Lorenzo Fioroni (* 22. Februar 1972 in Locarno) ist ein Schweizer Regisseur.

Leben und Werk Lorenzo Fioroni wurde in der Schweiz geboren und wuchs in Deutschland auf. Sein Vater ist der Meeresbiologe Pio Fioroni. Er absolvierte eine Ausbildung zum Cellisten und konzertierte auch mit diesem Instrument. Daneben studierte er in den 1990er-Jahren Opernregie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg bei Götz Friedrich. Als Regieassistent arbeitete er unter anderem mit Ruth Berghaus.

Seit der Jahrtausendwende ist Fioroni als Regisseur an Theatern, Schauspielhäusern und Opernhäusern tätig. Insgesamt hat er Stand 2025 bei über 70 Operninszenierungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Dänemark, Norwegen und Südkorea Regie geführt. Seine Arbeiten reichen von Barockopern über die Klassik und Romantik bis hin zu Werken des 20. und 21. Jahrhunderts.

Nach ersten Produktionen am Theater Münster zu Beginn der 2000er-Jahre arbeitete er mehrfach am Staatstheater Kassel; für seine dortige Inszenierung von Jeanne d’Arc au bûcher wurde Fioroni im Jahr 2005 mit dem Götz-Friedrich-Preis ausgezeichnet. 2006 inszenierte er erstmals an der Deutschen Oper Berlin, die Verdi-Oper Simon Boccanegra. Im Jahr 2008 wurde seine Turandot-Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin erstmals gezeigt. Laut Stephan Mösch im Puccini-Handbuch zeige Fioroni Turandot als «sozialkritische Obsessionsspirale».

2012 und 2013 wurde Fioroni für Inszenierungen am Staatstheater Augsburg zweimal für den Deutschen Theaterpreis Der Faust nominiert. In den 2010er-Jahren arbeitete er an verschiedenen Staats- und Nationaltheatern in Deutschland, aber auch an der Königlichen Oper Kopenhagen, am Luzerner Theater und am Opernhaus Graz. Für seine Regie an der Oper The Greek Passion von Bohuslav Martinů in Graz wurde Fioroni 2017 mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis ausgezeichnet.

2021 inszenierte er am Saarländischen Staatstheater die deutsche Erstaufführung der Oper Macbeth Underworld des französischen Komponisten Pascal Dusapin. 2022 führte er in Graz bei einer Aufführung von Benjamin Brittens War Requiem Regie. 2024 kreierte er u. a. Boris Godunow am Nationaltheater Mannheim in einem laut SWR «surrealistischen Ambiente», wo der russische Hof durch «eine auf dem Kopf stehende Kulisse eines Barockschlosses» dargestellt wird. Auch wurde seine Produktion von Arnold Schönbergs Moses und Aron am Theater Bonn in der Kritikerumfrage der Opernwelt für 2024 zur «Inszenierung des Jahres» gewählt.

Mit Der Chronoplan, einer Oper in drei Akten von Julia Kerr mit einem Libretto von Alfred Kerr, brachte er am 24. Januar 2026 im Staatstheater Mainz eine zuvor nie inszenierte Oper von Anfang der 1930er Jahre zur Uraufführung.Michael Laages: Zeiten überwinden, Epochen verbinden: Der Chronoplan - Staatstheater Mainz, Rezension auf nachtkritik.de, erschienen und abgerufen am 25. Januar 2026

Ab 2026 übernimmt Lorenzo Fioroni für die Realisierung von Richard Wagners Der Ring des Nibelungen an der Korea National Opera in Seoul die Regie des gesamten Zyklus’.

Fioroni lebt in Berlin und in Muralto am Lago Maggiore.

Rezeption und Arbeitsweise Jürgen Otten schreibt in der Opernwelt (Ausgabe Juni 2021), Fioroni arbeite wiederholt auch an sogenannten kleineren und mittleren Häusern, sei aber einer «der ganz Großen der Zunft». Wie für gute Regisseure üblich, könne er «die Wirklichkeit vermittels einer Fabel überhöhen» und zugleich «Protagonisten dieser Fabel zu radikal authentischen (und autonomen) Bühnengestalten» formen. Häufig mische sich bei seinen Inszenierungen in «dem passionierten Tun ein Hauch von Sarkasmus unter, von würzig-gemeiner Sottise, hinter der die Subversion es sich gemütlich macht». In derselben Zeitschrift schrieb Martin Gasser im September 2022, Fioroni werde oft für den «theatralischen Furor» seiner Inszenierungen gerühmt.

Fioroni selbst beschreibt, dass er in allen Bühnenwerken immer nach einer «sinnlichen oder verstörenden Schönheit, nach Momenten eines total Unerwarteten oder auch etwas unserem europäischen Denken vielleicht Fremden» suche. Daneben gehe es ihm um den «Aspekt des Utopischen», allerdings immer unter dem Vorbehalt und der Ungewissheit, ob dieser «Zustand» erreicht werden kann.

