mini|Signet Hans Dorns, des wahrscheinlich ersten Buchdruckers der Stadt aus dem Jahre 1506: Auf dem Schild ist der Braunschweiger Löwe abgebildet. Die Geschichte des Buchdrucks in Braunschweig geht bis in das frühe 16. Jahrhundert zurück. Als erster Buchdrucker des Stadt Braunschweig gilt Hans Dorn, der bereits um das Jahr 1502 eine Druckerei betrieben haben soll. Um 1883 gab es in der Stadt Braunschweig 16 Buchdrucker, 12 Lithografische Anstalten und 31 Buchhändler. Es wurden 18 Zeitschriften gedruckt und es gab ungefähr 75000 Einwohner.
Erste Drucke im 16. Jahrhundert 1505 wurde vom Rat der Stadt Hans Dorn der Druck einer Bekanntmachung und eines Sendschreibens übertragen, in denen die durch Kaiser Maximilian erfolgten Begnadung der Stadt mit zwei jährlichen Märkten verkündet wurde. Diese beiden Druckwerke gelten als die ältesten, die in der Stadt gefertigt wurden. Dorn soll bis etwa 1525 in Braunschweig gedruckt haben. Nach ihm wird im Jahr 1539 der Drucker Andreas Goldbeck genannt, der dort anscheinend nicht lange wirkte.Wilhelm Herse: Vom ältesten Buch- und Zeitungsdruck in Stadt und Land Braunschweig. In: Braunschweigische Heimat. Band 31, Heft 3–4, 1940, S. 53–56 (leopard.tu-braunschweig.de). Herzog Heinrich der Jüngere erkannte bald den Nutzen der sogenannten Schwarzen Kunst und beschäftigte ab 1539 den Drucker Henning Rüdem in seiner Residenzstadt Wolfenbüttel. Sein Sohn und Nachfolger Herzog Julius ließ im Jahr 1588 in einem Gebäude an der alten Sankt Gertrud-Kapelle eine Druckerei mit einer Druckpresse und mehreren Schriften einrichten. Die Einrichtung hatte sein Vater aus dem Nachlass eines verstorbenen Druckers in Bremen erworben. Hier sollte Jacob Lucius der Jüngere für ihn arbeiten. Die Bürger Braunschweigs vertrieben ihn jedoch aus der Stadt. An seiner Stelle kam nun auf Veranlassung des Rektors der Lateinschule Nicodemus Frischlin im März 1589 Daniel Büring (Byringk; † 1597), der eigentlich Maler und Formschneider war und in der Schöppenstedter Straße bis 1596/1597 eine Druckerei betrieb. Am 28. November 1589 bat Georg Krnder (Buchdrucker und Schriftgießer aus Augsburg) den Rat der Stadt um die Erlaubnis, eine Druckerei zu errichten und zu betreiben. Der Antrag wurde nicht bewilligt.Karl Ludwig Grotefend: Herzogthum Braunschweig – Das Fürstenthum Wolfenbüttel – I. Braunschweig. In: Friedrich Georg Hermann Culemann (Hrsg.): Geschichte der Buchdruckereien in den Hannoverschen und Braunschweigischen Landen. Hahn, Hannover 1840, S. 106–123 (diglib.hab.de).
Dunckersche Druckerei mini|Alter und Newer / Schreib = Calender / Auff das Jahr nach unsers / Herrn JesuChristiGeburt / M. DC. LV. / Mit Fleiß gestellet / Durch / Johannem Meyerum, Quedlinb. Saxo / Mit Röm. Kayserl. Majest. Freyheit. / Gedruckt in Braunschweig / Bey Andreas Dunckern / In Verlegung Gottfried Müllern Buchhändlern daselbst.Dieser Kalender aus dem Jahre 1655 ist der Vorläufer des späteren Braunschweigischen Kalenders. Andreas Duncker der Ältere († 1629) erhielt im Jahr 1603 zunächst für drei Jahre das Druckprivileg und wurde als „Rats-Buchdrucker zu Braunschweig“ bezeichnet. Nach Ablauf der Zeit erhielt er 1606 das Bürgerrecht der Stadt und war bis zu seinem Tod als Drucker tätig. Seine wichtigsten Werke waren die Streitschriften des Rates gegen den Herzog (Thesaurus homagialis). Nach ihm führte zunächst sein Schwiegersohn Balthasar Gruber († 1645) und anschließend sein Sohn Andreas Duncker der Jüngere die Druckerei fort, die später unter dem Namen „Andreas Duncker’s Erben“ firmierte. Dunckers Sohn Johann Heinrich Duncker († 1681) führte das Unternehmen ab 1661. Sein Bruder Nikolaus Duncker (1602 – 24. März 1671), der 1628 Kunigunde Voigt (1603 – 15. Januar 1692), die Tochter des Johann Vogt, geheiratet hatte, betrieb eine Druckerei in Goslar. Simon Andreas Duncker (1640 – 10. Juni 1708) kam 1681 nach Braunschweig, um für die 5 minderjährigen Kinder Johann Heinrich Dunckers Vormünder zu bestellen und die Erbschaft zu regeln.
