Melvyn „Mel“ Charles (* 14. Mai 1935 in Swansea; † 24. September 2016) war ein walisischer Fußballspieler. Seine beiden Positionen waren zumeist die des Mittelläufers und des Mittelstürmers; von ihm bevorzugt war jedoch die Rolle des rechten Außenläufers.

Nachdem er in der Jugend für Leeds United gespielt hatte, wurde er im Jahr 1952 Profi bei seinem Heimatklub Swansea Town. Dort verbrachte er sieben Jahre in der zweithöchsten englischen Spielklasse, bevor er im März 1959 für eine Ablösesumme von 42.750 Pfund zum Erstligisten FC Arsenal wechselte. Die drei Jahre für die „Gunners“ waren von Verletzungen getrübt und Charles heuerte im Februar 1962 bei Cardiff City an. Dort gewann er 1964 mit dem walisischen Pokal die einzige bedeutende Trophäe in seiner aktiven Laufbahn. Im Jahr 1965 wechselte er innerhalb von Wales zum Porthmadog FC und kehrte in der Saison 1966/67 kurz in den englischen Profifußball zum Viertligisten Port Vale zurück. Anschließend ließ er in Wales bei Oswestry Town die aktive Laufbahn ausklingen und spielte ab 1967 noch einige Jahre für den Haverfordwest AFC. Im Verlauf seiner Karriere in der englischen Football League hatte er 401 Meisterschafts- und Pokalspiele bestritten und dabei 122 Tore geschossen.

Charles war Kapitän der walisischen Nationalmannschaft und führte seine Nation zur WM-Endrunde 1958 in Schweden. Er galt als außerordentlich fairer Spieler, der nie verwarnt oder vom Platz gestellt wurde. Gleich acht Mal nahm er an der British Home Championship teil und war der erst dritte Waliser, dem vier Tore in einem Länderspiel gelangen (alle Treffer bei einem 4:0-Sieg gegen Nordirland). Insgesamt absolvierte er 31 A-Länderspiele für Wales, plus einem Einsatz für die U23-Auswahl und schoss sechs Tore.

Vereinskarriere Swansea City Mel Charles wuchs in armen Verhältnissen gemeinsam mit seinem älteren Bruder John und drei weiteren Geschwistern im Stadtteil Cwmbwrla auf. In der heimischen Alice Street waren mit Ernie Jones, Mel Nurse und Jackie Roberts weitere spätere walisische Nationalspieler zuhause. Der sportliche Weg der beiden gleichsam talentierten Brüder John und Mel Charles schien beim Heimatverein Swansea Town programmiert zu sein. Der dortige Cheftrainer Billy McCandless setzte jedoch wenig auf junge Spieler, die in der unterklassigen, aber körperbetonten englischen Third Division South oft Lehrgeld bezahlen mussten. So kam es, dass beiden erst einmal ein Profivertrag verwehrt bleib. Diese Entscheidung sollte sich später als teuer herausstellen und als John einen Kontrakt bei Leeds United unterzeichnete, folgte ihm sein 14-jähriger Bruder in die Jugendabteilung von Leeds. Im Gegensatz zu John gewöhnte sich Mel Charles nur schwer an die neue Umgebung, zumal er an Heimweh litt und aufgrund der geringen finanziellen Möglichkeiten der Familie keine Heimatbesuche in Wales machen konnte. Da er Analphabet war, konnte er auch nicht brieflich den Kontakt halten. Unterstützung wurde ihm dann in Gestalt des Leeds-Cheftrainers Frank Buckley zuteil, der ihn einlud, sich ihm bei einem Besuch in Swansea anzuschließen. Dieser nahm an und Charles kehrte nicht mehr nach Yorkshire zurück. Stattdessen überzeugte ihn Swansea Towns Scout Joe Sykes, sich dem Klub anzuschließen.

Ihm wurde im Alter von nur 17 Jahren ein Profivertrag angeboten und bereits in der Saison 1952/53 gelang ihm der Durchbruch bei dem Verein, der in der zweithöchsten englischen Spielklasse aktiv war. Er debütierte am 20. Dezember 1952 im Auswärtsspiel gegen den späteren Meister Sheffield United und geriet an der Bramall Lane mit 1:7 heftig unter die Räder. Seine rapide Entwicklung geriet kurz darauf ins Stocken, als er sich im Militärdienst das Knie verdrehte, wenngleich sich der dafür verantwortliche Vorfall in seiner Freizeit ereignet hatte. Nach der Genesung kehrte er direkt zurück in die Stammformation und war dabei gleichsam als Mittelläufer und auf seiner bevorzugten rechten Außenläuferposition unterwegs. Nach dem Tod von McCandless im Juli 1955 blieb er auch unter dessen Nachfolger Ron Burgess eine feste Größe.

