Der Snuff-Film, kurz Snuff ( umgangssprachlich to snuff someone = jemanden abmurksen, von to snuff out a candle = eine Kerze auslöschen), ist ein Filmgenre, in dem real wirkende filmische Aufzeichnungen von Morden, Suiziden und ähnlicher Gewalt zur Unterhaltung oder sexuellen Erregung des Zuschauers gezeigt werden. Das Lexikon der Filmbegriffe, Universität Kiel: Snuff.Grenzüberschreitungen: Mord vor laufender Kamera, Spiegel online, 12. Dezember 2002

Es gibt keinen Nachweis dafür, dass sich unter den Filmen dieses Genres auch solche mit realen Inhalten anstatt gestellter Szenen befinden. Der reale Snuff-Film gilt daher als moderne Sage.

Abzugrenzen ist der Snuff-Film von realem Bildmaterial von gefilmten Kriegsschlachten,Bereits im Ersten Weltkrieg wurden zu Unterhaltungs- und Propagandazwecken gefilmte Kriegsschlachten gezeigt. Beispielsweise waren bei den Aufführungen von Heinrich Gilardones Weltkriegspropaganda-Spektakel „Der Hias“ (1916) gefilmte Kampfhandlungen zu sehen: „Nun sinkt eine weiße Leinwand vor die Bühne und der Kinematograph tritt in Tätigkeit. Man sieht aus den Fenstern des Schlosses, wie die deutschen Linien die Hänge heraufstürmen. Die Soldaten sind echt, und echt kriegsmäßig sind auch all diese Kriegsszenen. Granaten platzen, es gibt Verluste, aber der Sturmangriff wird vorwärts getragen. In den Gärten und Büschen kommt es zu Nahkämpfen, Mauern werden gestürmt, Tore eingeschlagen und in den Höfen des Schlosses wütet das Handgemenge.“ („Der Hias“. In: „Tölzer Kurier“, 24. Februar 1917, 4.) Karl Kraus hat daher in seiner Zeitschrift Die Fackel unter anderem auch die „Hias“-Aufführungen als verwerflich gebrandmarkt. Hinrichtungen (z. B. Enthauptungsvideos des IS), Unfällen, Tatorten, Autopsiesälen und so weiter.Christine Adelhardt, Ilka Brecht: Gequält und getötet – Mordvideos im Internet, NDR Panorama, 30. August 2001 Der Film Gesichter des Todes enthält authentische, aber auch gestellte Aufnahmen.John Fecile: Interview: 'Banned in 46 countries' – is Faces of Death the most shocking film ever?, The Guardian, 1. Oktober 2018

Wortherkunft Die Bezeichnung snuff soll zuerst von Ed Sanders in dessen Buch The Family: The Story of Charles Manson’s Dune Buggy Attack Battalion verwendet worden sein in Bezug auf Filme, die die „Familienmitglieder“ der Manson Family von den Morden erstellt haben sollen und die nicht aufgefunden werden konnten. Der Film Slaughter (1971), der von den Morden der Manson Family inspiriert war, trug später den Titel Snuff.Alyse Wax: Snuff: The Biggest Myth In Film: It's time to demystify this scare tactic., fangoria.com, 21. Mai 2021

1976 erhielt der argentinische Horrorfilm El Ángel de la muerte in den Vereinigten Staaten den Titel Snuff. In einer der Szenen sollen die Macher des Films eine der Darstellerinnen umgebracht haben. Dies war eine rein fingierte Marketingaussage.

