mini|Franz Wangers bekanntestes Werk: der «Platzspitzhirsch» (1912) in Zürich Franz Wanger (* 5. Januar 1880 in Zürich; † 28. November 1945 ebenda) war ein Schweizer Bildhauer und Medailleur des Spätjugendstils. Seine bekanntesten Werke sind das Schweizerpsalm-Denkmal am Zürichhorn und der ehemalige Hirschenbrunnen auf dem Platzspitz, von dem heute nur noch die Hirschstatue steht, beide in seiner Heimatstadt Zürich. Er war vor allem in der Vorkriegszeit als Bildhauer aktiv.
Leben Franz Wanger wurde 1880 an der Fortunagasse neben dem Lindenhof in der Zürcher Altstadt geboren. Seine Familie stammte ursprünglich aus Aarau, und er erlangte erst 1927 das Zürcher Bürgerrecht. Wanger absolvierte das Gymnasium in Zürich und machte seine ersten bildhauerischen Erfahrungen in einer Werkstatt in Zollikon. Seine Ausbildung erhielt er an der Kunstgewerbeschule Zürich bei Joseph ReglProf. Joseph Regl, Bildhauer. In: Zürcher Wochen-Chronik. Nr. 14, 8. April 1911, S. 152 (online). und an der École des arts industriels in Genf, vor allem aber an der Kunstakademie in München, wo er angeblich die schönsten Jahre seines Lebens verbrachte und mit dem Jugendstil in Kontakt kam. Nach seinem Abschluss eröffnete er in den 1900er Jahren ein Atelier am Neumarkt. Später wechselte er an die Mühlebachstrasse im Mühlebach-Quartier.
Noch als Münchner Student nahm Wanger 1900 an einem Wettbewerb des Gewerbemuseums Zürich teil und erhielt für seinen Entwurf einer Brunnenmaske unter dem Motto «Blas» den zweiten Preis zugesprochen. 1901 stellte er im Künstlerhaus in Zürich die Studie eines «Münchner Hofbräuhaus-Stammgastes» aus. Anlässlich eines Autorennens in Zürich hatte er 1902 Gelegenheit, frühe Automobile zu begutachten. Er schuf daraufhin zwei kleine karikatureske Gipsplastiken, die im Juli in einem Schaufenster an der Bahnhofstrasse ausgestellt wurden. Die Neue Zürcher Zeitung war sehr angetan:
Im November 1902 stellte Wanger im Künstlerhaus die Studie eines «Sennen vom Rigi» in bemaltem Gips aus. Auch hier war die Neue Zürcher Zeitung voll des Lobes und urteilte, dass Wanger «frisch und lebendig zu charakterisieren» verstehe. Daraufhin nahm er am Wettbewerb für das Schlachtdenkmal in Morgarten teil, den aber Robert Rittmeyer gewann. Seine abgelehnten Entwürfe zeigte Wanger 1904 im Künstlerhaus, daneben auch ein Reliefporträt seines Vaters in Bronze, eine Plakette mit einem Kinderkopf und eine Gipsstatue mit Rabe und Frosch. 1905 zeigte er im Künstlerhaus humoristische «Schnauferlstudien vom Münchener Pflaster», d. h. einen «launigen, dicken ältern Herrn» und zwei weitere Porträtbüsten. mini|hochkant|Schweizerpsalm-Denkmal (1907–1910), Zürichhorn Den Höhepunkt seines Schaffens erreichte Wanger in den Jahren 1906 bis 1912. 1906 schuf er zwei Wandbrunnen in Zürich-Hottingen, die noch heute stehen. Ausserdem zeigte er an der Turnusausstellung zwei Kinderporträts in Bronze. Am 29. Mai 1908 wurde Wangers bereits 1907 in Angriff genommener Entwurf «Weisses Kreuz im roten Feld» für das Schweizerpsalm-Denkmal am Zürichhorn einstimmig zum Sieger gekürt. Das Monument wurde nach einigen Modifikationen am 26. Juni 1910 trotz strömendem Regen feierlich eingeweiht. Im März 1909 gewann Wanger einen Wettbewerb zur Erstellung eines Brunnens am Sihlquai unterhalb der Zollbrücke. Nach dem Tod des Komponisten Gottfried Angerer am 19. August 1909 erstellte er dessen Totenmaske, die am 30. Dezember in der Tonhalle ausgestellt wurde. Um 1909 schuf er das Grabmal der Familie Bär auf dem Friedhof Sihlfeld, eines der «schönsten Werke des Jugendstils auf dem Friedhof». Im zentralen Bronzerelief spielte er mit einem sterbenden Bären, auf dem ein Putto mit Blumengirlande sitzt, auf den Familiennamen an. Um 1910 fertigte er an selber Stätte ein Bronzemedaillon mit reicher Jugendstil-Ornamentik für das Megalith-Grab von F. Müller. mini|hochkant|«Büeblibrunnen» (1910) 1910 schuf er zwei Plastiken für den «Büeblibrunnen» in Zürich-Oberstrass: ein «an die Wand angelehntes, auf zwei Delphinen mit gespreizten Beinen stehendes nacktes, kräftig-munteres Bronzebüblein» als Wasserspender und eine bronzene Gans auf dem Dachfirst. Gustav Gull zeichnete für die architektonischen Pläne verantwortlich. Der Brunnen wurde im April 1911 eröffnet. Um 1912 errichtete er das monumentale klassizistische Grabmal für die Familie Wehrli-Naef auf dem Friedhof Sihlfeld. Das Relief in der zentralen Ädikula zeigt einen nackten Jüngling, der die Lebensfackel löscht.
