Die Modelle Kapitän, Admiral und Diplomat der Serie B, kurz auch als KAD B bezeichnet, wurden von März 1969 bis Juli 1977 gebaut. Sie sind nach Meinung mancher Autoren die letzten Oberklassemodelle der seinerzeit zum US-amerikanischen Automobilkonzern General Motors (GM) gehörenden Automobilmarke Opel,Eckhart Bartels, Rainer Manthey: Opel: Fahrzeug-Chronik Band 2: 1952–1990. Podszun, Brilon 2012, ISBN 978-3-86133-620-4, S. 44/45 und 71/72. was die Adam Opel AG selbst anders sieht.Vgl. Opel Firmengeschichte – 1978: Vgl. Die OMEGA Story. Nie gab es so viel über ein Auto zu erzählen. Adam Opel Aktiengesellschaft (Hrsg.), Rüsselsheim Oktober 1986, Kapitel I, S. 16–17:
Die ausschließlich viertürigen Stufenhecklimousinen waren mit Reihen-Sechszylinder- oder V8-Ottomotoren mit einer Leistung von 95 bis 169 kW (129 bis 230 PS) erhältlich.
Modellgeschichte Allgemeines Wie bei der Vorgänger-Baureihe KAD A haben alle KAD-B-Modelle die gleiche Karosserieform. Das einfachste, schlicht ausgestattete Modell war bis Mai 1970 – wie bei der KAD-A-Reihe – der Kapitän. Der Admiral war die mittlere Version. Das Spitzenmodell Diplomat lieferte Opel auch mit dem V8-Motor der Konzernschwester Chevrolet.
Die neuen Wagen waren einige Zentimeter kürzer und schmaler als die der KAD-A-Reihe. Die Karosserie geriet glattflächig und wuchtig. Zwar fiel sie europäischer aus als noch bei der Vorgänger-Baureihe, doch nach wie vor waren die US-amerikanischen Einflüsse unübersehbar, die beim potentiellen Käuferkreis in Deutschland und Europa nicht den gewünschten Anklang fanden. Bei Kapitän und Admiral wurden die breiten Rechteckscheinwerfer im Kühlergrill beibehalten, während der Diplomat Scheinwerfer im Hochkantformat erhielt. Nach Art des Mercedes-Benz W 111 saßen die Blinker hinter deren annähernd quadratischen, gewölbten Streuscheiben und die Scheinwerfer in den etwas vorgezogenen Kotflügeln. Auch waren die Rückleuchten des Diplomat kleiner und schmaler als die der anderen beiden Modelle. Alle haben versenkte Scheibenwischer.
Der 2,8-Liter-Reihensechszylinder erfuhr durch Änderungen an Vergaser und Auspuffanlage eine geringfügige Leistungssteigerung. Neu waren auch hydraulische Stößel. Des Weiteren gab es nun wahlweise für diesen Motor eine zusammen mit Bosch entwickelte Einspritzanlage.Reisewagen mit zeitgemäßer Technik. In: Kraftfahrzeugtechnik 7/1969, S. 217–218. Alle KAD-B-Modelle erhielten eine aufwendige und teure De-Dion-Hinterachse. Diese Konstruktion wog zwar rund 20 kg mehr als eine einfache Starrachse, doch die ungefederten Massen waren geringer. Dadurch sollte bei leicht ansprechender Federung eine gute Radführung gewährleistet sein. Auf Wunsch konnten alle drei Modelle mit einer pneumatischen Niveauregulierung ausgerüstet werden, womit die erlaubte Anhängelast auf 2000 kg (gebremst) stieg. Zur Sicherheitsausstattung gehörten außer Knautschzonen, der stabilen Fahrgastzelle und dem großzügig verkleideten Innenraum auch die Ausrüstung mit Sicherheitslenksäule sowie Zweikreisbremsanlage mit Scheibenbremsen vorn, Bremskraftverstärker und lastabhängigem Bremskraftbegrenzer.
Diese Baureihe war zudem eine der ersten in Deutschland, bei der wichtige Karosserieteile verzinkt wurden, was den Korrosionsschutz verbessern sollte.
Kapitän B (1969–1970) Die Nennleistung des aus den KAD-A-Modellen bekannten 2,8-Liter-Sechszylinder-Reihenmotors wurde in der Ausstattung mit einem Registervergaser um zwei auf und in der Version mit zwei Registervergasern um vier auf gesteigert.
Der vor allem innen sehr schlicht ausgestattete Kapitän wurde im Mai 1970 wieder eingestellt. Damit verschwand ein Name aus der Modellpalette, der seit 1938 verwendet wurde.
Admiral B (1969–1976) Der Admiral B war wie der Vorgänger die mittlere Ausstattungslinie der KAD-B-Reihe. Auch ihn gab es nun mit der Saugrohreinspritzung D-Jetronic von Bosch, mit der er bei 2,8 Litern Hubraum leistete.
