mini|Wolfgang Rinke Wolfgang Rinke (* 15. Mai 1943 in Gelsenkirchen-Buer; † 11. Januar 2025 in Dortmund) war ein deutscher Kunsthistoriker. Sein Forschungsschwerpunkt war neben der deutschen Kunst im Mittelalter die Kulturgeschichte Dortmunder Kirchen in Bezug auf Darstellungen europäischer Kausalitäten.
Leben Ausbildung Wolfgang Rinke wurde in Gelsenkirchen-Buer geboren und wuchs dort zunächst während der Wirren des Zweiten Weltkrieges bei seiner Mutter auf. Seine Mutter war Hausfrau. Sein Vater kehrte gegen Ende des Krieges 1945 nach einem kurzfristigen Fronturlaub nach Russland zurück und wurde schon kurz danach als vermisst gemeldet, ohne dass eine abschließende Todesnachricht folgte. Rinkes Mutter verstarb, als er erst 16 Jahre alt war. Seine Tante übernahm danach seine Erziehung. Rinke absolvierte eine gymnasiale Ausbildung und studierte auf Lehramt katholische Theologie. Im Zweitstudium studierte er Kunstgeschichte bei Rolf Fritz und Hermann Hinkel an der Fakultät 16, Kunst- und Sportwissenschaften, an der TU Dortmund. Er wurde im Jahre 2000 bei Hermann Hinkel und Heide Nixdorf an der Fakultät Kunst der TU Dortmund promoviert über seine Dissertationsschrift „Memoria in Bild“ über den Altar des Weseler Malers Derick Baegert aus den Jahren 1470–1480 in der Propsteikirche Dortmund.
Wirken Rinke lehrte in den Jahren 2000–2004 mehrmals innerhalb von Lehraufträgen am Seminar „Kunstwissenschaft“ der TU Dortmund zu Themen der mittelalterlichen Renaissance, vor allem in Bezug auf neue Erkenntnisse der Darstellung, Identifikation und Zuordnung historischer Persönlichkeiten des europäischen Kontinents.
In seinem Wohnort Dortmund produzierte im Jahre 1986 der Fr.- W. Ruhfus Verlag einen großformatigen Kunstbildband mit dem Titel Dortmunder Kirchen des Mittelalters. Wolfgang Rinke verfasste für dieses Werk die Texte, die sich mit der Erforschung mittelalterlicher Kunstschätze in den Stadtkirchen Dortmunds – St. Reinoldi, St. Marien, St. Petri und der Propsteikirche St. Johannes Baptist – befassten. Das Werk entstand zusammen mit den Dortmunder Fotodesignern Josef H. Neumann und Gerhard P. Müller (Fotografien) und erreichte insgesamt 3 Auflagen.
Redaktionelle Tätigkeiten Rinke schrieb diverse Artikel für die Gesellschaft Grafschaft Mark und für das Stadtarchiv Dortmund.
Forschungsarbeiten mini|Bad Wildungener Altarbild von Conrad von Soest (Ausschnitt) mini|Conrad von Soest, Selbstbildnis (Detailansicht) Rinke war nach sechsmonatiger Forschung überzeugt, dass Conrad von Soest, der Maler des Bad Wildungener Altarbildes, sich möglicherweise selbst in der Darstellung des Pfingstwunders verewigt hat. Conrad von Soest hat sich in der Szene versteckt, in der die Apostel um Maria versammelt sind. Ein Apostel blickt direkt auf den Betrachter des Altars, was Rinke als Selbstbildnis des Künstlers interpretiert. Diese Entdeckung ist bedeutend, da es das einzige bekannte und bisher nicht erkannte Bildnis von Conrad von Soest wäre. Nach fast 650 Jahren hat der Künstler Conrad von Soest im Bewusstsein der Besucher somit künftig ein Gesicht. Außerdem ordnete Rinke Personen in der Darstellung auf dem Altar der Kirche in Bad Wildungen königlichen Familien und Einzelpersonen zu.
Ab 1980 forschte Wolfgang Rinke im Themenbereich Dortmunder Kirchen des Mittelalters. Schwerpunkte seiner Forschung waren die Kirchbauten, Architektur und Altarbilder in St. Reinoldi, St. Marien, St. Petri und St. Propstei in Dortmund.
Rinke stellte auf Derick Baegerts Altargemälde von 1470 in der Dortmunder Propsteikirche auf dem schwarzen Rappen der Buchstaben „d“ und „e“ einen Bezug zum spanischen Königshaus her.
Wolfgang Rinke untersuchte in seiner Dissertation „Memoria im Bild“ das Altarretabel Derick Baegerts aus Wesel aus dem Jahre 1470, welches sich in der Propsteikirche zu Dortmund befindet. Er analysierte die ikonographischen und symbolischen Elemente des Altarbildes und untersuchte, wie es als Medium der Erinnerung (Memoria) dient.
Derick Baegert – von 1465 bis 1515 in Wesel tätig –, in der Kunstgeschichte vor allem als Maler monumentaler Passionsaltäre bekannt, ist seiner künstlerischen Entwicklung verpflichtet. Sein Hauptwerk, der Hochaltar in der Dortmunder Propsteikirche, ist wahrscheinlich laut Rinke von Johann I. von Kleve gestiftet worden. Für den Dortmunder Altar, der als Memorialaltar der klevischen Herzogsfamilie gelten kann, griff der Künstler dort, wo Porträts bereits verstorbener Personen in heilsgeschichtliche Szenen integriert werden mussten, auf Vorbilder zurück.
Werke
Einzelnachweise
Kategorie:Kunsthistoriker Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1943 Kategorie:Gestorben 2025 Kategorie:Mann