In die Sonne schauen ist ein deutscher Spielfilm von Mascha Schilinski aus dem Jahr 2025. Das Drama beschreibt mit diversen Zeitsprüngen einen assoziativen Erinnerungsstrom aus dem Leben von vier Mädchen über einen Zeitraum von circa 100 Jahren (von den 1910er Jahren bis in die Gegenwart) auf einem altmärkischen Bauernhof. Im Laufe der Handlung verschwimmen die Grenzen zwischen den Figuren. Die Hauptrollen spielen Hanna Heckt, Lea Drinda, Lena Urzendowsky und Laeni Geiseler.

Die Uraufführung fand im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes im Mai 2025 statt, wo der Film mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Monate später wurde In die Sonne schauen als deutscher Vorschlag für die Kategorie Bester Internationaler Film der Oscarverleihung 2026 ausgewählt. Ebenfalls im Jahr 2026 folgte der Gewinn von zehn Deutschen Filmpreisen, darunter in den Kategorien Spielfilm, Regie, Drehbuch und weibliche Nebenrolle (Lena Urzendowsky).

Der Film folgt keiner klassischen narrativen Struktur, sondern präsentiert sich als filmisches Mosaik. Internationale und deutsche Kritiken hoben besonders hervor, dass Inszenierung, Kamera (Fabian Gamper), Sound (Billie Mind), Drehbuch (Mascha Schilinski, Louise Peter) und Montage (Evelyn Rack) eng miteinander verwoben sind. Regulärer Kinostart in Deutschland war der 28. August 2025.

Teile des Films wurden auf Niederdeutsch gedreht, das im Spielfilm bisher selten vorkommt.

Handlung In die Sonne schauen erzählt von vier jungen Frauen bzw. Mädchen aus unterschiedlichen Epochen, deren Leben auf unheimliche Weise miteinander verwoben sind. Jede von ihnen erlebt ihre Kindheit oder Jugend auf demselben Vierseithof in der Altmark, doch während sie ihre eigene Gegenwart durchstreifen, offenbaren sich ihnen Spuren der Vergangenheit. Der Film wechselt zwischen den Zeitebenen.

Die 7-jährige Alma wächst kurz vor dem Ersten Weltkrieg im deutschen Kaiserreich auf einem Bauernhof zusammen mit ihrer Familie und „de Lüt“ in der Wirtschaft (d. h. Mägde und Knechte) auf. Ihre Eltern sind schweigsam, der Alltag der Familie ist von Religiosität und Aberglauben geprägt. Eines Tages entdeckt Alma durch eine Totenfotografie, dass sie eine Schwester hat, die gestorben ist, und nach der sie benannt wurde. Da sie dieser sehr ähnelt, wird sie von ihren älteren Schwestern geärgert. Ab da glaubt sie, für dasselbe Schicksal bestimmt zu sein, und beschäftigt sich mit der eigenen Sterblichkeit.In die Sonne schauen. In: neuevisionen.de (abgerufen am 14. Mai 2025). Nachdem die Familie einen Arbeitsunfall inszeniert, um Almas älteren Bruder Fritz nicht in den Krieg ziehen lassen zu müssen, kümmert sich die Hausangestellte Trudi um Fritz, dem infolge des „Unfalls“ ein Unterschenkel amputiert wurde.

Erika lebt als junge Frau in den 1940er-Jahren auf dem Hof. Sie verliert sich in einer erotischen Neugierde und FaszinationDie Sensation von Cannes. In: zeit.de, 14. Mai 2025 (abgerufen am 15. Mai 2025). für ihren Onkel Fritz, der mit seinem amputierten Bein überwiegend bettlägerig ist. Sie fertigt viele Zeichnungen von ihm an und versucht selbst, sich ein Bein wie amputiert hochzubinden. Sie schleicht nachts in sein Zimmer, um den zusammenlaufenden Schweiß aus Fritz’ Bauchnabel zu kosten. Als der Krieg sich dem Ende nähert, geht Erika zusammen mit anderen Frauen zu dem Fluss, der bald der Grenzfluss zwischen Ost- und Westdeutschland sein wird, um sich wie sie umzubringen.

Die lebenshungrige Angelika lebt zur Zeit der DDR in den 1980er-Jahren auf dem Hof. Sie ist die Tochter von Erikas Schwester Irm. Angelikas erwachende Sexualität erweckt die Aufmerksamkeit ihres Onkels Uwe, der das Mädchen auszubeuten versucht. Auch dessen ungeschickter Sohn Rainer, Angelikas Cousin, empfindet etwas für sie. Angelika und er flirten miteinander und küssen sich, während Angelika weiter zwischen Lebensgier und Todessehnsucht balanciert. Auf einem gemeinsamen Polaroidfoto mit der ganzen Familie ist sie das letzte Mal zu sehen; ob sie sich über den Fluss, die innerdeutsche Grenze, davongemacht hat oder in diesem ertränkt hat, bleibt offen.

