Der WSV Fohnsdorf war ein österreichischer Fußballverein aus der obersteirischen Gemeinde Fohnsdorf. Größter Erfolg war die Teilnahme an der Staatsliga B, später Regionalliga Mitte, der zweithöchsten österreichischen Spielklasse. Als Meister der steirischen Landesliga der Spielsaison 1957/1958 und nach erfolgreichen Aufstiegsspielen in der Staatsliga B 1958/1959, ab 1959/1960 bis 1961/1962 in der zur Regionalliga Mitte umbenannten Staatsliga B, sowie nochmals 1966/1967 und von 1969/1970 bis 1973/1974. Somit insgesamt 10 Saisonen (mit Unterbrechungen) in der zweithöchsten österreichischen Spielklasse.

1978 wurde der WSV Fohnsdorf mit Vorwärts Fohnsdorf zum heutigen Sportverein (SV) Fohnsdorf fusioniert, dessen Heimspiele seit 1970 im Lorenzistadion ausgetragen werden. Der SV Fohnsdorf spielt in der Spielsaison 2026/27 in der Unterliga Nord B, der dritthöchsten Spielklasse des steirischen Fußballverbandes, diese Klasse ist zugleich die sechsthöchste Spielklasse im österreichischen Fußball.

Geschichte Im Jahr 1921 wurde der Verein Vorwärts Fohnsdorf und im Jahr 1928 der Verein A.A.C. Fohnsdorf gegründet, der mehrmals umbenannt wurde und im April 1948 zum Werkssportverein (WSV) Fohnsdorf wurde. Diese zwei eigenständigen Vereine wurden im Jahr 1978 zum heutigen SV Fohnsdorf fusioniert.

Spielstätten Erste Spielstätte war eine Schlackenhalde außerhalb des Wohngebietes, östlich der Gemeinde gelegen, weit über die Gemeindegrenzen hinaus als Sportplatz „Rote Erde“ bekannt. Dieser Platz war bis 1970 für Meisterschafts- und Freundschaftsspiele in Verwendung, diente auch als Trainingsplatz und den Schüler-, Jugend-, Junioren- und Reservemannschaften. Bis 1945 wurde ein weiterer Fußballplatz verwendet, dieser befand sich im Fohnsdorfer Werksgelände des tiefsten Braunkohlebergbaues der Welt, wo mehr als 2000 Arbeiter beschäftigt waren. Diese Spielfläche wurde nach dem alten Gruß der Bergleute „Glück Auf“-Sportplatz benannt. Anfang der 1960er-Jahre gab es erste Überlegungen, ein zeitgemäßes Fußballstadion zu errichten. Jedoch dauerte es 10 Jahre und im September 1970 konnte das „Lorenzi-Stadion“, unweit der „Roten Erde“ seiner Bestimmung übergeben werden. Namensgebend war hier der seinerzeitige „Lorenzischacht“, der sich in unmittelbarer Nähe befand und das Stadion wurde direkt auf der „Lorenzihalde“ errichtet.

Erste Meistertitel und Aufstieg in die Staatsliga B Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde auch in der Steiermark der Meisterschafts-Spielbetrieb wieder aufgenommen und schon im Spieljahr 1946/47 konnte der A.A.C. Fohnsdorf ungeschlagen den Meistertitel in der 2. Klasse Nord erreichen und stieg in die höchste steirische Klasse, die Landesliga, auf. Elf Jahre verblieb der inzwischen zum WSV Fohnsdorf umbenannte Verein in der Landesliga und im Spieljahr 1957/58 krönte sich der WSV zum Meister. Entsprechend den damaligen Aufstiegsregelungen musste der steirische Meister gegen den burgenländischen Meister Relegationsspiele bestreitenVorschau in Murtaler Zeitung Nr. 27/1958 v.5.7.1958, Seite 8.. Der Gegner war der ASV Neufeld und das erste Spiel in Neufeld wurde beim Spielstand von 1:0 (1:0) für Neufeld in der 85. Minute wegen Zuschauerausschreitungen abgebrochenMurtaler Zeitung Nr. 28/1958 v.12.7.1958, Seite 9.. Das zweite Spiel fand eine Woche später in Fohnsdorf statt und der WSV Fohnsdorf siegte mit 2:1 (0:0) nach 0:1-RückstandMurtaler Zeitung Nr. 29/1958 v.19.7.1958, Seite 8.. Erst nach der zweiten Partie entschied das Schiedsgericht des ÖFB, das erste Spiel zu annullieren und neu anzusetzen, somit hatte der WSV mit einem Sieg in Neufeld die Chance, den Aufstieg in die zweithöchste österreichische Spielklasse, die Staatsliga B, zu fixieren. Gestärkt durch den Heimsieg und dem Wissen, bei einem weiteren Sieg den Aufstieg zu schaffen, waren die Fohnsdorfer von Beginn an überlegen und gingen bereits nach 16 Minuten in Führung. Knapp vor der Pause vergaben die Burgenländer einen Hands-Elfmeter, diesen konnte der Fohnsdorfer Torhüter halten. In der zweiten Hälfte kontrollierte die Knappen-Elf das Spiel und erhöhten in der 72. Minute auf 2:0, damit war der Widerstand gebrochen und der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte war WirklichkeitMurtaler Zeitung Nr. 30/1958 v.26.7.1958, Seite 8.. Somit spielte auch erstmals eine Mannschaft aus dem oberen Murtal (Bezirke Judenburg und Knittelfeld, beide seit 2012 zum Bezirk Murtal fusioniert und Bezirk Murau) in der zweithöchsten österreichischen Liga. Bis heute (Stand Spielsaison 2025/2026) ist der WSV Fohnsdorf der einzige Verein dieser Bezirke, der jemals am Spielbetrieb in der zweithöchsten österreichischen Spielklasse (oder höher) teilgenommen hat.

