Karahisar-ı Teke war unter den Seldschuken und den anatolischen Beyliks sowie im Osmanischen Reich ein Verwaltungsbezirk in der Südtürkei und entsprach in etwa der Region des heutigen Serik (Provinz Antalya) und ihrer weiteren Umgebung. Das entsprechende Verwaltungszentrum in der pamphylischen Ebene war zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten, zuerst wohl im Areal der Burg von Karahisar (Karahisar-i Teke), der historischen Ruinenstätte Sillyon. Sillyon lag in der Antike in der Region Pamphylien und befindet sich heute im Gebiet Kocagözler des Mahalle (Ortsteil) Yanköy im Landkreis (früher: Kaza, heute; İlçe) Serik in der türkischen Provinz Antalya.

Zum Namen Man nimmt an, dass der Name Sillyon von dem in hethitischen Texten erwähnten Namen Šalluša abgeleitet wurde und kein griechischer Name ist. Die antike Ruinenstätte von Sillyon erscheint in der Literatur für die Zeit bis zur Eroberung durch die Seldschuken unter diversen Bezeichnungen: Sylleion, Syllaion bzw. Sileion oder Syllio in der Peutinger TafelTab. Peut. IX 2. Siehe sowie auch als Silaeum. Als der Staat der anatolischen Seldschuken 1207 Antalya und 1223 Alaiye (Alanya) einnahmen, damit auch das Gebiet zwischen diesen beiden antiken Städten in türkische Hände fiel und vom Beylik der Tekeoğulları übernommen wurde, bürgerte sich mehr und mehr bis ins 14. Jahrhundert für Ort und Gebiet der Name Karahisar-i Teke bzw. Karateke Hisarı oder Qarāṣār (Karahisar = Schwarze Burg) ein. Der Kunsthistoriker Şerare Yetkin spricht von Sillyon als „Yanköy Hisarı“ (Burg von Yanköy). Der Ort sollte nicht verwechselt werden mit Syllion bei Smyrna (İzmir) und Syleion (Sinda) in der Kibyratis (Karien).

Zur Lage links|mini|Blick auf den Tafelberg des Asar Tepe von Westen: Man erkennt deutlich den Anstieg der Rampenstraße zur Oberstadt von Sillyon (Karahisar-i Teke). mini|Ruinen eines Palastes in der Ruinenstadt Sillyon auf dem Plateau des Asar Tepe.

Über die Identifizierung der Ruinen auf dem Karahisar-i Teke bestand lange Zeit Uneinigkeit: Mitte der 1960er Jahre meinte die deutsche Turkologin Barbara Flemming, dass dieser Ort sowohl Yanköy (Sillyon), Selge (Zerk), in erster Linie aber wohl – unter Berücksichtigung der Informationen von Evliya Çelebi – Perge (Murtana, heute Aksu) sein könnte. Sie vermerkte allerdings dazu auch, dass es nicht möglich sei, eine genaue Zuordnung zu ermitteln. Der Gründer des Antalya-Museums, Süleyman Fikri Erten, hatte andererseits bereits 1922 mit der Erwähnung der Moscheen und Paläste auf dem Asar Tepe (Festungshügel, Ruinenhügel; asar = Festung, Ruine) den Blick eher auf Sillyon gelenkt. Diese ruinierte Festungsstadt liegt 1 km südwestlich von Yanköy, 28 km nordöstlich von Antalya (Attaleia) in bis zu 223 m Höhe auf dem Plateau des Tafelbergs Asar Tepe über der pamphylischen Ebene, in der Antike 40 Stadien (7,5 km) vom Meer entfernt mit Sichtverbindung nach Perge. Südwestlich zu Füßen des Tafelbergs Asar Tepe liegt der Weiler Kocagözler Mevkii (im Volksmund auch „Asar“), ein Ortsteil von Yanköy mit 15 Häusern. Die ruinierte Burgsiedlung selbst innerhalb der Gemeindegrenzen des Dorfes Yanköy (abgelegener Stadtteil/Mahalle von Serik), die im Volksmund heute ebenfalls „Asar“ genannt wird, hat auf dem oberen Tafelberg eine Fläche von etwa 200 Hektar und unterhalb weitere 400 Hektar. Der Asar Tepe steht heute aufgrund von Küstenvorschub des Acısu Çayı (Bitterwasser)-Deltas etwa 15 km von der Küste entfernt, und die in der Antike als Häfen genutzten Flussmündungen des Eurymedon (Köprü Irmağı) und des Kestros (Aksu Çayı) lagen in Sichtweite.Jakob Seibert: Die Eroberung des Perserreiches durch Alexander den Großen auf kartographischer Grundlage (= Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients. Reihe B, Band 68). Reichert, Wiesbaden 1985, S. 54. Der Ortsname von Yanköy, einer Ansiedlung von Basırlı-Yörüken, teilweise mit Bektaschi- bzw. Aleviten-Tradition, bedeutet so viel wie „Nahes Dorf“, „Nachbardorf“, „Flankendorf“ und dürfte von der Ortslage in unmittelbarer Nachbarschaft zum Asar Tepe abgeleitet sein, wo sich die Ruinen des antiken Sillyon befinden.

