Seit dem Aufkommen des Cyberpunk-Genres haben sich eine Reihe von Cyberpunk-Ableger-Genres als eigenständige Subgenres in der Phantastik, insbesondere in der Science Fiction, etabliert. Diese Derivate müssen nicht unbedingt das digital und mechanisch ausgerichtete Setting des Cyberpunk teilen, sondern können auch andere futuristische oder sogar Retrofuturismus-Qualitäten aufweisen, die dem Cyberpunk entnommen sind oder ihm ähneln: eine Welt, die auf einer bestimmten Technologie aufbaut, die auf ein hochentwickeltes Niveau extrapoliert wird (dies kann sogar eine phantastische oder anachronistische Technologie sein, ähnlich wie beim Retrofuturismus), ein düsterer transreal urbaner Stil oder ein besonderer Ansatz für soziale Themen.

Steampunk, eines der bekanntesten dieser Subgenres, wurde als „eine Art technologischer Fantasy“ definiert; andere Genres in dieser Kategorie enthalten manchmal auch Aspekte der Science Fantasy und Historical Fantasy.

Hintergrund Der amerikanische Autor Bruce Bethke prägte den Begriff Cyberpunk in seiner gleichnamigen Kurzgeschichte aus dem Jahr 1983 und verwendete ihn als Bezeichnung für eine Generation von „Punk“-Jugendlichen, die sich von den Wahrnehmungen des Informationszeitalters inspirieren ließen. Der Begriff wurde schnell als Bezeichnung für die Werke von William Gibson, Bruce Sterling, John Shirley, Rudy Rucker, Michael Swanwick, Pat Cadigan, Lewis Shiner, Richard Kadrey und anderen übernommen. Der Science-Fiction-Autor Lawrence Person hat in seiner Definition des Postcyberpunks die Merkmale des Cyberpunk zusammengefasst (übersetzt):

Der Cyberpunk-Stil beschreibt die Untergrundseite der digitalen Gesellschaft, die sich in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entwickelte. Die Cyberpunk-Welt ist eine Dystopie, d. h. sie ist die Antithese zu den utopischen Visionen, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts in der Science-Fiction sehr häufig anzutreffen waren, z. B. in der Welt von Star Trek, obwohl sie einige dieser Utopien enthält. Sie wird manchmal allgemein als Cyberpunk-Fantasy oder Cyberfantasy definiert, ein Werk eines Fantasy-Genres, das sich mit dem Internet oder dem Cyberspace beschäftigt. Zu den bekanntesten Vertretern zählen William Gibson mit seinen stilistisch und thematisch höchst innovativen und unverwechselbaren Geschichten und Romanen und Bruce Sterling mit seiner theoretischen Ausarbeitung. Sterling definierte Cyberpunk später als „eine neue Art der Integration“. Die Überschneidung von Welten, die formal getrennt waren: das Reich der Hightech und der modernen Untergrundkultur.

Die Relevanz des Cyberpunk als Genre für die Punk-Subkultur ist umstritten und wird durch das Fehlen einer definierten „Cyberpunk“-Subkultur weiter erschwert. Autor David Brin argumentiert, dass Cyberpunk die Science-Fiction für die Mainstream-Medien und die bildende Kunst im Allgemeinen attraktiver und profitabler machte.

Futuristische Genres Biopunk

mini|Illustration der Welt von Biokrieg, einem der definierendsten Werke des Genres Biopunk. Häufig werden im Biopunk Themen aus dem Bereich der Biotechnologie, wie gentechnische und zellbiologischen Veränderungen (inklusive Erbgutveränderungen bzw. Genome Editing), synthetische Lebensformen, Pandemien oder Epidemie, sowie durch Parasiten, Viren oder andere Organismen bedingte Dystopien. In diesem Science Fiction Genre, das vom Genre Cyberpunk abgeleitet wurde und größtenteils dem Dark Future zugehörig ist, werden oft dunkle Seiten von Biotechnologien mit ihren möglichen Auswirkung auf Betroffene und Gesellschaften thematisiert. Biopunkland, abgerufen am 3. Juni 2021. Biohacker und mächtige unethische Megaunternehmen einer zukünftigen Bioökonomie spielen darin meist eine Rolle.

Biopunk als Begriff wurde erstmals im Roman Ribofunk von Paul Di Filippo erwähnt, der als eins der literarischen Hauptwerke des Subgenres gilt.RIBOFUNK: The Manifesto by Paul Di Filippo (engl) Streettech, abgerufen am 3. Juni 2021. Sfsite, abgerufen am 3. Juni 2021. Weitere Werke des Genres sind Biokrieg (2009) von Paolo Bacigalupi und BIOSTom Shippey: (englisch). von Daniel Suarez (2017). In ersterem hungern große Teile der Weltbevölkerung, die von genetisch veränderten Lebensmitteln von Megakonzernen abhängig sind, mit Ausnahme von Thailand, das noch über viables Saatgut verfügt und sich erfolgreich vor häufigen künstlichen Seuchen schützt.

