Das Palästinensische Gesundheitsministerium (Gaza) (; englisch Ministry of Health – Gaza, kurz GHM) ist ein 2007 gegründetes Parallelministerium der Hamas zum Fatah-dominierten Gesundheitsministerium von Ramallah. Es ist im Gazastreifen verantwortlich für die Verwaltung der Gesundheitsversorgung und der medizinischen Dienste, betreibt rund die Hälfte aller Krankenhäuser und Kliniken im Gazastreifen und beschäftigt seit der Machtübernahme der Hamas 2007 sowohl neu rekrutierte Mitarbeiter als auch ehemalige Beamte der Fatah. Die Gehälter der Mitarbeiter werden von dem Gesundheitsministerium von Ramallah im Westjordanland bezahlt.

Geschichte Von 1967 bis 1994 verwaltete Israel das Gesundheitssystem des Gazastreifens. Die medizinische Nahversorgung war schlecht und Patienten wurden meist an israelische Krankenhäuser überwiesen. Im Zuge der Osloer Abkommen wurden 1994 die Palästinensische Autonomiebehörde und das Gesundheitsministerium von Palästina mit Sitz in Ramallah gegründet. Nach der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen im Jahr 2007 ernannte die Hamasregierung im Gazastreifen ihre eigenen stellvertretenden Gesundheitsminister, doch das Gesundheitsministerium von Ramallah ist weiterhin die übergeordnete Behörde, zahlt Gehälter und versorgt das Gesundheitswesen in Gaza mit medizinischer Ausrüstung.

In den Anfangsjahren nach der Hamas-Machtübernahme finanzierte sich das Gesundheitssystem in Gaza durch Krankenversicherungsbeiträge aus der gesetzlichen Krankenversicherung, Zahlungen des Gesundheitsministeriums in Ramallah, Spenden verschiedener in Gaza tätiger NGOs, 200 Millionen US-Dollar von UNRWA-Projekten, 98 Millionen US-Dollar von USAID-Projekten, Steuern der Hamas auf Tunnel-Schmuggelware und Finanzhilfen aus Iran und Katar.Dr Mona Jebril (2021), The Political Economy of Health in the Gaza Strip (Occupied Palestinian Territory), Centre for Business Research, University of Cambridge, S. 42 (jbs.cam.ac.uk, [abgerufen am 3. Mai 2025]). Die Hamas baute das Gesundheitswesen aus und ersetzte viele Ministerialbeamte der Autonomiebehörde durch eigene Anhänger. Nach Bildung der palästinensischen Einheitsregierung 2014 unterstanden beide Ministerien dem Gesundheitsminister in Ramallah, mit einem Untersekretär in Gaza.Dr Mona Jebril (2021), The Political Economy of Health in the Gaza Strip (Occupied Palestinian Territory), Centre for Business Research, University of Cambridge, S. 59 (jbs.cam.ac.uk, [abgerufen am 3. Mai 2025]). Zwischen den zwei Ministerien bestehen jedoch seit je Spannungen und Kompetenzkonflikte. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) arbeitet mit beiden zusammen, auch wenn ihr offizielles Mandat über die Palästinensische Autonomiebehörde läuft.Dr Mona Jebril (2021), The Political Economy of Health in the Gaza Strip (Occupied Palestinian Territory), Centre for Business Research, University of Cambridge, S. 59, 69 (jbs.cam.ac.uk, [abgerufen am 3. Mai 2025]).

Am 17. November 2023, während des Kriegs in Israel und Gaza, erklärte der Leiter von Ärzte ohne Grenzen in Palästina, das Gesundheitsministerium des Gazastreifens sei „dezimiert“ und der Gesundheitssektor des Gazastreifens „systematisch zerstört“ worden.

Ermittlung von Kriegstotenzahlen im Gaza-Krieg Das Gesundheitsministerium von Gaza ist die einzige offizielle Quelle für Daten zu palästinensischen Kriegstoten in Gaza während des Israel-Gaza-Krieges ab 2023, obwohl diese Zahlen auch vom palästinensischen Gesundheitsministerium im Westjordanland veröffentlicht werden, das sie durch seine in Gaza stationierten Mitarbeiter bestätigt. Die vom Ministerium veröffentlichten Zahlen unterscheiden nicht zwischen Zivilisten und Kombattanten und geben auch keine Todesursache an.

Da das Gesundheitsministerium von der Hamas kontrolliert ist, gab es Bedenken über manipulierte oder übertriebene Totenzahlen. Israel sprach stets von „Terrorpropaganda“. Die Zahlen wurden jedoch in der Vergangenheit von den Vereinten Nationen, der Weltgesundheitsorganisation und Human Rights Watch als verlässlich erachtet. Unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen sind wiederholt zu dem Schluss gekommen, dass die im Gaza-Krieg von dem Ministerium veröffentlichten Zahlen erheblich unter den wahren Totenzahlen liegen.