Die Insigne von Johann Heinrich Duncker zeigte eine aus den Wolken herunter gestreckte Hand, die von einer im Feuer liegenden Schlange gebissen wird. Das Motto lautete , was eine Abkürzung von darstellt.
Meyersche Druckerei Im Jahr 1634 gründete Balthasar Gruber eine Druckerei. Er war ein Schwager von Andreas Duncker d. J. und hatte nach dem Tod seines Schwiegervaters Andreas Duncker d. Ä. zunächst dessen Druckerei bis 1637 gepachtet. Seine Witwe führte die Druckerei Gruber bis 1647 fort. Nach ihrer Heirat mit Christoph Friedrich Zilliger übernahm dieser die Leitung des Unternehmens. Nach ihm führte sie zunächst seine Witwe und ab 1708 ihr Sohn, der herzoglich privilegierte Hofbuchdrucker Johann Georg Zilliger (1683–1717), fort. Er erhielt am 21. Mai 1708 das Spezial-Privilegium zum Druck des neuen Braunschweigischen Gesangbuchs und am 20. Juli 1709 wurde ihm das Kalender-Privilegium sowie am 13. April 1714 weitere ehemalige Privilegien seiner Mutter bestätigt. Die Druckerei ging in Konkurs.
Am 9. November 1716 erwarb sie Heinrich Wilhelm Meyer (1657–1722) mit allen Privilegien. Die Druckerei wurde von seinem Sohn Friedrich Wilhelm Meyer (1695–1774) geleitet, der sie 1719, nach seiner Heirat mit Anna Dorothea Häseler, vollends übernahm. 1782, nach dem Tod der Ehefrau, ging sie an den gemeinsamen Sohn Johann Christoph Meyer († 1800), der bis 1781 Faktor der fürstlichen Lotto-Druckerei war. Sein Nachfolger war sein Sohn Johann Heinrich Meyer (19. Oktober 1768 – 1. Januar 1827), der bei Johann Friedrich Gottlieb Unger in Berlin in die Lehre gegangen war. So kam sie schließlich an dessen Sohn den Verleger Johann Heinrich Meyer, der sie von 1827 bis 1837 leitete. Zu Anfang des Jahres 1840 wurde das Meyersche Unternehmen zur Hof-Buchdruckerei ernannt. Nach seinem Tod am 4. November 1863 wurde das Unternehmen zunächst bis 1868 unter Vormundschaft gestellt und anschließend durch Stephan Meyer weitergeführt.
Waisenhausbuchdruckerei
Im Sommer 1751 ließ Herzog Karl dem Großen Waisenhaus Beatae Mariae Virginis eine herzogliche Buchdruckerei angliedern. Diese wurde mit einem Darlehen von 1000 Talern durch die Berghandlungskasse finanziert und gab am 3. Juli 1751 bereits die erste dort gedruckte Ausgabe der Braunschweigischen Anzeigen heraus. Zum Personal gehörten anfänglich ein Setzer, zwei Drucker und zwei Waisenkinder. Im September des Jahres ordnete der Herzog an, dass von nun an der Druck aller landesherrlichen Verordnungen und ähnlicher herzoglicher Veröffentlichungen in dieser Druckerei angefertigt werden sollten. Zudem sollte dort das Buchstabierbüchlein des Johann Arnold Anton Zwicke hergestellt werden, dessen erste Ausgabe im Dezember 1751 erfolgte und bald an allen Landesschulen im Unterricht eingesetzt wurde. Dies hatte zur Folge, dass 1755 eine dritte Presse angeschafft und 1757 eine Erweiterung der Räumlichkeiten sowie ein weiterer Vorschuss von 1000 Talern notwendig wurde. Zudem hatte das Direktorium des Waisenhauses um die Erlaubnis gebeten, einen zweiten Setzer und je einen dritten Drucker und Waisenhausjungen beschäftigen zu dürfen. Wilhelm Christoph Henning, der bisherige erste Schriftsetzer, wurde zum Faktor ernannt. Er erweiterte die Druckerei und legte geräumige Trockenböden an, doch wurde er 1756 durch Heinrich Rückling (um 1712 – 7. April 1805) ersetzt, der im Jahr 1799 in pensioniert wurde. Andreas Heinrich Wilhelm Jordens (um 1746 – 13. März 1821) nahm seine Stelle ein und bezog im Jahr 1801 den Neubau der Waisenhausbuchdruckerei. Die Besetzung Braunschweigs durch das Königreich Westphalen (Braunschweiger Franzosenzeit) führte zu einem Niedergang der Druckerei, da die bisherigen Aufträge des Herzogshauses fehlten. Nächster Faktor wurde im Herbst 1817 F. A. Holzapfel. Dieser ließ die erste eiserne Presse und 1844 auch eine Schnellpresse anschaffen. Nach seinem Tod 1845 wurde Wilhelm Dehn die Leitung übertragen, von dem sie im Dezember 1866 an seinen Sohn Heinrich Degn überging. Unter Dehns Leitung wurde die Druckerei erweitert und 1875 ein Dampfbetrieb eingerichtet. Um 1890 wurden vier Druckmaschinen und eine Handpresse betrieben. Außer Dehn wurden 1 Korrektor, 21 Setzer, 6 Setzerlehrlinge, 4 Drucker, sowie 4 weibliche und 3 männliche Hilfsarbeiter beschäftigt.
