Rose ist ein österreichisch-deutscher Spielfilm von Markus Schleinzer aus dem Jahr 2026. Das Historiendrama ist im 17. Jahrhundert angesiedelt und erzählt von einer Frau, die sich, als männlicher Soldat verkleidet, Integration in eine abgeschiedene Dorfgemeinschaft erhofft. Die Hauptrolle übernahm Sandra Hüller. Ihre Figur ist inspiriert von zahlreichen dokumentierten Berichten über als Männer verkleidete Frauen in der europäischen Geschichte. Die österreichisch-deutsche Koproduktion wurde im Februar 2026 im Hauptwettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) uraufgeführt, wo die schauspielerische Leistung von Hüller preisgekrönt wurde. Der reguläre deutsche Kinostart fand am 30. April 2026 statt. Im selben Jahr wurde Rose bei der Oscarverleihung 2027 als österreichischer Beitrag für die Kategorie Bester Internationaler Film eingereicht.
Handlung Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) taucht ein ehemaliger Soldat in einem abgelegenen protestantischen Dorf auf. Er behauptet, der rechtmäßige Erbe eines seit langer Zeit verlassenen und verfallenen Gutshofs zu sein. Seinen Anspruch macht er mit einem Dokument geltend. Den Fremden umgibt ein Geheimnis – tatsächlich ist er eine Frau namens Rose, die die Identität eines im Krieg gefallenen Soldaten angenommen hat, um sich frei zu fühlen und ihr Glück zu finden. Durch Fleiß und Geschick beim Wiederaufbau des Hofs findet der Neuling Anerkennung bei den anfangs skeptischen Einwohnern des Dorfes. Sein Ansehen steigt noch mehr, als er einen Bären erlegen kann, und dabei einem Dorfbewohner das Leben rettet. Durch den Erfolg bestärkt, äußert er bald Interesse an einem wertvollen Bachgrundstück, das einem Großbauern der Gemeinde gehört. Der Großbauer ist nicht bereit, das Grundstück zu verkaufen, möchte ihm den Zugang aber trotzdem gewähren – unter der Bedingung, er soll seine älteste Tochter Suzanna heiraten. Da der Fremdling sich inzwischen sicher fühlt, schreckt ihn dieser Vorschlag nicht ab, was einen nicht mehr aufzuhaltenden Gang der Dinge auslöst. Die Ehe wird nach der Hochzeit nicht vollzogen, Rose begründet dies mit der Reinheit Suzannas, die noch nicht getrübt werden solle. Suzanna ist unglücklich darüber und ihr Vater macht Druck. Als dann Suzanna schwanger wird, scheint die Gefahr gebannt. Nach der Geburt des Kindes scheint alles geglückt zu sein, und Rose glaubt sich am Ziel ihrer Wünsche.Rose. In: filmstarts.de (abgerufen am 7. April 2025).Barbara Schuster: „Rose“: Erste Etappe geschafft. In: the-spot-mediafilm.com, 25. Juni 2024 (abgerufen am 7. April 2025).Rose. In: mdm-online.de (abgerufen am 7. April 2025).
Doch in einem Sommer kommt es beim Imkern zu einem Unfall. Rose wird von mehreren Bienen gestochen, fällt in Ohnmacht, und bleibt über längere Zeit krank. In dem Versuch, die Stiche zu finden und die noch steckenden Stachel zu entfernen, bemerken Suzanna und eine Magd, dass Rose eine Frau ist. Während Suzanna die neue Realität akzeptiert und bei Rose bleiben will, läuft die Magd davon und macht ihre Entdeckung kund. Als einige Dorfbewohner daraufhin zum Hof kommen und nach der Wahrheit verlangen kommt es zu einer verbalen Auseinandersetzung. Daraufhin fliehen die beiden Frauen mit dem Kind, werden jedoch nach kurzer Zeit gefasst. Wegen der heftigen Vorwürfe nimmt sich die Obrigkeit der Sache an. Im Dorf erscheint der Amtsmann und ordnet eine Untersuchung an. Die beiden Frauen werden daraufhin verhaftet und beiden wird getrennt der Prozess gemacht. Suzanna wird wegen Beihilfe zum Betrug und wegen Ehebruchs zum Tod durch Säcken verurteilt. Rose soll wegen Betrugs und Erbschleicherei durch Enthauptung hingerichtet werden. Die Hinrichtung wird allerdings verschoben, weil Rose durch eine Vergewaltigung von vier Männern selbst schwanger geworden ist. In der Zeit, die ihr durch den Aufschub gewährt wird, schreibt sie ihre Lebensgeschichte auf.
