Das 369th Infantry Regiment (369th IR) wurde ursprünglich als 15th New York National Guard (15th NYNG) gegründet. Nach seiner Übernahme in den Federal Service wurde es in das 369th IR umbenannt. Das Infanterie-Regiment wurde im Ersten und Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Weit verbreitet war der Spitzname Harlem Hellfighters. Die Einheit bestand überwiegend aus Afroamerikanern. Dazu kamen aber auch Männer aus Puerto Rico, Kuba, Guyana, Liberia, Portugal, Kanada und der Karibik. Die Offiziere waren in der Regel weiß.https://nyheritage.org/collections/15th-new-york-national-guard-enlistment-records Gemeinsam mit dem 370th Infantry Regiment war das 369th eines der ersten afroamerikanischen Regimenter, das im Ersten Weltkrieg mit den American Expeditionary Forces zum Einsatz kam. Es gilt zudem als das erste Regiment, das an einem Gefecht teilnahm.
Nach ihrer Ankunft in Frankreich erhielt das Regiment von seinem Kommandeur Colonel William Hayward den Namen Black Rattlers (deu. Schwarze Klapperschlangen).Harlem's Rattlers and the Great War: The Undaunted 369th Regiment and the African American Quest for Equality Aufgrund ihres mutigen Einsatzes erhielten sie von den französischen Soldaten den Ehrennamen Men of Bronze (frz. Hommes de Bronze, deu. Männer aus Bronze). Der Beiname Hellfighters (deu. Höllenkämpfer) soll laut Überlieferung von den deutschen Gegnern stammen – ein Hinweis auf die Furcht, die das Regiment beim Feind ausgelöst habe. Allerdings existieren keine gesicherten Quellen für diese Bezeichnung. Daher ist es möglich, dass sie von der amerikanischen Presse erfunden wurde. Im Ersten Weltkrieg war das Regiment 191 Tage an vorderster Front im Einsatz – länger als jede andere amerikanische Einheit.https://www.smithsonianmag.com/history/one-hundred-years-ago-harlem-hellfighters-bravely-led-us-wwi-180968977/ Dabei erlitten sie mit 1.500 Gefallenen und Verwundeten auch die höchsten Verluste aller US-Regimenter. Außerdem war das 369th die erste alliierte Einheit, die den Rhein überquerte und damit deutsches Gebiet betrat.
Die Tradition des 369th IR wird heute durch die 42nd Infantry Division Sustainment Brigade fortgeführt.
Vorgeschichte Am 5. Oktober 1917 wurde Emmett Jay Scott zum Sonderbeauftragten des Secretary of War Newton D. Baker ernannt. Scott wurde Berater in Fragen zum Wohlergehen von zehn Millionen Afroamerikanern und ihrer Rolle im Krieg.
Viele Afroamerikaner wollten kämpfen, wurden jedoch vom Militär abgewiesen. Als den USA klar wurde, dass nicht genug Soldaten vorhanden waren, wurde 1917 der Selective Service Act erlassen. Dieser verpflichtete alle Männer zwischen 21 und 30 Jahren zum Wehrdienst – auch Afroamerikaner. Viele meldeten sich in der Hoffnung, durch ihren Dienst Respekt von weißen Amerikanern zu gewinnen.
Das 369th ging aus dem 15th NYNG hervor. Die Nationalgarde wurde unter anderem bei der Niederschlagung der Draft Riots 1863 eingesetzt und im Juni 1864 für 30 Tage in den Federal Service überstellt. In dieser Zeit sicherten sie den Hafen von New York. Nach der Wahl von Charles S. Whitman zum Gouverneur von New York wurde das Regiment neu aufgestellt. Whitman setzte ein Gesetz um, welches durch die Einsätze des 10th Cavalry Regiment in Mexiko angestoßen und am 2. Juni 1913 verabschiedet, aber bislang nicht umgesetzt worden war.
Durch ihren Dienst hofften viele Afroamerikaner Diskriminierung abbauen zu können und sahen darin eine Chance, ihre Würde und Loyalität zu zeigen. Andere wurden mit Versprechungen von Freiheit und Gleichheit zum Dienst bewegt. Auf Initiative des Central Committee of Negro College Men und durch Präsident Wilson wurde ein Ausbildungslager zur Offiziersausbildung für schwarze Regimenter eingerichtet.