Friedrich Vieweg und Sohn Joachim Heinrich Campe hatte im Jahr 1786 die ehemalige Buchhandlung des Waisenhauses erworben. Er gründete und leitete die Braunschweigische Schulbuchhandlung, für die er eine eigene Druckerei gründen wollte. Zu diesem Zweck holte er 1787 Ernst Wilhelm Gottlieb Kircher (1758–1830), der 1783 Friederike Catharine Wilhelmine Duncker geheiratet hatte, aus Goslar nach Braunschweig. Kircher war zunächst nur der Leiter der Druckerei, die in der ehemaligen Burgkaserne eingerichtet wurde. Ab 1790 pachtete er sie auf eigene Rechnung und erwarb sie schließlich am 8. November 1794. Er plante ursprünglich, das Unternehmen nach Goslar zu überführen und seiner dortigen Druckerei einzugliedern. Herzog Karl Wilhelm Ferdinand erhob bei Cempe Einspruch gegen die Abwanderung und forderte, dass dieser Kircher zum Bleiben bewegen sollte. Kircher blieb zunächst in Braunschweig, setzte seinen Bruder Konrad, der in Einbeck erfolglose versucht hatte sich selbständig zu machen, als Verwalter in Goslar ein. Er verkaufte die Druckerei in Braunschweig schließlich zu Pfingsten 1799 an Friedrich Vieweg (11. März 1761 – 25. Dezember 1835), der ein Schwiegersohn Campes war und der 1786 den Vieweg Verlag gegründet hatte. Eine seiner Töchter hatte George Westermann (1810–1879) geheiratet, der 1845 eine Druckerei für seine Verlagsbuchhandlung gründete. Vieweg betrieb bis 1874 auch eine Spielkartenfabrikation.
1825 wurde sein ältester Sohn Eduard Vieweg (1797–1869) Mitinhaber der Schulbuchdruckerei, die fortan auch als „Verlagsbuchhandlung Friedrich Vieweg und Sohn“ bekannt war. Er hatte bereits im Jahr 1822 eine eiserne Presse aus Paris mitgebracht, und war 1823 nach England gereist, wo er das Patent für den Bau der Columbia-Presse erworben hatte. Er ließ nach seiner Rückkehr im Hüttenwerk Zorge mehrere dieser Pressen fertigen und sorgte für deren Verbreitung. Vieweg hatte gemeinsam mit einem seiner Brüder die Domäne Wendhausen gepachtet, wo sie eine eigene Papierfabrik (Gebrüder Vieweg) errichteten. Am 23. August 1831 hatte er die Deutsche National-Zeitung aus Braunschweig und Hannover gegründet, die bis 1840 gedruckt wurde. Von 1848 bis 1866 druckte er die Deutsche Reichs-Zeitung, um dadurch seine eigenen politischen Ansichten zu verbreiten. Viewegs Druckerei betrieb um 1883 14 Schnellpressen und 10 Handpressen. 1869 übernahm sein einziger Sohn Hans Heinrich Rudolf Vieweg (1826–1890) das Unternehmen und nach ihm seine Witwe Helene (geborene Brockhaus) und die gleichnamige Tochter Helene Vieweg, die Bernhard Tepelmann heiratete. Um 1890 wurden 11 einfache, 2 doppelte und eine Tiegeldruckmaschine, 3 Handpressen und 2 Nummeriermaschinen betrieben. Beschäftigt wurden 1 Oberfaktor, 3 Korrektoren, 40 Setzer, 11 Setzerlehrlinge, 1 Oberdrucker, 12 Drucker, 3 Lehrlinge, sowie 16 weibliche und 15 männliche Hilfsarbeiter an den Druckmaschinen. Zusätzlich noch 4 Drucker und ein Lehrling an den Handpressen und 1 Faktor, 5 Gehilfen, ein Lehrling und 4 Hilfsarbeiter in der Gießerei, 5 Personen in der Stereotypie und Galvanoplastik, 1 Faktor, 10 Gehilfen, 5 Lehrlinge in der Holzschneiderei, 2 Buchbinder und 2 Tischler.Friedrich Vieweg u. Sohn. In: Linus Irmisch: Kurze Geschichte der Buchdruckereien im Herzogthume Braunschweig – Zur 450jährigen Feier der Erfindung der Buchdruckerkunst. Georg Werstermann, Braunschweig 1890, S. 16–20 (leopard.tu-braunschweig.de).
Westermannsche Druckerei
mini|Titelblatt von Westermanns Monatshefte für August 1893