Im September 1972 retuschierte Opel den Kühlergrill des Admiral mit waagerechten Rippen und Opel-Emblem. Im April 1976 wurde das Armaturenbrett überarbeitet (mit blendfreien Instrumenten, Vierspeichenlenkrad und geänderter Schalteranordnung).
Der Admiral blieb als 2.8 S, 2.8 H und 2.8 E mit Automatikgetriebe und Servolenkung bis April 1976 im Programm. Alle Versionen wurden danach in Diplomat umbenannt.
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Diplomat B (1969–1977) Der Diplomat wurde weiterhin mit dem 2,8-Liter-Reihensechszylindermotor mit Saugrohreinspritzung und einer Leistung von 118 bzw. 121 kW (160 bzw. 165 PS) sowie dem 5,4 Liter großen Chevrolet-Achtzylinder-V-Motor mit angeboten, der gegenüber dem Vorgänger geringfügig verbessert wurde. Entsprechend den hohen erreichbaren Höchstgeschwindigkeiten wurden Versionen mit 2.8E- und V8-Motor mit vier innenbelüfteten Scheibenbremsen ausgerüstet.
Im April 1970 kostete der Diplomat V8 mit Dreigangautomatik 21.556 DM,auto motor und sport, Heft 8, 11. April 1970 was inflationsbereinigt in heutiger Währung einem Wert von EuroDer Betrag und bezieht sich auf den vergangenen Januar auf volle 100 Euro gerundet. entspricht. Der vergleichbare Mercedes 300 SEL 3.5 mit und einer aufwendigen Luftfederung war mit 29.637 DM (heute: Euro) über 35 Prozent teurer.
Zur serienmäßigen Ausstattung gehörten Automatikgetriebe sowie Servolenkung, als Zubehör wurden Klimaanlage, elektrisches Schiebedach, Lederinterieur und elektrische Fensterheber sowie von innen verstellbare Spiegel, H4-Halogenscheinwerfer und eine in die Windschutzscheibe integrierte elektronische Antenne (im Diplomat ab Sommer 1971 serienmäßig) angeboten.
Im September 1972 wurde dem Diplomat eine leichte Überarbeitung zuteil, bei der das Opel-Emblem in den Kühlergrill wanderte.
Ab Mitte 1973 war der Diplomat V8 auch als Langversion lieferbar. Anfang 1976 wurde er mit Leichtmetallrädern, Colorverglasung und Wisch-Wasch-Anlage für die Scheinwerfer aufgewertet.
Nachdem im April 1976 der Name Admiral für die 2.8H- und 2.8E-Versionen aufgegeben worden war, liefen diese als Diplomat, aber mit dem Äußeren des Admiral weiter.
Im Juli 1977 endete die Produktion des Diplomat B.
Ende einer Ära mini|Produktionsstatistik der Opel KAD-B-Reihe Allgemein wurde der Diplomat B als technisch hochwertiges Fahrzeug von der Fachwelt anerkannt, dennoch sank ab Mitte der 1960er Jahre Opels Marktanteil in der Oberklasse zugunsten von Mercedes-Benz und BMW immer stärker, vor allem, nachdem Mercedes-Benz 1972 die neue S-Klasse (siehe Mercedes W 116) eingeführt hatte. Die erste Ölkrise von 1973 brachte einen weiteren deutlichen Einbruch, sodass die Produktion 1974 um 90 Prozent auf 1754 Exemplare gegenüber 17.777 im Jahre 1969 zurückging.
Die KAD-Baureihe wurde daher im Juli 1977 eingestellt. Einen direkten Nachfolger gab es nicht, ein schon angelaufenes Projekt wurde verworfen. Das ab April 1978 lieferbare Spitzenmodell Senator und dessen Coupé-Variante Monza sind deutlich kleiner und gehören damit nach Meinung mancher Autoren wie z. B. Bartels/Manthey der oberen Mittelklasse an, was sich jedoch nicht mit der Darstellung der Adam Opel AG deckt.
Einige Opel-Händler nutzten damals den günstigen Dollarkurs und vertrieben aus den USA importierte Chevrolet- und Cadillac-Limousinen, die ebenso wie Opel zu General Motors gehörten und identische Aggregate besaßen.
Heutige Situation mini|Opel Admiral bei dem Oldtimertreffen „Beueler Classics“ (2015) Wegen der geringen Verkaufszahlen, der Weitergabe von Gebrauchtwagen in immer schlechter pflegende Dritthände und dem Zeitablauf von über 45 Jahren sind nunmehr KAD-Modelle extrem selten geworden. Gute, restaurierte und gepflegte Exemplare werden daher mittlerweile teils deutlich teurer gehandelt als Mercedes-Modelle. Auch die Ersatzteilesituation bei den großen Opel-Modellen ist vergleichsweise erheblich schwieriger, was den Unterhalt und eventuelle Reparaturen merklich verteuert. Vom einstigen Einsteigermodell Kapitän, von Anfang an der seltenste der „großen Drei“, sind nur noch wenige Fahrzeuge erhalten.
