Gymnich ist mit Mellerhöfe ein nordwestlicher Stadtteil von Erftstadt im Rhein-Erft-Kreis.

Geographie Gymnich liegt in der Niederung der mittleren Erft in der Jülich-Zülpicher Börde. Die Ortschaft im südlichen Rhein-Erft-Kreis grenzt an das Naherholungsgebiet Naturpark Rheinland und die Ausläufer des Villerückens.

Geschichte Frühgeschichte und römische Zeit Spuren der Frühzeit fanden sich auch in der Region Gymnich und belegen so eine weit in die Vergangenheit reichende Besiedlung des Gebietes. Südöstlich des heutigen Ortes wurde 2007, in einem „Im Griesfeld“ genannten Neubaugebiet, eine Bandkeramische Siedlung aus der Zeit um 5000 v. Chr. entdeckt und dokumentiert. Außer vier bis fünf Hausgrundrissen mit Längen von 21 bis zu 40 Metern und Breiten von 7,20 bis zu 7,80 Meter wurden Mahlsteinunterlagen, Tonscherben der Linearbandkeramik, Pfeilspitzen aus Feuerstein und Messerklingen gefunden. Einzelfunde von Keramikfragmenten konnten der Latènezeit zugeordnet werden.

Drei weitere Areale im Umfeld Gymnichs erbrachten Befunde zu Bauten der römischen Zeit. So eine villa rustica, ein Gebäudekomplex am südlichen Ortsrand und ein weiterer dieser Art in östlicher Richtung. Weitere Relikte wie Ziegelreste, Keramikbruchstücke aus einem Brunnenschacht, sowie Münzen aus dem 1. bis zum Ende des 4. Jahrhunderts belegten eine jahrhundertelange Besiedlung auch in diesem Zeitabschnitt Gymnicher Geschichte.Eric Biermann: Von Steinzeitbauern und römischen Landgütern. In: Jahrbuch der Stadt Erftstadt, 2009. S. 19–30.

Mittelalter Gymnich wurde erstmals 1121 als „Gimnich“ erwähnt.Erich Wisplinghoff: Siegburger Urkundenbuch I. Band Nr. 34 Der Name wird von Geminiacum, der Siedlung des Geminius, hergeleitet.

Befestigte Dorfanlage Die Ortschaft war wie viele andere der größeren Dörfer in dieser Zeit befestigt und schützte sich durch einen sie umgebenden Graben und dichte Dorfhecken.Archiv Schloss Gymnich Akte 64 An den Dorfausgängen waren Falltore, die Falder genannt wurden, errichtet worden.HSTAD Siegburg Akten Nr. 152 Die Bezeichnungen „Auf dem Graben“ (heute Brüggener Straße) und „Vorpforte“ erinnern noch an die alte Dorfbefestigung. Der Verlauf der Straße „Am Büschel“, in früheren Urkunden „Am Büchel“ scheint darauf hinzuweisen, dass dort im Mittelalter eine befestigte Anlage, eine Turmhügelburg (Motte) stand.

Besitzungen und Herrschaftsverhältnisse Am Anfang des 12. Jahrhunderts verteilten sich die Besitzungen im Ort noch auf mehrere Grundherren, den Erzbischof von Köln und die Grafen von Wied. Höfe oder Landbesitz im Ortsbereich besaßen das Reichsstift Essen, die zum Fronhof des Stiftes in Türnich gehörtenHSTAD Bestand Bottenbroich Urkunde Nr. 4 und HAStK Bestand St. Johann und Cordula Urkunde Nr. 1/32 und das Stift St. Andreas in Köln, der um 1230 in Erbpacht vergeben worden war.HAEK Pfarrarchiv St. Andreas A II 40

Nachdem der Kölner Erzbischof Anno einen Teil seines Gymnicher Besitzes seiner Siegburger Gründung, der Benediktinerabtei geschenkt hatte, erweiterte diese um 1125 ihren Besitz vor Ort durch den Erwerb eines Gutes des Ruker von Wied im Tausch gegen andere Güter. Dies war ein Gut („prädium“) mit Vogtei und Zehntrechten. Mit der Vogtei der erworbenen Grundherrschaft wurde der 1139 genannte „Azelin von Gimnich“, ein erzbischöflicher Ministeriale, „ministerialis sancti Petri“ belehnt, der die caminata des Abtes als Wohnsitz nahm.Erich Wisplinghoff, Siegburger Urkundenbuch I. Band Nr. 46, übersetzt veröffentlicht in Stommel, Quellen Band I Nr. 11 Er gehörte zur Familie der Reichsministerialen von Gimmenich, die aus der Gegend von Aachen stammte und deren Nachkommen eine Generation später in den Ritterstand aufstiegen. Ein Verwandter Azelins war „Reinhard von Gimmenich“, der Vater des Aachener Schultheißen „Arnold von Gimmenich“, dessen Nachkommen Ansprüche auf die Vogtei und Besitzungen in Gymnich stellten.

