mini|Ensemble von drei Fördertürmen in Herten, Zeche Ewald:Ein „Doppelbock“, ein Malakow-Turm und ein Stahlkastenfördergerüst

Die Liste der Fördertürme im Ruhrbergbau enthält eine Auswahl der Fördergerüste und Fördertürme, die aus den Zeiten des Ruhrbergbaus noch existieren oder existiert haben.

Früher prägte ihre Präsenz das Stadtbild in den Kommunen des Ruhrgebiets. Ihre Gesamtzahl über die Jahrzehnte dürfte nicht zu ermitteln sein, die 1.000 aber weit überschreiten. Da mit dem Ende des Steinkohlenbergbaus ihr Nutzen als Teil der Betriebsanlage in der Regel verloren ging, ist die Mehrzahl abgebrochen worden. Dieser Prozess läuft weiter fort. Seit dem Jahr 2010 sind 18 Schachtbauwerke abgebrochen worden.

Heute erfüllen die verbliebenen Fördertürme in der Regel eine Funktion als Industriedenkmal und Landmarke. Es sind (Stand März 2025) noch 102 Fördertürme vorhanden. Die Mehrheit ist als Denkmal eingetragen, nur um die 25 Stück stehen als aktives Betriebsgebäude oder aus anderen Gründen nicht unter Denkmalschutz. Fördertürme im Ruhrbergbau

Förderturm oder Fördergerüst Zu unterscheiden sind Fördergerüste und Fördertürme: Allgemein verbreitet sind Fördergerüste mit ihren typisch von der Seite kommenden Stahlseilen einer extern angeordneten Maschinenwarte. Über eine Seilscheibe wird das Stahlseil senkrecht in den Schacht geleitet. Fördertürme haben die Fördermaschine genau oberhalb des Schachtes im Turm montiert; das Stahlseil wird nicht umgelenkt. Wegen der häufigeren Verwendung des Begriffs Förderturm (selbst teilweise bei Denkmalschutzbegründungen) wird dieser hier auch verwendet.

In vielen Fällen wurden Strebengerüste gebaut, oft wurden ihre jeweiligen Typen auch im Ruhrbergbau entwickelt. Die Ausführung als ein Zweistrebengerüst, auch Doppelstrebengerüst, ist eine sehr markante Bauweise. Sie wird umgangssprachlich auch als Doppelbock bezeichnet. Auch wenn sie seltener verwendet wurde als die einfache Bauweise, wird diese Art oft als typisches Symbol für das Ruhrgebiet wahrgenommen.

Eine besondere Form der Fördertürme ist der gemauerte Malakow-Turm, welcher Verwendung in den 1850er bis 1870er fand. Von den ehemals mehr als 130 Malakow-Türmen im Ruhrgebiet sind heute noch 14 Exemplare erhalten, wovon alle denkmalgeschützt sind. Alle Bauwerke sind als Schachttürme ausgeführt, allerdings werden nur zwölf von ihnen unstrittig als Malakow-Türme im engeren Sinne angesehen.

Historische Bedeutung und technische Weiterentwicklung Das Gerüst zur Einfahrt in das Bergwerk war nach dem schrittweisen Umstieg von dem Graben in Pingen und dem Betrieb von Stollen zur Schachtförderung notwendig. Dies geschah im Ruhrbergbau Ende des 18. und zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Einfache Gerüste aus dem Beginn des Förderns mit einem Schacht sind unter anderem Handhaspel, Dreibäume, (Pferde-)Göpel (um 1785) und einfache Fördergerüste, wie sie auf dem Bergbauwanderweg Muttental in Witten als Nachbau zu finden sind.

Um 1800 musste zum Tiefbau übergegangen werden, da die Kohleschichten im Ruhrgebiet nach Norden hin immer tiefer abfallen. Dabei gab es mehrere Probleme. Mit zunehmender Tiefe (Teufe) steigt die Belastung auf das Fördergerüst, bedingt durch das Gewicht von Seil und Förderkorb. Weiterhin wurde mehr Kraft benötigt, um die Kohle zu fördern. Ein weiteres wichtiges Problem war das einlaufende Grundwasser in die Bergwerke. Nachdem die Zechen tiefer lagen als die Ruhr (siehe Erbstollen) musste dies mechanisch abgepumpt werden. Erst mit der Einführung der Dampfmaschinen in den Ruhrbergbau konnten diese beiden Probleme teilweise gelöst werden. Die erste Dampfmaschine für das Abpumpen von Grubenwässern wurde auf der Zeche Vollmond im Jahr 1802 eingesetzt ((Bochum-) Werne), die erste Maschine zur Förderung ab 1809 auf der Zeche Vereinigte Sälzer & Neuack in Essen. Dort wurden auch 1835 die ersten Drahtseile in der Schachtförderung eingesetzt, welche die Sicherheit erhöhten, aber auch das zu fördernde Gewicht.

