Ina Boyle (* 8. März 1889; † 10. März 1967) war eine irische Komponistin. Ihr Werk umfasst eine Vielzahl von Gattungen, darunter Chorwerke, Kammermusik, Orchesterwerke, Opern, Ballette und Vokalmusik. Einige ihrer Werke wie The Magic Harp (1919), Colin Clout (1921), Gaelic Hymns (1923–24), Glencree (1924–27) und Wildgeese (1942) wurden aufgeführt und beachtet, der Großteil blieb aber unveröffentlicht und wurde zu Boyles Lebzeiten nie gespielt.Ina Boyle (1889 - 1967), auf cmc.ie

Biographie Boyle wurde in Bushey Park bei Enniskerry, County Wicklow geboren und wuchs im kleinen Umfeld ihrer Eltern und Schwester auf. Ihren ersten Musikunterricht erhielt sie bei ihrem Vater William Foster Boyle (1860–1951), einem Curate (Vikar) an der St. Patrick's Church in Powerscourt; ihre Gouvernante unterrichtete sie gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Phyllis in Violin- und Violoncellospiel. Ab dem Alter von 11 Jahren lernte sie Musiktheorie und Harmonielehre beim englischen Organisten Samuel Myerscough, der 1904 die Leinster School of Music gründen sollte.Beausang, Ita: "An Irish composer and World War I" Enniskerry Local History Archives, enniskerryhistory.org. Ab 1904 wurde sie außerdem auf dem Korrespondenzweg von Charles Wood unterrichtet, der mit Boyles Cousine Charlotte Georgina Wills-Sandford verheiratet war.

Ab 1910 studierte Boyle bei Percy Buck, der im selben Jahr zum non-resident professor für Musik am Trinity College Dublin ernannt worden war. Spätestens ab 1913 studierte sie Kontrapunkt, Harmonielehre und Komposition bei Charles Herbert Kitson und George Hewson in Dublin. Kitson ermutigte sie zur Komposition der Anthems Funeral Anthem und Wilt Not Thou, Oh God, die beide 1915 gedruckt wurden; eine versprochene Aufführung der Werke in der Christ Church Cathedral fand allerdings nie statt. Nach einem Briefwechsel mit Ralph Vaughan Williams reiste Boyle ab 1923 regelmäßig nach London, um Kompositionsunterricht bei ihm zu nehmen.Doctor, J (1998). '"Working for her own Salvation": Vaughan Williams as teacher of Elizabeth Maconchy, Grace Williams and Ina Boyle', in L. Foreman (ed.), Vaughan Williams in Perspective: Studies of an English Composer Die erste Lektion fand im Februar 1923 bei Vaughan Williams zuhause statt.

In den 1920er- und 1930er-Jahren wurden einige von Boyles Werken in England uraufgeführt; obwohl sie auf positive Resonanz stießen, waren die Aufführungen aber sehr selten. Boyle beteiligte sich in einer Gruppierung mit anderen jungen Komponistinnen, darunter Elisabeth Lutyens, Elizabeth Maconchy und Grace Williams, die eine Konzertreihe organisierten, um eigene Werke aufführen zu können.

Die Pflege ihrer Familienmitglieder in Irland erschwerte Boyle das Reisen zunehmend, und nach dem Kriegsausbruch 1939 stellte sie es beinahe ganz ein. Ihre Mutter starb 1931, ihre Schwester 1938 und ihr Vater 1951. Boyle komponierte weiterhin täglich. Trotz ihrer Isolation pflegte sie den Kontakt mit Gleichgesinnten und sandte regelmäßig Partituren ihrer Werke an Orchester- und Chordirigenten in der Hoffnung auf weitere Aufführungen.Biography, Ina Boyle Society www.inaboyle.org 1944 organisierte Arthur Duff ein Orchesterkonzert mit ihren Werken. Mit einer einzigen Ausnahme – der kurzen Orchesterouvertüre Wildgeese von 1942 – wurde keines von Boyles neuen Werken mehr als einmal aufgeführt.McGuiggan, James C. 'Making the Case for Ina Boyle' The Journal of Music, journalofmusic.com, 17 October 2019

Ina Boyle starb in Greystones, County Wicklow an Krebs.Ita Beausang: "Boyle, Ina", in: The Encyclopaedia of Music in Ireland, ed. by Harry White and Barra Boydell (Dublin: UCD Press, 2013), p. 119–121.

Werke Aufgrund ihrer Isolation wurde Boyles Musik selten öffentlich gespielt. Dennoch komponierte sie bis an ihr Lebensende weiter.