Wie in der Chronik der Stadt Erftstadt dokumentiert ist, tauscht Wenemar von Gymnich am 2. August 1276 aus seinem Besitz Buschfeld gegen das im Besitz seiner Schwester Beatrix (als Witwe des Johann von Kerpen) und deren Kinder befindliche Königsgut der Burg zu Kerpen ein. Im Mai 1281 bittet der englische König Eduard I. in einem Schreiben an den damaligen deutschen König Rudolf I. von Habsburg, die Reichsburgen Kerpen und Werden an Wenemar von Gymnich zu übertragen und verwendet sich für dessen Bruder, den damaligen Propst zu Wetzlar. Woraufhin König Rudolf I. von Habsburg am 16. Mai 1281 die Belehnung des "herrlich gelobten Wenemar von Gemenich" und dessen Erben beiderlei Geschlechts mit der Burg Kerpen (an der Erft zwischen Köln und Düren) und allem Zubehör, so wie sie Wenemar von seiner Schwester Beatrix erkauft habe, beurkundend vornimmt.

Nur ein Jahr nach seiner eigenen Belehnung im Mai 1282 verkauft Wenemar von Gymnich seine Burg Kerpen an Herzog Johann I. von Brabant (, dem Erben des väterlichen Titels „kaiserlicher Schirmvogt am Niederrhein zwischen Maas und Rhein, Eifel und Nordsee“ und dem Burgerwerb sechs Jahre später nachfolgend 1288 Eroberer der köln-erzbischhöflichen Burg Lechenich sowie in dieser hochmittelalterlichen Epoche erzbischhöflicher Gegner bei Gebietsanspruchserhebungen und dann gar siegreicher Hauptkontrahent des seit 1275 amtierenden Kölner Erzbischhofs Siegfried von Westerburg in der berühmten Ritterschlacht von Worringen,) was ebenso wieder in den hochmittelalterlichen Kaiser- und Königsurkunden dokumentiert ist, wonach im Februar 1284 König Rudolf I. von Habsburg die Burg Kerpen, wie solche bisher Wennemar von Gemenich besaß, dem mit ihm selbst verschwägerten Herzog Johann I. von Brabant übereignet.

Nach der Schlacht von Worringen im Jahr 1288, als es Auseinandersetzungen zwischen der Familie des Vogtes Sterre und der Abtei Siegburg gab, wurde „Johann von Gymnich“ 1302 mit der Vogtei belehnt.Erich Wisplinghoff: Siegburger Urkundenbuch I. Band Nr. 180, übersetzt veröffentlicht in Stommel Quellen Band I Nr. 171 Es gelang ihm und seinen Nachfolgern als Vögte der Grundherrschaft Siegburg ihre Rechte in Gymnich auszubauen.

Im 14. Jahrhundert begann eine Entwicklung zu einem geteilten Dorf, in der ein Teil des Dorfes, das Oberdorf, eine dem köln-erzbischhöflichen Amt Lechenich angehörende und dessen Gericht unterstehende Honschaft bildete, der andere Teil, das Niederdorf, die ebenfalls zum Amte Lechenich gehörende Herrlichkeit, in der die Ritter von Gymnich die Niedere Gerichtsbarkeit ausübten.Lacomlet Archiv VI Nr. 39 und HSTAD Bestand Siegburg Akten 148, veröffentlicht in Stommel Quellen Band I Nr. 653 Die Bezeichnung Herrlichkeit wurde seit 1457 gebräuchlich, nachdem Johann von Gymnich, Herr zu Vischel, sich im Jahre 1448 seine Rechte im Niederdorf von den Bewohnern bestätigen und notariell beurkunden ließ.Archiv Schloss Gymnich Urkunde Nr. 173, veröffentlicht in Stommel Band II Nr. 1063

Neuzeit Ausbau zur Unterherrschaft Die Ritter von Gymnich waren im 15. und 16. Jahrhundert häufig Gläubiger der Erzbischöfe von Köln, aber auch Amtmänner des Amtes Lechenich, das ihnen verpfändet war.HAStK Bestand Domstift Urkunde 3/1878 und Archiv Schloss Gymnich Urkunden Nr. 333 und 398, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band II Nr. 1339 Dies hatte zur Folge, dass von den jeweiligen Erzbischöfen als Schuldner der Gymnicher Ritter deren Rechtsverstöße und Machtausdehnungen toleriert wurden.Archiv Schloss Gymnich Urkunde Nr. 204, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band II Nr. 1108 Die Vögte nannten sich vereinbarungsgemäß „Herr zu Gymnich“, wie es ihnen die Äbte von Siegburg für ihre Grundherrschaft zugestanden hatten.HSTAD Bestand Siegburg Akte 143 Obwohl 1620 noch festgestellt worden war, dass der Kurfürst die Hochgerichtsrechte in Gymnich besaß und Verbrecher den Lechenicher Beamten auszuliefern waren,HSTAD Bestand Siegburg Akte 149/2 erreichten es die Herren von Gymnich, dass ihnen Kurfürst Ferdinand 1628 die Rechte der „Hohen“ Gerichtsbarkeit für einen Teil des Dorfes zugestand.Archiv Schloss Gymnich Repertorium Nr. 810, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band IV Nr. 2327 Damit war die „Herrlichkeit“ faktisch eine Unterherrschaft auch wenn es keine offizielle Belehnung der Herren von Gymnich mit einer solchen in Gymnich gab.

