Weibeck ist ein Ortsteil von Fischbeck, der zur Stadt Hessisch Oldendorf gehört. Die Stadt Hessisch Oldendorf besteht aus 24 Stadtteilen und liegt im Weserbergland im Landkreis Hameln-Pyrmont.
Geografie Weibeck liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln südlich des Süntelgebirges auf 89 m ü. NHN, 3,95 km östlich der Kernstadt von Hessisch Oldendorf und 9,23 km nordwestlich der Kreisstadt Hameln. Der Ort grenzt unmittelbar an einen Altarm der Weser.
Geschichte
Römische Kaiserzeit und Spätantike Das Weserbergland, in dem Weibeck liegt, gehörte nach Edward Schröder in der Römischen Kaiserzeit und in der Spätantike zum Siedlungsgebiet des germanischen Stammes der Cherusker, in der Spätantike zum Siedlungsgebiet des germanischen Stammes der Angrivarier, in den die Cherusker wohl bereits vor der Völkerwanderungszeit aufgingen und im Frühmittelalter zum Siedlungsgebiet der Engern, einem Stammesverband der Altsachsen, in den wiederum die Angrivarier und andere germanische Stämme aufgingen.Edward Schröder: Sachsen und Cherusker (1933), in: Walter Lammers, Entstehung und Verfassung des Sachsenstamms, Darmstadt, 1967, S. 207–231.
Mittelalter Die Region um Weibeck und Fischbeck war ein früh besiedelter Teil des Schaumburger Landes. Die Rodung und Besiedlung des Gebietes um Weibeck reicht mindestens bis in das Frühe Mittelalter zurück. Die im Weserbergland sesshaft gewordenen Menschen lebten vermutlich auch im Gebiet um Weibeck in Pfosten- und Grubenhäusern auf einzelnen Gehöften auf gerodeten Waldinseln auf der hochwassergeschützten Weserterrasse, zumeist in der Nähe von Bachläufen (im Fall von Weibeck waren es der nördliche Altarm der Weser sowie ein Bachlauf), noch bevor das Dorf Weibeck im Frühmittelalter gegründet wurde. Felder rund um Weibeck wurden schon vor über 1.000 Jahren bewirtschaftet.
Das Stift Fischbeck und der Nachbarort Haddessen wurden im Jahr 955 im Frühmittelalter gegründet. Das Dorf Weibeck („Wicbeke“, das „Streitbach“ bedeutet) wird 1015 in den alten Mönchslisten des Reichsklosters Corvey schriftlich erwähnt, kann aber bereits davor existiert haben. Als Mindener Klosterbesitz wird Weibeck zu Beginn des Hochmittelalters im Jahr 1055 erneut schriftlich erwähnt. Die Bischöfe von Minden vergaben hier später auch Lehen. Weibeck war außerdem historisch eng mit dem Stift Fischbeck verbunden. Das Stift Fischbeck besaß als geistlicher Grundherr seit dem Hochmittelalter ebenfalls erhebliche Ländereien, Höfe und Zehntrechte in Weibeck. Jedoch hatten die Grafen von Rohden und Wunstorf (und nicht die Grafen von Schaumburg) das Patronatsrecht (das Recht, den Pfarrer zu benennen und die Pflicht, die Kirche zu unterstützen) über die Kirche in Weibeck.Renate Oldermann: Stift Fischbeck. Eine geistliche Frauengemeinschaft in mehr als tausendjähriger Kontinuität, Schaumburger Studien, Band 64, Verlag für Regionalgeschichte. Johannes Graf von Rohden und Wunstorf übertrug schließlich am 30. April 1331 das Patronatsrecht in einer Urkunde offiziell an das St.-Mauritius-Kloster in Minden.Marianne Meyer: Die Kirchengemeinde Weibeck-Krückeberg, auf kirche-weibeck-krueckeberg.de, abgerufen am 5. Juli 2026. Die beschriebenen Besitzrechte des Stifts Fischbeck in Weibeck wurden im 16. Jahrhundert nochmals urkundlich bestätigt.
In der Zeitstellung des Hochmittelalters soll es in Weibeck bereits einen Edelhof gegeben haben. Er gehörte als wichtiger Wirtschaftshof direkt zum Stift Fischbeck. Das Rittergut Stau war der südöstlichste der schaumburgischen Burgmannshöfe. Die Gründung dieses freien Burgmannshofes fällt in das Jahr 1476 im Spätmittelalter. Die dort ansässigen Adelsfamilien mussten die nahegelegene Stadt Oldendorf verteidigen.
Weibeck lag seit dem Frühmittelalter im altsächsisch-engernschen Tilithigau und gehörte wohl zum Gerichts- und Verwaltungsbezirk der „Fischbecker Goe“ des Tilithigaus. Das Gogericht (die „Malstatt“) der Fischbecker Goe befand sich in der Ortslage von Fischbeck und wurde seit dem Spätmittelalter von der dort ansässigen Adelsfamilie von Post geschützt, welche über mehrere Jahrhunderte regionalen Einfluss besaß.
Die aus altsächsischem Uradel stammenden Grafen von Schaumburg hatten als weltliche Grundherren seit dem Hochmittelalter, Anfang des 12. Jahrhunderts, die Landeshoheit über die Region bis zum Ort Fischbeck an der südöstlichen Grenze der Grafschaft und vergaben in den Dörfern Rechte und Meierhöfe als Lehen.Carl Wilhelm Wippermann: Regesta Schaumburgensia: Die gedruckten Urkunden der Grafschaft Schaumburg, 1853. Sie hatten in Weibeck gräfliche Gerichtsrechte. Die Weibecker Bauern waren diesen Landesherren zehntpflichtig.
