Der Panzerzug 6 (kurz: Eisb. Pz. Zug Nr. 6 oder PZ 6) war ein deutscher Panzerzug aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und wurde ab 1938 von der Wehrmacht eingesetzt.
Geschichte 1937 hatte das Oberkommando des Heeres entschieden, keine neuen Panzerzüge zu bauen. Man empfand diese Art der Waffe als veraltet und zu teuer. Aus diesem Grund griff man, mit einer Verfügung vom 23. Juli 1938, auf ältere Bahnschutzzüge der Reichsbahn zurück. Somit wurde der Bahnschutzzug Königsberg der Reichsbahndirektion Königsberg zum Eisenbahn-Instandsetzungszug Insterburg. Zu dieser Zeit waren die Panzerzüge nur infanteristisch ausgerüstet und verfügten, neben zwei Abstoßwagen, über sechs gepanzerte, ehemalige gedeckte Güterwagen. Erst ab dem 26. Oktober wurde der Panzerzug offiziell als Panzerzug 6 gelistet.
Technische Daten Lokomotive mini|Ungepanzerte Preußische G 10 Die Dampflokomotive des Panzerzuges, damals noch Bahnschutzzug, war eine Preußische G 10, jedoch ist die Nummer dieser Panzerzuglokomotive nicht bekannt. Sie wurde komplett mit Panzerplatten gepanzert und wurde so bereits verwendet, als der Panzerzug noch ein Bahnschutzzug war.
Artilleriewagen Der Panzerzug 6 wurde erst ab dem 26. Oktober 1939 mit zwei Artilleriewagen ausgerüstet. Bei den Geschützen handelte es sich um ältere Marinegeschütze auf einer Sockellafette. Die Wagen befanden sich direkt hinter den Abstoßwagen an den Enden des Panzerzuges. Die Wagen selber waren ehemalige O-Wagen, in deren Mitte die Geschütze auf eine erhöhten Plattform montiert wurden. Die Wagen waren nach oben hin offen und aufgrund der erhöhten Position und der Sockellafetten, konnten die Geschütze über die Seitenwände der Wagen feuern. In der Mitte konnten die Seitenwände abgeklappt werden. An beiden Enden des Wagens waren gedeckte Unterstände für die Mannschaft eingerichtet worden. Die Seriennummern dieser Wagen waren 790 210 und 790 211.
Im Jahr 1942 wurden die beiden Artilleriewagen entfernt und durch erbeutete Panzer-Triebwagen D-2 ersetzt. Bei einem der Panzer-Triebwagen wurde der Motor entfernt, beim zweiten blieb er vorhanden. Dadurch konnte dieser unabhängig vom Panzerzug eingesetzt werden. Im weiteren Verlauf des Krieges wurde dieser allerdings ebenfalls ausgebaut.
Flakwagen Schon bei der Aufstellung des Panzerzug 6 sollten 2-cm-Flak 38 zum Schutz gegen Flugzeuge verwendet werden. Die Ausstattung unterblieb jedoch vorläufig und so erhielt der Panzerzug zwei Zwillingssockel Typ 36 mit je zwei Maschinengewehre 34. Sie wurden in den Dächern von zwei Sturmwagen eingebracht. Diese wurden erst im September 1942 durch zwei 2-cm-Flak 38 verbessert. Im Oktober 1943 wurden die Flakgeschütze durch je eine 2-cm-Flak-Vierling 38 ausgetauscht.
Sturmwagen mini|Kohlenwagen nach Musterblatt A6 Der Bahnschutzzug verfügte über vier alte preußische O-Wagen der Bauart Schwein O, welche gemäß dem Musterblatt IId 1 (Musterblatt A6). Dies waren ehemalige offene Kohlewagen mit einem Ladegewicht von 15 t. Zwei dieser Wagen waren weiterhin oben offen und verfügten über eine Panzerblende. Die beiden anderen Wagen hatten einen Dachaufbau wie sie bereits im Ersten Weltkrieg genutzt wurden. Die Panzerung bestand einer 30 mm starken Außenwand aus gehärtetem Stahl und einer 30 mm dicken zweiten Wand aus Weichstahl mit Luft-Zwischenraum.