Wangers letztes grosses öffentliches Werk war die Hirschplastik für den Hirschenbrunnen auf dem Platzspitz, die er 1912 schuf. Im Frühjahr 1913 wurde der Brunnen ohne jegliche Festlichkeit der Öffentlichkeit übergeben.
Während des Ersten Weltkriegs fertigte Wanger 1915 eine Medaille zur Erinnerung an den Kriegsbetrieb der schweizerischen Eisenbahnen und sechs plastische Militärpostkarten. Ausserdem schuf er um 1915 das Jugendstil-Grab von Alfred Wanger mit einer bronzenen Sphinx mit Gloriole. 1918 gab er eine Ostern-Plakette heraus.
1912 war Wanger an der Renovation des Fraumünsters, 1918 am Neubau der ETH Zürich und 1922 an der Errichtung des Kirchgemeindehauses St. Peter beteiligt. 1923 wurde ihm aus über 80 eingegangenen Entwürfen der Auftrag für das Grabmal des Komponisten Fritz Stüssi in Wädenswil erteilt.Grabmal für Musikdirektor Stüssi. In: Das Werk. Schweizerische Monatsschrift für bildende und angewandte Kunst. Band 10, Heft 9, September 1923, S. XII (online).
Von 1921 bis 1939 war er Präsident des Rennwegquartiervereins. Ausserdem war er Mitglied der Stadtzunft und gestaltete jahrelang das Sechseläuten mit. 1941 erstellte er ein Replikat des Grabdenkmals von Johann Caspar Lavater in der St.-Peter-Kirche.
Wanger starb am 28. November 1945 im Alter von 65 Jahren an einem Herzinfarkt. Die Trauerfeier fand am 1. Dezember im St. Peter statt.
Zu Wangers hundertstem Geburtstag veranstaltete der Quartierverein Leimbach 1980 eine Gedenkausstellung und veröffentlichte in diesem Zusammenhang auch erstmals einen Werkkatalog.
Franz Wanger war mit Annie Wanger verheiratet. Sein Sohn Armin Wanger (1920–2010) war ebenfalls Bildhauer. Zu seinen Schülern zählte Otto Charles Bänninger.
Werke (Auswahl) 1906: Wandbrunnen, Zürichbergstrasse 24, Hottingen 1906/1907: Wandbrunnen mit wasserspeiendem Löwenkopf, Treppe zum Schulhaus Ilgen, Hottingen 1907–1910: Schweizerpsalm-Denkmal, Zürichhorn um 1909: Grabmal der Familie Bär, Friedhof SihlfeldRegula Michel: Der Friedhof Sihlfeld in Zürich-Wiedikon (= Schweizerische Kunstführer. Serie 73, Nr. 723/724). GSK, Bern 2002, Nr. 20, S. 26. 1910: «Büeblibrunnen», Weinbergstrasse / Sonneggstrasse, Oberstrass um 1910: Grabmal der Familie Müller, Friedhof SihlfeldRegula Michel: Der Friedhof Sihlfeld in Zürich-Wiedikon (= Schweizerische Kunstführer. Serie 73, Nr. 723/724). GSK, Bern 2002, Nr. 9, S. 23. 1912: «Platzspitzhirsch», Platzspitz um 1912: Grabmal der Familie Wehrli, Friedhof SihlfeldRegula Michel: Der Friedhof Sihlfeld in Zürich-Wiedikon (= Schweizerische Kunstführer. Serie 73, Nr. 723/724). GSK, Bern 2002, Nr. 32, S. 33 f. 1915: Grabmal der Familie Wanger, Friedhof SihlfeldRegula Michel: Der Friedhof Sihlfeld in Zürich-Wiedikon (= Schweizerische Kunstführer. Serie 73, Nr. 723/724). GSK, Bern 2002, Nr. 15, S. 25. 1923: Grabmal von Fritz Stüssi, Wädenswil
Weblinks
Franz Wanger im Kunstbestand der Stadt Zürich
Einzelnachweise
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