Erster Weltkrieg
Aufstellung mini|378x378px|Vier afroamerikanische Soldaten der 15th NYNG (später 369th IR) in Paradeaufstellung, 1917. Am 2. Juni 1913 wurde das 15th NYNG genehmigt. Es war das erste schwarze Regiment der Nationalgarde des Bundesstaates New York. Es wurde jedoch erst am 29. Juni 1916 offiziell aufgestellt. Da zunächst keine Kaserne zur Verfügung stand, fand die Ausbildung in der Lafayette Hall an der Ecke Seventh Avenue und 132nd Street in Harlem statt. Die ersten 200 Soldaten waren ausschließlich Afroamerikaner. Das Regiment bestand zunächst aus drei Bataillonen: Das Erste rekrutierte sich überwiegend aus Manhattan. Das Zweite – auch „Brooklyn Battalion“ genannt – aus Brooklyn und Long Island. Das Dritte aus dem nördlichen New York State.
Nach ihrer Ausbildung im Camp Whitman im Dutchess County wurde das 15th NYNG verschiedenen Sicherungsaufgaben zugewiesen. Die Einheit bewachte unter anderem Aquädukte, Bahnhöfe und andere öffentliche Einrichtungen im Großraum New York um sie vor deutscher Sabotage zu schützen. Eine Kompanie war auf Ellis Island stationiert und bewachte dort internierte Deutsche.
Als die Vereinigten Staaten am 6. April 1917 in den Ersten Weltkrieg eintraten, war das 15th NYNG die erste Einheit der Stadt, welche ihre Sollstärke von über 2.000 Mann erreichte.
Ende September 1917 wurde das Regiment nach Camp Wadsworth in Spartanburg, South Carolina, verlegt. Dort sollte es mit der 27th Infantry Division trainieren. Camp Wadsworth war ähnlich wie die französischen Schlachtfelder angelegt. In Spartanburg traf das Regiment auf offene Ablehnung durch die weiße Bevölkerung. Viele der Soldaten stammten aus dem Norden und waren nicht an die strenge Rassentrennung des Südens gewöhnt. Trotz der Spannungen blieb das Regiment diszipliniert. Ein Zwischenfall ereignete sich, als sich Lieutenant James Reese Europe und Noble Sissle in einem Hotelkiosk eine Zeitung kaufen wollten. Der Besitzer forderte Sissle auf, seinen Hut abzunehmen. Dieser blickte irritiert um sich, da alle anwesenden weißen Offiziere ihre Hüte weiterhin trugen. Noch bevor er etwas erwidern konnte, wurde er vom Hotelbesitzer körperlich angegriffen. mini|links|300x300px|Das 15th NYNG im Camp Whitman, bei Poughkeepsie, New York, 1917.Dies führte im Verlauf dazu, dass sich weiße Soldaten der 27th solidarisierten und den Hotelbesitzer verprügeln wollten. Europe konnte sie davon überzeugen sich zurückzuziehen und dadurch eine Eskalation vermeiden. Es gab weitere Geschäfte, die sich weigerten, den Soldaten des 15th NYNG Waren zu verkaufen. Daraufhin sagten Angehörige der 27th den Ladenbesitzern, dass sie ihre Geschäfte schließen und die Stadt verlassen könnten, wenn sie schwarze Soldaten nicht bedienen wollten. Nach den wiederholten Anfeindungen und einzelnen Übergriffen wurde das 15th NYNG nach weniger als zwei Wochen aus Spartanburg abgezogen und nach Camp Mills auf Long Island verlegt. Dort setzte es seine Ausbildung mit der 42nd Infantry Division fort.
Am 11. November 1917 wurde das 15. Regiment nach Hoboken, New Jersey, verlegt, um von dort aus mit der USS Pocahontas nach Europa ausgeschifft zu werden. Nach mehreren Verzögerungen verließ das Regiment Hoboken am 12. Dezember die USA und traf am 27. Dezember in Brest, Frankreich, ein. Von dort wurden die Soldaten nach Saint-Nazaire weitertransportiert. Saint-Nazaire sollte als wichtiger Hafen für den Nachschub ausgebaut werden. Das Regiment wurde dort für Arbeitsdienste eingesetzt. Es half beim Bau eines Damms, verlegte Eisenbahngleise und errichtete einen neuen Pier. Außerdem unterstützten die Soldaten beim Verladen von Versorgungsgütern auf Schiffe und Züge sowie bei Arbeiten im Hafen. Das 15th NYNG wurde am 1. März 1918 neu organisiert und in 369th IR umbenannt. Es blieb jedoch zunächst im Arbeitsdienst.
