Die Erfindung des Rades ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Tatort. Der vom WDR produzierte Beitrag ist die 1317. Tatort-Episode und wurde am 7. Dezember 2025 im SRF, im ORF und im Ersten ausgestrahlt. Das Münsteraner Ermittlerduo Thiel und Boerne ermittelt seinen 48. Fall. Für die Staatsanwältin Wilhelmine Klemm ist es der letzte Auftritt.

Handlung Die Folge beginnt mit einer Rückblende in das Jahr 1882: In seiner Werkstatt in Münster wird Knut Hobrecht heimtückisch erschossen. Der Mörder setzt die Werkstatt in Brand. Mit letzter Kraft zeichnet Hobrecht mit Tinte ein seltsames Symbol auf eine technische Zeichnung. Diese verstaut er in einer blechernen Schatulle und wirft sie aus den Flammen in den Keller, wo sie hinter die Treppe rollt.

In der Gegenwart ist aus der Manufaktur das Traditionsunternehmens Hobrecht Bicycles Limited geworden. Die Schatulle wurde kürzlich bei Bauarbeiten wiederentdeckt. Die enthaltene technische Zeichnung beweist laut dem derzeitgen Firmeninhaber Kurt Hobrecht, dass das erste Fahrrad, welches kein Hochrad und kein Laufrad war, nicht wie allgemein angenommen 1884 in Coventry von John Kemp Starley erfunden wurde, sondern 1882 in Münster von Knut Hobrecht. Nach der Zeichnung hat Kurt Hobrechts gleichnamiger Sohn ein neues Fahrradmodell namens First Bike konstruiert. Bei der offiziellen Präsentation, bei der auch Professor Boerne und Kommissar Thiel anwesend sind, wird statt der Innovation eine Kühltruhe mit einem gefrorenen Menschen enthüllt. Bei dem Anblick des Toten erleidet Kurt Hobrecht sr. einen Herzinfarkt.

Es handelt sich bei dem Toten um Hobrechts älteren Bruder Albert, der vor vielen Jahren aus dem Familienunternehmen verbannt wurde und später durch illegale Geschäfte mit Nordkorea, dem Iran und Terrororganisationen reich wurde. Kurt Hobrecht jr. gibt an, am Vortag noch das First Bike auf der Bühne deponiert zu haben. Sein jüngerer Bruder Konstantin bestätigt, dass es am Vorabend noch dort war. Er behauptet, Albert seit der Beerdigung seiner Mutter nicht mehr gesehen zu haben. An dem von Kurt jr. angegebenen letzten Standort der Kühltruhe finden sie das verschollene First Bike.

Von Alberts früherer Haushälterin erfahren Thiel und Mirko Schrader, dass sie vor einem halben Jahr von ihm entlassen wurde. An ihrem letzten Arbeitstag hatte er einen Aluminiumkoffer bei sich. Aus den Kreditkartenabrechnungen ergibt sich, dass Albert innerhalb des letzten halben Jahres auf Weltreise war. Zuvor hatte er 500.000 € Bargeld abgehoben. Mitarbeiter eines Reisebüros bestätigen, dass Albert das erste Flugticket bar mit Geld aus dem Koffer bezahlt hatte. In der Nacht gesteht Klara Hobrecht, ältestes Kind und einzige Tochter von Kurt Hobrecht sr., dass sie wegen einer durchgebrannten Sicherung ins Lager gegangen und dort zufällig Albert in der Kühltruhe gefunden hatte. Weil sie das Familienunternehmen verlassen wollte, haben sie und ihr Liebhaber das First Bike gegen die Kühltruhe ausgetauscht.

Boerne, dem für einen Monat der Führerschein entzogen wurde, bekommt ein weiteres Exemplar des First Bike von Konstantin Hobrecht geschenkt. Im Gegenzug bittet Hobrecht ihn, forensisch zu beweisen, dass die technische Zeichnung von Knut Hobrecht echt ist und keine Fälschung, weil ihm nämlich eine Unterlassungsklage von Starleys Nachfahren droht. Nach dem Auftauen von Alberts Leiche stellen Boerne und Silke Haller neben einem doppelten Genickbruch und einem offenen Schenkelbruch fest, dass alle zehn Finger gebrochen sind. Da Kurt Hobrecht jr. wegen einem Fall von Körperverletzung vorbestraft ist, bei dem er einem Mann Finger gebrochen hatte, wird er zunächst von Thiel als Mörder verdächtigt. Er sagt jedoch aus, dass sein Vater eine Woche vorher bestürzt nach Hause gekommen ist und erzählt hat, dass Albert verstorben ist. Daraufhin hat er die Kühltruhe im Lager deponiert und der Leiche posthum die Finger gebrochen. Auf dem Sterbebett hat seine Mutter gebeichtet, dass Albert ihn als kleinen Jungen beim Spiel solange im Würgegriff hielt, dass der Sauerstoffmangel Schäden an seinem Gehirn verursacht hat. Seitdem hat er schwere Gedächtnisprobleme, weswegen er viele Ereignisse in seinem Leben auf Film aufzeichnet. Auch wie er Alberts Finger gebrochen hatte, hat er gefilmt.