Weibeck gehörte zur Vogtei Fischbeck. Vogteien dienten im Mittelalter und der Frühen Neuzeit der Ausübung von weltlicher Herrschaft, der Rechtsprechung und der Verwaltung von Abgaben. Die Vogtei Fischbeck gehörte als Reichslehen im 10. Jahrhundert direkt dem ostfränkischen König. Otto I. der Große vergab den Herzögen von Sachsen die Vogtei als Lehen. Zuerst waren die Herzöge des altsächsischen Uradelsgeschlechts der Billunger Vögte in Fischbeck, von 1142 bis 1180 war Herzog Heinrich der Löwe Obervogt des Stiftes, ab dem 13. Jahrhundert folgten die altsächsischen Grafen von Schaumburg, die bis zum 14. Jahrhundert als dem Kaiser nachgeordnete Untervögte für Fischbeck dienten und etwa vom 14. bis ins 17. Jahrhundert selbst Edelherren des Niederadelsgeschlechts von Post als Stiftsvögte in Fischbeck einsetzten. Ab 1647 waren die Landgrafen von Hessen-Kassel Obervögte für Fischbeck, die bis ins frühe 19. Jahrhundert weiter Edelherren des Niederadelsgeschlechts von Post als Stiftsvögte in Fischbeck einsetzten.
Weibeck gehörte zum Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden, das faktisch bis 1647/1648 bestand und infolge des Westfälischen Friedens offiziell aufgelöst wurde.
Neuzeit Der Dreißigjährige Krieg war für Weibeck das verheerendste Ereignis. Am 8. Juli 1633 fand die Schlacht bei Hessisch Oldendorf zwischen den protestantischen schwedischen, hessischen und lüneburgischen Truppen und dem katholisch-kaiserlichen Heer statt. Insgesamt nahmen 28.000 Soldaten an der Schlacht teil, die von den Protestanten gewonnen wurde. Das Umland wurde von kaiserlichen und schwedischen Truppen rücksichtslos requiriert. Weibeck lag mitten im Aufmarschgebiet und in der unmittelbaren Kampfzone der Schlacht. In Weibeck wurden Häuser geplündert und teilweise in Brand gesteckt, das Vieh geraubt und die Ernten vernichtet. Die überlebenden Einwohner mussten in die umliegenden Wälder flüchten.
Im Vorfeld der Schlacht bei Hastenbeck am 26. Juli 1757 im Siebenjährigen Krieg rückten zehntausende Soldaten in das Gebiet um die stark befestigten Städte Hameln und Hessisch Oldendorf vor. Weibecker Bauern wurden gezwungen, französische und alliierte Soldaten einzuquartieren und zu verpflegen und hohe Kontributionen (Geldabgaben) zu leisten. Missernten gingen dem Jahr 1757 voraus, und der Siebenjährige Krieg führte auch in der Region um Fischbeck und Weibeck zu Hungersnöten und zur Verarmung der lokalen Bevölkerung.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wanderten Einwohner von Weibeck in verschiedene Regionen der USA und nach Neuseeland aus.Marianne Meyer: Auswanderung aus dem kleinen Dorf Weibeck im Weserbergland in den Jahren 1845 bis 1895, 2015.
Neueste Geschichte Im Ersten Weltkrieg wurden fast alle wehrfähigen Männer aus den Dörfern zum Militärdienst eingezogen. Den Höfen fehlten Arbeitskräfte, und es herrschte akuter Mangel an Nahrungsmitteln. Es gab 8 Gefallene aus Weibeck.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 rückten US-amerikanische Truppen auf die Weserlinie vor. Rund um Weibeck und Fischbeck wurden hastig Verteidigungslinien errichtet. Bei Weibeck entstanden Panzersperren an den Ziegeleien. In der Umgebung von Weibeck kam es zum Artilleriebeschuss und zu kleineren Gefechten, aber der Ort entging der völligen Zerstörung. Im Zweiten Weltkrieg gab es in der Ev.-luth. Kirchengemeinde Weibeck-Krückeberg, zu der auch die Dörfer Barksen, Zersen und Wickbolsen gehören, 78 Gefallene und Vermisste.
Kirche Die ev.-luth. St.-Lukas-Kirche in Weibeck stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist eine Wehrkirche, die zu den ältesten Kirchen im Weserbergland gehört. Die kleine romanische Kirche erhebt sich auf der Weserterrasse und bietet einen weiten Blick ins Wesertal. Auf den Charakter als Wehrkirche lassen die heute noch vorhandenen Schießscharten im Kirchturm schließen. Die Menschen fanden hier Zuflucht und konnten durch die günstige Lage auf der Weserterrasse den Feind frühzeitig erspähen und sich gegen feindliche Angriffe wehren. Bis etwa zum Jahr 1552 hatte die Kirche ihren eigenen Geistlichen.
Die Ev.-luth. Kirchengemeinde wurde 1564 nach der Einführung der Reformation in der Grafschaft Schaumburg mit der Kirche in Krückeberg zu dem Kirchspiel Weibeck-Krückeberg vereinigt, zu dem auch die Dörfer Barksen, Zersen und Wickbolsen gehören. Hauptkirchenort wurde nun Krückeberg. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg. Der letzte, ehemals katholische und erste evangelische Pfarrer in Weibeck, Gerhard Hugo, wohnte im Pfarrhaus in Weibeck. Er verstarb im Jahr 1599. Gottesdienste wurden in beiden Gemeinden gehalten. Das Pfarramt und der Wohnsitz des Pastors blieben 400 Jahre lang in Weibeck, bis das alte Pfarrhaus in Weibeck im Jahr 1966 verkauft und ein modernes Pfarrhaus in Krückeberg gebaut wurde.
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