Einsatz unter französischem Kommando mini|300x300px|369th in Frankreich mit französischen Adrian-Helmen Aufgrund der fortbestehenden Rassentrennung innerhalb der US-Armee wurde am 8. April 1918 entschieden, das Regiment für die Dauer der amerikanischen Kriegsteilnahme den französischen Streitkräften zu unterstellen. Es wurde der 16. Division der 4. französischen Armee unterstellt. Die Soldaten gaben, bis auf ihre Uniformen, die amerikanische Ausrüstung ab und erhielten französische.
Im August 1918 verfasste der französische Oberst Jean L. A. Linard auf Bitten der amerikanischen Militärführung eine als vertraulich eingestufte Broschüre mit dem Titel Confidentiel – Au sujet des troupes noires américaines (deutsch: Vertraulich – Über die schwarzen amerikanischen Truppen). Sie wurde über offizielle Kanäle an französische Offiziere sowie zivile Behörden in den Kantonen mit stationierten afroamerikanischen US-Soldaten verteilt. Darin heißt es:
mini|300x300px|links|Afroamerikanische Soldaten (und einer ihrer weißen Offiziere) des 369th IR üben den Kampf, den sie bald an der Westfront erleben werden – den Grabenkrieg. Sie tragen französische Helme und verwenden von der französischen Armee ausgegebene Gewehre sowie Ausrüstung. Das Schreiben spiegelte die Haltung der US-Armee wider. Die Broschüre zeichnete ein durchweg abwertendes Bild afroamerikanischer Soldaten. Die französische Regierung distanzierte sich später von dem Inhalt. Als das Innenministerium von der Verteilung des Dokuments erfuhr, ließ es sämtliche Exemplare einziehen und vernichten.W. E. DuBois, B. (1919, April). The crisis: a record of the darker races. The National Association For The Advancement Of Colored People, 16–18.
Das Schreiben hatte keine Auswirkungen auf die Behandlung der Einheit durch die französische Armee. Sie wurde nicht von anderen Einheiten getrennt und war kaum rassistischer Diskriminierung ausgesetzt. Schon vor der Integration des Regiments hatte die französische Armee viele Kolonialtruppen mit nicht-weißen Soldaten aufgestellt, etwa aus Marokko und Senegal. Aufgrund des massiven Personalmangels war für französische Soldaten ethnische Herkunft von geringerer Bedeutung als für amerikanische.
Nach drei Wochen Ausbildung, um sich mit der neuen Ausrüstung und der französischen Taktik vertraut zu machen, bezog das 369th IR am 8. Mai 1918 erstmals die Schützengräben. Der Einsatz dauerte bis zum 3. Juli 1918 an. Danach kehrte das Regiment in die Kämpfe bei der Schlacht an der Marne zurück. Später wurde es der 161. Division unter General Georges Lebouc unterstellt, um an der alliierten Gegenoffensive teilzunehmen. Während eines einzigen Fronteinsatzes war das Regiment 191 Tage ununterbrochen im Einsatz – länger als jede andere Einheit im Ersten Weltkrieg. mini|300x300px|Kolorierte Aufnahme von Soldaten der Harlem Hellfighters in einem Schützengraben in Frankreich während des Ersten Weltkriegs, im Gespräch mit französischen Offizieren. Während ihres Einsatzes in Europa wurden die Soldaten des Regiments mit gezielter feindlicher Propaganda konfrontiert. Darin riefen die Deutschen die Soldaten dazu auf, gegen die USA zu kämpfen – das Land, welches sie jahrzehntelang unterdrückt habe. Die Propaganda erzielte den gegenteiligen Effekt.
Ab dem 25. September 1918 nahm das 369th an der Maas-Argonnen-Offensive teil. Es bewährte sich in schweren Gefechten, erlitt jedoch erhebliche Verluste. Die Einheit nahm das strategisch wichtige Dorf Séchault ein. Zeitweise rückte das Regiment schneller vor als die flankierenden französischen Truppen. Dadurch drohte es abgeschnitten zu werden. Bis zum Rückzug zur Neuaufstellung war es 14 Kilometer tief in feindliches Gebiet vorgestoßen – trotz massiver deutscher Gegenwehr.
Mitte Oktober wurde das Regiment in ein ruhigeres Frontgebiet in den Vogesen verlegt und blieb dort bis zum 11. November 1918 stationiert – dem Tag des Waffenstillstands. Am 26. November 1918 rückte das 369th IR ein letztes Mal vor und erreichte als erste alliierte Einheit das Ufer des Rheins.
Kriegsende