In der filmischen Gegenwart leben Nelly und ihre ältere Schwester Lenka mit ihren Eltern auf dem Hof. Die Familie ist aus Berlin auf den weitgehend leeren, heruntergekommenen HofGuy Lodge: ‘Sound of Falling’ Review: Shattering, Century-Spanning Tapestry of Female Unrest Shoots Mascha Schilinski Into the Big Leagues. In: variety.com, 14. Mai 2025 (abgerufen am 14. Mai 2025). gezogen, den die Eltern in Eigenarbeit renovieren möchten. Die Schwestern wachsen in scheinbarer Geborgenheit auf. Dennoch wird Nelly von intensiven Träumen und der unbewussten Last der Vergangenheit heimgesucht. Lenka freundet sich mit einem Mädchen aus der Nachbarschaft namens Kaya an, dessen Mutter verstorben ist. Ob aus Spiel, Gedankenlosigkeit oder in suizidaler Absicht springt Nelly vom Balken der Scheune herunter in die Tiefe; auf diese Weise stürzte seinerzeit auch Fritz ab.

Hintergrund mini|Regisseurin und Darsteller bei der Präsentation des Filmes in Cannes In die Sonne schauen ist der zweite Spielfilm der für ihren Kurzfilm Die Katze und ihr Spielfilmdebüt Die Tochter preisgekrönten deutschen Filmemacherin Mascha Schilinski. Das Originaldrehbuch verfasste sie gemeinsam mit Louise Peter. Ursprünglich hatten beide an anderen Projekten gearbeitet, als sie einen Vierseithof im Dorf Neulingen in Sachsen-Anhalt besuchten, der sie zum Film inspirierte.

Die Regisseurin betonte, dass der Film von Anfang an auf formaler Experimentierfreude basierte. Das kreative Team arbeitete bewusst mit Bildkomposition, Montage, Rhythmus und Sound, um ein überzeitliches, assoziatives Erleben zu erzeugen. Der Hof selbst sollte als emotionaler und historischer Resonanzraum dienen – „wir haben die Jahrhunderte gespürt“, so Schilinski.

Die Hauptrollen übernahmen Luise Heyer, Susanne Wuest, Lena Urzendowsky, Claudia Geisler-Bading, Lea Drinda, Hanna Heckt und Laeni Geiseler. (abgerufen am 29. März 2025).

Die Dreharbeiten fanden von Mitte Juli bis Anfang September 2023 in Sachsen-Anhalt statt. Drehorte waren ein Vierseitenhof in Neulingen/Arendsee sowie Vehlgast. Ohne die Dorfbewohner von Neulingen hätte In die Sonne schauen laut Schilinski nicht fertiggestellt werden können. Diese halfen beim Umräumen der Scheune und beantworteten ihr Fragen zu Pflugmethoden von vor hundert Jahren. Insgesamt waren 34 Drehtage angesetzt. Kameramann war der Schweizer Fabian Gamper, mit dem Schilinski bereits bei ihrem preisgekrönten Kurzfilm Die Katze (2015) und ihrem Spielfilmdebüt Die Tochter (2017) zusammengearbeitet hatte. Er verwendete ein 4:3-Filmformat. Für den Schnitt zeichnete Evelyn Rack verantwortlich. Die Editorin hatte mit dem Projekt am Förderprogramm Berlinale Talents teilgenommen.THE DOCTOR SAYS I'LL BE ALRIGHT BUT I'M FEELIN' BLUE (WT). In: berlinale-talents.de (abgerufen am 29. März 2025). Verantwortlich für die Tongestaltung war die Sounddesignerin Billie Mind. Die Filmmusik komponierten Michael Fiedler und Eike Hosenfeld. Die Musik des Films konzentriert sich auf den Song „Stranger“ von Anna von Hausswolff.

Eine Episode des Films enthält Sequenzen auf Nordmärkisch (eine Varietät des Ostniederdeutschen), das heute in den Ländern Brandenburg und Sachsen-Anhalt offiziell als Minderheitensprache geschützt ist, aber nur noch von relativ wenigen Menschen als Muttersprache gesprochen wird. Bis vor kurzem war Nordmärkisch die übliche Umgangssprache in der östlichen Altmark, vor allem auf dem Land.