Kurt sr. gesteht, dass sein Vater damals eine Skandal vermeiden wollte und Albert, anstatt ihn anzuzeigen, zur Strafe aus dem Unternehmen und von seinem Grundstück verbannt und stattdessen ihn zu seinem Nachfolger ernannt hat. In der Woche zuvor hatte er Albert auf seinem Hof besucht, dieser sei dann während des Besuchs in den Keller gegangen und durch einen Sturz von der Kellertreppe umgekommen. Er habe den Vorfall jedoch nicht gemeldet, weil er aufgrund der gemeinsamen Vorgeschichte nicht unter Mordverdacht geraten wollte. Auf der Aufnahme, die Kurt jr. Thiel und Schrader zur Verfügung gestellt hat, ist zu sehen, wie er von Klara beobachtet wurde, sie wusste also entgegen ihrer Behauptung schon zuvor von der Leiche. Damit konfrontiert, erzählt sie Thiel, dass sie fast ihr gesamtes Leben im Schatten ihrer jüngeren Brüder stand, und ihr Vater sie erst wieder wahrnahm, als Konstantin sich in einer Filiale erfolgreich auf den Verkauf von E-Bikes spezialisierte. Lange Zeit hatte er ihr erzählt, sie würde jetzt seine Nachfolgerin als CEO. Am Abend vor der Präsentation, ein halbes Jahr nach Konstantins Rückkehr in die Firma, gestand ihr Vater ihr jedoch, dass Konstantin sein Nachfolger werden sollte. Gekränkt hat sie sich mit dem Austausch gerächt.

Bei der Untersuchung der technischen Zeichnung stellen Boerne und Haller fest, dass sich darauf Blutflecken befinden. Boerne beantragt daraufhin bei Staatsanwältin Wilhelmine Klemm die Exhumierung von Knut Hobrechts Leiche. Klemm nimmt der Fall sehr mit, weil Kurt Hobrecht sr. einst ihre große Liebe war. 50 Jahre zuvor sind sie gemeinsam mit einem VW-Bus nach Goa gefahren. Kurt hatte ihr sogar auf dem Hinweg einen Heiratsantrag gemacht. Bei der Besichtigung von Albert Hobrechts Keller stellt Boerne fest, dass er nicht dort gestorben sein konnte. Im Hof jedoch finden er und Thiel Reifenspuren und finden so heraus, dass Albert mit einem Kraftfahrzeug gegen einen Stabel Feuerholz gedrückt wurde. Die Untersuchungen der Kriminaltechnik ergeben, dass sowohl die Reifenspuren als auch die Holzsplitter aus Alberts Verletzungen sechs Monate alt sein müssen, er also schon viel länger tot sein muss als bisher vermutet. Da im Mageninhalt des Toten frischer Topinambur festgestellt wurde, wie ihn die Haushälterin an ihrem letzten Arbeitstag für ihn gekauft hatte, vermutet Schrader, dass er an genau diesem Tag gestorben ist.

Nachdem eine graphologische Untersuchung ergab, dass Kurt sr. die Unterschrift seines Bruders auf der Kündigung der Haushälterin und dem Kaufvertrag über das Flugticket gefälscht hat, gesteht dieser plötzlich den Mord an seinem Bruder. Für die Entwicklung von First Bike hatten ihm noch die 500.000 € gefehlt. Albert hatte sich zunächst bereiterklärt diese Investition zu tätigen, ihn dann jedoch, als er bei ihm vorbeikam, verspottet und vor seinen Augen die Scheine verbrannt. Als er im Begriff war wegzufahren, sah er Albert im Rückspiegel hinter seinem Auto stehen und lachen. Daraufhin habe er ihn im Zorn gegen den Holzstapel gefahren. Um den Mord zu vertuschen, simulierte er zusammen mit Konstantins Ehefrau Maria, die als Pilotin arbeitet, die angebliche Weltreise von Albert.

Bei der Untersuchung von Knut Hobrechts sterblichen Überresten stellt Boerne fest, dass dieser erschossen wurde. Zunächst verdächtigt er John Kemp Starley der Tat, Silke Haller findet jedoch bei Recherchen im Stadtarchiv heraus, dass Knuts Bruder Kasimir der Mörder gewesen sein muss. Am Tag zuvor hatte ihr gemeinsamer Vater Kuno Knut zu seinem Alleinerben ernannt, Kasimir ging leer aus. Daraufin hatte er seinen Bruder erschossen und sowohl ihn als auch die Werkstatt angezündet und seine Zeichnungen gestohlen. Das Symbol, das Knut auf die letzte verbliebene Zeichnung malte, als er starb, sollte Kasimirs gezwirbelten Schnurrbart darstellen. Es ging Knut nicht hauptsächlich darum, die Zeichnung zu retten, sondern auf seinen Mörder hinzuweisen. Dieser setzte sich nach der Tat nach England ab, um für J.K. Starley & Sutton Co zu arbeiten.

