Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije (GRU) Hauptverwaltung für Aufklärung 150px|Wappen der GRUGründung 5. November 1918Land 15px|class=noviewer Russische Föderation 15px|class=noviewer Sowjetunion (bis 1991)Aufgabe der Behörde MilitärnachrichtendienstAufsichtsbehörde Verteidigungsministerium der Russischen FöderationDirektor Igor Kostjukow Behördensitz Uliza Grisodubowoi, Moskau (Hauptquartier)Budget geheimAnzahl der hauptamtlichen Mitarbeiter ungefähr 12.000Leitsatz unterstellte Dienste 15px|class=noviewer GRU SpezNas Die Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije (GRU; ) ist das leitende Zentralorgan des Militärnachrichtendienstes () des russischen Militärs.

Der offizielle Name lautet seit 2010 , wobei sowohl Volk als auch selbst Präsident Putin diesen Wechsel im allgemeinen Sprachgebrauch nie nachvollzogen. Das die Hauptaufgabe benennende Wort () kommt somit als Namensbestandteil offiziell nicht mehr vor.

Auftrag Die Aufgabe der GRU ist die nachrichtendienstliche Beschaffung aller militärisch relevanten Informationen sowie die Spionageabwehr innerhalb der russischen Streitkräfte. Ferner unterhält die GRU mit der Spezialeinheit Speznas eine operative Kommandoeinheit für unkonventionelle Kriegführung und Terrorismusbekämpfung, die in der Lage ist, verdeckt auf sich allein gestellt hinter feindlichen Linien zu operieren.

Die historisch jüngste Aufgabe der GRU ist nach Ansicht des bundesdeutschen Verfassungsschutzes die Wirtschaftsspionage. Das Bundesamt für Verfassungsschutz erwähnt dabei nicht nur den zivilen Auslandsnachrichtendienst SWR, sondern auch die GRU und den Inlandsgeheimdienst FSB. Hans-Peter Uhl, ehemaliges Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums, sagte, Putin habe 2007 „bei der Amtseinführung des Chefs des SWR die Anweisung gegeben, durch Wirtschaftsspionage im Ausland dafür zu sorgen, dass die Wirtschaft der Russischen Föderation gestärkt wird“.

Mordanschläge und politische Destabilisierung im Ausland Die GRU steht im Verdacht, zahlreiche staatliche Auftragsmorde im Ausland verübt zu haben. Dazu gehören beispielhaft die Ermordungen des tschetschenischen Anführers Selimchan Jandarbijew am 13. Februar 2004 im Exil in Doha, von Umar Israilow am 13. Januar 2009 in Wien, von Sulim Jamadajew am 30. März 2009 in Dubai, von Amina Okujewa am 30. Oktober 2017 in Hlewacha sowie von Selimchan Changoschwili am 23. August 2019 in Berlin.

Die New York Times und das Nachrichtenmagazin Der Spiegel benannten die GRU-Einheit 29155, mutmaßlich geführt von Generalmajor Andrei Awerjanow, als wahrscheinlich verantwortlich für die meisten dieser Anschläge. Dieser Einheit wird auch vorgeworfen, systematische Aktionen zur politischen Destabilisierung anderer Staaten durchzuführen. Dazu gehören etwa die Destabilisierung der Republik Moldau im Jahr 2014, die versuchte Vergiftung des bulgarischen Waffenhändlers Emilian Gebrew in Sofia 2015. Im Jahr 2016 hielt Montenegro ein Referendum über den Beitritt zur NATO ab. Die GRU plante die Ermordung des Ministerpräsidenten Milo Đukanović und ihn durch einen anderen Politiker zu ersetzen. Der Putschversuch scheiterte und Montenegro trat 2017 der NATO bei. Zwei GRU-Agenten wurden verhaftet und strafrechtlich verfolgt. Im folgenden Jahr versuchte die GRU, einen ehemaligen Oberst der GRU und Agent des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, Sergei Skripal, im britischen Salisbury mit einem Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe zu vergiften. Die beiden beteiligten GRU-Offiziere wurden von den britischen Behörden identifiziert.

Ebenso finanziert die GRU gezielt EU-feindliche Parteien, um die Europäische Union zu schwächen; in diesem Zusammenhang wurde auch eine Einflussnahme auf das Brexit-Referendum nachgewiesen. Time (New York), 17. November 2019. Für diplomatische Spannungen sorgte außerdem die Russische Einflussnahme auf den Wahlkampf in den Vereinigten Staaten 2016.