Geologisch-morphologische Situation mini|Schematische geologisch-morphologische Profil-Skizze des Tafelbergs Asar Tepe (Karahisar-i Teke (Sillyon), Provinz Antalya, Türkei)

Der Asar Tepe und seine unmittelbare Umgebung um Yanköy und Tekkeköy werden bestimmt von der mittelmiozänen (Langhium-Serravallium) Karpuzçay-Formation, der Gebiz-Formation aus pliozänem Riffkalk, auf der sich die antike Stadt Sillyon befindet, der quartären Belkıs-Formation aus polygenen Konglomeraten und alluvialen Sedimenten. Der Gebiz-Kalkstein im Bereich des Asar Tepe weist zahlreiche Risse, Brüche und Lösungshohlräume auf, die besonders an den Hängen im Südosten und Nordwesten Risse und Spalten mit einer Breite von über 1 m und einer Tiefe von bis zu 15 Metern bilden. In manchen Bereichen variieren die Rissöffnungen zwischen 0,4 m und 1,3 m und die vertikale Verschiebung beträgt bis zu 1,2 m. Partiell sind Massenbewegungen in Form von Felsstürzen und Steinschlägen am Südwest- und Nordwesthang zu beobachten, die bis heute andauern. An der Basis der Kalksteineinheit sind Zwischenschichten aus Kalksandstein mit Stärken von 40 bis 60 cm in zumeist horizontal oder nahezu horizontaler Lagerung eingeschaltet, die durch Sicker- und Grundwasser zersetzt und verwittert sind. Durch die Erosion der Karpuzçay-Formation, die aus Sandstein, Schwemmsanden und diskordant unter dem Kalkstein liegenden Tonsteinen besteht, entstanden an den Rändern des Berggebiets steile Hänge, wo es zu Erosion und Zersetzung der Sandstein-Zwischenschichten kommt. Am Fuß des Südosthangs befindet sich auf 107 m Höhe ein Quellhorizont. In niederschlagsreichen Winterzeiten nehmen dort Verwitterung und Erosion zu, so dass es in den oberen Kalksteinlagen zu Rissen, Felsstürzen und Steinschlägen kommt, wodurch sich das Plateaugebiet verengt. Zusätzlichen großen Einfluss auf diese Massenbewegungen hatten in der Vergangenheit zudem verheerende Erdbeben in der Region.

Forschungsgeschichte Bereits im 17. Jahrhundert berichtete der osmanische Schriftsteller Evliya Çelebi in seinem Seyahatnâme über seine Reisen in diese Region. Die Existenz der antiken Stadt ist der Forschung seit dem 18. Jahrhundert bekannt, aber intensive gezielte wissenschaftliche Arbeiten dort wurden erst sehr spät durchgeführt, obwohl die Städte Pamphyliens, darunter auch Sillyon, seit dem 19. Jahrhundert von vielen europäischen Reisenden besucht und in ihren Werken beschrieben wurden. Dazu zählte unter anderem auch 1884 die Forschungsreise der Archäologen George Niemann und Eugen Petersen unter Leitung des österreichischen Mäzens Karl Graf Lanckoroński, die auch die Geschichte der Städte thematisierten. Systematische archäologische Studien zu den antiken Städten in Pamphylien wurden 1946 vom türkischen Archäologen Arif Müfid Mansel initiiert und werden bis heute durchgeführt.

