Sirāt (zum Teil auch Sirât) ist ein Spielfilm von Óliver Laxe aus dem Jahr 2025. Der Roadmovie handelt von einem Vater, der sich in Begleitung seines Sohnes auf die Suche nach der vermissten Tochter in Nordafrika macht. Die Hauptrollen übernahmen Sergi López und Bruno Núñez. Die spanisch-französische Koproduktion wurde im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes im Mai 2025 uraufgeführt, wo sie unter anderem mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Das dystopische Werk spaltete dort die internationale Filmkritik. Positive Rezensionen zogen wiederholt Vergleiche zu anderen filmhistorisch bedeutenden Roadmovies wie Lohn der Angst (1953) oder der Mad-Max-Filmreihe. Im folgenden Jahr wurde Sirāt in zwei Kategorien für den Oscar nominiert – als spanischer Vorschlag für die Kategorie Bester Internationaler Film und für Besten Ton. Ebenfalls im Jahr 2026 gewann die Produktion vier Europäische Filmpreise in technischen Kategorien. Der reguläre Kinostart in Deutschland fand Mitte August 2025 statt.
Handlung Luis besucht einen Rave in Marokko, um dort seine spurlos verschwundene Tochter Mar zu suchen. Sein zwölfjähriger Sohn Esteban und ihr Hund Pipa begleiten ihn. Auf dem Rave will niemand Mar gekannt oder gesehen haben. Als das marokkanische Militär die Veranstaltung auflöst, werden europäische Teilnehmer aufgefordert das Land zu verlassen. Luis und Esteban schließen sich einer kleinen Gruppe von Ravern an und fliehen. Mit einem ausgebauten Lkw und Bus sowie Luis’ Van durchquert die Gruppe in der Folge das Atlasgebirge. Ziel ist ein weiterer illegaler Rave an der Südgrenze Marokkos. Luis und Esteban hoffen, dort auf die verschollene Mar zu treffen. Im Radio hören sie Berichte über einen bewaffneten Konflikt, der bald zu einer Art Dritter Weltkrieg eskaliert.
Im Verlauf der Reise freunden sich Luis und Esteban mit der Gruppe, bestehend aus Jade, Stef, Josh, Tonin und Bigui an. Diese versuchen das Duo zur Umkehr zu bewegen, können sie jedoch nicht überzeugen. Nachdem eines der Fahrzeuge beim Überqueren eines Passes stecken bleibt, kommt Esteban bei einem Unfall ums Leben. Er sitzt mit Pipa im Van und löst beim Spielen versehentlich die Handbremse, woraufhin der Wagen einen Abhang hinunterstürzt.
Auf dem Weg nach Mauretanien macht die Gruppe in einer Wüstengegend Station. Um die Trauer über Estebans Tod zu lindern, veranstaltet die Gruppe einen improvisierten Rave. Sie konsumieren psychoaktive Drogen und tanzen in einem Trancezustand. Jade wird plötzlich in einer Explosion getötet, als sie beim Tanzen auf eine Landmine tritt. Tonin tritt auf eine weitere Mine und stirbt, als er versucht Jade zu erreichen. Beim Versuch einen sicheren Weg aus dem Minenfeld zu finden, werden beide Fahrzeuge zerstört. Schließlich gelingt es Luis durch reines Glück ein minenfreies Felsgebiet zu erreichen. Bigui versucht ihm zu folgend, wird jedoch durch eine Mine getötet. Stef und Josh, gelingt es mit Jades Hund zu Fuß zu entkommen. Am Ende des Films reisen die drei Überlebenden auf einem mit nordafrikanischen Flüchtlingen überladenen Güterzug durch die Wüste.
Entstehungsgeschichte mini|hochkant|Óliver Laxe bei der Präsentation des Films in Cannes Sirāt (Arbeitstitel: AfterAlfonso Rivera: Spain’s ICAA distributes 30 million euros in general grants. In: cineuropa.org, 15. November 2023 (abgerufen am 11. April 2025).) ist der vierte Spielfilm des französischen Regisseurs Óliver Laxe. Das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Santiago Fillol. Der Titel kommt aus dem Arabischen (as-Sirāt) und bedeutet so viel wie „Brücke, dünn wie ein Haar und scharf wie ein Messer“.Dunja Bialas: Die Verlorenen. In: artechock.de, 18. Mai 2025 (abgerufen am 24. Mai 2025). Die Hauptrollen übernahmen Sergi López und Bruno Núñez als Vater-Sohn-Gespann. Internationale Laiendarsteller ergänzten das Schauspielensemble.