Er absolvierte zwischen 1952 und 1959 sieben Spielzeiten für die „Swans“, die allesamt zwischen Platz 10 und 22 endeten. Im heimischen Vetch Field wurden zwar immer mal wieder stabile Leistungen gezeigt, aber die Zeit kennzeichnete eine fast schon chronische Auswärtsschwäche. Der Klub erreichte zweimal das Endspiel im walisischen Pokal, setzte sich dort aber weder 1956 gegen Cardiff City noch im Jahr darauf gegen den AFC Wrexham durch. Zudem war der Verein finanziell gebeutelt und die Schwäche bei Auswärtsspielen mag auch daran gelegen haben, dass die Spieler stets erst kurz vor Spielbeginn anreisten, da die Klubführung die Kosten für Übernachtungen nicht zu zahlen bereit war. Um das Überleben zu garantieren, musste Swansea seine Leistungsträger verkaufen, zu denen Ivor und Len Allchurch sowie Cliff Jones und Terry Medwin gehörten, die sich renommierten englischen Vereinen anschlossen. Mit Charles waren es zudem fünf walisische Nationalspieler, die im Kader für die Fußball-Weltmeisterschaft 1958 in Schweden standen. Weiteres Kuriosum war, dass für den Verein noch Bryn Jones (älterer Bruder von Cliff) und dazu Cyril und Gilbert Beech aktiv waren, also insgesamt drei Brüderpaare in Mannschaften, die sich aus der näheren Umgebung rekrutierten. Während der 1950er-Jahre verfolgte die Mannschaft zumeist einen sehr offensiven Ansatz und Mel Charles gelangen einmal vier Tore gegen die Blackburn Rovers sowie Hattricks gegen Stoke City, den FC Middlesbrough und Sheffield Wednesday. Er wollte schließlich einem Zweitjob nachgehen, um das Gehälterlimit in Swansea von wöchentlich 14 £ aufzubessern, aber als ihm dafür die Erlaubnis versagt wurde, bat er um die Freigabe für einen Vereinswechsel. Dazu beauftragte er mit Neil Harris einen „Business Manager“, womit dieser zum ersten offiziellen Spielervermittler im englischen Fußball wurde. In einem seiner letzten Auftritte für Swansea gelang es ihm, den Rivalen Cardiff City erstmals auswärts im Ninian Park in einem Ligaspiel zu besiegen.

FC Arsenal Im Rennen um die Verpflichtung von Charles standen vor allem Londoner Vereine im Vordergrund, wie der FC Chelsea und Tottenham Hotspur. Letztlich wurde er im März 1959 in den Norden der britischen Hauptstadt an den FC Arsenal verkauft und neben der Ablösesumme von 42.750 Pfund wechselten David Dodson und Peter Davies in die entgegengesetzte Richtung. Dies war gleichzeitig die höchste gezahlte Transfersumme zwischen zwei britischen Fußballklubs, wobei zwei Jahre zuvor sein Bruder John von Leeds United zu Juventus Turin für 65.000 Pfund gegangen war. Charles sollte bei den „Gunners“ als Mittelstürmer eingesetzt werden, was wiederum von Trainer George Swindin und Kapitän Tommy Docherty als Versprechen verwendet worden war, um Charles von einem Wechsel zu Arsenal zu überzeugen und Tottenham wiederum in der Folge das Angebot zurückzog. Stattdessen heuerte Spurs-Trainer Bill Nicholson Dave Mackay an, der wiederum als Schlüsselspieler des Vereins in den erfolgreichen 1960er-Jahren galt. Charles schrieb dazu später in seiner Autobiografie, dass bei Arsenal zu unterschreiben seine schlimmste Entscheidung gewesen sei. Darüber hinaus gestand er sich aber ein, dass er immer ein Herz für Arsenal hatte und es eine Ehre gewesen sei, für den Verein gespielt zu haben. Sein Gehalt betrug nun wöchentlich 20 £; dazu wurden ihm ein Haus und ein Auto zur Verfügung gestellt, ein Sunbeam-Talbot mit dem Kennzeichen „MEL 9“. Probleme gab es für ihn vor allem im Kontakt mit Kotrainer Ron Greenwood, der als Vorreiter des moderner werdenden Fußballs neue Begriffe einführte wie „Blind-side run“ oder „Marking space“. Dazu tat er sich bei den zunehmenden TV-Interviews schwer.