Inszenierungen (Auswahl) 1999: Orpheus in der Unterwelt (von Jacques Offenbach), Theater Münster 2002: Così fan tutte (von Wolfgang Amadeus Mozart), Theater Münster 2002: Zar und Zimmermann (von Albert Lortzing), Theater Münster 2005: Jeanne d’Arc au bûcher (von Arthur Honegger), Staatstheater Kassel 2005: Nabucco (von Giuseppe Verdi), Theater Osnabrück 2006: Simon Boccanegra (von Giuseppe Verdi), Deutsche Oper Berlin 2007: Dialogues des Carmélites (von Francis Poulenc), Theater Osnabrück 2007: L’italiana in Algeri (von Gioachino Rossini), Staatstheater Kassel 2008: Turandot (von Giacomo Puccini), Deutsche Oper Berlin 2008: Peter Grimes (von Benjamin Britten), Staatstheater Kassel 2009: Der fliegende Holländer (von Richard Wagner), Staatstheater Kassel 2009: Der Freischütz (von Carl Maria von Weber), Theater Osnabrück 2010: Die Meistersinger von Nürnberg (von Richard Wagner), Staatstheater Kassel 2010: La sonnambula (von Vincenzo Bellini), Luzerner Theater 2011: Hoffmanns Erzählungen (von Jacques Offenbach), Theater Osnabrück 2011: Lohengrin (von Richard Wagner), Staatstheater Kassel 2011: Carmen (von Georges Bizet), Staatstheater Augsburg 2012: Le Grand Macabre (von György Ligeti), Staatstheater Mainz 2012: Ariadne auf Naxos (von Richard Strauss), Theater und Orchester Heidelberg 2012: La Bohème (von Giacomo Puccini), Oldenburgisches Staatstheater 2013: Elektra (von Richard Strauss), Staatstheater Augsburg 2013: La traviata (von Giuseppe Verdi), Luzerner Theater 2013: Tannhäuser (von Richard Wagner), Staatstheater Kassel 2013: Mefistofele (von Arrigo Boito), Staatstheater Mainz 2013: Die Fledermaus (von Johann Strauss Sohn), Badisches Staatstheater Karlsruhe 2014: Pelléas et Mélisande (von Claude Debussy), Theater und Orchester Heidelberg 2014: Der Rosenkavalier (von Richard Strauss), Staatstheater Kassel 2014: Rumor (von Christian Jost), Theater Heidelberg 2015: Król Roger (von Karol Szymanowski), Staatstheater Nürnberg 2015: Macbeth (von Giuseppe Verdi), Staatstheater Augsburg 2016: Rigoletto (von Giuseppe Verdi), Staatstheater Mainz 2016: The Greek Passion (von Bohuslav Martinů), Opernhaus Graz 2017: Simplicius Simplicissimus (von Karl Amadeus Hartmann), Staatstheater Augsburg 2017: Der Silbersee (von Kurt Weill), Universität für Musik und darstellende Kunst Graz 2018: Der Sturm (von Frank Martin), Saarländisches Staatstheater 2018: Don Giovanni (von Wolfgang Amadeus Mozart), Theater Winterthur 2018: L’incoronazione di Poppea (von Claudio Monteverdi), Nationaltheater Mannheim 2018: Pagliacci (von Ruggero Leoncavallo), Opernhaus Graz 2018: Cavalleria rusticana (von Pietro Mascagni), Opernhaus Graz 2019: Turandot (von Giacomo Puccini), Königliche Oper Kopenhagen 2019: La traviata (von Giuseppe Verdi), Theater Lübeck 2019: Idomeneo (von Wolfgang Amadeus Mozart), Staatstheater Kassel 2021: Macbeth Underworld (von Pascal Dusapin), Saarländisches Staatstheater 2021: Hippolyte et Aricie (von Jean-Philippe Rameau), Nationaloper Bergen und Nationaltheater Mannheim 2021: Rita, ou Le marie battu (von Gaetano Donizetti), Berliner Operngruppe 2022: War Requiem (von Benjamin Britten), Opernhaus Graz 2023: La forza del destino (von Giuseppe Verdi), Saarländisches Staatstheater 2023: Hérodiade (von Jules Massenet), Deutsche Oper am Rhein 2024: Moses und Aron (von Arnold Schönberg), Theater Bonn 2024: Boris Godunow (von Modest Mussorgski), Nationaltheater Mannheim 2025: Innocence (von Kaija Saariaho), Semperoper Dresden 2025: Pique Dame (von Peter Tschaikowski), Oper Leipzig 2025: Die Liebe zu den drei Orangen (von Sergei Prokofiev), Korea National Opera 2026: Der Chronoplan (von Julia Kerr), Staatstheater Mainz 2026 Penthesilea (von Pascal Dusapin), Niedersächsische Staatstheater Hannover

Auszeichnungen 2005: Auszeichnung mit dem Götz-Friedrich-Preis für seine Inszenierung von Jeanne d’Arc au bûcher am Staatstheater Kassel 2012: Nominierung für den Deutschen Theaterpreis Der Faust in der Kategorie Regie Musiktheater für Carmen am Theater Augsburg 2013: Nominierung für den Deutschen Theaterpreis Der Faust in der Kategorie Regie Musiktheater für Elektra am Theater Augsburg 2017: Auszeichnung mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis in der Kategorie Beste Regie für The Greek Passion am Opernhaus Graz 2021: Wahl durch die Opernwelt-Redaktion zu einem der «Wichtigen Regisseure der Saison» 2024: Auszeichnung bei der Opernwelt-Kritikerumfrage in der Kategorie «Aufführung des Jahres» für Moses und Aron am Theater Bonn 2025: Nominierung bei den International Opera Awards 2025 für die Neuinszenierung von Innocence an der Semperoper Dresden

Weblinks Profil von Lorenzo Fioroni bei Operabase

Einzelnachweise

Kategorie:Opernregisseur Kategorie:Künstler (Berlin) Kategorie:Person (Locarno) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1972 Kategorie:Mann