Der Reichstag zu Worms 1172 war eine ReichsversammlungDie begriffliche Unterscheidung zwischen Hof- und Reichstagen sowie Reichsversammlungen oder Synoden war im Mittelalter noch nicht ausgeprägt. Diese Versammlungen waren alle Treffen der Herrscher mit führenden Trägern politischer Macht im Reich., die Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) im März 1172 in Worms abhielt.
Kontext Sechs Jahre, von 1168 bis 1174, hielt Friedrich I. sich nördlich der Alpen auf. Der lombardische Städtebund nutzte das in einer Allianz mit Papst Alexander III., um seine Stellung gegenüber dem Kaiser zu stärken und Rechte, die dieser für sich beanspruchte, zu bestreiten. Dieser Aufenthalt des Kaisers im Reichsteil nördlich der Alpen war der längste seit seiner Königswahl. Seine Aufenthaltsorte in dieser Zeit sind heute teilweise für Monate nicht mehr dokumentiert. Entsprechend dünn sind auch die Informationen, die über die Reichsversammlung von 1172 in Worms vorliegen. Sie beruhen im Wesentlichen auf einer Chronik, die über die Vorgänge berichtet und zwei diesbezügliche Schreiben dazu wörtlich wiedergibt: Erzbischof Philipp I. von Köln korrespondiert in seiner Funktion als Erzkanzler für Italien mit Verbündeten in Italien.Waitz, S. 121f.
Der Kaiser hatte sich zuvor in Passau aufgehalten, wo seine Anwesenheit für den 29. Februar 1172 belegt ist. Von Worms aus reiste er anschließend wahrscheinlich nach Würzburg. Dort ist sein Aufenthalt für den 16. April 1172 belegt.Ferdinand Opll: Das Itinerar Kaiser Friedrich Barbarossas (1152–1190) = Kommission für die Neubearbeitung der Regesta Imperii bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Kommission für die Bearbeitung der Regesta Imperii (Hg.): Forschungen zur Kaiser und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii 1. Hermann Böhlau, Wien 1978. ISBN 3-205-08715-1, S. 55.
Inhalt Das „usurpatorische“ Verhalten der lombardischen Städte forderte eine Gegenreaktion des Kaisers heraus. Auf der Reichsversammlung erhob der Kaiser formal Klage gegen die italienischen Städte und die Anhänger Alexanders III.In der Quelle (Waitz, S. 121) werden sie als „Rolandiner“ bezeichnet. Alexander III. hieß mit bürgerlichem Namen Rolando Bandinelli und da der Kaiser ihn als Papst nicht anerkannte, nahm er nur auf den bürgerlichen Namen des nicht anerkannten Papstes Bezug. Der Vorwurf gegen Papst und Lombarden lautete, dass sie die Reichskrone den „Griechen“ (dem Byzantinischen Reich) übertragen wollten, also auf Hochverrat.
Die Antwort darauf war der Beschluss der Versammelten, binnen zweier Jahre eine Heerfahrt nach Italien durchzuführen. Der Beschluss datiert auf den 26. März 1172 in Worms.1172 März 26, Worms (Weblinks). Die lange Vorlaufzeit für einen Italienzug beruhte auf dem Herkommen, dass für ein solches Vorhaben eine Ladungsfrist von einem Jahr und sechs Wochen erforderlich war.Johannes Laudage: Friedrich Barbarossa (1152–1190). Eine Biografie. Friedrich Pustet, Regensburg 2009. ISBN 978-3-7917-2167-5, S. 114. So fand der fünfte Italienzug Kaiser Friedrich I. dann sogar erst 1174 statt.
Siehe auch Liste der Reichsversammlungen in Worms
Literatur Georg Waitz: Chronica regia Coloniensis = Monumenta Germaniae Historica. Scriptores Rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi 18. Hahn, Hannover 1880. Neudruck: Monumenta Germaniae Historica, München 1978. ISBN 978-3-88612-173-1 / ISBN 978-3-447-17147-2Die doppelte ISBN hängt wohl mit einem Wechsel des Verlags während der Herausgabe in Fortsetzungslieferungen zusammen., S. 121f.
Weblinks RI IV,2,3 n. 1972 1172 März 26, Worms. In: Regesta Imperii online.
Anmerkungen
Einzelnachweise
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