Der Bestand zugelassener Fahrzeuge am 1. Januar 2015 in Deutschland beträgt laut Kraftfahrtbundesamt: Admiral 2800 H: 228 Diplomat V8: 341 Admiral 2800 H: 111
Technische Daten Opel Kapitän/Admiral/Diplomat B (1969–1977)Opel KADKap/Adm 2800 SKap/Adm/Dipl 2800 HAdm/Dipl 2800 EDipl V8Dipl V8 lang Motor 6-Zylinder-Viertakt-Reihenmotor (Opel CIH)8-Zylinder-Viertakt-V-Motor (Chevrolet 327) Hubraum 2784 cm³5354 cm³(327 Kubikzoll) Bohrung × Hub 92 × 69,8 mm 101,6 × 82,6 mm Leistung(PS)bei 1/min 95–97 kW(129–132 PS)5000–5200 103–107 kW(140–145 PS)5200 118–121 kW(160–165)5600169 kW(230 PS)4700 Max. Drehmomentbei 1/min 189 Nm3500222 Nm3700 228 Nm4350 427 Nm3100 Verdichtung 9,5, später 9,0 : 110,0 : 1 Gemischaufbereitung Ein Registervergaser Zenith 35/40 INATZwei Registervergaser Zenith 35/40 INATelektronische Saugrohreinspritzung Bosch D-JetronicEin Doppel-Fallstrom-Registervergaser(Rochester Quadrajet) Ventilsteuerung Hängende Ventile, Hydrostößel und Kipphebel (obenliegende Nockenwelle, Duplexkette) Hängende Ventile, Stoßstangen und Kipphebel (zentral untenliegende Nockenwelle, Zahnkette) Kühlung Wasserkühlung Getriebe Vierganggetriebe, Lenkrad- oder Knüppelschaltung(a. W. Opel/GM-Dreigangautomatik). Die Version „Diplomat 2,8 E“ gab es auf Wunsch mit Fünfgang-Schaltgetriebe. TH-400 Turbo-Hydramatic-Dreigangautomatik (GM) Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern, SchraubenfedernDrehstab-Stabilisator Radaufhängung hinten starre De-Dion-Achse an zwei gezogenen Längslenkern unten und einem geschobenen Dreieckslenker oben, Schraubenfedern, Drehstab-Stabilisator Karosserie Stahlblech, selbsttragend, Tank: 80 Liter Spurweite vorn/hinten 1505/1512 mm Radstand 2845 mm 2995 mm Länge 4907 mm 5070 mm Leergewicht 1475–1690 kg 1720 kg Höchstgeschwindigkeit 170–175 km/h177–185 km/h185–190 km/h202 km/h200 km/h 0–100 km/h 12,5–13 s 11,5–12,5 s 11,5 s 10 s 10 s Verbrauch (Liter/100 Kilometer) 15–16 Liter 16–17 Liter 17–18 Liter 21,0 Liter 21,0 Liter
Sonderversionen mini|Diplomat als viertüriges Cabriolet von Carrozzeria Fissore mini|Admiral B mit Schrägheck und großer Heckklappe vom Karosseriebetrieb Vogt
Besondere Karosserieversionen Die KAD-Familie bietet noch einige Raritäten: 1971 ließ Opel zum VIP-Transport vier Diplomat-Cabriolets fertigen; die Umbauten erledigten die Unternehmen Carrozzeria Fissore und Karmann. Diese vier Cabrios sind alle noch gut erhalten und in privaten Besitz übergegangen. Für Übertragungsteams des ZDF verwandelte der Karosseriebetrieb Vogt in Bad Neuenahr einige Wagen in Fastback-Limousinen mit Schrägheck und großer Heckklappe, wodurch sich das Kofferraumvolumen auf 850 Liter und das zulässige Gesamtgewicht auf 2105 kg erhöhte. Zudem gab es von Vogt auch einige Kombi-Umbauten und Bestattungswagen auf KAD-Basis sowie einige Krankenwagen, deren Bodengruppen zunächst in Bad Neuenahr verlängert worden waren, bevor die Karosserieaufbauten bei Miesen in Bonn gefertigt wurden. Während der Werksteilnahme Opels im Rallyesport der 1970er Jahre gab es drei vom Werk bereitgestellte Admiral-Kombis. Sie sind unter anderem in Werbefilmen des „Opel-Euro-Händler-Teams“ zur Rallye-Europameisterschafts-Teilnahme Walter Röhrls als Mechaniker- und Reifentransportwagen in der Teamfarbgebung des Renn-Ascona-A zu sehen. Es ist nicht bekannt, ob es sich dabei um Werks- oder Vogt-Umbauten handelte. Eine Stretchlimousine mit sechs Türen blieb mangels Nachfrage ein Einzelstück.
Besondere Aufbauten Außer diesen speziellen Karosserieversionen wurden auf der Bodengruppe und mit der Antriebstechnik der KAD-Reihe einige eigenständige Fahrzeuge verwirklicht:
Diplomat CD 1969