Die Dreharbeiten fanden von Mai bis Juni 2024 in Teruel, Saragossa sowie Marokko statt. Kameramann war Mauro Herce, der bereits zuvor mit Laxe an dessen beiden vorangegangenen Spielfilmen Mimosas (2016) und Fire Will Come / O que arde (2019, Goya für die beste Kamera) zusammengearbeitet hatte. Herce verwendete 16-mm-Film,Alfonso Rivera: Óliver Laxe attends the last party in the desert. In: cineuropa.org, 17. Juni 2024 (abgerufen am 11. April 2025). um einen „latenten und imaginären“ Look für Sirāt zu kreieren. Der Film wurde fast vollständig im Freien bei senkrecht stehender Sonne gedreht. Laut Herce übertreffe „nichts [...] die Fähigkeit der analogen Technik, Lichter, Texturen und Farben einzufangen“. Die verwendeten Kameras waren daher zum allergrößten Teil Arri 416 Filmkameras im analogen S16-mm-Format und zusätzlich Digitalkameras vom Typ Arri ALEXA 35 im ARRIRaw Codec. Die verwendeten Linsen waren Ultraprimes von der Firma Carl Zeiss sowie Zooms von Angénieux.Sarah Shachat: Cannes 2025: How 61 Cinematographers Shot Their Films. In: indiewire.com, 16. Mai 2025 (abgerufen am 23. Mai 2025).
Der Film ist eine Produktion der spanischen Unternehmen Moviestar Plus, El Deseo (Produktion: Pedro und Agustín Almodóvar), Los Desertores Films (Óliver Laxe, Xavi Font) und Uri Films sowie der französischen 4x4 Productions (Andrea Queralt, Mani Mortazavi) in Koproduktion mit ZDF und Arte.Fünf Kinokoproduktionen von ZDF und ZDF/ARTE im Wettbewerb von Cannes. In: presseportal.zdf.de, 10. April 2025 (abgerufen am 11. April 2025). Unterstützt wurde das Projekt auch von den europäischen Einrichtungen Eurimages (Sonderprogramm für internationale Koproduktionen – Fördersumme: 420.000 Euro) und Creative Europe MEDIA. Aus Spanien waren die Axencia Galega Das Industrias Culturais (AGADIC) und das Catalan Institute of Cultural Enterprises (ICEC) beteiligt, aus Frankreich das Centre national du cinéma et de l’image animée (CNC). (abgerufen am 14. April 2025).
Veröffentlichung und Einspielergebnis Die Weltpremiere von Sirāt fand am 15. Mai 2025 im Hauptwettbewerb des 78. Filmfestivals von Cannes statt.Zac Ntim: Cannes Competition: Aster, Trier, Dardennes, Reichardt, Ducournau & Wes Anderson Among Lineup — Full List. In: deadline.com, 10. April 2025 (abgerufen am 10. April 2025). Bereits mit seinen vorherigen Spielfilmen Todos vós sodes capitáns (FIPRESCI-Preis – Quinzaine des Réalisateurs, 2010), Mimosas (Hauptpreis – Semaine de la critique, 2016) und Fire Will Come (Jurypreis – Un Certain Regard, 2019) war er beim Festival vertreten gewesen. In den folgenden Monaten wurde Sirāt unter anderem in die Programme der Filmfestivals von Jerewan, Karlovy Vary, Melbourne, München, New York und Toronto aufgenommen.Sirât – Informationen zur Veröffentlichung. In: imdb.com (abgerufen am 12. August 2025).
Der Film wurde ab 6. Juni 2025 von Bteam Pictures in die spanischen Kinos gebracht. Bis Mitte August 2025 spielte Laxes Regiearbeit dort einen Umsatz von 2,86 Mio. Euro ein.Sirât (2025). In: boxofficemojo.com (abgerufen am 12. August 2025).
In Deutschland legte der Verleih Pandora Film den Kinostart von Sirāt auf den 14. August 2025 fest.Sirāt. In: pandorafilm.de (abgerufen am 12. August 2025).
Ein regulärer Kinostart in Frankreich soll am 3. September 2025 im Verleih von Pyramide Distribution erfolgen.Sirat. In: allocine.fr (abgerufen am 6. Mai 2025).
Für Nordamerika sicherte sich das Unternehmen Neon die Verleihrechte.Brent Lang, Elsa Keslassy: Neon Buys Oliver Laxe‘s Immersive Road Adventure ‘Sirât’ Following Cannes Debut (EXCLUSIVE) . In: variety.com, 23. Mai 2025 (abgerufen am 23. Mai 2025). Neon hatte mit Parasite, Titane, Triangle of Sadness, Anatomie eines Falls, Anora und Ein einfacher Unfall auch die zwischen 2019 und 2025 mit der Goldenen Palme in Cannes preisgekrönten Filme in die nordamerikanischen Kinos gebracht.Jordan Ruimy: Plot Details for Sean Baker's ‘Anora,' Clocks in at 2 Hours 19 Minutes. In: worldofreel.com, 4. Mai 2024 (abgerufen am 5. Mai 2024).John Hazelton: Neon takes Sean Baker’s ‘Anora’ for North America. In: screendaily.com (abgerufen am 5. Januar 2024). Ein limitierter Kinostart in New York und Los Angeles ist ab 14. November 2025 vorgesehen, um sich für die Oscarverleihung 2026 zu qualifizieren. Ab Januar 2026 soll Sirāt landesweit in den nordamerikanischen Kinos zu sehen sein.Clayton Davies: Neon Sets Fall Release for Spanish-Language Cannes Winner ‘Sirāt’ (EXCLUSIVE). In: variety.com, 11. August 2025 (abgerufen am 12. August 2025).