Orchesterwerke Boyle erlangte 1913 frühe Anerkennung, als zwei ihrer Werke – die Elegy (Elegie) für Violoncello und Orchester und eine Vertonung von Walt Whitmans The Last Invocation – einen ersten bzw. zweiten Preis im Kompositionswettbewerb des Sligo Feis Ceoil errangen. 1919 wurde ihre orchestrale Rhapsodie The Magic Harp mit einem Carnegie Award ausgezeichnet, wodurch sie gedruckt und vom Dirigenten Dan Godfrey in Bournemouth erneut aufs Programm gesetzt wurde.Dan Godfrey Encores, MusicWeb International www.musicweb-international.comScore of The Magic Harp, Stainer & Bell, stainer.co.uk.

Die erste ihrer drei Sinfonien wurde zwischen 1924 und 1927 komponiert, die erste vollständige Aufführung fand allerdings erst 1945 im Rahmen eines Studiokonzerts von Raidió Éireann statt.RTE, Composing the Island (2016) programme notes, issuu.com. Die drei Sätze der Sinfonie mit dem Beinamen Glencree sind als Tondichtungen angelegt und beschreiben jeweils einen bestimmten Ort: "On Lacken Hill", "Nightwinds in the Valley" und "Above Lough Bray".Foreman, Lewis. New Dutton Epoch releases – April 2018 www.duttonvocalion.co.uk Die zweite Sinfonie (The Dream of the Rood), 1930 komponiert, wurde am 30. September 2022 in Dublin durch das RTÉ National Symphony Orchestra und den Dirigenten David Brophy uraufgeführt.Ina Boyle: forthcoming performances

Das kurze dreisätzige Violinkonzert aus den frühen 1930er-Jahren hat laut Rob Barnett "mehr gemeinsam mit The Lark Ascending als mit den großen Darstellungen der britischen Inseln aus jenem Jahrzehnt von Bax, Walton, Dyson, Creith und Moeran".Boyle: Orchestral Works. MusicWeb International, www.musicweb-international.com. Boyle widmete das Konzert ihrer Mutter, die 1932 verstorben war.

Kammermusik Boyles Streichquartett in e-Moll (1934) ist der Geigerin Anne Macnaghten gewidmet. Das Macnaghten Quartet fertigte eine private Einspielung des Werks an, aber die Partitur blieb im Manuskript, bis sie 2011 neu ediert wurde; diese Neuausgabe lag der ersten Wiederaufführung durch das Callino Quartet am 4. Februar 2011 zugrunde.David Byers. Ina Boyle's String Quartet Das ConTempo Quartet führte das Werk 2022 ebenfalls auf,Galway Music Residency, February 2022 und das Piatti Quartet brachte 2023 eine Aufnahme davon heraus.British String Quartets, Rubicon RCD1098 (2023) Das griechenlandbezogene Lament for Bion für Tenor und Streichquartett reichte Boyle beim Olympischen Komitee für kulturelle Aktivitäten ein, das es beim Kunstwettbewerb der Olympischen Spiele 1948 mit einer lobenden Erwähnung für Irland auszeichnete.Beausang, Ita: An Irish Composer and the 1948 Olympics, www.inaboyle.org.

Lieder und Chorwerke Boyle schrieb im Lauf ihrer Karriere rund 60 Lieder, von denen inzwischen etwa die Hälfte eingespielt worden ist.Ina Boyle, 'Songs'. Delphian DCD34264 (2021), reviewed at MusicWeb International www.musicweb-international.com 2023 veröffentlichte die Ina Boyle Society die Ausgabe Selected Songs (hg. von Dr. Orla Shannon und David Scott) mit 26 Liedern, die zwischen 1906 und 1966 entstanden sind. Zuvor lagen die Lieder nur im Manuskript vor.Ina Boyle. Selected Songs (2023), Chimes Music Das frühe Chorwerk Soldiers at Peace (1916) wurde von der Highgate Choral Society und dem New London Orchestra unter Ronald Corp im November 2018 in London wieder gespielt.Soldiers at Peace, Trinity College Dublin Im April 2022 brachten die Carice Singers beim Ludlow Festival das Werk Cædmon's Hymn für sechsstimmigen Chor, entstanden 1925, zur Uraufüfhrung.Carice Singers website

Nachleben Boyle wurde als "produktivste und bedeutendste irische Komponistin vor 1950" bezeichnet. Ihr Nachlass befindet sich in der Bibliothek des Trinity College Dublin. Das Trinity College hat den Großteil ihrer Manuskripte digitalisiert.Composer Ina Boyle’s Sketchbooks are donated to the Library, auf libguides.tcd.ie, abgerufen am 31. März 2025

Ein abendfüllender Dokumentarfilm über Ina Boyles Leben und Werk unter dem Titel From the Darkness wurde am 12. Juni im irischen RTÉ Lyric FM ausgestrahlt. Im April und Mai 2013 widmete sich eine Ausstellung am Trinity College "Ina Boyle’s Symphonic Journey"."Ina Boyle’s Symphonic Journey" manuscriptsattrinity.wordpress.com 2018 erschien bei Dutton eine CD mit einigen ihrer bedeutendsten Orchesterwerke, darunter die erste Gesamteinspielung inrer Sinfonie Nr. 1 und die Ersteinspielung ihres Psalm für Violoncello und Orchester.

