburg, Freiburg i.Br. 2001, S. 79–92, hier: S. 88.