Die Erfassung der Todesfälle geschieht überwiegend online, was sich jedoch zeitweise als schwierig herausstellte, da diese Option durch israelische Angriffe auf die palästinensischen Krankenhäuser mitsamt deren technologischer Infrastruktur von November 2023 bis Februar 2024 eingeschränkt und deshalb vorübergehend wieder auf manuelle Zählungen zurückgegriffen wurde. Im Februar 2024 gab das Gesundheitsministerium an, seine täglichen Zahlen stützten sich auf „eine Kombination aus genauen Todeszahlen aus Krankenhäusern, die noch teilweise in Betrieb sind, und Schätzungen aus Medienberichten zur Ermittlung der Todesfälle im Norden Gazas“.

Zwei im Dezember 2023 und Januar 2024 im medizinischen Fachjournal The Lancet veröffentlichte Analysen sahen keine Hinweise auf eine Übertreibung oder Fälschung der palästinensischen Totenzahlen.

Eine im Januar 2025 in The Lancet veröffentlichte peer-reviewte Analyse mit Hilfe der Rückfangmethode basierend auf Daten des Ministeriums und Social-Media-Beiträgen schätzte, dass das Ministerium die Anzahl der durch traumatische Verletzungen verursachten Todesfälle seit dem 2023 begonnenen Krieg um 41 % zu niedrig angegeben habe. Die Gesamtzahl bis einschließlich 6. Oktober 2024 liege wahrscheinlich bei über 70.000, im Gegensatz zu den vom Ministerium gemeldeten 41.909.

Eine im Juni 2025 veröffentlichte unabhängige Studie eines Teams um Michael Spagat vom Royal Holloway College der Universität London kam zu dem Schluss, die Anzahl der direkten Kriegstoten in Gaza im Zeitraum zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 5. Januar 2025 habe etwa 75.200 betragen und liege somit erheblich über den exakt 45.805 Toten, die das Gesundheitsministerium ausgewiesen hatte. Die meisten Todesopfer, so die Londoner Studie, seien dabei Zivilisten gewesen.

Einer im November 2025 durchgeführten Schätzung des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock zufolge liegt die wahre Anzahl der in den ersten zwei Jahren des Kriegs durch Waffengewalt im Gazastreifen getöteten Menschen zwischen 99.997 und 125.915. Die mittlere Schätzung der Forscher beträgt 112.069 Menschen. Davon entfallen etwa 27 Prozent auf Kinder unter 15 Jahren und etwa 24 Prozent auf Frauen; die geschätzte Verteilung der Todeszahlen nach Alter und Geschlecht gleiche somit dem, was die Vereinten Nationen in der Vergangenheit bei Genoziden festgestellt hätten. Das Gesundheitsministerium in Gaza hatte die Anzahl der Kriegstoten in den ersten zwei Kriegsjahren lediglich mit 67.173 beziffert.

Organisationsstruktur Die Organisationsstruktur ist wie folgt:

Nationale Leitung Gesundheitsminister und Berater Gesundheitsräte: Ärzterat Nationale Blutbankbehörde Gesundheitsforschungsrat Pflegerat Gesundheitspolitischer Rat Verwaltungsbüro für internationale Zusammenarbeit und Projekte

Verwaltungsstellen Büro des Ministers Interne Kontrollstelle Stelle für Öffentlichkeitsarbeit und Medien Stelle für rechtliche Angelegenheiten Beschwerdestelle Ministerratsstelle Organtransplantationsstelle

Vom Untersekretär und seinen Stellvertretern geleitete Abteilungen Laborabteilung Abteilung für Physiotherapie- und Rehabilitation Abteilung für Sicherheit und Infektionskontrolle Abteilung für Bauwesen und Ausrüstung Abteilung für Rettungsdienst und Notfälle Abteilung für medizinische Bildgebung Abteilung für Krankenversicherung Koordinierungsstelle für nichtstaatliche Gesundheitsdienstleister Planungs- und Leistungsentwicklungsstelle Gesundheitsinformationsstelle Stelle für PrivatmedizinSowie Abteilungen für: Verwaltungsangelegenheiten Finanzangelegenheiten IT und Computertechnologie Personalentwicklung Krankenpflege Pharmazie Psychische und soziale Gesundheit Primärversorgung Krankenhausverwaltung

Liste der GHM-Gesundheitsminister Die Liste der Gesundheitsminister des Gazastreifens; ein alternatives palästinensisches Gesundheitsministerium im Gazastreifen unter der Leitung der Hamas. #NameParteiBeginn der AmtszeitEnde der Amtszeit1Basem NaimHamasJanuar 2007Januar 20092Mufiz al-MakhalalatiHamasApril 2009unbekannt3Medhat AbbasThe situation in Gaza from a doctor on the ground National Public Radio.HamasJanuar 2023im Amt

Weblinks

Gesundheitsministerium in Gaza (englisch) Gesundheitsministerium in Ramallah (arabisch)

Einzelnachweise

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