mini|hochkant|Sophiental während der Braunschweigischen General-Landvermessung, 1767 mini|hochkant|Reste des Schlossgrabens mit Blick auf die 1816 neu erbaute Revierförsterei mini|hochkant|Reste des Wassergrabens im Südosten der ehemaligen Schlossanlage
Das Schloss Sophiental war ein Lustschlösschen im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Es wurde auf Wunsch der Herzogin Elisabeth Sophie Marie (1683–1767), der dritten Gemahlin des Herzogs August Wilhelm (1662–1731), errichtet und auch von ihr genutzt. Die landesherrschaftlichen Häuser der Gesamtanlage lagen nordwestlich von Braunschweig am südlichen Rand der Wendeburger Holzmark in unmittelbarer Nähe zur Landesgrenze des Hochstifts Hildesheim. Das Schloss und auch die Nebengebäude hatten nur kurze Zeit Bestand.J.G.H. Hassel, K.F. Bege: Geographisch-statistische Beschreibung der Fürstenthümer Wolfenbüttel und Blankenburg. Culemann, Braunschweig 1802, Bd. 1, Fürstenau und Sophienthal auf S. 480 f; als Digitalisat auf Google-books, abgerufen am 30. Januar 2024 Gezeichnete Gebäudeansichten sind nicht vorhanden.
Beschreibung der Schlossanlage Das Schlösschen war Teil eines sehr weitläufig angelegten, sich in nordöstliche Richtung erstreckenden Schlosskomplexes mit gestauchtem achteckigem Grundriss. Das zentral gelegene einstöckige Schloss mit breitem Mittelrisalit und kurzen Seitenflügeln war auf der einen Seite von einem Kavaliershaus und einem Pferdestall flankiert. Auf der gegenüberliegenden Seite befand sich eine Meierei und ganz in der Nähe davon etwas weiter ostwärts ein Küchengebäude.Simon Paulus, Elmar Arnhold: Die Lustschlösser Fürstenau und Sophiental. In: Hermann Korb und seine Zeit: 1656–1735, Appelhans, Braunschweig 2006, S. 99f und 121. Diese herrschaftlichen Häuser waren über einen Damm auf direktem Weg mit dem Schloss Fürstenau verbunden.NLA - Abteilung Wolfenbüttel, K, 3270: Plan von denen fürstl. Gütern Fürstenau und Sophiental [Feldriß] Zeichnung, farbig aufgenommen von G. C. Geitel, 1767. Zu der barocken Gartenanlage gehörte ein eingefriedeter Tierpark, ein Schneckenberg mit aufgesetztem Pavillon, eine Eremitage und eine Muschelgrotte.Rudolf Paes: Hasel-Hof, Fürstenau, Sophiental 1724–1974. Bodenstedt 1974, S. 20 f. Die ganze Anlage war von einem Wassergraben umgeben. Sämtliche Gebäude waren in Fachwerkbauweise errichtet und mit Schieferplatten behängt worden.
Baugeschichte Herzog August Wilhelm hatte seiner Ehefrau bereits 1724 ein Gebiet in der Wendeburger Holzmark durch einen Lehnbrief übertragen.Hannelore Wiese: Sophiental Geschichten aus der alten Zeit. Print Service Wehmeyer GmbH, Braunschweig 2023, S. 14. Ab 1747 ließ die Herzoginwitwe Elisabeth Sophie Marie hier zwischen zwei kleineren Häusern, die sie schon in den 1720er Jahren hatte anlegen lassen, noch ein größeres freistehendes Quergebäude, das eigentliche Schlossgebäude, errichten.NLA - Abteilung Wolfenbüttel, 4 Alt 6, Nr. 1985: Verbesserungen der herrschaftlichen Gebäude und des Gartens zu Sophiental, 1745 - 1752.Hannelore Wiese: Sophiental Geschichten aus der alten Zeit. Print Service Wehmeyer GmbH, Braunschweig 2023, S. 22 f. Wann an Ort und Stelle die Arbeiten zu der barocken Gartenanlage begonnen haben, ist nicht festgehalten.Paul Jonas Meier: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Braunschweig mit Ausschluß der Stadt Braunschweig. Bd. 2, Verlag J. Zwissler, Wolfenbüttel 1900, S. 294.
Nutzung Im hohen Alter musste die Herzoginwitwe, wenn sie vom „Grauen Hof“ in Braunschweig nach Sophiental wollte, in einer Sänfte getragen werden, weil sie das Fahren nicht mehr vertrug. Urban Brückmann, braunschweigisch herzoglicher Leibarzt, notierte in seinem Tagebuch, dass Sophiental in einer einsamen nicht gerade fruchtbaren Gegend liegt, „doch war der Aufenthalt daselbst, wenn der Hof da war, sehr angenehm“.NLA - Abteilung Wolfenbüttel, VI Hs 5, Nr. 21 Bd. 1, S. 88: Aufzeichnungen des Leibarztes und Kanonikus Dr. med. Urban Friedrich Benedikt Brückmann in Braunschweig...
1742 hatte sie dem regierenden Herzog Karl I. die Güter Vechelde, Fürstenau und Sophiental einschließlich sämtlicher Pertinentien (Zubehör zum Grundbesitz) überlassen. Dies geschah jedoch unter dem Vorbehalt der für sie lebenslangen freien Nutzung.NLA - Abteilung Wolfenbüttel, 1 Alt 22, Nr. 753 a und b: Die von der Frau Herzogin Elisabeth Sophie Marie geschehene Überlassung der 3 fürstl. Güter Vechelde, Fürstenau und Sophienthal an Herzog Karl I., Aug. 1742... In der Hoffnung, dass die Anlage in Sophiental nach ihrem Tod weiterhin genutzt wird, hatte sie die Schlossanlage an Philippine Charlotte, die Gemahlin von Karl I., vermacht. Freimütig bekannte sie jedoch nach dem Tod von Elisabeth Sophie Marie, dass sie den Wert dieser Anlage in Geld gemünzt vorziehen würde.NLA - Abteilung Wolfenbüttel, 3 Urk, 2 Nr. 121, 1767: Herzog Karl I. zu Braunschweig-Lüneburg verschreibt seiner Gemahlin Herzogin Philippine Charlotte... Dies veranlasste Karl I., eine grundlegende Änderung der Nutzung vorzunehmen. Er entschied, das Schloss und das Kavaliershaus vollständig und die Meierei teilweise abzubrechen. Noch brauchbare Materialien wurden versteigert.Braunschweigische Anzeigen, 17. Dezember 1768: Auctiones in Sophienthal als Digitalisat auf LeoPARD der TU Braunschweig, abgerufen am 30. Januar 2024 Das Küchengebäude wurde zu einer Revierförsterwohnung umgebaut und der Pferdestall nach Fürstenau versetzt. 1769 war die Umnutzung abgeschlossen.
Literatur [Th. Freytag], [K. Lühr]: Festschrift zur Feier des 200jährigen Bestehens der Dörfer Sophiental und Fürstenau, 1724–1924. Druck E. Rommel & Co., Braunschweig 1924, 14 S. Rudolf Paes: Hasel-Hof, Fürstenau, Sophiental 1724–1974. Bodenstedt 1974, 117 S. Hannelore Wiese: Sophiental Geschichten aus der alten Zeit. Print Service Wehmeyer GmbH, Braunschweig 2023, 126 S.
Einzelnachweise
Sophiental Sophiental Kategorie:Bauwerk in Wendeburg Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Niedersachsen Kategorie:Erbaut im 18. Jahrhundert Kategorie:Zerstört im 18. Jahrhundert Kategorie:Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel Sophiental