Mediale Rezeption Seit Snuff in den 1970er Jahren vom feministischen Anti-Pornographie-Diskurs aufgegriffen wurde,Catharine MacKinnon: Pornografie: Das kalte Herz, Emma Ausgabe Oktober 1987 vom 1. Oktober 1987Pascal Eitler: Das „Reich der Sinne“? Pornographie, Philosophie und die Brutalisierung der Sexualität (Westdeutschland 1968-1988), PDF-Datei, S. 29, Body Politics 1 (2013), Heft 2, S. 259–296, www.bodypolitics.de | urn:nbn:de:gbv:547-201400160 | ISSN 2196-4793 wird das Konzept immer wieder in anderen Debatten, die zumeist ebenfalls auf Verschärfungen der Kontrolle der Mediennutzung abzielen, thematisiert – wie zuletzt beim Thema Happy Slapping.Cathrin Kahlweit: Happy slapping und Snuff-Videos: Bilder von enormer Schlagkraft, sueddeutsche.de, 22. Oktober 2021 Dadurch wurde Snuff zum modernen Mythos, der den maximalen Tabubruch der Medien-Gewalt und eines ontologischen Realismus kodiert.The final cut – the modern mythology of the snuff movie, reprobatepress, 23. Januar 2019

Snuff und Gewaltpornografie Für einen kleinen Teil des BDSM-Bereichs werden auf legalem Weg Filme produziert, in denen die Darsteller vorgeben, Menschen zu vergewaltigen oder sogar zu töten. Die allermeisten Gewaltpornografie-Konsumenten hätten nach Ansicht der Psychologin Lydia Benecke, die Konsumenten dieses Genres zu ihren Fantasien befragte, jedoch niemals vor, entsprechende Straftaten in die Realität umzusetzen.Psychologin blickt hinter die Kulissen von schweren Verbrechen. Was treibt die Täter an? - Vortrag in Heidelberg Rhein-Neckar-Zeitung, aufgerufen am 26. Februar 2022

Anders sieht es in Bezug auf das Genre Hurtcore aus, in dem authentische Aufnahmen mit echten Opfern für den Tausch kursieren oder zum Kauf angeboten werden.Thomas Gutschker: Der Fall Edathy: Schonzeit in Hannover, faz.net, 23. Februar 2014, Zitat: „Hurtcore, wo Kinder sadistisch gequält werden“

Animal Snuff Eine Spielart des sogenannten Zoosadismus, der sexuell ausgerichteten Tierquälerei, ist der „Crush fetish“, bei dem Tiere zerdrückt werden, was bei den Betrachtenden sexuelle Erregung auslöst.Sexueller Missbrauch von Tieren. Die Würde der Kreatur verpflichtet den Staat Legal Tribune Online, aufgerufen am 14. Juli 2022

Diese seltene Paraphilie tritt in der Regel in Kombination mit Fußfetischismus auf. In Deutschland gab es bereits entsprechende Gerichtsverhandlungen, die „Animal Crushing“ beziehungsweise „Animal Snuff“ zum Gegenstand hatten. So wurde 2022 einer Frau in Würzburg der Prozess gemacht, die ein Video verbreitet hatte, auf dem zu sehen war, wie Mäuse mit High Heels zertreten wurden. Es wurde eine Geldstrafe verhängt.Tödlicher Fetisch: Frau wegen "Animal Crushing" verurteilt Die Süddeutsche, aufgerufen am 14. Juli 2022

Auch in anderen Ländern, wie zum Beispiel den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich, werden die Erstellung und Verbreitung von Snuff-Filmen, bei denen Tiere im Rahmen eines Crush Fetish sterben, strafrechtlich verfolgt. Einige asiatische Länder, wie die Volksrepublik China oder Indien, haben dagegen deutlich weniger Bestimmungen, die zum Tierschutzrecht zählen.22 Terrifying Sexual Fantasies That Must Be Talked About. 3. The Crush Fetish. (auf Englisch) Advocate, aufgerufen am 14. Juli 2022

Beispiele Nachstehend aufgelistet sind verschiedene Werke, die aufgrund ihrer Thematik oder Inhalte entweder selbst zu den Snuff-Filmen gerechnet werden können oder aber sich fiktional oder dokumentarisch mit dem Genre befassen.

Filme und Serien