Die höheren Antriebskräfte und der längere Hebelarm zur Lagerung der Seilscheibe erhöhten ebenfalls die auf das Schachtgerüst wirkenden Kräfte. Das zunehmende Gewicht und die mechanische Belastung überstiegen die Tragfähigkeit von Holzfördertürmen, auch die Fördergerüste aus einfachen Gusseisen konnten die Zugkräfte bald nicht mehr auffangen. Daher ging man ab 1850 zum Bau von Türmen mit massiven Strebepfeilern über (die Malakow-Turm). Anfangs waren die starken Mauern und das entsprechende Eigengewicht der Malakowtürme ausreichend, um die Kräfte aufzunehmen. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden Seilscheibengerüste in die Türme eingebaut oder nachgerüstet. Die Strebenkonstruktion nimmt die Kräfte auf, die in Richtung der Kraft aus der Achse der Fördermaschine – Seilscheiben und der Gewichtskraft der im Schacht hängenden Förderkörbe resultieren. Diese technologischen Fortschritte ermöglichten es den Bergwerken, in immer größere Tiefen vorzudringen und die Kohleförderung im Ruhrgebiet erheblich zu steigern.

Seit der Zeit um 1870 kamen mehr und mehr frei stehende Stahlkonstruktionen als Strebengerüste in Gebrauch. Die Ersten waren bei den Zechen Barillon in Herne und Graf Beust in Essen in Betrieb. Ein deutlicher weiterer Fortschritt war die 1877 erstmals umgesetzte Treibscheibenförderung, der sogenannten Koepe-Förderung, bei der Zeche Hannover in (Bochum-) Hordel. Dort wurde 1888 auf Schacht II auch erstmals die Turmförderung eingesetzt.

Im 20. Jahrhundert prägten die Fördergerüste die Industrieregion des Ruhrgebiets. Hier wurden vornehmlich Tomson-Böcke, Strebengerüste (Bauart Zschetzsche ab 1899 und Bauart Klönne ab 1903) und Doppelstrebengerüste (oft als Doppelbock bezeichnet) errichtet. Durch die rasante Entwicklung und die steigenden Anforderungen kam es so zu ständigen Weiterentwicklungen, bis hin zu Konstruktionen aus Stahlbeton. Weiterhin wurde die Fördertechnik auch immer verbessert, welches sich auch auf die Architektur und das Aussehen der Fördergerüste auswirkte. Im Jahr 1947 gab es die erste Vierseilförderung auf der schon erwähnten Zeche Hannover. Bei der Zeche Kaiserstuhl wurde ab 1954 die erste Turmfördermaschine mit Drehstromantrieb, Zweiseilförderung und automatischer Steuerung in Betrieb genommen, ab 1955 dann die erste vollautomatische Fördermaschine auf dem Bergwerk Pattberg.

Zuallererst war der Förderturm ein notwendiges Betriebsgerät. Nur bei einigen der Fördergerüste wurde auch beim Bau Wert auf einen architektonischen Eindruck gelegt. Das bekannteste Zechenensemble, auf welches das zutraf, ist die denkmalgeschützte und als Welterbe verzeichnete Zeche Zollverein in Essen. Das dort auf Schacht XII gebaute Gerüst des „Doppelbock“ prägt, ebenso wie der Förderturm des Deutschen Bergbau-Museum, das Bild, welches viele Menschen von einem Förderturm haben, auch wenn diese Art nicht die häufig eingesetzte war und unter 10 % der erhaltenen Gerüste ausmacht.

Eine genaue Anzahl der im Ruhrgebiet im Einsatz gewesenen Fördergerüste wird sich nicht ermitteln lassen. Von den mehr als 3.300 erfassten Zechen im Ruhrbergbau werden viele keine Gerüste gehabt haben (Stollen- und Schachtbau), andere hatten aber auch mehrere Schächte (als Beispiel Zeche Zollverein 12 Stück und 11 Stück bei der Zeche Constantin der Große). Von einer Anzahl von über 2.000 Fördergerüsten kann ausgegangen werden. In der Regel wurden die Fördergerüste nach Betriebsende der Zechen in den folgenden Jahren abgerissen bzw. gesprengt, da sie nicht mehr benötigt waren. In sehr seltenen Fällen wurden Fördergerüste versetzt (Transloziert), teils zur Weiternutzung in einem anderen Bergwerkbetrieb, teils aus musealen Zwecken.

Zwischen Betriebsgebäude und Industriedenkmal Auslaufen des Bergbaus Mit dem Beginn der Kohlekrise in den späten 1950er, frühen 1960er Jahren begann sich die Anzahl der Zechen und damit der Fördertürme zu reduzieren. Im Jahr 1998 gab es dann nur noch elf Zechen im Ruhrgebiet, welche Steinkohle förderten, sowie das Salzbergwerk in Rheinsberg.

