mini|hochkant|Die Église réformée de Paris Étoile Der Temple protestant de l’Étoile ist das Kirchengebäude einer reformierten Gemeinde innerhalb der Vereinigten Protestantischen Kirche Frankreichs mit Sitz an der Adresse 56 Avenue de la Grande-Armée im 17. Arrondissement von Paris. Die Pfarrkirche, welche 1874 auf dem Grundstück no. 54 erbaut wurde, wird von der Kirchengemeinde Église protestante unie de l’Étoile (: „Vereinigte protestantische Kirche von Paris Étoile“) unterhalten.

Geschichte mini|alt=Porträt von Eugène Bersier, Kreidezeichnung, ein glattrasierter Mann im Frack, der die Arme vor der Brust verschränkt.|Portrait de M. le Pasteur Eugène Bersier, nach einem Gemälde von Geneviève Dupont-Binard, 1891. Im 19. Jahrhundert bestand das Gebiet jenseits des Place de l’Étoile aus Brachflächen und Obstgärten, die nach und nach urbanisiert wurden. Inspiriert von Eugène Bersier, einem schweizerischen Pfarrer hugenottischer Herkunft, entstand das Projekt, eine protestantische Gemeinde in der Gegend zu etablieren. 1866 zog er in den Boulevard Pereire 216 und leitete Gottesdienste in einem kleinen Saal in Neuilly-sur-Seine (Temple protestant de Neuilly-sur-Seine). Anfang 1868 wurde ein größerer Raum im Erdgeschoss eines Hauses in der Avenue de la Grande-Armée 45 eingerichtet. Es wurde ein Kirchenrat (conseil presbytéral) gegründet, und im folgenden Jahr wurde eine Sonntagsschule eingerichtet. Die Räumlichkeiten erwiesen sich schnell als zu klein, und im November 1869 beschloss der Rat, in der Gegend eine richtige Kirche zu bauen.

Eugène Bersier wandte sich an seine Bekannten und erhielt zahlreiche Spenden von protestantischen Familien. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870, die Belagerung von Paris (1870–1871) und die Pariser Kommune verzögerten die Projekte, doch der Bau begann auf einem Grundstück, das fast gegenüber dem vorherigen Gebäude lag (auf der Seite mit den geraden Hausnummern - côté numéros pairs).

Eugène Bersier war der Liturgie sehr zugetan und wollte, beeinflusst von seiner anglikanischen Mutter, den Gottesdiensten und Liturgieräumen der reformierten (calvinistischen) Kirchen etwas von dem anglikanischen Glanz geben. Daher ließ er einen Kirchbau in einem Stil errichten, der nicht sehr protestantisch war, aber Elemente einer anglikanischen Kirche der High-Church-Bewegung zeigte. Der schwedische Architekt William Hansen entwarf ein Gebäude im neugotischen Stil. Am 29. November 1874 wurde die Kirche von den Pastoren Victor Eugène Durand-Dassier, Edmond de Pressensé und Roger Hollard mit einer Predigt über das Matthäusevangelium, Kapitel 28 (), eingeweiht: „Geht nun hin und macht alle Völker zu Jüngern.“ Im darauffolgenden Jahr wurde eine von Cavaillé-Coll gebaute Orgel installiert. Der Theologe Auguste Sabatier wurde zum Leiter der Sonntagsschule ernannt.

Am 6. Juni 1872 nahm Eugène Bersier an der Generalsynode der Reformierten Kirchen Frankreichs teil, die unter dem Vorsitz des protestantischen Pfarrers François Guizot im protestantischen Temple protestant du Saint-Esprit de Paris (Roquépine) in Paris stattfand. Dies war die erste offiziell autorisierte Synode seit 1659. Eugène Bersier vertrat die Freikirchen (Églises libres), die unabhängig von der offiziellen Reformierten Kirche waren, welche unter dem französischen Konkordatssystem (Régime concordataire français) anerkannt und 1802 von Napoleon mit den Organischen Artikeln organisiert worden war. 1877 schloss sich die Église de l’Étoile der Konkordat-Reformierten Kirche an, die in Paris durch ein einziges Konsistorium strukturiert war, welches in der protestantischen Kirche des Oratoriums des Louvre tagte. 1882 wurde die Gemeinde der Église réformée de Paris Batignolles angegliedert. Eugène Bersier starb 1889.

