Jürgensplatz war bis 2025 der Name des Vorplatzes des Düsseldorfer Polizeipräsidiums. Er wurde im Sommer 1945 nach dem hingerichteten Kommandanten der Schutzpolizei Franz Jürgens benannt, der sich zuletzt am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt hatte.
Recherchen ab 2018 ergaben allerdings, dass er auch an nationalsozialistischen Verbrechen beteiligt gewesen war, weshalb ein neuer Name für den Platz in einer Bürgerbeteiligung Anfang 2025 gesucht wurde. Nach Abschluss der Auswertung zur Umbenennung wurde der bisherige Platz im Oktober 2025 in zwei Teile umbenannt. Zum einen in die Edith-Fürst-Straße und die Fläche vor dem Polizeipräsidium und dem Ministeriumsgebäude in Am Polizeipräsidium.
Lage Der Jürgensplatz war ein Platz und Straßenzug im Düsseldorfer Stadtteil Unterbilk. Die Durchfahrt war nur für Anlieger und Radfahrende gestattet. Es gab eine Verbindung zur Hubertusstraße und Reichsstraße im Norden, über die der Platz verlassen werden konnte (Einbahn-Regelung). Im Süden kreuzte der Fürstenwall, bevor der Jürgensplatz in die Lorettostraße überging. Auf dem Platz befand sich eine Trambahn-Haltestelle der Linie 708 mit dem Namen „Polizeipräsidium“.
Auf der westlichen Seite der Straße befinden sich die ungeraden Hausnummern 1, 3 und 5, auf der östlichen Straßenseite des Jürgensplatz, heute Edith-Fürst-Straße genannt, die geraden Hausnummern 32 bis 52 (Hausnummer 54 fehlt) und 56 bis 72.
Namensgeber Kavallerieplatz bzw. Kavalleriestraße mini|Zu Beginn des 18. Jahrhunderts geplanter Schlossneubau in einem „Idealplan“ von Matteo Alberti: Der rheinische Provinzialkonservator Paul Clemen vermutete, später unterstützt durch Theodor Levin, dass als Standort des Schlosses das Rheinufer der Düsseldorfer Neustadt, also das heutige Regierungsviertel westlich des Jürgensplatzes, gedacht war.Paul Clemen: Der Düsseldorfer Schlossplan des Grafen Matthaeus Alberti. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsvereins. Band 17, Düsseldorf 1902, S. 181 f., abgerufen im Portal archive.org am 2. April 2025Theodor Levin: Beiträge zu den Kunstbestrebungen des Hauses Pfalz-Neuburg. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsvereins. Band 19, Düsseldorf 1905, S. 145 f., abgerufen im Portal archive.org am 2. April 2025 mini|Polizeipräsidium Düsseldorf, Bauteil am Fürstenwall (2011) Ursprünglich soll Kurfürst Jan Wellem an dieser Stelle sein neues Schloss geplant haben.
Bis 1822 wurden die Reiterkasernen (Kavallerie) des Westfälischen Ulanen-Regiments Nr. 5 zwischen der Kavalleriestraße und der Neusser Straße von Gottfried Bandhauer errichtet.
Die Gebäude für das Polizeipräsidium Düsseldorf und die Oberfinanzdirektion wurden zwischen 1929 und 1939, auf dem Gelände der ehemaligen Husarenkaserne, erbaut. Sie zeigen sachlich-zweckorientierte Backsteinarchitekturen für Verwaltungsbauten der 1920er und 1930er Jahre. Bei der Grundsteinlegung 1929 war Hans Langels gemeinsam mit dem preußischen Innenminister Albert Grzesinski (SPD) dabei. Der Bau konnte erst vier Jahre später vollendet werden. Das Polizeipräsidium begann mit dem Umzug von der Mühlenstraße 29 aus dem Stadthaus im Winter 1933 bis zum April 1934.welt.de: Polizeipräsidium wird bis Ende 2016 zur Baustelle, 2. Mai 2013
Dieser seit 1928 geplante, zwischen 1936 und 1939 für die Behörde des Oberfinanzpräsidenten errichtete Backsteinbau liegt zwischen dem gestalterisch ähnlichen Polizeipräsidium Düsseldorf, der Hubertusstraße, der Neusser Straße und der Kavalleriestraße.Sabine Tübergen: Oberfinanzdirektion. Artikel im Portal baukunst-nrw.de, abgerufen am 23. September 2012. Durch die pathetisch-funktionale Formensprache, die für das Neue Bauen, aber auch für die Architektur im Nationalsozialismus typisch ist, wirkt das Gebäude wie eine Kaserne.
Ab 1934 oder 1937: Mackensenplatz Die erste Umbenennung fand durch die Nationalsozialisten 1934 oder 1937 statt. Für den „Mackensenplatz“ stand August von Mackensen Pate.
Ab 1945: Jürgensplatz mini|Portal der ehemaligen Oberfinanzdirektion, heute des MHKBD NRW mit Anschrift Hubertusstraße 9 (2018) Im Sommer 1945 wurde der Platz in „Jürgensplatz“ umbenannt.
