Das Kloster Mariae Magdalenae (Kloster der Maria Magdalena) war ein Kloster in der Magdeburger Altstadt. Seine Patronin war die heilige Maria Magdalena.

Lage mini|Bereich des Klosters auf einem Stadtplan von 1882 Das Kloster befand sich in der Nähe der noch heute bestehenden Magdalenenkapelle im östlichen Teil der Altstadt. Es nahm den von den Straßen Petersberg im Norden, Knochenhauerufer im Osten, Magdalenenberg im Süden und Stephansbrücke im Westen umfassten Bereich ein.

Geschichte Die Klostergründung für den Orden der Magdalenerinnen erfolgte um das Jahr 1230 durch Erzbischof Albrecht I. von Käfernburg, der das Kloster neben einem alten Turm der Burggrafenburg errichten ließ. Genutzt wurde das Kloster später von Augustiner-Eremitinnen.Hans-Joachim Krenzke: Kirchen und Klöster zu Magdeburg, Landeshauptstadt Magdeburg, Stadtplanungsamt 2000, Seite 74

Neben dem Kloster wurde im Jahr 1315 eine Fronleichnamskapelle, die heutige Magdalenenkapelle, errichtet. 1337 wurde dem Kloster das Patronat über die Kapelle übertragen. Für das Jahr 1424 und auch noch für 1438 ist überliefert, dass dem Kloster das Haus Zum Brocken (Stephansbrücke 23) gehörte.Ed. Jacobs, Das Haus genannt der Brokenberg, zum Brockenberge oder Brocken in Magdeburg. 1428, 1438. in Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Alterthumskunde, Sechster Jahrgang, 1873, Seite 515 f. Vom Kloster aus führte ein Schwibbogen über die östlich liegende Straße Knochenhauerufer hinüber zur östlichen Stadtbefestigung, so dass die Bewohnerinnen von der Befestigung aus auf die Elbe sehen konnten.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 247

Im Zuge der Reformation wandten sich die Nonnen 1524 der neuen evangelischen Lehre zu. Im Laufe des 16. Jahrhunderts und mit dem Fortschreiten der Reformation verließen die Nonnen das Kloster. Noch bis zum Jahr 1539 bestand eine gemeinsame Verwaltung mit dem Augustinerkloster.Klaus Arlt, Die Entwicklung vom Handwerk zur wissenschaftlichen Chirurgie, Verlag Volk und Wissen Berlin, 1957, Seite 19 In der Zeit nach der Reformation soll eine Mädchenschule bestanden haben.Oppermann, Das Armenwesen und die mildtätigen Stiftungen in Magdeburg, Creutzsche Buchhandlung, Magdeburg 1821, Seite 123 Die Anlage verfiel jedoch und ging dann in den Besitz der Stadt über. Bei der Erstürmung Magdeburgs im Dreißigjährigen Krieg am wurden die verbliebenen Gebäude und die Klosterkirche erheblich beschädigt. Zwischen 1658 und 1664 erfolgte ein Wiederaufbau.Oppermann, Das Armenwesen und die mildtätigen Stiftungen in Magdeburg, Creutzsche Buchhandlung, Magdeburg 1821, Seite 123

Beim Ausbruch der Pest 1680 wurde das ehemalige Kloster von der Stadt in der Pestordnung zum Sitz des Pestarztes bestimmt. Mit seinem Testament aus dem Jahr 1684 richtete Bürgermeister Stephan Lentke eine Stiftung ein, die Erträge des Hauses Zum weißen Bracken wohltätigen Zwecken zu kommen ließ. Hieraus erhielt auch das Kloster jeweils am 10. Mai eines Jahres, dem Jahrestag der Zerstörung der Stadt im Jahr 1631, eine Zuwendung.Mittheilungen über das Hospital St. Annen zu Magdeburg, Magdeburg, 1860, Seite 8 In den 1680er Jahren gehörten die Grundstücke Neustädter Straße 46 bis 48 zum Kloster.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 342

1687 errichtete die Stadt Magdeburg im Kloster ein Frauenstift. Auch eine höhere Töchterschule befand sich zeitweilig in der Klosteranlage. Am 15. Juli 1705 wurde die Stiftung des Magdalenenklosters mit der Stiftung des nördlich gelegenen Kloster Sankt Augustini zusammengelegt, in welchem seit dem 7. März 1705 ein Zuchthaus untergebracht war.

