Der North-Central-Airlines-Flug 261 (Flugnummer: NC261, Funkrufzeichen: NORTH CENTRAL 261) war ein Inlandslinienflug der North Central Airlines von Chicago nach Milwaukee. Am 4. August 1968 ereignete sich auf diesem Flug ein schwerer Flugunfall, als die eingesetzte Convair CV-580 im Flug mit einer Cessna 150 kollidierte, die anschließend an ihrem vorderen Frachtabteil hängen blieb. Die Convair konnte letztlich sicher auf dem Flughafen Milwaukee notgelandet werden, wobei ihre elf Insassen alle unverletzt blieben. Bei dem Unfall kamen die drei Insassen der Cessna ums Leben.
Betroffene Maschinen
Convair CV-580 der North Central Airlines Das erste betroffene Flugzeug war eine Convair CV-580 mit der Werknummer 176, die am 20. April 1958 als Convair CV-340 gebaut wurde. Die Maschine trug das Luftfahrzeugkennzeichen N4634S und wurde ab dem 18. Februar 1965 von der North Central Airlines betrieben. Am 15. Mai 1967 wurde die Maschine mit Turboprop-Triebwerken ausgerüstet und damit zu einer Convair CV-580 umgebaut. Das zweimotorige Mittelstreckenflugzeug war mit zwei Turboproptriebwerken des Typs Allison 501-D13D ausgerüstet. Bis zum Zeitpunkt des Unfalls hatte die Maschine 25.219 Betriebsstunden absolviert.
Es befanden sich acht Passagiere und drei Besatzungsmitglieder an Bord der Convair:
Der 42-jährige Flugkapitän Ted Baum war am 17. April 1957 durch North Central Airlines eingestellt worden. Er verfügte über Musterberechtigungen für die Flugzeugtypen Douglas DC-3, Convair CV-240, Convair CV-340, Convair CV-440 und Convair CV-580. Baum verfügte über 12.163 Stunden Flugerfahrung, von denen er 364 Stunden im Cockpit der Convair CV-580 absolviert hatte. Der 30-jährige Erste Offizier John A. Mazur war am 8. April 1968 durch North Central Airlines eingestellt worden. Er verfügte über 2.400 Stunden Flugerfahrung, hatte davon jedoch nur 25 Stunden im Cockpit der Convair CV-580 abgeleistet. Die Flugbegleiterin Sharon Lynn Ann Moenssens arbeitete seit dem 10. Juni 1968 für North Central Airlines.
Cessna 150 von Home Airmotive mini|Eine Cessna 150F, baugleich mit der verunglückten Die zweite betroffene Maschine war ein Kleinflugzeug des Typs Cessna 150F mit der Werknummer 15062042, das am 20. September 1965 erstmals für den Luftverkehr zugelassen wurde. Die Maschine gehörte dem Unternehmen Home Airmotive und trug das Luftfahrzeugkennzeichen N8742S. Das einmotorige Kleinflugzeug war mit einem Propellertriebwerk des Typs Continental O-200A ausgerüstet. Die Maschine hatte bis zum Unfallzeitpunkt 2138 Betriebsstunden absolviert.
Flugkapitän der Cessna war der 19-jährige Ricky Lynn Sternberg, der seine private Pilotenlizenz am 12. September 1967 erworben hatte. Sternberg verfügte über 183 Stunden und 35 Minuten Flugerfahrung, wovon er 3 Stunden und 5 Minuten im Cockpit der Cessna 150 abgeleistet hatte. Sternberg hatte zwei Passagiere an Bord.
Unfallhergang Die Flüge beider Maschinen wurden im Sichtflug durchgeführt. Die Convair startete um 9:34 Uhr mit neun Minuten Verspätung vom Flughafen Chicago-O'Hare. Während des Steigfluges, bei dem der Erste Offizier am Steuer saß, während der Kapitän den Funkverkehr führte, prallten außergewöhnlich viele Insekten gegen die Cockpitfenster der Convair, was die Sicht der Piloten beeinträchtigte. Der Kapitän verglich die Situation mit einem Schneeschauer, bei dem sich Eis auf den Cockpitfenstern absetzt. Die Piloten setzten den Steigflug mit den durch Insektenschlag stark verschmutzten Cockpitfenstern fort. Der Kapitän und der Erste Offizier beschrieben die Sicht durch die Cockpitfenster als erheblich eingeschränkt.
Zwei Passagiere gaben später zu Protokoll, dass sie kurz vor dem Zusammenstoß ein Kleinflugzeug gesichtet hatten, das sich rechts vor der Convair befand und sich dieser nahezu im rechten Winkel näherte. Im nächsten Moment hätten sie das Flugzeug aus den Augen verloren, kurz darauf sei der Zusammenstoß erfolgt. Die beiden Maschinen kollidierten in einer Höhe von 2700 Fuß (etwa 820 Meter). Die Convair befand sich im Landeanflug auf die Piste 07. Die nach Nordwesten fliegende Cessna schlug um 09:48 Uhr Ortszeit in den vorderen Frachtraum der Convair und in deren rechte Front ein, wobei die Kabine und der Rumpf der Convair auf der rechten Seite stark deformiert wurden. Ein Großteil des Wracks der Cessna fiel zu Boden, die Kabine mit den Leichen der drei Insassen blieb jedoch im vorderen Frachtabteil der Convair stecken. Der Erste Offizier der Convair erlitt schwere Bein- und Kopfverletzungen. Durch den Zusammenstoß verlor die Convair die elektrische Energie und das rechte Triebwerk fiel aufgrund eines beschädigten Propellers aus. Sechs Minuten später konnte der Kapitän der Convair eine erfolgreiche Notlandung durchführen. Dem Kapitän der Convair gelang es, die Kontrolle über die schwer beschädigte Maschine zu behalten und sie sicher auf dem Flughafen Milwaukee zu landen.
Ursache Das National Transportation Safety Board (NTSB) übernahm nach dem Unfall die Ermittlungen zur Unfallursache. Die Ermittler stellten fest, dass die Besatzung der Convair 580 die Cessna 150 trotz dreier Radarwarnungen nicht rechtzeitig sichten konnte, um ein Ausweichmanöver einzuleiten. Die Sicht sei durch starke Insektenreste auf der Frontscheibe und den Sichtfenstern der Convair erheblich eingeschränkt gewesen. Dunst, Rauch, Blendung durch die Sonne sowie die unauffällige Farbe und die fehlende relative Bewegung der Cessna hätten die Sicht zusätzlich reduziert. Unter diesen Umständen hätte die Besatzung der Convair einen Radarausweichvektor anfordern müssen, was nicht erfolgt war.
Quellen Unfallbericht CV-580, N4634S im Aviation Safety Network Unfallbericht des National Transportation Safety Board, 8. Juli 1969.
Kategorie:Flugunfall in den Vereinigten Staaten Kategorie:Flugunfall 1968 Kategorie:Convair CV-580 Kategorie:Luftverkehr (Wisconsin)