Die Rentnerin Helga Lechler aus Neulingen übersetzte die entsprechenden Teile des Drehbuchs in den nordmärkischen Dialekt der Altmark.

In die Sonne schauen ist eine Produktion von Studio Zentral. Als Koproduzent trat das ZDF mit dem Kleinen Fernsehspiel in Erscheinung.Drehschluss für „The Doctor says I’ll be alright but I’m feelin´ blue” (AT). In: mdm-online.de, 1. September 2023 (abgerufen am 29. März 2025). Gefördert wurde das Projekt vom BKM (Produktionsförderung: 380.000 Euro), DFFF (254.400 Euro) und der Mitteldeutschen Medienförderung (250.000 Euro).

Rezeption Drehbuchprämierung und Veröffentlichung Im März 2023 wurde das unverfilmte Drehbuch mit dem Thomas-Strittmatter-Preis ausgezeichnet. Die mit Julia von Heinz, Jochen Laube und Produzentin Sabine Steyer-Violet besetzte Jury zeichnete das Skript aus über 50 Einreichungen aus, damals noch unter dem Arbeitstitel The Doctor Says I’ll Be Alright, But I’m Feelin Blue. Laut Jurybegründung handelte es sich um „ein beeindruckendes, vielschichtiges Werk, das lange“ nachhalle. Die vier Zeitebenen des Films würden „kunstvoll ineinander verwoben“, darüber hinaus enthalte das Drehbuch „unglaublich“ einprägsame Bilder, anhand derer „transgenerationale Vererbungen erzählt und ein mentales Sittenbild von vier Generationen gezeichnet“ werde.Die beiden Autorinnen Mascha Schilinski und Louise Peter erhalten den Thomas Strittmatter Preis 2023. In: mfg.de (abgerufen am 29. März 2025).

In die Sonne schauen (englischsprachiger Titel: Sound of Falling) wurde für das 78. Filmfestival von Cannes im Mai 2025 eingereicht. Zudem wurde der Film auch bei den Festivals von Berlin und Venedig angemeldet. Der Branchendienst Deadline berichtete bereits Mitte Februar 2025, dass Schilinskis Regiearbeit das Auswahlkomitee von Cannes „stark beeindruckt“ hätte. Die deutsche Produktion könnte in den Hauptwettbewerb um die Goldene Palme aufgenommen werden.Andreas Wiseman: Cannes & Venice Film Festival Lineups Start To Take Shape: Tom Cruise Is Mission Possible For The Croisette – The Dish. In: deadline.com, 17. Februar 2025 (abgerufen am 29. März 2025). Tatsächlich gelangte der Film in die wichtigste Sektion des Festivals,Zac Ntim: Cannes Competition: Aster, Trier, Dardennes, Reichardt, Ducournau & Wes Anderson Among Lineup — Full List. In: deadline.com, 10. April 2025 (abgerufen am 10. April 2025). wovon Schilinski und ihr Produzententeam im Dezember 2024 erfuhren. Bis zur Veröffentlichung des Programms Mitte April 2025 mussten sie die Information geheim halten und durften sie auch nicht an das Schauspielensemble weitergeben.Stefan Stosch: „So viel Glück muss man erst mal verkraften“. In: rnd.de, 9. Mai 2025 (abgerufen am 13. Mai 2025). In die Sonne schauen wurde am 14. Mai 2025 in Cannes als erster Wettbewerbsbeitrag gezeigt. Zur gleichen Zeit wurde ein erster Trailer veröffentlicht.Kinotrailer "In die Sonne schauen". In: youtube.com (abgerufen am 14. Mai 2025).

In den folgenden Monaten wurde In die Sonne schauen unter anderem in die Programme der Filmfestivals von Melbourne, München (Deutschland-Premiere), New York (US-PremiereSound of Falling. In: filmlinc.org (abgerufen am 22. August 2025).), Shanghai und Toronto aufgenommen.Sirât – Informationen zur Veröffentlichung. In: imdb.com (abgerufen am 22. August 2025). Der Kinostart in Deutschland war am 28. August 2025 im Verleih von Neue Visionen.In die Sonne schauen. In: filmstarts.de (abgerufen am 4. August 2025).

Der Streamingdienst und Verleiher Mubi sicherte sich nach einem Bieterwettstreit die Veröffentlichungsrechte für unter anderem Nordamerika und das Vereinigte Königreich.Etan Vlessing: Mubi Snaps Up Another Notable Cannes Title ‘Sound of Falling’ In Dealmaking Streak. In: hollywoodreporter.com, 22. Mai 2025 (abgerufen am 22. Mai 2025).

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