Burg- und Schlossbauten mini|Schloss Gymnich um 1860, Sammlung Alexander Duncker Die erste 1354 am westlichen Dorfrand erbaute befestigte Burg war ein Offenhaus und Lehen der Kölner ErzbischöfeHSTAD Kurköln, Kartular 1, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band I Nr. 401 und wurde 1399 auf Befehl des Erzbischofs Friedrich niedergelegt.HSTAD Kurköln Urkunde Nr. 1315, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band I Nr. 756 Die 1419 genannte unbefestigte BurgRepertorium Archiv Gymnich Nr. 105b, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band II Nr. 888 wurde 1642 teilweise zerstört und in den Jahren nach 1655 zu einem Barockschloss ausgebaut. Um 1738 ließ Karl Otto Ludwig Theodat von und zu Gymnich die Räume des 1722 errichteten Ostflügels im Rokokostil ausstatten.Henriette Meynen, Wasserburgen, Schlösser und Landsitze im Erftkreis. 4. Auflage Köln 1992. Seite 122–128 Schloss und Anlagen der von Gymnich kamen 1825 an ihre Erben, die Grafen Wolff Metternich. Zwischen 1903 und 1930 wurde das Gebäude von Grund auf renoviert. Durch Heirat kam es an Vicomte de Maistre, danach an Freiherrn von Holzschuher, der das Schloss 1990 veräußerte.Matthias Weber, Erftstadt-Gymnich, Heimatbuch

Stiftungen des Hauses Gymnich Für diverse Messstiftungen des Ehepaars Arnold von Gymnich und Margarethe von Buschfeld in der Dorfkirche und in der Burgkapelle 1504 wurde eigens ein Priester angestellt. Sein Einkommen hatte er durch Erträge aus Ackerland und Benden der noch heute existenten „Arnoldschen Stiftung“.Archiv Schloss Gymnich Urkunde Nr. 378 Auch Arnolds Bruder Johann, Hofmeister des Erzbischofs Hermann von Hessen (1450–1508), in der Dorfkirche beerdigt, hatte 1506 mehrere fundierte Messen gestiftet.Archiv Schloss Gymnich Urkunde Nr. 382, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band III Nr. 1447 und Nr. 1454 Die im Jahre 1624 verstorbene Maria von der Leyen, geborene von Gymnich, vermachte der Kirche 1000 „Königstaler“, von deren Zinsen drei Hausarme in der Herrlichkeit Gymnich und ein Student des Ortes unterstützt wurden.Archiv Schloss Gymnich Akte 565, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band IV Nr. 2616

Weistum des Dorfes Gymnich Die Rechte und Pflichten der Dorfbewohner waren in dem 1579 neu aufgezeichneten Bauernbuch, Weistum genannt, festgelegt.HSTAD Kurköln II 1904, veröffentlicht in Stommel Quellen Band III Nr. 2915 Auf der Grundlage dieser Regeln verwaltete man den gemeinsamen Besitz, die Allmende, in der hiesigen Gegend „die Gemeinde“ genannt, und den Gemeindebroich. Die Gemeinde hatte das Recht, einen Feldschütz zu wählen und Verstöße gegen geltende Regeln zu bestrafen. Nach der Teilung des Dorfes stand der Honschaft ein „Honne“ vor, der sich im 18. Jahrhundert Bürgermeister nannte. Der Vorsteher der Herrlichkeit wurde als Vertreter des Herrn von Gymnich Vogt oder Statthalter genannt. Die Vertreter der Honschaft und der Herrlichkeit, Honne und Vogt, sowie die Gemeindemänner trafen sich ein Mal jährlich im „Spilhaus“ (Versammlungshaus des Kirchspiels), um den „Nachbarn“ genannten Einwohnern jährlich das Weistum vorzutragen.HSTAD Kurköln II 1904, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band III Nr. 2015 Im 17. Jahrhundert wurden die Straßen „Spilles“ und Weinhausgasse, die heutige Schützenstraße, als die beiden Scheiden zwischen Oberdorf und Niederdorf bezeichnet.HSTAD Bestand Siegburg Akte 149/2, veröffentlicht in Stommel Quellen Band IV Nr. 2279

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