Entstehungsgeschichte Drehbuch und Besetzung mini|hochkant|Markus Schleinzer bei der Vorstellung seines Films während der Berlinale (2026) Für den Österreicher Markus Schleinzer ist Rose der dritte realisierte Spielfilm als Regisseur. Das Skript zum Film verfasste er gemeinsam mit Alexander Brom. Als Inspiration für die Titelfigur dienten beiden zahlreiche dokumentierte Berichte über als Männer verkleidete Frauen in der europäischen Geschichte. Schleinzer und Brom bemühten sich bei ihrer Recherche um größtmögliche Authentizität.Vassilis Economou: Markus Schleinzer in post-production with historical drama Rose. In: cineuropa.org, 25. Februar 2025 (abgerufen am 7. April 2025).
mini|hochkant|Hauptdarstellerin Sandra Hüller auf der Berlinale 2026 Für die Hauptrolle der Rose wurde die vielfach preisgekrönte deutsche Schauspielerin Sandra Hüller verpflichtet. Den Part der Großbauerstochter Suzanna erhielt die deutsche Theaterschauspielerin Caro Braun, die unter Schleinzers Regie ihr Spielfilmdebüt gab. In weiteren Rollen sind unter anderem Godehard Giese, Robert Gwisdek, Maria Dragus, Sven-Eric Bechtolf und Rainer Egger zu sehen, während Marisa Growaldt als Erzählerin der Geschichte fungierte.
Dreharbeiten und Produktion Die Dreharbeiten fanden zwischen Anfang Mai und Mitte Dezember 2024 mit Unterbrechungen in Sachsen-Anhalt sowie an Drehorten in Österreich statt. Insgesamt waren 37 Drehtage angesetzt. Das Filmteam errichtete mehrere aufwendige Bauten im Glasebachtal im Landkreis Harz, das mit 21 Drehtagen (Mai–Juni, November bis Dezember 2024) Hauptdrehort war.Freddy Heueis: Erster Drehblock für "Rose" mit Sandra Hüller beendet. In: blickpunktfilm.de, 26. Juni 2024 (abgerufen am 7. April 2025). Für die Kamera war Schleinzers langjähriger Weggefährte Gerald Kerkletz verantwortlich, der die gleiche Position bei dessen vorangegangenen Spielfilmen Michael (2011) und Angelo (2018) bekleidet hatte. Ebenfalls an der Produktion beteiligt waren Olivier Meidinger (Szenenbild), Doris Bartelt (Kostüme) und Anette Keiser (Maskenbild). Bartelt und Keiser hatten ebenfalls an Angelo mitgewirkt. Als Editor wurde Hansjörg Weißbrich ausgewählt.
Produziert wurde Rose vom Österreicher Johannes Schubert und dessen neugegründeter Firma Schubert,Tim Dams: Sandra Hüller to star in Markus Schleinzer's period drama ‘Rose’; The Match Factory boards sales (exclusive). In: screendaily.com, 1. Juni 2023 (abgerufen am 7. April 2025). von der Leipziger ROW Pictures (Produzent: Karsten Stöter) sowie von der Münchner Walker+Worm Film (Tobias Walker und Philipp Worm). Als Koproduzenten waren der ORF, das ZDF und Arte beteiligt. Weitere Unterstützung erhielt das Projekt vom Österreichischen Filminstitut, das für die Projektentwicklung 35.000 Euro und für die Herstellungsförderung 830.000 Euro veranschlagte. Zur Finanzierung trugen unter anderem auch der Deutsche Filmförderfonds (1,435 Millionen Euro), die Mitteldeutsche Medienförderung (700.000 Euro), die deutsche Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (500.000 Euro), die Film- und Medienstiftung NRW und der Filmfonds Wien (je 450.000 Euro), die deutsche Filmförderungsanstalt (336.000 Euro), der FilmFernsehFonds Bayern, das Medienboard Berlin-Brandenburg sowie die MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (je 100.000 Euro) bei.
Mit den internationalen Verwertungsrechten wurde das Unternehmen The Match Factory betraut.
Veröffentlichung und Rezeption Die Weltpremiere von Rose erfolgte am 15. Februar 2026Rose. In: berlinale.de (abgerufen am 3. Februar 2026). im Rahmen der 76. Berlinale. Dort wurde das Werk in den Hauptwettbewerb eingeladen.Rose. In: berlinale.de (abgerufen am 20. Januar 2026).
In Deutschland lief der Film am 30. April 2026Rose. In: pifflmedien.de (abgerufen am 20. Januar 2026). im Verleih von Piffl Medien regulär in den Kinos an. In Österreich ist eine Kinoauswertung durch Filmladen vorgesehen. (abgerufen am 7. April 2025).