Postcyberpunk Postcyberpunk umfasst neuere Cyberpunk-Werke, die mit verschiedenen Ansätzen des Genres experimentieren. Oft halten solche Werke an zentralen futuristischen Elementen des Cyberpunk fest – wie menschliche Augmentation, allgegenwärtige Infosphären und andere fortschrittliche Technologie – verzichten aber auf die Annahme einer Dystopie. Wie bei allen Kategorien, die innerhalb der Science Fiction unterschieden werden, sind die Grenzen des Postcyberpunk jedoch wahrscheinlich fließend oder schlecht definiert. Oft werden Gesellschaftsaspekte in den Vordergrund gerückt, wodurch das Genre mehr dem Genre Social Science Fiction zugeordnet werden kann, als Cyberpunk.https://www.brunel.ac.uk/creative-writing/research/entertext/documents/entertext063/ET63JorgensenED.pdf

mini|Typisch für Postcyberpunk-Werke sind Cyberpunk-ähnliche Welten die jedoch etwas zeitgemäßere und neutrale und gar größtenteils positive Zukunftsvisionen darstellen anstatt bloße Dystopien. Man kann argumentieren, dass der Aufstieg der Cyberpunk-Literatur zu einer Zeit stattfand, als der Cyber noch als neu, fremd und mehr oder weniger seltsam für die Durchschnittsperson angesehen wurde. In diesem Sinne ist Post-Cyberpunk im Wesentlichen in Anerkennung der Idee entstanden, dass sich die Menschheit inzwischen an das Konzept des Cyberspace angepasst hat und einige Elemente des Cyberpunk nicht mehr als aus einer fernen Welt stammend betrachtet.

Als neue Autoren und Künstler begannen, mit Cyberpunk-Ideen zu experimentieren, entstanden neue Spielarten der Belletristik, die sich manchmal mit der Kritik an der klassischen Cyberpunk-Literatur auseinandersetzten. 1998 veröffentlichte Lawrence Person im Internetforum Slashdot einen Aufsatz, in dem er die Entstehung des Post-Cyberpunk-Genres erörtert (übersetzt):

Nachdem Cyberpunk in den Augen mancher zunehmend auf eine Formel reduziert wurde, übernahm Postcyberpunk die innovativere Rolle und griff verschiedene Themen im Zusammenhang mit unseren modernen sozioökonomischen Strukturen auf, indem er unter anderem neue zeitgemäße Paradigmen vorschlug und distanziertere, unvoreingenommenere Darstellungen von kybernetischen Gesellschaften hervorbringt.

Person plädiert für die Verwendung des Begriffs „Post-Cyberpunk“ für die von ihm oben beschriebene Art von Science-Fiction. Typische Post-Cyberpunk-Literatur befasst sich mit Themen, die mit einer „Welt beschleunigter technologischer Innovation und ständig zunehmender Komplexität in einer Weise zusammenhängen, die für unser tägliches Leben relevant ist“, während der Schwerpunkt weiterhin auf sozialen Aspekten innerhalb einer Post-Drittes-Industriezeitalter-Gesellschaft liegt, wie z. B. allgegenwärtigen Datensphären und Kybernetische Augmentierung des menschlichen Körpers. Im Gegensatz zum Cyberpunk können seine Werke eine Utopie darstellen oder Elemente beider Extreme zu einer relativ ausgereiften gesellschaftlichen Vision verschmelzen.

Rafael Miranda Huereca (2006) erklärt (übersetzt):

Laut Huereca (2011) kann der Postcyberpunk neben den Themen seines Vorgängergenres auch Elemente des Nanopunk und des Biopunk kombinieren. Einige Postcyberpunk-Settings können verschiedene Arten von Augmentierungen haben, anstatt sich auf eine Art zu konzentrieren, während andere, ähnlich wie der klassische Cyberpunk, sich um eine einzige Art von Technologie wie Prothetik drehen können, wie in Ghost in the Shell. 2007 veröffentlichten die Autoren James Patrick Kelly und John Kessel aus San Francisco Rewired: The Post-Cyberpunk Anthology. Zu den bekanntesten Vertretern des Genres zählen einige Bücher von Greg Eganhttps://www.brunel.ac.uk/creative-writing/research/entertext/documents/entertext063/ET63JorgensenED.pdfhttps://www.nyrsf.com/2013/07/who-owns-cyberpunk-by-james-patrick-kelly.html sowie die Bücher Backup von Cory Doctorow, Nexus von Ramez Naam, Daemon und Darknet von Daniel Suarez und Memories with Maya von Clyde D’Souza.https://bookriot.com/post-cyberpunk-books/