Kommandowagen Der Panzerzug 6 verfügt zur Zeit als Bahnschutzzug über zwei ehemalige dreiachsige gedeckte Güterwagen der Bauart G(n)l, welche gemäß dem Musterblatt IIc 13 definiert waren. Diese wurden zwar mit Stahl gepanzert, dennoch konnten S.m.K.-Geschosse sie durchdringen. Der genutzte Stahl war zwar relativ dick, doch von minderer Qualität. Die Wagen verfügten über Gewehr-, Maschinengewehr- und Beobachtungsluken in unterschiedlicher Ausprägung und Anzahl in den Wänden. Für den Aus- und Einstieg verfügten sie über Türen an den Seiten der Wagen und über Bodenluken. Diese Bodenluken verfügten über, zwischen den Achsen befindliche, Ausfallkästen. Dadurch konnte Personal, welches über diese Luken den Wagen verließ, in Deckung gehen. Das Leergewicht der Wagen, ohne Panzerung, war mit 15 t angegeben. Je ein Wagen befand sich zwischen zwei Sturmwagen. Beide Wagen verfügten über einen Beobachtungsstand auf den Dächern. Weiterhin erhielt einer der Wagen eine um das Dach verlaufende Rahmenantenne.
Abstoßwagen An beiden Enden des Zuges befanden sich jeweils ein zweiachsiger Flachwagen, welche als Abstoßwagen dienten. Sie dienten dazu, den Panzerzug vor Minen oder Entgleisung zu schützen und Gefahren vor den wichtigen Wagen zu beseitigen. Zusätzlich dienten sie zum Transport von Material wie Schienen, Bahnschwellen, Fahrrädern oder sonstigem Material.
Einsatz 1939 Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, dem Überfall auf Polen am 1. September 1939, befand sich der Eisenbahn-Instandsetzungszug Insterburg noch in der Aufstellungsphase in Korschen und hatte seine volle Kampfstärke noch nicht erreicht. Nachdem der Instandsetzungszug einsatzbereit war, jedoch ohne Artilleriewagen, verlegte er nach Lyck. Dort unterstützte er die auf der Ostflanke der am Narew stehende Brigade Goldap bei der Einnahme des Grenzbahnhofes Grajewo. Im weiteren Verlauf unterstützte e die Angriffe auf Osowiec-Twierdza am 13. September und Knyszyn am 15. September. Im Anschluss wurde er nach Sudauen verlegt. Anfang Oktober wurde er ins Reichsbahnausbesserungswerk Königsberg verlegt und erhielt zwei Artilleriewagen. Mit Wartung und Aufwertung verblieb der, ab da an genannte, Panzerzug 6 einen Monat vor Ort.
Vor dem Jahresende 1939 wurde der Panzerzug in den Westen von Deutschland verlegt. Neuer Stationierungsort für den Panzerzug 6 wurde Lintorf.
1940 mini|Karte von Bahnstrecken in den Niederlanden (1942) Mit dem Eintreffen in Lintorf wurde der Panzerzug 6 der Heeresgruppe B unterstellt. Am 3. Mai 1940 wurden die Kommandanten von sechs Panzerzügen zu einer Einsatzbesprechung in Dinslaken beordert. Hier wurden ihnen die die Befehle und Aufgaben für die kommenden Operationen erläutert. Ab dem 10. Mai sollten sie in einem raschen Vormarsch Brücken über die Vechte, IJssel und Maas nehmen, in die feindlichen Stellungen vordringen und diese durchstoßen.
Kurz vor dem Angriff verlegte der Panzerzug nach Weener und hielt sich bereit. Als am 10. Mai 1940 die Wehrmacht in die Niederlande einmarschierte, wurden die Befehle umgesetzt. Der Panzerzug 6 sollte mit der 1. Kavallerie-Division die niederländischen Stellungen in Frieslande überrollen und bis zum Abend des ersten Angriffstages Harlingen erreichen. Ziel war es, die Befestigungen am Ostende des Abschlussdamms der Zuiderzee handstreichartig zu nehmen. Allerdings traf der der Panzerzug bereits am Grenzort Nieuweschans auf eine gesprengte Brücke über die Westerwolder Aa. Der Panzerzug musste auf Pioniere warten, welche die Brücke in kurzer Zeit für ihn passierbar machten.
Nur wenige Kilometer weiter östlich, bei Winschoten, stieß man auf eine geöffnete Eisenbahndrehbrücke. Die Infanterie des Panzerzuges bootete aus und versuchte auf die andere Seite des Flusses überzusetzen. Die vor Ort liegenden Niederländer konnten die ersten Versuche abwehren, wodurch der Überraschungsangriff gescheitert war. Der Panzerzug muss sich nach Elberfeld zurückziehen und verblieb bis zum Ende des Westfeldzug vor Ort.
Am 1. September wurde der Panzerzug nach Tilsit in Ostpreußen verlegt. Dort bereitete man sich auf einen möglichen Einmarsch in die Sowjetunion vor, führte Wartungs- und Modernisierungsarbeiten durch und beübte die Besatzung.
1941 Einen Tag vor dem Unternehmen Barbarossa, stand der Panzerzug 6 in Memel. Als am 22. Juni 1941 das Unternehmen Barbarossa begann, rückte der Panzerzug über den Grenzort Krottingen nach Norden vor und beteiligte sich an den Kämpfen um Libau.