Das Anwesen der Familie in Bushey Park wurde an die Familie Bisgood vererbt. 1996 kaufte es der Sänger Chris De Burgh. 2023 wurde es weiterverkauft.'Chris de Burgh sells his Wicklow mansion for €9.3m after four years', Evoke, 16 September 2023

Werke (Auswahl) Chorwerke Ireland (Text: Walt Whitman), 1914 Funeral Anthem (Text: Bibel); Stainer & Bell, 1915 Wilt Not Thou, Oh God (Bibel); Novello, 1915 Soldiers at Peace (Herbert Asquith) für Chor und Orchester (1916); London: Novello, 1917 The Transfiguration (Bibel) für Tenor, gemischten Chor und Orgel (1922); London: Novello, 1922 Gaelic Hymns (aus den Carmina gadelica, übersetzt von Alexander Carmichael) (1924); in Auszügen publiziert London: J. & W. Chester, 1930 Cædmon's Hymn für 6-stimmigen Chor, übersetzt von L. Magnus und C. Headlam (1925) Christ is a Path (Giles und Phineas Fletcher), Kammerkantate (1925) A Spanish Pastoral (St. Teresa, übersetzt von Arthur Symons) für Sopran und Männerchor (1931); London: Stainer & Bell, 1935

Orchesterwerke Elegy (1913), Rhapsodie für Violoncello und Orchester The Magic Harp, orchestrale Rhapsodie (1919); London: Stainer & Bell, 1922 Colin Clout, Pastorale für Orchester (1921) Phantasy für Violine und Kammerorchester (1926) Symphony No. 1: Glencree (1927) Psalm für Violoncello und Orchester (1927) Symphony No. 2: The Dream of the Rood (1930) Overture (1934) Violinkonzert (1935) Wildgeese, Skizze für kleines Orchester (1942)

Sologesang mit Orchester Lament for Bion (attr. Moschus) für Tenor und Streicher (1945) Still Falls the Rain (Edith Sitwell) für Alt und Streicher (1948) Symphony No. 3: From the Darkness (Edith Sitwell) für Alt und Streicher (1951) No Coward Soul is Mine (Emily Brontë) für Alt und Streicher (1953)

Songs (für Gesang und Klavier, falls nicht anders angegeben) The Joy of Earth (Æ = George Russell) (1914) Have You News of My Boy Jack? (Rudyard Kipling) (1916) A Song of Shadows, a Song of Enchantment (Walter de la Mare) (1922); London: Stainer & Bell, 1923, 1926 If You Let Sorrow in on You (Winifred M. Letts) (1922) Sleep Song (Déirín Dé, übersetzt von Pádraic Pearse) (1923) A Mountain Woman (Padraic Pearse, übersetzt von Thomas MacDonagh) (1927) Five Sacred Folksongs of Sicily (Grace Warrack) (1930) Thinke then my Soul (John Donne) für Tenor und Streichquartett (1938); Oxford: Oxford University Press, 1939 Three Medieval Latin Lyrics: "Sleep"; "Storm"; "Evening on the Moselle" (1955) Three Songs by Ben Jonson für mittlere Stimme, Violine und Violoncello (1955) Three Ancient Irish Poems (übersetzt von Kuno Meyer) für Sopran, Viola und Harfe (1958) Three Songs by Walter de la Mare: "Song of the Mad Prince"; "The Pigs and the Charcoal-Burner"; "Moon, Reeds, Rushes"; "Looking Back" (1956)

Oper Maudlin of Paplewick (nach The Sad Shepherd von Ben Jonson), pastorale Oper (1966)

Ballettmusik Virgilian Suite (1931), Ballettsuite für kleines Orchester The Dance of Death (1936), Maskenspiel für Tanz nach Holbein The Vision of Er (1939), Pantomime oder Ballett

Chamber music Streichquartett e-Moll (1934)

Diskographie The Magic Harp, Bournemouth Symphony Orchestra, Ronald Corp (Dirigent), in: Dutton Epoch CDLX 7276 (CD, 2011). The Wild Geese, European Union Youth Orchestra, Laurent Pillot (Dirigent), in: Classical Recording Company CRC 2309 (CD, 2013). Sleep Song und Three Songs by Walter de la Mare, Aylish Kerrigan (Mezzosopran) und Dearbhla Collins (Klavier), in: Métier MSV 28558 (CD, 2016). Elegy, Nadège Rochat (Cello), Staatskapelle Weimar, Paul Meyer (Dirigent), in: Ars Produktion ARS 38 221 (CD, 2017).