Er debütierte am 22. August 1959 gegen Sheffield Wednesday zu Beginn einer problematischen Saison 1959/60, die für Arsenal nur auf dem 13. Platz endete. Höhepunkt für Charles war ein Hattrick am 6. Februar 1960 daheim gegen die Blackburn Rovers. Zwei Wochen später verpasste er knapp den zweiten Dreifacherfolg in Serie, als er nach bereits zwei Treffern gegen den FC Everton einen Elfmeter in die Arme von Torhüter Jimmy O’Neill schoss. Während der folgenden Saison 1960/61 mehrten sich seine Knieprobleme und er zog sich Bänderverletzungen zu. Die Physiotherapeuten versuchten hauptsächlich die Schwellungen in den Knien zu beseitigen und als hochkarätige Verpflichtung stand er Woche für Woche in der Mannschaft, anstatt die Ursache seiner Probleme zu beseitigen. Auch dadurch fehlte es dem Team an Konstanz und einem 5:0-Sieg gegen Newcastle United folgte eine 0:6-Pleite gegen West Ham United wenige Wochen später. Arsenal schloss so nur wenig besser auf dem elften Rang ab, 25 Punkte hinter dem Erzrivalen und Double-Sieger 1961 Tottenham Hotspur. Auch seine dritte Spielzeit 1961/62 verlief für Charles und Arsenal problematisch. Obwohl ihm im FA Cup gegen Bradford City ein weiterer Hattrick gelang, wurde seine Zeit bei Arsenal immer mehr von den Verletzungen überschattet und er musste im Zeitraum von drei Jahren drei Operationen über sich ergehen lassen. So ging die Zeit im Februar 1962 in London zu Ende, insgesamt verzeichnete Charles 64 Pflichtspiele und 28 Tore für Arsenal.

Cardiff City Charles zog es in die walisische Heimat, wo Cardiff City in der höchsten englischen Spielklasse gegen den drohenden Abstieg kämpfte. Die Ablösesumme betrug 28.500 Pfund. Zwar hatte er eine Rückkehr nach Swansea bevorzugt, aber sein Ex-Klub hatte nicht die finanziellen Möglichkeiten für einen Transfer gehabt. Obwohl Cardiff der Erzrivale von Swansea war, empfingen ihn die Anhänger von Cardiff City wohlwollend. Gepaart war dies jedoch mit einer Menge Druck und er bekam direkt die Kritik nach seinem Debüt zu spüren, als er beim 0:0 daheim gegen Manchester City eine einfache Chance nicht nutzte und damit den Klub einen Punkt für den Klassenerhalt kostete. Vorerst sicherte er sich zwar mit zwei 1:1-Remis gegen Burnley und Ex-Klub Arsenal wichtige Punkte, aber es folgte eine heftige Talfahrt und so musste der Klub zum Saisonende den Weg in die Zweitklassigkeit antreten. Für die anschließende Zweitligaspielzeit 1962/63 verpflichtete Cardiff mit Ivor Allchurch und Peter Hooper zwei renommierte Torjäger und Charles wich auf eine zentrale Position hinter den Sturmspitzen zurück. Bereits im Oktober 1962 folgte auf Bill Jones George Swindin als neuer Cardiff-Trainer, der zuvor bei Arsenal Charles verkauft hatte. Die Saison verlief enttäuschend weit jenseits der Aufstiegsplätze, wobei Charles als persönliches Highlight zu verzeichnen hatte, dass er in beiden Derbys gegen Swansea getroffen hatte.

Zur Saison 1963/64 heuerte Cardiff John Charles an, womit das Brüderpaar erstmals Seite an Seite bei einem Verein spielte. Swindin hatte sich jedoch gegen die Verpflichtung gestellt, da die Mannschaft auch ohne den mittlerweile 32-Jährigen in die Jahre gekommen war. Letztlich setzte sich der Vorsitzende aber durch und segnete den Deal für 22.500 Pfund ab. Bei seinem Debüt gegen Norwich City erzielte John Charles ein Freistoßtor aus der eigenen Hälfte. Sein Bruder Mel jedoch zog sich schnell eine Verletzung zu und das große Ziel des Wiederaufstiegs geriet vor allem ab der Weihnachtszeit außer Reichweite. Dennoch endete die Saison mit einem Achtungserfolg, als sich die beiden Brüder im Finale des walisischen Pokals gegen Bangor City durchsetzten. Das in Hin- und Rückspiel aufgeteilte Duell endete zunächst Remis, bevor Cardiff im Racecourse Ground das Entscheidungsspiel mit 2:0 gewann.