Rezeption Internationale Filmkritik Im zum Festival von Cannes herausgegebenen Kritikenspiegel des Branchenmagazins Screen International erhielt Laxes Regiearbeit 2,5 von 4 möglichen Sternen und belegte unter allen 21 Wettbewerbsbeiträgen einen Platz im Mittelfeld. Höchstnoten erhielt der Film unter anderem von Robbie Collin und Tim Robey vom britischen Telegraph sowie von Justin Chang (The New Yorker).Cannes Film Festival 2025 jury grid. In: screendaily.com (abgerufen am 23. Mai 2025). In einem rein französischsprachigen Kritikenspiegel der Website Le film français sahen mit Julien Rosset (Sud Ouest), Guillemette Odicino (Télérama), Michaël Mélinard (L’Humanité), Nicolas Schaller (Le Nouvel Obs) und Sandra Onana (Libération) fünf von 15 Rezensenten den Film als Palmen-Favoriten an. Mit Marcos Uzal (Cahiers du cinéma), Éric Neuhoff (Le Figaro) und Philippe Lemoine (Ouest-France) vergaben aber gleichzeitig drei Kritiker die schlechteste Bewertung an den Film.Palmomètre du festival de Cannes 2025 - Les étoiles de la critique 10. In: lefilmfrancais.com, 23. Mai 2025 (abgerufen am 23. Mai 2025). Der amerikanische Branchendienst IndieWire zählte Sirāt zum Mitfavoriten auf den Hauptpreis und wies ihn nach allen gezeigten Wettbewerbsbeiträgen auf einen fünften Platz aus.Ryan Lattanzio: Cannes 2025 Palme d’Or Contenders Ranked: Who Could Win the Top Prize?. In: indiewire.com, 24. Mai 2025 (abgerufen am 12. August 2025). In einer Mitte Juni 2025 veröffentlichten Bestenliste der IndieWire-Redaktion zum Thema The 100 Best Movies of the 2020s (So Far) belegte der Film Platz 25.The 100 Best Movies of the 2020s (So Far). In: indiewire.com, 16. Juni 2025 (abgerufen am 12. August 2025).
Auf der Website Metacritic erhielt Sirāt eine Bewertung von 82 von 100 möglichen Punkten, basierend auf fast einem Dutzend ausgewerteten englischsprachigen Kritiken. Das Echo der Rezensenten wurde mit „einhelligem Beifall“ („universal acclaim“) bewertet. Von den über 40 Kritiken, die auf der Website Rotten Tomatoes nach der Premiere aufgeführt wurden, erhielten alle eine positive Bewertung („fresh“).
Deutschsprachige Pressestimmen Katja Nicodemus (Die Zeit), Mitglied des Screen International-Kritikenspiegels, vergab die schlechteste Bewertung an den Film. Rüdiger Suchsland vom Online-Magazin artechock zählte Sirāt dagegen gemeinsam mit dem deutschen Beitrag In die Sonne schauen, dem französischen Film Nouvelle Vague des US-Amerikaners Richard Linklater und dem brasilianischen Beitrag The Secret Agent zu den Goldene-Palmen-Aspiranten, mit denen er „einschränkungslos sehr zufrieden wäre“.Rüdiger Suchsland: Wer ist reif für die Goldene Palme?. In: artechock.de, 24. Mai 2025 (abgerufen am 24. Mai 2025). In einem Podcast lobte er den Film für seine extremen Bilder. Sirāt fasziniere, sei „spielerisch“ und überrasche. Suchsland sah William Friedkins Thriller Atemlos vor Angst (1977), Michelangelo Antonionis Zabriskie Point (1970), die Mad Max-Filmreihe von George Miller und die Werke von Apichatpong Weerasethakul als filmische Referenzen an. Mit dem Tod des Kindes Esteban breche der Film „mit allen Regeln“. Das Ende erschien Suchsland nicht konsequent durchdacht, doch handle es sich bei Laxes Regiearbeit um einen sinnlichen Film zum Nachdenken. Der Film kümmere sich nicht „um psychologische, emotionale Plausibilität“.Rüdiger Suchsland: Cannes Special: Haben Stars überhaupt einen Sinn? Und wenn nein: warum nicht?. In: artepod by artechock Filmmagazin (abgerufen via Spotify, 31:38 min ff.).