Erste Studien zur türkischen Periode der Burgstadt Karahisar-ı Teke erfolgten Anfang der 1970er Jahre vom Literaturwissenschaftler Şerare Yetkin. Ernsthafte archäologische Untersuchungen in größerem Umfang begannen allerdings erst 2009 unter dem Projekttitel „Sillyon Antik Kenti Hellenistik Dönemi’nin Araştırılması“ (Erkundung der antiken Stadt Sillyon in der hellenistischen Zeit) der Pamukkale Üniversitesi unter Leitung der Archäologen Elif Özer und Murat Taşkıran.

Zur Geschichte Die antike Stadt (Syllaion) mini|Ruinen des Gymnasiums in Sillyon. links|mini|Blick auf einen hellenistischen Wehr- und Torturm in Sillyon, Türkei.

In der Auswertung und Dokumentation jüngster Forschungen und bisheriger wissenschaftlicher Literatur von über eintausend einzelnen Orten und Objekten zur historischen Topographie und Geographie der südwestlichen Türkei hat seit 2004 auch die Rolle von Karahisar-i Teke als Nachfolgesiedlung der Ruinenstätte des antiken Sillyon während der Seldschuken- und Beylikzeit einen klärenden Platz gefunden. Als Ergebnis der Oberflächen-Untersuchungen in Syllaion/Sillyon und ihrem Territorium wurden Keramikfunde gemacht, die auf eine ununterbrochene Besiedlung des Asar Tepe vom 5. Jahrhundert v. Chr. bis in die türkisch-islamische Zeit hinweisen. Eine erste Siedlung entstand aber vermutlich bereits im 2. Jahrtausend v. Chr.: Zunächst als Niederlassung mykenischer (achaischer) Griechen im 13. Jahrhundert v. Chr. und später durch weitere Zuwanderung von rhodischen Kolonisten im 7. Jahrhundert v. Chr. Als mythischer Gründer gilt der Seher Mopsos. Sie war im 5. Jahrhundert v. Chr. Mitglied des Attisch-Delischen Seebundes und wurde im Portolan (Navigationsanleitung für Seefahrer) des 4. Jahrhunderts v. Chr. erwähnt. Damals war Sillyon zunächst noch ein Dorf mit einer Festung und einer Wache aus ausländischen (persischen) Söldnern und einheimischen „Barbaren“, das 333 v. Chr. Alexander der Große als einziger pamphylischer Ort erfolgreich Widerstand leistete.

mini|Ruinen einer Bastion in Sillyon (Karahisar-i Teke) unterhalb der Steilkante des Asar Tepe-Plateaus. Mit zunehmender Bedeutung gewann das Gebiet der Polis an Größe, so dass Sillyons städtischer Siedlungskern mit dem dazugehörigen Umland (Chora) im Westen vermutlich an den Kestros (Aksu) grenzte und damit an das Polis-Gebiet von Perge. Die Ostgrenze hin zum Polis-Gebiet von Aspendos war wohl der Bach Acısu. Die Nordgrenze könnte beim Dorf Gebiz in den Abdachungen des Taurusgebirges bei Kozan (Landkreis Serik) gelegen haben. Im Süden hatte Sillyon Zugang zum Meer, besaß allerdings, abgesehen vom Flusshafen im Kestros (Aksu Çayı) bei Kumköy 10 km südöstlich von Perge, wegen der sich vorschiebenden Sanddünenküste keinen guten Seehafen. Der vor-hellenistische und hellenistische Siedlungskern auf dem Tafelberg Asar Tepe hatte sich schon in hellenistischer Zeit mit einem Mauerring in steilere Hanglagen nach Südwesten ausgebreitet. Mit einer großen Thermenanlage sowie einem Stadion weitete sich das bebaute Gelände in der römischen Kaiserzeit nach Südwesten aus. Zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und der Regierung Aurelians (214–275) war die Bedeutung des Ortes offenbar so groß geworden, dass es dort zu eigener Münzprägung kam. Obwohl es zur antiken Geographie der damalige Zeit für die Stadt nur wenige Belege gibt, wird Sillyon im 3. Jahrhundert n. Chr. inschriftlich als „Mēnodōra Megakleus“ (Futtertrog auf Lebenszeit) bezeichnet, der unter anderem eine Stiftung für die παίδων τροϕαί (Kinderwohlfahrt) leistete.

Nach der römischen Reichsteilung links|mini|Blick auf die Ruinen des unteren Stadttores von Sillyon. links|mini|Blick auf die ruinierten Mauern des Stadions in Sillyon.