Ende Juni 2020 veröffentlichte die New York Times US-Geheimdienstinformationen vom Frühjahr 2020, nach denen Einheit 29155 den Taliban, anderen Islamisten oder Kriminellen, Kopfgelder für die Tötung von US-Soldaten und anderen NATO-Soldaten im Afghanistankrieg angeboten und teilweise auch gezahlt hatten. Recherchen von The Insider und Der Spiegel legten Anfang 2025 weitere Hintermänner, Umfang und Aufwendungen des Unternehmens offen.

Die Sofacy Group genannte Einheit 26165 der GRU soll zudem als Hackerkollektiv gezielt für Cyberattacken auf westliche Einrichtungen verantwortlich sein.

Seit 2024 lässt sich ein vermehrter Einsatz von sogenannten Single Use Agents beobachten.

Im Juli 2024 wurden an verschiedenen Orten mehrere Paketbomben mit Zeitzündern und auf Magnesium basierenden Brandsätzen in Luftfracht-Paketen entdeckt, die während des Flugs zur Explosion gebracht werden sollten: Am 20. Juli detonierte eine der Bomben beim Umladen eines DHL-Frachtflugzeug am Logistikzentrum des Flughafen Leipzig/Halle, am Tag darauf kam es zu einer weiteren Explosion in einem Paketlager in Jablonow bei Warschau und wieder einen Tag später in einem DHL-Lager in Minworth bei Birmingham. Nur durch glückliche Umstände (u. a. Verspätung) detonierten die Bomben nicht während des Flugs. Laut dem damaligen BfV-Präsident Thomas Haldenwang wären sie stark genug gewesen, um zu einem Absturz zu führen. Alle Pakete wurden von einem Mann in Vilnius aufgegeben, der wohl als Single Use Agent vom russischen Geheimdienst GRU angeworben worden war. Offenbar waren auch noch weitere Anschläge geplant. Auch der versuchte Bombenanschlag auf ein ukrainisches Flugzeug durch eine Drohne am gleichen Flughafen im August 2026 wird laut Ermittlungskreisen mit einem GRU-Agenten in Verbindung gebracht.

Weitere Attentate, die in einen Zusammenhang mit der GRU gebracht werden, sind unter anderem:

Opfer Datum Ort Methode Juri Schtschekotschichin 16. Juni 2003 Moskau, Russland Vergiftet Selimchan Jandarbijew 13. Februar 2004 Doha, Katar Sprengstoffanschlag. Er und zwei seiner Leibwächter starben. Anna Politkowskaja 7. Oktober 2006 Moskau, Russland Erschossen (2004 war bereits ein Versuch der Vergiftung gescheitert) Alexander Litwinenko 1. November 2006 London, Vereinigtes Königreich Vergiftet mit 210Polonium Umar Israilow 13. Januar 2009 Wien, Österreich Erschossen Sulim Jamadajew 30. März 2009 Dubai, Vereinigte Arabische Emirate Erschossen Boris Beresowski 23. März 2013 Ascot, Vereinigtes Königreich Strangulation (in den 1990ern waren bereits Mordversuche gescheitert) Emilian Gebrew 28. April 2015 Sofia, Bulgarien Versuchte Vergiftung, vermutlich mit Nowitschok Wladimir Kara-Mursa 26. Mai 2015 & 2. Februar 2017 Moskau, Russland Versuchte Vergiftungen Amina Okujewa 30. Oktober 2017 Hlewacha, Ukraine Erschossen Sergei Skripal 4. März 2018 Salisbury, Vereinigte Königreich Versuchte Vergiftung mit Nowitschok. Er und seine ebenfalls vergiftete Tochter überlebten. Eine unbeteiligte Frau starb. Nikolai Gluschkow 12. März 2018 London, Vereinigtes Königreich Strangulation (2013 war bereits ein Versuch der Vergiftung gescheitert) Pjotr Wersilow 12. September 2018 Moskau, Russland Versuchte Vergiftung