Im Sommer und Herbst 1941 wurde der Panzerzug nicht an der Front eingesetzt, sondern machte Erkundungsfahrten auf den Eisenbahnstrecken der eroberten Gebiete. Weiterhin wurde er für die Sicherung der Umspurarbeiten, sowie bei der Bekämpfung von gegnerischen Truppen im Hinterland eingesetzt.
mini|Bahnhof von Staraja Russa (1916) Zu dieser Zeit war der Panzerzug 6 der Heeresgruppe Nord unterstellt und rückte mit der Umspurung immer weiter vor. Sein Weg führte ihn von Libau über Riga und Walk nach Pleskau. Am 3. September stand er in Podsevy . Wenige Tage später hatte er sein Zielgebiet auf der Eisenbahnstrecke zwischen Batezki und Dno erreicht. Dabei sicherte er zusätzlich die Eisenbahnstrecke zwischen Batezki und Weliki Nowgorod, sowie zwischen Dno und Staraja Russa. Die Sicherung der Strecken übernahm bis ins Jahr 1942 hinein.
1942 Als am 7. Januar 1942 die sowjetischen Truppen südlich des Ilmensee über das Eis des Sees hinter die deutschen Linien eindrangen, drohte damit die Einnahme der Stadt Staraja Russa. Der Kommandeur des rückwärtigen Gebiets ließ den Panzerzug 6 von Dno nach Staraja Russa fahren um die Stadt zu sichern. Am 11. Januar kam es zu einem Gefecht mit sowjetischen Truppen östlich des Polist bei Ljadinki . Irrtümlich beschoss er auch eigene Truppen in Sabolotje , welche durch getragene Schneehemden nicht von sowjetischen Truppen zu unterscheiden waren.
Noch am gleichen Tag fuhr zur Auffüllung von Wasser nach Wolot und meldete am nächsten Morgen einen Lokschaden. Die Reparaturen dauerten bis zum 17. Januar. danach stand er wieder in Staraja Russa und unterstützte die eigenen Truppen mit Artillerie. Mitte Februar stand er aus Sicherheitsgründen in Tuleblja und gab weiter Artillerieunterstützung.
Nachdem sich die Lage an der Front langsam stabilisiert hatte, wurde er zurück nach Dno geschickt. In den folgenden Wochen war er mit der Sicherung der Eisenbahnstrecke von Pleskau über Dno nach Staraja Russa, sowie der Eisenbahnstrecke von Dno nach Nowosokolniki beauftragt worden. Am 23. April verlor der Panzerzug bei einem Einsatz gegen Partisanen bei Dubowaja zwei Besatzungsmitglieder. Mitte Mai wurde er nach einer Beschädigung zum Umbau in das Ostbahn-Ausbesserungswerk Pruszków bei Warschau verlegt. Die Umbauarbeiten begannen im Juli und dauerten bis September an.
mini|hochkant|Bahnhof von Lapovo Ab Oktober war der Panzerzug wieder einsatzbereit und wurde auf den Balkan verlegt. Das neue Einsatzgebiet war die gesamte Eisenbahnstrecke von Agram bis Belgrad. Teilweise wurde auch bei Nisch eingesetzt und in Lapovo stationiert.
1943 Zwischen dem 1. und 7. Januar 1943 hatte der Panzerzug keine Einsätze. Am Morgen des 8. Januar begann der Panzerzug, auf Befehl des Kommandeurs der 714. Infanterie-Division eine Sicherungsfahrt über Smederevska Palanka nach Ralja . Gegen Mittag traf der Panzerzug ein und vor Ort gab es eine taktische Besprechung mit dem Kommandeur des Infanterie-Regiment 724, dem der Panzerzug ab dem 10. Januar unterstehen sollte. Im Anschluss unternahm der Panzerzug noch eine Sicherungsfahrt nach Melo Kosne. Am nächsten Tag fuhr er zurück nach Lapovo.
Am 11. und 12. Januar unternahm er eine Sicherungsfahrt nach Opština Ćuprija, welche ohne Vorkommnisse verlief. Vom 13. bis zum 19. Januar unternahm der Panzerzug keine Sicherungsfahrten und verblieb in Lapovo. Am 20. Januar fuhr er eine Sicherungsfahrt nach Ralja und wieder zurück. Am Abend des 23. Januar wurde der Panzerzug durch die 704. Infanterie-Division alarmiert. Dieser sollte weite Entfernungen vom Heimatbahnhof vermeiden. Die restlichen Tage des Monats verliefen ohne Vorkommnisse.
mini|Bahnhof von Ruma