Der Magdeburger Gouverneur Fürst Leopold von Anhalt-Dessau veranlasste 1722 die Einrichtung eines Lazaretts in der alten Klosterkirche, welches später zum Domplatz 6 verlegt wurde. Während der Koalitionskriege wurde das Kloster 1813 erneut Lazarett. Zu diesem Zeitpunkt umfasste das Anwesen das am Petersberg gelegene Klostergebäude nebst vier kleinen Häusern. Diese waren, bis auf die Dienstwohnung des Klostersekretärs, vermietet. Das Kloster verfügte über diverse Besitzungen im Umland, aus denen Einkünfte bezogen wurden. So gehörten ihm im Vogelgesang ein Wirtschaftsgebäude mit Obst- und Lustgarten, in Barleben ein Ackergut und eine Windmühle, und jeweils ein weiteres Ackergut in Biederitz und Groß Ottersleben. Hinzu kamen Äcker, Wiesen und Wälder im Stadtfeld, in Gübs, in Rothensee, im Rothenseer Holz, in der Puppendorfer und Grüneberger Feldmark und in Glindenberg.Oppermann, Das Armenwesen und die mildtätigen Stiftungen in Magdeburg, Creutzsche Buchhandlung, Magdeburg 1821, Seite 124 ff.

Das Frauenstift bestand fort und hatte nach schrittweiser Erweiterung in den 1820er Jahren dann Platz für 22 Ober- und 38 Unterpräbendatinnen. Aufgenommen wurden „unbescholtene Jungfrauen“ aus bürgerlichen Familien. Zunächst wurden nur Frauen lutherischer Konfession, später auch Reformierte aufgenommen. Die Verwaltung des Klosters oblag Mitgliedern des Magistrats der Stadt. In den 1820er waren dies der Ratsmann Oppermann und der Marktrichter Goedeus. Es wurde ein Klostersekretär beschäftigt.Oppermann, Das Armenwesen und die mildtätigen Stiftungen in Magdeburg, Creutzsche Buchhandlung, Magdeburg 1821, Seite 123 f.

Zum Kloster gehörte ein auf dem Hof des Klosters gelegener Klostergarten. Er ist Ursprung für den dort heute bestehenden Rosengarten.

Im Jahr 1848 erfolgte der Abriss des historischen Klosterkomplexes. Andere Angaben geben als Zeitpunkt des Abrisses und Neubau das Jahr 1840 an. Ein weiteres Gebäude soll danach 1850 entstanden sein.Klaus Arlt, Die Entwicklung vom Handwerk zur wissenschaftlichen Chirurgie, Verlag Volk und Wissen Berlin, 1957, Seite 19

Zuletzt diente das Kloster als Altersheim, in dem 50 Personen untergebracht waren. Beim Luftangriff auf Magdeburg am 16. Januar 1945 wurde der Komplex zerstörtKlaus Arlt, Die Entwicklung vom Handwerk zur wissenschaftlichen Chirurgie, Verlag Volk und Wissen Berlin, 1957, Seite 19 und später nicht wieder aufgebaut.

Literatur Klaus Arlt: Die Entwicklung vom Handwerk zur wissenschaftlichen Chirurgie. Verlag Volk und Wissen, Berlin 1957, Seite 19 f. Hans-Joachim Krenzke: Kirchen und Klöster zu Magdeburg. Landeshauptstadt Magdeburg, Stadtplanungsamt 2000, Seite 74.

Einzelnachweise

Mariae Magdalenae Mariae Magdalenae Kategorie:Kloster (13. Jahrhundert) Kategorie:Ehemaliges evangelisches Damenstift Magdeburg Kategorie:Ehemaliges Kloster in Sachsen-Anhalt Kategorie:Maria-Magdalena-Kirche Mariae Magdalenae Kategorie:Zerstört in den 1840er Jahren Kategorie:Magdalenenkloster