Ida Berger (* 25. Juli 1910 in Berlin – 1987 in Frankreich)Das Todesjahr wurde einem Eintrag in den France Archives im Zusammenhang mit ihrem zweiten Ehemann, Konstantin Rodzevitch, entnommen. Dort ist allerdings – im Widerspruch zu anderen Dokumenten in den France Archives – das falsche Geburtsjahr 1906 angegeben war eine französische Soziologin. Sie studierte zunächst an der Goethe-Universität Frankfurt, flüchtete 1933 nach der Machtübernahme der Nazis aus Deutschland und setzte ihr Studium an der Sorbonne in Paris fort, wo sie um 1935 auch promoviert wurde. Während sie in Deutschland allenfalls durch ihre 1970 erschienene und mit einem Vorwort von Wolfgang Abendroth versehene vergleichende Studie über die „Studenten diesseits und jenseits des Rheins“ einer größeren Leserschaft bekannt wurde, sind von ihr in Frankreich zahlreiche soziologische Studien erschienen, von denen ein Großteil Schul- und Bildungsfragen zum Gegenstand hat. Ida Berger ist auch unter den Namen Ida Berger-Chevant und Ida Rodzevitch bekannt, ihre Publikationen erschienen aber durchweg unter dem Namen Berger.

Leben Die knappen biografischen Angaben über Ida Berger auf der IdRef-Webseite (siehe Weblinks) sind die nahezu einzigen offiziellen Daten über sie.

Das nachfolgende dortige Publikationsverzeichnis legt nahe, dass diese Angaben dem Stand von 1979 oder kurz danach entsprechen.

Eine weitere Erwähnung von Ida Berger findet sich bei Marion Keller. Sie beschreibt eine Fotografie von Gisèle Freund, auf dem diese Mitglieder der Frankfurter Roten Studentengruppe (RSG) bei der 1.-Mai-Demonstration 1931 abgelichtet hat.

Zu dieser Verortung im Umfeld der deutlich links orientierten RSG passt der Eintrag im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (DNB), dass „Ida Berger [..] Deutschland 1933 aus politischen Gründen [verließ] und [..] ihre Studien 1935 an der Sorbonne [beendete] “Katalog der DNB: Berger, Ida, und ebenso das Thema ihrer Dissertation über die „Beschreibung des Proletariats im naturalistischen deutschen Roman“. Ein Exemplar dieser Dissertation befindet sich im Bestand der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt, befand sich aber laut einem Stempel auf der ersten Buchseite ursprünglich im Bestand des Instituts für Sozialforschung (IfS). Dort befindet sich auch eine handschriftliche Widmung von Ida Berger, die ein wenig Auskunft darüber gibt, bei wem sie studiert hat.

Gemeint waren Paul Honigsheim und Max Horkheimer, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von Bergers Dissertation ebenfalls bereits emigriert waren. Dass Berger Horkheimer durch ihre Frankfurter Studienzeit kannte, ist naheliegend. Ob sie aber Honigsheim, der vor seiner Flucht im Jahre 1933 in Köln lehrte, noch aus Deutschland kannte, ist unklar. Mehr spricht dafür, dass sie, die ja aus Berlin nach Frankfurt gekommen war, ihn als Leiter des Centre de Documentation an der école normale supérieure kennenlernte, der Pariser IfS-Dependance.

Zu Horkheimer nahm Berger am 16. Dezember 1937 brieflich Kontakt auf. Aus dem Schreiben geht hervor, dass sie Horkheimer nicht allzu lange vorher in Paris getroffen hatte, in Kontakt stand zu Célestin Bouglé und inzwischen mit einem aus Vals-le-Chastel stammenden Mann verheiratet war und den Namen Berger-Chevant führte. Über diesen Ort Vals-le-Chastel hatte sie eine empirische Studie verfasst, deren Zusammenfassung sie unter dem Titel La Morphologie Sociale d'un Village de la Montagne (Die soziale Struktur eines Bergdorfs) Horkheimer für eine Veröffentlichung in der Zeitschrift für Sozialforschung vorschlug. Am 30. Dezember 1937 lehnte dies Horkheimer allerdings mit dem Verweis auf allzu viel Material für die Zeitschrift ab.Der Briefwechsel und das Manuskript befinden sich als Digitalisate im Nachlass von Max Horkheimer im Archiv der Universitätsbibliothek Frankfurt: Na 1 Nachlass Max Horkheimer, 4 - Korrespondenzen 1937–1939

In der Liste von Ida Bergers Veröffentlichungen fällt auf, dass nach ihrer 1935 veröffentlichten Dissertation erst 1957 wieder eine Veröffentlichung von ihr folgte. Auf die Jahre dazwischen gibt es nur vage Hinweise. Bei Gottfried Hamacher et al. finden sich nur die unbelegten Hinweise „Résistance, CALPO“.Gottfried Hamacher unter Mitarbeit von André Lohmar, Herbert Mayer, Günter Wehner und Harald Wittstock: Gegen Hitler. Deutsche in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung »Freies Deutschland« Kurzbiografien, Reihe Manuskripte der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Band 53, Dietz, Berlin 2005, ISBN 3-320-02941-X, S. 29 Weiterhelfen könnten hier die Archives nationales, in deren Beständen sich mehrfach Hinweise auf Ida Berger finden und auf eine Überwachung durch die französischen Sicherheitsbehörden zwischen 1937 und 1945 hindeuten.Dieser Aktenbestand ist auch deshalb interessant, weil er laut France Archives ein von den Deutschen geraubt und nach Deutschland verbracht wurde. Dort fiel er der Roten Armee in die Hände kam nach Moskau, wo sie fast 50 Jahre lang verblieben. Erst zwischen 1994 und 2001 wurde der Bestand an Frankreich zurückgegeben und wird seitdem in den Nationalarchiven aufbewahrt. (sogenannter fonds de Moscou/Moskauer Bestand) Von besonderem Interesse ist in dem Zusammenhang ihr Dossier individuel de personnel (siehe Weblinks), in dem sie für den Zeitraum 1939 bis 1945 als internierte Widerstandskämpferin bezeichnet wird. Damit könnte auch die von Hamacher et al. erwähnte Mitarbeit im CALPO, dem Comité Allemagne libre pour l’Ouest ihre Berechtigung haben, zumal sie noch 1951 in der früheren Exilantenzeitschrift Europe publizierte.Siehe hierzu ihren Artikel Paul COLIN: Les jeux sauvage. In: Europe 29 (1951), S. 132–133, über den Schriftsteller Paul Colin.