Im Jahr 1897 gründete die Église de l’Étoile eine Zweigstelle in Levallois-Perret, die von Pastor Henri Monnier aufgebaut wurde. Am 1. Dezember 1912 wurde der Temple de la Petite Étoile nach Plänen des Architekten Charles Letrosne eingeweiht. Nach dem Ersten Weltkrieg errichtete Charles Letrosne in Zusammenarbeit mit dem protestantischen Maler Gustave Louis Jaulmes in einer Seitenkapelle des Tempels ein Kriegerdenkmal.

mini|Der Temple de l’Étoile und die Berufsschule für junge Frauen in den 1920er Jahren. 1877 wurde die Pariser Berufsschule für junge Frauen (École professionnelle de jeunes filles) in einem Gebäude neben dem Temple de l’Étoile an der Ecke Rue Denis-Poisson gegründet. 1921 schuf der Architekt Charles Letrosne eine Überdachung für den Innenhof. 1926 wurde ein neues Gebäude errichtet. Der Verein betrieb in Zusammenarbeit mit dem Foyer de l’Ouvrière (Arbeiterheim) ein Restaurant für Frauen und ein Kulturzentrum, das 1990 geschlossen wurde. Die Schule, Cours Jeanne d’Albret, schloss 1993. Das Gebäude beherbergte anschließend die Bersier-Stiftung, die den Protestantischen Campus, das Protestantische Museum, das Protestantische Forum und die Standorte von Méromédia verwaltet. Die Büros des Radiosenders Fréquence protestante befinden sich im Untergeschoss.

Zwischen 1924 und 1926 wurde die Orgelempore der Kirche erweitert. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche von den deutschen Besatzern beschlagnahmt (réquisitionné).

1970 ersetzte Pastor Richard Sautter die massiven Holztüren zur Allee durch Glastüren. Die Chorschranke, ähnlich der der protestantischen Kirche Foyer de l’Âme, wurde in den 1980er Jahren entfernt. In den 1990er Jahren organisierte Pastor Alain Houziaux bedeutende Konferenzen, und ein Chor wurde gegründet. 2008 installierte Pastor Louis Pernot Bienenstöcke auf dem Kirchendach. Die Gemeinde gehört der liberalen protestantischen Bewegung (Protestantisme libéral) an.

Architektur Der Temple de l’Étoile ist im neugotischen Stil erbaut. Die Fassade weist eine Rosette auf, die im oberen Bereich mit einem Stern verziert ist. Sie wird von einem Giebel bekrönt, der wiederum mit einem lateinischen Kreuz geschmückt ist.

Der Innenraum folgt einem Kreuzgrundriss mit Mittelschiff und Querschiffen und ist mit Rippengewölben und hängenden Schlusssteinen überspannt. Die Dekoration ist schlicht, ohne Statuen oder Ornamente außer Bibelversen und Buntglasfenstern, die ein Kreuz, die Taube des Heiligen Geistes und Darstellungen der zwei Arten der Kommunion – Weinstock und Weizengarbe – zeigen. Die Chordecke ist blau und mit goldenen Sternen bestreut, eine Anspielung auf den Namen der Kirche, aber auch auf die anglikanische Tradition, wie sie beispielsweise in der Chapel Royal im Hampton Court Palace zu finden ist, die 1530 von Heinrich VIII. erbaut wurde.

Links vom Chor hängt eine monumentale Kanzel mit kunstvoll geschnitzten Holzarbeiten, ähnlich wie in der St.-Peter-Kathedrale in Genf, der Stadt des französischen Reformators Johannes Calvin. Eine Marmortafel erinnert an Pastor Bersier.

Pastoren Eugène Bersier war der erste Pastor 1868. Er war Vizepräsident der Société de l’histoire du protestantisme français (Gesellschaft für die Geschichte des französischen Protestantismus).