Cyberprep Cyberprep ist ein Begriff mit einer ähnlichen Bedeutung wie Postcyberpunk. Eine Cyberprep-Welt geht davon aus, dass alle technologischen Fortschritte der Cyberpunk-Spekulation stattgefunden haben, aber das Leben ist utopisch und nicht düster und gefährlich.Blankenship, Loyd. (1995) GURPS Cyberpunk: High-Tech Low-Life Rolepaying Sourcebook. Steve Jackson Games. ISBN 1-55634-168-7 Da die Gesellschaft weitgehend freizeitorientiert ist, werden fortgeschrittene Körperverbesserungen für Sport, Vergnügen und Selbstverbesserung eingesetzt.

Das Wort ist ein Amalgam aus der Vorsilbe Cyber-, die sich auf Kybernetik bezieht, und preppy, was die Abgrenzung zu den punkigen Elementen des Cyberpunk widerspiegelt.

Solarpunk

mini|Solarpunk-Utopie mit grünen Städten mit nachhaltigem schnellem ÖV und nahen sauberen Seen Solarpunk ist eine Bewegung, ein Subgenre und eine Alternative zur Cyberpunk-Literatur, die angesichts aktueller Probleme wie Klimawandel und Umweltverschmutzung sowie Bedenken hinsichtlich sozialer Ungleichheit optimistische Zukunftsvisionen fördert. Solarpunk-Literatur entwirft Zukunftsvisionen, die Umweltbelange mit unterschiedlichem Optimismus angehen. Es werden oft innovative infrastrukturelle Ideen den Bedenken über Zukunftsproblemen entgegengestellt.https://www.tor-online.de/magazin/science-fiction/solarpunk-alles-was-du-ueber-das-genre-wissen-musst Es gibt einige Kurzgeschichtensammlungen, das Solarpunk Magazine, sowie Online-Communities etwa auf reddit.https://www.zeit.de/kultur/2025-01/klima-angst-science-fiction-zukunft-dystopie-solarpunkhttps://onlys.ky/solarpunk-humanism-how-we-dream-bigger-than-despair/https://www.canarymedia.com/articles/culture/solarpunk-is-going-mainstream-this-couples-1m-kickstarter-proves-it Zudem wurden in Klimafiktions-Büchern von Kim Stanley Robinson einige Solarpunk-Elemente aufgegriffen.

mini|links|Beispiel für die Ästhetik von Lunarpunk und einige seiner Themen

Lunarpunk Lunarpunk ist ein Subgenre des Solarpunk mit einer düstereren aber ebenfalls utopischen Ästhetik. Es tendiert zur Fantasy und seine Charakteristika umfassen nächtliche Umgebungen – oft mit Biolumineszenz und violetten Farben, Spiritualität oder Okkultismus, grüne Städte, nachhaltige Technologien, und eine introspektivere Seite von Solarpunk Utopien.

Cyber noir

Cyber noir ist eine noir-Geschichte, die in einem Cyberpunk-Setting angesiedelt ist.

Nanopunk

Nanopunk konzentriert sich auf Welten, in denen theoretische Möglichkeiten der Nanotechnologie Realität sind, einschließlich etwa von Nanorobotik, insbesondere Nanobots im menschlichen Körper."Stutter-Stop Flash-Bulb Strange": GMOs and the Aesthetics of Scale in Paolo Bacigalupi's The Windup Girl

Es handelt sich um ein aufstrebendes Subgenre, das im Vergleich zu anderen Ableitungen des Cyberpunks noch wenig verbreitet ist. Das Genre ähnelt dem Biopunk, das sich auf die Nutzung von Biotechnologie, wie Nanobiotechnologie und Biorobotik, und nicht auf Nanotechnologie konzentriert und meist in einer näheren Zukunft spielt oder weniger fortschrittliche Technologien involviert als Nanopunk. Allerdings koexistieren wie im Biopunk Bio-, Nano- und Cyberware oft nebeneinander, im Gegensatz zu klassischen Cyberpunk-Settings, die dazu neigen, sich stark auf mechanische Cyberware zu konzentrieren. Eines der bekanntesten Beispiele für Nanopunk ist die Videospielserie Crysis.https://www.cbr.com/punk-games-bioshock-fallout/ Das Buch Chasm City kann auch dem Genre zugeordnet werden.https://core.ac.uk/download/pdf/250133131.pdf

Retrofuturistische Genres