Umbenennungsprozess ab 2020 Im März 2018 beauftragte der Düsseldorfer Stadtrat, die Straßennamen durch einen wissenschaftlichen Beirat überprüfen zu lassen. Im Januar 2020 wurde der Abschlussbericht vorgestellt, mit der Empfehlung, Straßen umzubenennen, deren Namen aus den Bereichen Kolonialismus, Militarismus, Nationalsozialismus und Antisemitismus kommen. In diesem Zusammenhang wurde auch die Historie um Franz Jürgens beleuchtet, der in Düsseldorf als Unterstützer der Aktion Rheinland und der kampflosen Übergabe von Düsseldorf an die Alliierten zum Ende des Zweiten Weltkrieges auf vielfältige Weise geehrt wurde. Die Aufarbeitung ergab, dass Franz Jürgens der nationalsozialistischen Ideologie nahestand, am Transport Darmstädter Juden in die Vernichtungslager des Holocaust beteiligt war und sich erst in den letzten Tagen des Krieges gegen das nationalsozialistische Regime gestellt hatte. Daher sollte ihm die Ehre entzogen werden, Namensgeber für eine Straße, einen Platz und ein Berufskolleg zu sein.Wann bekommt der Jürgensplatz seinen neuen Namen? von Ute Neubauer vom 12. Dezember 2024
Die Bezirksvertretung hatte zunächst gemeinsam mit Bürgern eine bereits einvernehmliche Lösung gefunden. Der Polizist Klaus Dönecke, der sich wesentlich mit der Aufarbeitung der dunklen Geschichte der Düsseldorfer Polizei während der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt hatte, sollte Namensgeber werden. Allerdings hatte man versäumt, die Familie Döneckes einzubeziehen, die sich gegen die Namensgebung aussprach.
Im März 2024 fasste der Rat den Beschluss, die Bezeichnung Jürgensplatz künftig durch einen neuen Namen zu ersetzen. Erste Umbenennungsvorschläge wurden in einer öffentlichen Veranstaltung im August 2024 gesammelt.Öffentlichkeitsbeteiligung: Umbenennung des Jürgensplatzes Dialogveranstaltung im Bürgerhaus Bilk, Pressedienst vom 9. August 2024 von Manuel Bieker Die Verwaltung regte die Benennung in Edith-Fürst-Platz an, um diese Frau stellvertretend für alle Opfer des Nationalsozialismus in Düsseldorf zu würdigen.Der Jürgensplatz in Düsseldorf-Unterbilk soll umbenannt werden.Beschlussvorlage: Umgang mit der historischen Person Franz Jürgens KUA/043/2024/2 vom 21. März 2024Jürgensplatz – Aufruf zur Beteiligung – Gesucht wird ein neuer Platzname!
Vom 6. bis zum 28. März 2025 gab es einen öffentlichen Aufruf zur Beteiligung an der Namensfindung. Es gab knapp 600 Beiträge beziehungsweise Vorschläge, die über 101.000 Bewertungen (positive und negative zusammengezählt) erhielten.Bürgerinnen und Bürger zur Beteiligung an der Umbenennung des Jürgensplatzes aufgerufen Pressedienst vom 6. März 2025 von Manuel Bieker
Vorschläge der Verwaltung: „Edith-Fürst-Platz“: 233 positive Bewertungen, 205 negative Bewertungen „Platz der Demokratie“: 187 positive Bewertungen, 187 negative Bewertungen „Platz der Befreiung“ 79 positive Bewertungen, 214 negative Bewertungen Vorschläge der Anlieger: „Platz der Polizei“ (Vorschlag der Polizeipräsidentin sowie mehrheitliches Stimmungsbild der Präsenzveranstaltung im August 2024): 4036 positive Bewertungen, 6708 negative Bewertungen Weitere Vorschläge mit insgesamt vielen Stimmen: „Rosa-Luxemburg-Platz“ (anonymer Vorschlag): 11.203 positive Bewertungen, 550 negative Bewertungen „Eleanor-Marx-Platz“ (anonymer Vorschlag): 7986 positive Bewertungen, 394 negative Bewertungen
Umbenennung 2025 Der Stadtrat der Landeshauptstadt Düsseldorf beschloss in seiner Sitzung am 10. Juli 2025, den Jürgensplatz in „Edith-Fürst-Straße“ und die Platzfläche vor dem Polizeipräsidium und dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung in „Am Polizeipräsidium“ umzubenennen.
Bauwerke nach Hausnummern Auszug aus der Liste der Baudenkmäler in Unterbilk:
Kunstwerke und Denkmäler mini|hochkant|Station 2 am Jürgensplatz
Der Weg der Befreiung hat hier die „Station 2: Polizeipräsidium am Jürgensplatz“:
mini|hochkant|Persiluhr am Jürgensplatz (Liste der Persiluhren in Deutschland) Liste von Kunstwerken im öffentlichen Raum in Düsseldorf
Der Regisseur Harald Holzenleiter drehte, zusammen mit Kameramann Günther Neumann, 2009 eine Testfolge für eine geplante Fernsehserie namens Jürgensplatz.Erste Folge von "Jürgensplatz" TV-Serie im Publikums-Test · Regisseur Harald Holzenleiter zeigte geladenen Gästen am Freitag die erste Folge seines Düsseldorf-Krimis "Jürgensplatz". Der Beifall diente als Gradmesser für das Einschaltquoten-Potenzial. Zwei Sender haben Interesse. rp-online.de vom 7. August 2009 Als Schauspielerinnen waren unter anderem dabei: Kasia Borek, Jana Hora-Goosmann. Obwohl zwei Sender interesse zeigten wurde keine Serie daraus.
Siehe auch Hanns Friedrichs (Modedesigner) hatte sein Atelier ab 1973 im Haus Jürgensplatz 58–60, gegenüber dem Polizeipräsidium, ab 1982 war er im Haus Nr. 62. Michael Dybowski, Vorsitzender des Vereins „Geschichte am Jürgensplatz e.V – Verein zur Aufarbeitung der Düsseldorfer Polizeigeschichte“.
Einzelnachweise
Weblinks
Erinnerung und Gedenken an den 16. April 1945, Webseite des Vereins Geschichte am Jürgensplatz
Kategorie:Bauwerk in Unterbilk Kategorie:Platz in Düsseldorf Kategorie:Erbaut in den 1870er Jahren Kategorie:Platz in Europa