Karl Kroher, auch Karl Kroher-Graf (* 22. Mai 1892 in München; † 13. November 1969 ebenda), war ein deutscher Bildhauer und Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft.
Leben und Werk Karl Kroher wurde am 22. Mai 1892 gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Josef als Sohn von Johann und Anna Kroher (geborene Metz) in München geboren. Über die frühen Jahre der Brüder ist nichts überliefert. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war Karl als Student an der Akademie der Bildenden Künste eingeschrieben, während Josef an der Maschinenbauschule München Elektrotechnik studierte. Beide traten im Oktober 1914 als Kriegsfreiwillige in die Bayerische Armee ein und wurden bis zum Kriegsende 1918 in zahlreichen Gefechten in Frankreich und Belgien eingesetzt.Diverse Kriegsstammrollen des Königreichs Bayern, eingesehen auf ancestry.de am 14. April 2026. Nach dem Krieg nahm Karl Kroher sein Studium wieder auf und studierte im Sommersemester 1924 erneut Bildhauerei an der Kunstakademie in München.Matrikelbücher der Akademie der Bildenden Künste München: Matrikelbuch 4 (1920–1931), Eintrag „Kroher, Karl“ (Matrikelnummer 0014, Digitalisat). mini|hochkant|Die Trauernden an ihrem langjährigen Standort in der Münchner Richelstraße mini|hochkant|Kopie einer Hippokrates-Statue vor der Bayerischen Staatsbibliothek In den folgenden Jahren etablierte er sich in München als freischaffender Bildhauer, dessen Arbeiten vor allem im öffentlichen Raum ihren Platz fanden, darunter Brunnen und zahlreiche Skulpturen sowie sakrale Kunstwerke. Zu seinen bekanntesten Werken zählt dabei die bronzene Frauengruppe Die Trauernden, ein 1927 enthülltes Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten.
Kroher war Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft (MKG) und nahm regelmäßig an deren Ausstellungen teil. So zeigte er 1927 unter dem Doppelnamen „Kroher-Graf“Die Herkunft des Namensbestandteils „Graf“ ist nicht bekannt. bei der Kunstausstellung im Münchner Glaspalast eine Madonna aus Eisen und eine Pietà aus Terrakotta. Auf der Deutschen Kunstausstellung im Glaspalast stellte er im Sommer 1930 seine Skulptur Fischer aus. Dasselbe Motiv zierte bereits den 1927 von ihm fertiggestellten Fischerbrunnen in München-Ramersdorf.Deutsche Kunstausstellung München 1930; offizieller Katalog. Knorr & Hirth, München 1930; Bildteil S. 40, Scan 152 (Digitalisat). Auch 1931 nahm Kroher wieder an der Ausstellung der MKG im Glaspalast teil, und bei der Brandkatastrophe am 6. Juni 1931 wurde neben Hunderten anderer Werke auch eine von ihm geschaffene Gips-Büste (Ausstellungsobjekt Nr. 736) ein Opfer der Flammen.
In größeren Projekten außerhalb Münchens zeigte sich Krohers Vielseitigkeit. Für die Internationale Hygiene-Ausstellung 1930 in Dresden gestaltete er gemeinsam mit dem Münchner Regierungsbaumeister Paul Gedon und dem Maler und Grafiker Günther Graßmann die repräsentative Ausstellungshalle des Freistaates Bayern.
1938 betätigte sich Kroher am Regensburger Herzogshof als historisierender Restaurator: Dort versetzte er die neu erbaute Westfassade durch die Vortäuschung eines romanischen Biforiums in einen idealtypischen romanischen Zustand.
Für die Stadtkirche St. Andreas in Selb schuf Kroher ein überlebensgroßes Kruzifix, das im Triumphbogen des Kirchengebäudes hängt. Im Auftrag der Stadt München fertigte Kroher eine Kopie einer Hippokrates-Skulptur, die am Treppenaufgang zur Bayerischen Staatsbibliothek aufgestellt wurde.
Auf dem deutschen Soldatenfriedhof („Cimetière militaire allemand“) in der französischen Gemeinde Maissemy, der zweitgrößten deutschen Kriegsgräberstätte des Ersten Weltkriegs, findet sich ein weiteres Werk Krohers: In der Gedenkhalle steht ein mit „Karl Kroher-Graf“ signiertes Denkmal, ein Bronze-Sarkophag mit einem umlaufenden Engel-Fries.
Das Aussehen des Künstlers ist durch ein Werk seines Kollegen Hermann Mühlen überliefert, den er aus der Künstlergenossenschaft kannte. Mühlen schuf 1931 ein großformatiges Porträtgemälde (120 × 100 cm) mit dem Titel Bildhauer Kroher. Es zeigt Kroher in seinem Atelier, Pfeife rauchend auf einem hölzernen Gestell sitzend, gekleidet in eine braune Weste und Hose sowie ein helles Hemd mit Krawatte und offenem Arbeitskittel.
Karl Kroher starb am 13. November 1969 im Alter von 77 Jahren in München. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof München-Lochhausen.
Werke (Auswahl) Die Trauernden Brunnen Armer Schreiber, im Innenhof Haus Grünwalder Straße 17, München (Fertigstellung 1927) Fischerbrunnen, München-Ramersdorf (Fertigstellung 1927) Sarkophag auf dem Deutschen Soldatenfriedhof Maissemy (Link zum Foto) 1922, Kriegerdenkmal Neuhausen, Haslangstraße, an der Mauer der ehemaligen Kaserne. (alter Standort nicht erhalten) Entwurf Karl Hocheder, Ausführung Kroher 1924, Hauptzollamt Landsbergerstraße, Entwurf Pfister und Kroher, Erinnerungstafel zum Gedenken der gefallenen Zollbeamten, Ausführung Steinbildhauer Lallinger, schwarzer Naturstein September 1924, Grünwald, Gedächtniskapelle im Friedhof, Entwurf Karl Hocheder, Ausführung der Wand mit einer Pieta von Kroher 1929, Kriegerdenkmal an der Kirche St. Jakob am Schrannenplatz in Dachau. Errichtet im Spätherbst 1929 nach dem Entwurf und Anfertigung des münchner Bildhauers Karl Kroher. Für die Herstellung waren über 8000 Mark veranschlagt Juli 1924, Planegg, Kriegerdenkmal, Entwurf Karl Hocheder und Kroher, Ausführung Firma Zöller 1930, Denkmal des Simón Bolívar, Kolumbien. Gesamtprojekt Gießerei Miller München. Zehn Münchner Bildhauer waren am Monument beteiligt. Kroher schuf hier zwei der vier Engelwesen 1957, Spielende Vögel – Brunnen, München, Dom-Pedro-Straße nahe der Landshuter Allee. Innenhof eines Wohnblocks, (Verbleib offen) 1959, ein Zierbrunnen, die Plastik – ein Frosch als Wasserspender. München, Laim, Menaristraße Ecke Senftenauerstraße. Im Hof des ehemaligen Gebäude der Kindertagestätte (2007–2009 Neubau, Verbleib des Brunnens offen)
Literatur Geschichtswerkstatt Neuhausen (Hrsg.): Karl Kroher, ein fast unbekannter Bildhauer. In: Neuhauser Werkstatt-Nachrichten, Nr. 46, München 2021.
Weblinks
Werke von Karl Kroher auf stadtgeschichte-muenchen.de
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Bildhauer (München) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1892 Kategorie:Gestorben 1969 Kategorie:Mann