Der eingangs schon erwähnte Name Rodzevitch hängt zusammen mit ihrer zweiten Ehe mit dem russischen Emigranten Konstantin Rodzevich (1895–1987), einem Übersetzer, Maler und Bildhauer. Wann die Ehe zwischen den beiden geschlossen wurde und wie lange sie bestand, ist nicht bekannt. Bekannt ist nur, dass eine frühere Ehe des ehemaligen Teilnehmers am Spanischen Bürgerkrieg und Kämpfers in den Reihen der Résistance 1943 geschieden wurde.Siehe hierzu den Weblink Konstantin Rodzevitch (1895-1987) Im gleichen Jahr wurde er von den deutschen Besatzungsbehörden verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiertAuf der Webseite CNRD BARBUSSE 2012 sind zwei Werke von Rodzevitch abgebildet, die in Erinnerung an seine Leidenszeit im Konzentrationslager entstanden sind. Sie stammen aus dem Musée de la Résistance nationale in Champigny-sur-Marne., aus dem er 1945 befreit wurde und nach Frankreich zurückkehrte.Es ist nicht schwer, im Internet Material über Konstantin Rodzevich zu finden, doch ist das fast ausnahmslos auf Russisch verfasst. In der russischen Wikipedia gibt es einen ausführlichen Artikel über ihn (:ru:Родзевич, Константин Болеславович), der sich inhaltlich mit vielen anderen Artikeln deckt (zum Beispiel: Константин Родзевич). Seine Ehe mit Ida Berger wird in diesen Quellen nicht erwähnt, dafür aber seine leidenschaftliche Liebesbeziehung zu Marina Iwanowna Zwetajewa. Rodzevich war auch eng befreundet mit deren Ehemann Sergei Jakowlewitsch Efron. Einige biografische Hinweise über Rodzevich vor dem Hintergrund seiner Beziehung zu Marina Zwetajewa finden sich auch auf der französischsprachigen Webseite: « au matin, en cette heure merveilleuse et lucide » (Marina Tsvetaeva) und auf der spanischsprachigen Seite Y por una vez Tsvietáieva fue una poeta feliz der Zeitung El Mundo. Der Artikel enthält auch ein Foto, auf dem unter anderem Marina Zwetajewa, Sergei Efron und Konstantin Rodzevich zu sehen sind. Während des Spanischen Bürgerkriegs und in der Résistance hatte Rodzevich den Namen Louis Cordé geführt. Unter diesem Namen hat ihm Ida Berger ihr Buch über die Studenten diesseits und jenseits des Rheins gewidmet.

Die mit dem Jahr 1957 einsetzenden Publikationen von Ida Berger, die vermutlich ihre berufliche Karriere an dem schon erwähnten Centre National de la Recherche Scientifique beendete, weisen durchweg einen bildungssoziologischen Bezug auf. Die Rezeption beschränkt sich aber fast ausschließlich auf den französischsprachigen Raum. Eine Ausnahme bildet die Studie über die Studenten beiderseits des Rheins, und im WorldCat ist auch eine italienischsprachige Ausgabe des Buches Soziale Aspekte der Erziehung verzeichnet.Trattato delle scienze pedagogiche. 6, Aspetti sociali dell'educazione, Armando, Roma 1985

1969 erschien in Buenos Aires ein Buch von Rudi Dutschke in spanischer Sprache: El estudiantado antiautoritario (Die antiautoritären Studenten). Laut dem Eintrag im WorlCat enthielt es ein Vorwort von Ida Berger: Los estudiantes alemanes: una vanguardia aislada?.Rudi Dutschke: El estudiantado antiautoritario, Ediciones del Siglo, Buenos Aires 1969 Unter dem Titel Une avant-garde isolée. Les étudiants allemands ist dieser Buchbeitrag auch als Einzeltitel im WorlCat gelistet.Ida Berger: Une avant-garde isolée. Les étudiants allemands, 1969 Sein eigentlicher Erscheinungsort war im Mai 1969 die französische Zeitschrift "Esprit".Esprit, Nouvelle série, No. 381 (5) (MAI 1969), S. 790–805

Gastprofessuren führten Ida Berger im Sommer 1967 nach Marburg und 1969 nach Hamburg.Deutsche Nationalbibliothek: Ida Berger In der Einleitung zu Werden sie Durchhalten? schreibt sie:

Zum Zeitpunkt der Abfassung des Buches, in dem sie für ein enges Miteinander von Arbeitern und Akademikern plädierte und für etwas, was Dutschke als Marsch durch die Institutionen propagiert hatte, lehrte sie an der damaligen Experimental-Universität Vincennes.Ida Berger: Werden sie durchhalten?, S. 165

Werke Die Übersetzungen in der nachfolgenden Tabelle dienen nur der Information. Tatsächlich auf Deutsch ist nur das Buch Werden sie durchhalten? Soziologische Studie über Studenten beiderseits des Rheins erschienen.