Im internationalen Kritikerspiegel des britischen Branchenmagazins Screen International erhielt der Film 3,3 von 4 möglichen Sternen und belegte nach 17 gezeigten Wettbewerbsfilmen den ersten Platz.Berlin film festival 2026 jury grid. In: screendaily.com (abgerufen am 21. Februar 2026).
Esther Buss gab dem Film bei Filmdienst 4,5 von 5 Sternen: „Der konzentriert inszenierte Film in strengem Schwarz-weiß lässt durch den lyrischen Ton von Erzählerstimme und Dialogen viel Raum und versagt sich eine vordergründige Einordnung der Hauptfigur in identitätspolitische Schubladen.“ Michael Pekler vergleicht in Der Freitag den Film mit den anderen Filmen Schleinzers und bemerkt, dass es stets um randständige Figuren gehe. Das Schicksal von Rose diene „zuvorderst als Versuchsanordnung: Penibel wird, der Schönheit der Bilder zum Trotz, die Abwärtsspirale beobachtet.“
Autorin und Literaturwissenschaftlerin Angela Steidele kritisierte den Film in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung scharf und sieht die „atemberaubende Originalstory verstümmelt“, indem lesbische oder Transgender-Aspekte nicht beachtet wurden. Durch die überaus vielen Parallelen zu ihren eigenen Forschungen und Veröffentlichungen zur Geschichte der Catharina Margaretha Linck alias Anastasius Lagrantinus Rosenstengel (1687–1721) benennt sie mindestens eine Szene im Film als Plagiat. Der Film bliebe „weit unter seinen Möglichkeiten. [...] Indem Markus Schleinzer sich aus Rosenstengels Leben Dutzende Details aneignet und durch die Titelwahl vom Ruhm der historischen Gestalt profitieren möchte, zugleich jedoch ihre protolesbische beziehungsweise seine prototransidente Geschichte verleugnet, entstellt er Rosenstengels einzigartigen Lebenslauf auf groteske Weise und nimmt der Person ihre Würde. Damit werden die historische Gestalt und die mit ihr verbundene fluide Utopie, Liebe und Lust nach drei Jahrhunderten ein zweites Mal ausgelöscht.“ Zudem: „Ausgerechnet eine historische Gestalt, die wie keine andere für eine lustvolle, bejahende und beiderseitiges Vergnügen erstrebende Sexualität welcher Ausrichtung auch immer (...) steht, wird in Schleinzers Film patriarchal misogyn in ihr Gegenteil verkehrt“. Steideles Fazit: „So wird sein Film selbst zum ‚wahrhaften Land- und Leute-Betrug‘“.Angela Steidele: Was in "Rose" verkehrt läuft. Spielt Sandra Hüller hier im falschen Film?, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. April 2026 (zuletzt abgerufen am 15. Mai 2026).
Dieser Kritik widersprach Andreas Kilb, ebenfalls in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Catharina Linck alias Rosenstengel lebte offen lesbisch, Markus Schleinzers Rose dagegen hat so wenig Interesse am eigenen wie am anderen Geschlecht. Das liegt nicht daran, dass er sich an einer realen Figur vergriffen hat. Er hat eine neue Figur geschaffen. Denn in 'Rose' geht es nicht um Sex, sondern um Herrschaft und um ihr Gegenteil, die Freiheit.“ Kilb argumentiert weiter gegen Steidele: „Was hier erzählt wird, ist eben keine frühneuzeitliche Transgender-Geschichte, sondern eine Parabel über Gewalt und Geschlecht, und das entkräftet auch den Vorwurf des Plagiats, selbst wenn einzelne Namen und Details des Films an Angela Steideles 'Rosenstengel'-Roman erinnern.“ Keine Stellung nimmt Kilb allerdings zu Steideles Kritik, dass die filmischen Todesurteile für Rose, und gar erst für seine Frau Susanna, aufgrund der Weglassungen von Schleinzer somit der historischen Grundlage entbehren würden! - Kilb spricht sich in seiner Kritik für eine Auszeichnung an Hauptdarstellerin Sandra Hüller aus. Der Schauspielerin gelinge es, „zugleich das Unwahrscheinliche und das Beredsame ihrer Maskerade sichtbar zu machen“. Regisseur Markus Schleinzer erfinde „vielleicht nicht das Kostümkino neu“, aber er zeige, „wie man einen historischen Stoff mit wenigen Handgriffen zeitgenössisch“ mache.Andreas Kilb: Eine Frau ist ein Mann ist eine Frau. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Februar 2026, S. 14.