Louis Pernot war Pastor seit 1991. Er war Kaplan (aumônier protestant) der École polytechnique und der französischen Komturei des Protestantischen Johanniterordens (Commanderie française de Saint-Jean). Zudem lehrt er Praktische Theologie an der Faculté de théologie protestante de Paris (Protestantisches Institut für Theologie). Seine Nachfolgerin seit 2024 ist Pfarrerin Nathalie Chaumet.

Liste Eugène Bersier (1868–1889) Edmond Stapfer (1876–1889) Jules Vinard (1888–1920) Isaac Picard (1890–1951) Henri Monnier (1897–1932) Lévi Russier (1910–1925) Eliel Monnier (1920–1940) Pierre Durand-Gasselin (1825–1947) André Picard (1924–1951) René Herdt (1941–1961) André Barnaud (1951–1968) Richard Sautter (1962–1980) Pierre-Jean Ruff (1969?–1974) M. Calladine (1976–1982) Patrick Chong (1983–1988) Jean Boniol (1981–1990) Alain Houziaux (1991–2009) Louis Pernot (1991–2024) Florence Blondon (2009–2023) Nathalie Chaumet (2024–)

Orgel Die Orgel verfügt über 32 Register (jeux) auf drei Manualen (claviers) mit mechanischer Traktur (traction mécanique), wobei lediglich das Grand Jeu durch einen Barker-Hebel unterstützt wird. Ein Vorgängerinstrument wurde um 1875 von Aristide Cavaillé-Coll erbaut und umfasste zehn Register auf zwei Manualen sowie ein Pedal – vier auf dem Grand Jeu und sechs auf dem Schwellwerk (Récit). Zwischen 1914 und 1917 wurde sie von Charles Mutin mit drei Manualen umgebaut. Von 2010 bis 2017 wurde sie restauriert und 2022 einer Generalüberholung unterzogen.

Alexandre Cellier war von 1910 bis 1966 Chorleiter und Organist am Étoile. Ihm folgte Denis-Françoise Roger, dann Liesbeth Schlumberger, Professorin am Conservatoire national supérieur de musique et de danse de Lyon, die diese Position seit 1994 innehat; sie wird von Lionel Avot, Philip Mead und Fabrice Pincet unterstützt.

Liste der Organisten 1875–1909: Madame Weber 1910–1968: Alexandre Cellier 1968–1994: Denise-Françoise Rogé (Ersatzweise seit 1958) seit 1994: Liesbeth Schlumberger

Die von Aristide Cavaillé-Coll entworfenen Registerzüge sind mit einem Sternchen gekennzeichnet. Die Registerzüge für Zungenpfeifen (jeux d’anche) sind kursiv gesetzt.

I Grand Orgue (GO) Bourdon* 16′ Montre* 8′ Flûte harmonique* 8′ Salicional* 8′ Bourdon 8′ Prestant* 4′ Plein Jeu III Trompette 8′ II Positif (PO - Expressif) Principal 8′ Cor de Nuit 8′ Viola* 4′ Flûte 4′ Nazard ′ Quarte de Nazard 2′ Tierce ′ Basson/Hautbois* 8′ Trémolo III Récit (Expressif) Quintaton 16′ Flûte harmonique 8′ Gambe 8′ Voix céleste* 8′ Flûte* 4′ Octavin 2′ Plein Jeu IV Basson 16′ Trompette* 8′ Cromorne 8' Clairon 4' Pédale Contrebasse 16′ Soubasse 16′ Flûte 8′ Bourdon 8′ Basson 16'

Koppeln (Accouplements): Récit/GO - Récit/GO (sub-octave) - Récit/PO, Tirasses (GO, PO, Récit) Appels: Fonds GO & Pedale, Anches GO, Récit et Pédale

Literatur Catherine Giorgi: 150 ans. L’Église de l’Étoile, 150 ans de vie spirituelle et d’ouverture. Église protestante unie de l’Étoile, Paris 2024.

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Einzelnachweise

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