Ewige Tabelle des Werkssportvereines Fohnsdorf (1945/1946 bis 1977/1978 – Fusion) Anmerkung: Punkte gerechnet nach der Zwei-Punkte-Regel, da die Drei-Punkte-Regel erst mit der Spielsaison 1995/1996 in Österreich eingeführt wurde. Saison Spielklasse Spiele S U N Torverhältnis Tordifferenz Punkte Platz Anmerkungen 1945/46 2. Klasse Obersteier 14 12 0 2 71:14 57 24 2. 1946/47 2. Klasse Nord 14 13 1 0 73:13 60 27 1. Klassenumbenennung und Meister 1947/48 Landesliga 18 6 3 9 25:40 −15 15 7. 1948/49 Landesliga 18 7 3 8 29:49 −20 17 6. 1949/50 Landesliga 18 5 3 10 22:36 −14 13 8. 1950/51 Landesliga 18 6 5 7 36:39 −3 17 5. 1951/52 Landesliga 22 5 8 9 32:34 −2 18 8. 1952/53 Landesliga 22 10 3 9 44:45 −1 23 6. 1953/54 Landesliga 22 10 4 8 50:31 19 24 4. 1954/55 Landesliga 22 11 4 7 62:47 15 26 4. 1955/56 Landesliga 22 10 6 6 47:31 16 26 2. 1956/57 Landesliga 22 10 6 6 54:34 20 26 4. 1957/58 Landesliga 26 15 7 4 63:36 27 37 1. Meister (Relegation gegen den burgenländischen Meister Neufeld an der Leitha 2:1 (0:0) und 2:0 (1:0)) 1958/59 Staatsliga B 26 10 6 10 40:46 −6 26 9. 1959/60 Regionalliga Mitte 20 7 6 7 34:35 −1 20 6. Klassenumbenennung 1960/61 Regionalliga Mitte 26 11 6 9 51:37 14 28 5. 1961/62 Regionalliga Mitte 26 4 7 15 24:59 −35 15 14. Abstieg 1962/63 Landesliga 26 15 4 7 60:44 16 34 3. 1963/64 Landesliga 26 11 3 12 49:53 −4 25 8. 1964/65 Landesliga 26 11 5 10 38:33 5 27 7. 1965/66 Landesliga 26 17 4 5 50:27 23 38 1. Meister 1966/67 Regionalliga Mitte 26 7 7 12 29:40 −11 21 13. Abstieg 1967/68 Landesliga 26 6 9 11 35:25 10 29 5. 1968/69 Landesliga 26 15 7 4 40:15 25 37 1. Meister 1969/70 Regionalliga Mitte 26 15 6 5 51:28 23 36 2. 1970/71 Regionalliga Mitte 26 10 7 9 32:35 −3 27 8. 1971/72 Regionalliga Mitte 26 8 5 13 23:41 −18 21 10. 1972/73 Regionalliga Mitte 26 6 4 16 31:54 −23 16 14. 1973/74 Regionalliga Mitte 24 4 4 16 21:51 −30 12 13. Abstieg 1974/75 Landesliga 34 5 9 20 38:91 −53 19 17. Abstieg 1975/76 Unterliga Nord 26 10 4 12 52:50 2 24 7. 1976/77 Unterliga Nord 26 9 6 11 41:50 −9 24 9. 1977/78 Unterliga Nord 26 6 8 12 47:54 −7 20 11. Fusion mit Vorwärts Fohnsdorf zum FC Fohnsdorf Saison Spielklasse Spiele S U N Torverhältnis Tordifferenz Punkte Platz AnmerkungenQuelle: Tabellen-Endstände aus Kronen Zeitung, Kleine Zeitung, Neue Zeit oder Murtaler Zeitung bzw. Tabellen-Archiv des steirischen Fußballverbandes. Anmerkung: Grün unterlegte Spielzeiten kennzeichnen den Aufstieg, Rot unterlegte Spielzeiten kennzeichnen den Abstieg.

Literatur Leo Schidrowitz: Geschichte des Fußballsports in Österreich, Traunau, Wien 1951 WSV Fohnsdorf: 50 Jahre Werkssportverein Fohnsdorf 1928 bis 1978, Festschrift, Eigenverlag, Fohnsdorf 1978 Hans Burgstaller/Helmut Lackner: Fohnsdorf - Erlebte Geschichte, Verlag Erich Mlakar, Judenburg 1984 Hans Burgstaller/Ernst Reinwald: Fohnsdorf - Ein Streifzug in Bildern, Verlag Ing. Klaus Podmenik, Fohnsdorf 1988 Steirischer Fußballverband: 75 Jahre Steirischer Fußballverband 1911 bis 1986, Universitätsdruckerei Leykam, Graz 1986 Steirischer Fußballverband: 85 Jahre Steirischer Fußballverband 1911 bis 1996, druckservice styrian, Graz 1996 Steirischer Fußballverband: 100 Jahre Steirischer Fußballverband 1911 bis 2011, Medienfabrik Graz, Graz 2011 Friedrich Kogler: Fußballverein Fohnsdorf - Ein Verein und seine Geschichte 1921 bis 2011, Eigenverlag, Fohnsdorf 2011

Weblinks Offizielle Website

Einzelnachweise

Fohnsdorf, SV Kategorie:Vereinsgründung 1921 Kategorie:Sport (Fohnsdorf)