Wilhelmine Klemm beichtet Thiel, dass sie anhand von Kurts Gestik während seines Geständnisses erkannt hat, dass er lügt. Da sie nach dem laufenden Fall in den Ruhestand geht, möchte sie keinen Unschuldigen bestrafen. Thiel hat sich früh gewundert, wieso Albert so viel Geld abgehoben hatte, wenn er seinen Bruder nur verhöhnen wollte. Von seinem Vater, der Kurts verstorbene Ehefrau damals therapiert hatte, erfährt er, dass Konstantins E-Bike-Geschäft keine Filiale von Hobrecht Bicycles Limited war, sondern ein selbstständiges Unternehmen. Während Boerne Konstantin die Bestätigung überreicht, dass Knut Hobrechts Zeichnung echt ist, überführt Thiel Konstantin als Täter. Konstantin wollte seinem Vater die Firma, inklusive der Idee für das First Bike, abkaufen. Sein Vater verlangte jedoch weitere 500.000 € für die Übernahme, die Albert ihm leihen wollte. Bei seinem Besuch bei Albert hatte er mit ihm jedoch mit Alberts selbstgebranntem Schnaps angestoßen und war bei der Verabschiedung noch so stark alkoholisiert, dass er versehentlich im Rückwärtsgang fuhr. Verzweifelt hatte er seinen Vater angerufen. Da ihn Konstantins Verzweiflung an seine eigene Verzweiflung an dem Tag, an dem Kurt jr. seine Behinderung erlitt, erinnerte, erklärte er sich bereit, Alberts Tod zu vertuschen und Konstantin zu seinem Nachfolger zu ernennen, wenn er im Gegenzug in das Familienunternehmen zurückkehrt, sein E-Bike-Geschäft verkauft und den Erlös zusammen mit Alberts Geld in die Entwicklung von First Bike investiert. Mit dem falschen Geständnis wollte Kurt sr. seinen Sohn schützen.

Kurt Hobrecht wird aus der Untersuchungshaft entlassen, während Konstantin wegen fahrlässiger Tötung angeklagt wird. Klara wird die neue CEO des Familienunternehmens und versöhnt sich mit ihrem Vater. Staatsanwältin Wilhelmine Klemm geht in den Ruhestand. Nach ihrer Abschiedsfeier reist sie mit Kurt in ihrem alten VW-Bus in den Schwarzwald und präsentiert ihm den Verlobungsring, den sie wiedergefunden hat. Boerne muss jedoch noch einen weiteren Monat auf seinen Führerschein warten, weil er auf dem Fahrrad geblitzt wurde.

Hintergrund Der Film wurde vom 11. März bis zum 9. April 2025 in Köln, Münster und Umgebung gedreht. Die Krankenhausszenen wurden im St. Josef-Hospital in Troisdorf gedreht, einschließlich der kurzen Außenaufnahme des Gebäudes.

Parallel zu dem aktuellen Mordfall ermittelt Boerne in dem vergangenen Mordfall an Knut Hobrecht. Beide Fälle sind durch Verwirrung, Verwicklungen und unerwartete Wendungen gekennzeichnet.

Mehrfach fährt ein sonderbarer Radfahrer durchs Bild im Auftreten des Sherlock Holmes mit Trenchcoat, Schlapphut und Pfeife. So wird an den dargestellten Mord von 1882 angeknüpft.

Die bis zu dieser Folge kettenrauchende Staatsanwältin raucht erstmals nicht, beobachtet aber in einer Szene lächelnd, wie Klara Hobrecht sich im Krankenhaus heimlich eine Zigarette anzündet.

Professor Boerne benutzt diesmal kein eigenes Auto, sondern ein Fahrrad. Außerdem bearbeitet er ein Schneidermaßband mit seiner Schere. Statt Boerne fährt jedoch Kommissar Mirko Schrader überraschend einen schwarzen Tesla Model 3.

Passend zum Thema des Falls ist der Musiktitel Bicycle Race der englischen Rockband Queen aus dem Jahr 1978 zu hören.

Rezeption Kritiken

Einschaltquoten Die Erstausstrahlung von Die Erfindung des Rades am 7. Dezember 2025 wurde in Deutschland von 11,63 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 42,6 % für Das Erste.

Weblinks

Einzelnachweise

Erfindung des Rades#Die Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Filmtitel 2025