Einige wenige Fördergerüste wurden auf rund 15 Schächten noch zur Wasserhaltung erhalten und betrieben. Dabei wurden meist zwei Schächte frei gehalten, einer zum Abpumpen der Grubenwässer, einer als Wartungs- und Rettungsschacht. Aber auch schon dabei wurden ehemals große, markante Fördertürme durch kleinere Betriebsgerüste ersetzt. Mit dem Ende des Steinkohlenbergbaus wird die alte zentrale Wasserhaltung in ein neues Konzept umgewandelt, welches auch die Aufgabe einiger Fördergerüste als Betriebsmittel mit sich zieht. Einzelne Befahrungshaspeln sind schon abgebaut (z. B. Zeche Hansa II). Der Abbruch von anderen Fördergerüsten, wie z. B. von Zeche Carolinenglück III oder Zeche Zollverein II ist nicht zu erwarten, da diese unter Denkmalschutz stehen.

Im Allgemeinen wurden aber in den 1960er bis wenigstens Ende der 1970er aufgegebene Bergbaustandorte als für die Stadtplanung tote und nicht zu nutzende Flächen angesehen. Daher wurden dann bei einer weiteren Nutzung die Betriebsgebäude abgerissen und Fördergerüste im Allgemeinen gesprengt.

Fördergerüste und Fördertürme sind aber nicht nur die markantesten Bauwerke eines Bergwerks, die das Erscheinungsbild jeder Bergwerksanlage besonders prägen, sondern auch die Skyline der durch die Kohleindustrie gewachsenen Städte.

Umdenken und Denkmalschutz Auch wenn teilweise die markante Wirkung der Fördergerüste in der Landschaft dargestellt wurde, wie beim Chargesheimers Buch Im Ruhrgebiet von 1958, gab es doch kein Bewusstsein, dass auch diese Bauten erhaltenswert sind. Es galten in der Regel nur Burgen, Kirchen und Schlösser als denkmalwürdige Bausubstanz.

Eine der Ersten, die sich mit den Fördergerüsten nicht nur technisch, sondern auch künstlerisch und über ihre Wirkung auseinandersetzten, war das Künsterehepaar Bernd und Hilla Becher. Bernd Becher hatte in seiner Heimat im Siegerland in den 1960er angefangen, die verschwindende Erz-Industrie fotografisch festzuhalten. Ihre Arbeiten wurden später auch in den Büchern Fördertürme, Zeche Concordia und Zeche Hannover veröffentlicht. Die Bechers setzten sich auch für die Initiative von Hans P. Koellmann ein, dass 1969 die Maschinenhalle der Zeche Zollern II nicht wie geplant abgerissen wird. Es wurde in der Folge als erstes Industriebauwerk in Deutschland unter Denkmalschutz gestellt, die Betreuung erfolgte zuerst von dem Deutschen Bergbaumuseum. In der Folgezeit wurden sogar die bereits abgerissenen Fördergerüste durch zwei baugleiche Gerüste von Zechen, die geschlossen wurden, ersetzt.

Frühe Publikationen zu dem Denkmalwert von Industrieanlagen und der dazugehörigen Fördergerüste und Fördertürme waren das Buch F. Schupp, M. Kremmer, Bergbauarchitektur 1919–1974 des Landeskonservator des Rheinlandes Wilhelm Busch von 1980, sowie für den westfälischen Teil des Ruhrgebiets die Publikation Der Bergbau im Ruhrgebiet – Überlegungen zur Erhaltung seiner Denkmäler des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe von 1986.

Weitere Initiatoren des Bedeutungswandels und des damit einhergehenden Gespür für die Industriekultur waren der NRW-Minister Christoph Zöpel, der von 1980 bis 1990 in der Position unter anderem für Stadtentwicklung tätig war, und der Geograph und Städteplaner Karl Ganser, welcher Chef der Internationale Bauausstellung Emscher Park (IBA Emscher Park) von 1989 bis 1999 war. In diesem Zeitrahmen fiel auch die Bundesgartenschau von 1997 im Gelsenkirchener Nordsternpark. Es war die erste Bundesgartenschau auf einer ehemaligen Industriefläche, und die beiden Fördertürme der Zeche Nordstern waren ein Teil des Parks. Ohne diese beiden Ausstellungen wäre höchstwahrscheinlich eine Bewerbung für Essen und das Ruhrgebiet zur Kulturhauptstadt Ruhr.2010 nicht erfolgreich gewesen, oder auch erst gar nicht erfolgt.

Regionaler Bezugspunkt und folkloristische Landmarke