Geschichte

Die Ursprünge des militärischen Aufklärungsdienstes innerhalb der zaristischen russischen Armee liegen in der Zeit der Napoleonischen Kriege, wo es um Unterjochung weiterer Länder unter französische Fremdherrschaft zwischen 1809 und 1812 ging. Nachdem Spanien (1808) und Portugal (1807) dem napoleonischen Herrschaftsraum angegliedert waren, plante Kaiser Napoleon I. seine weiteren Eroberungen in Richtung Norden und Osten zu treiben. Das stand den Plänen von Zar Alexander I. im Wege, der auch danach trachtete, den russischen Machtbereich zu vergrößern. Da mit dem Frieden von Tilsit 1807 zwar gegenseitig Interessensphären abgegrenzt, aber keine verbindlichen Regelung getroffen waren, blieb das gegenseitige Abtasten und das Ungewisse in den Herrschaftsansprüchen bestehen. Die Kriege gegen Skandinavien hatten diese Unsicherheiten noch deutlicher werden lassen. Um sich auch im Innern zu wappnen, hatte Zar Alexander 1802 das Kriegsministerium geschaffen, bei dem neben der Organisation des russischen Heeres auch die Informationsbeschaffung aus dem Ausland über die fremden Streitkräfte konzentriert zusammenlaufen sollten. Die Leitung hatte er dem Deutschbalten Michael Andreas Barclay de Tolly (1761–1818), der nach dem Schwedischen Krieg 1808 in Finnland den Gouverneursposten ausübte, übertragen. Bei ihm liefen nun auch die seit 1810 aus den russischen Gesandtschaften in den anderen Ländern kommenden, über dort eingesetzte Militärattachés und deren Militäragenten herangeholten Nachrichten zusammen. Diese trugen in erster Linie militärischen Charakter.

mini|GRU-Wappen () Die GRU wurde am 5. November 1918 offiziell innerhalb der Roten Armee gegründet. Erster Direktor der Behörde wurde der ehemalige zaristische Offizier und Mitglied des kaiserlich russischen Militärgeheimdienstes Semjon Aralow, der im Sommer 1919 in den diplomatischen Dienst wechselte.

Zwischen den Weltkriegen war die GRU sehr erfolgreich mit seinem internationalen Agentennetz. Der als Journalist getarnte Richard Sorge meldete aus Japan den bevorstehenden Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion, ebenso der Ungar Alexander Rado aus der Schweiz.

Während des Zweiten Weltkrieges betrieben die GRU und ihr Agentennetz vor allem traditionelle militärstrategische Aufklärung von Polen bis zum Pazifik für die Rote Armee. Zu den Operationen der GRU gehörte auch die Rote Kapelle u. a. mit Leopold Trepper. Ein weiterer bekannter Spion war der deutsche Physiker Klaus Fuchs. Er sorgte dafür, dass auch die Sowjetunion zur Nuklearmacht wurde.

Die GRU war in der Zeit des Kalten Krieges für Militärspionage, später auch für Waffenlieferungen an Rebellengruppen und Regime in Afrika, Asien und Lateinamerika zuständig, in denen die Sowjetunion eine kommunistische Regierung anstrebte. Das Prinzip des Dienstes war seit den 1960er-Jahren (unter der Leitung von General Iwaschutin) „keine Öffentlichkeit“. Erst als das KGB den Diebstahl der Geheimnisse zur Atombombe ganz für sich beanspruchte, deklassifizierte die GRU einige Archivmaterialien, mit welchen Wladimir Lota im Jahr 2002 das Buch The GRU and the Atom Bomb erstellte.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1990 blieb das GRU-Netzwerk intakt und ist nun für die Russische Föderation tätig. In den 1990er-Jahren wurden offizielle Waffenverkäufe über eine staatliche Exportagentur abgewickelt, nur für heikle Situationen wurden die inoffiziellen Kanäle der GRU benutzt, wie beispielsweise bei Lieferungen an Palästina, um die Beziehungen zu Israel nicht zu gefährden.

Als Nachfolger von Walentin Korabelnikow wurde Ende April 2009 Generalleutnant Alexander Schljachturow zum Leiter der Hauptverwaltung Aufklärung (der sog. 2. Hauptverwaltung des Generalstabs) und zum stellvertretenden Chef des Generalstabs der russischen Streitkräfte ernannt. Zwischen der Leitung der GRU und dem russischen Verteidigungsministerium soll es zu Differenzen über die Konzeption der Militärreformen – besonders in dem Teil, der die GRU unmittelbar betraf – gekommen sein, berichtete RIA Nowosti 2009. Im Jahr 2011 entschied sich Putin, die Konkurrenzsituation bestehen zu lassen, als der FSB die Kontrolle über die GRU zu übernehmen versucht hatte.

Im Jahr 2014 hatten Sicherheitsexperten bei Google Kenntnis von offensichtlich staatlich entwickelten Schadprogrammen. Russland wurde in deren technischem Bericht zwar nicht erwähnt, dessen Titel lautete jedoch „Blick ins Aquarium“, eine Anspielung auf das GRU-Hauptquartier in Moskau, welches diesen Übernamen trägt. 2014 übernahm der ausgeschiedene Oberstleutnant der GRU Dmitri Utkin das Kommando über die Söldnertruppe Gruppe Wagner.

Die Süddeutsche Zeitung berichtete 2015, dass die GRU auch im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine seit 2014 in der Ostukraine tätig ist.[Das Gebäude ist ab sofort neues GRU-Hauptquartier in Donezk.]