mini|Verrosteter Stacheldraht mini|Stacheldraht auf einer westdeutschen Briefmarke von 1953 zum Gedenken an deutsche Kriegsgefangene mini|Stacheldraht-Mahnmal, Gedenkstätte KZ Mauthausen

Stacheldraht besteht üblicherweise aus zwei verdrillten Drähten, auf denen in regelmäßigen Abständen zwei Drähte mit radial abstehenden Enden mit einigen Windungen aufgewickelt wurden. Die abstehenden Drahtenden weisen scharfkantige Grate auf. Stacheldraht wird gespannt oder in Rollen ausgelegt als Hindernis verwendet, um Tiere oder Menschen am Betreten oder Verlassen bestimmter Bereiche zu hindern.

Die Entwicklung des Stacheldrahts erfolgte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als es in den Vereinigten Staaten auf Grund veränderter ökonomischer Bedingungen für Rinderzüchter wichtig wurde, ihr Weideland zu schützen. Innerhalb weniger Jahrzehnte fand Stacheldraht weltweite Verwendung. Die ersten militärischen Anwendungen erfolgten im Zweiten Burenkrieg, als britische Truppen ihre militärischen Basen mit Stacheldraht vor Übergriffen schützen wollten. Stacheldraht kam auch im Russisch-Japanischen Krieg zum Einsatz, jedoch ohne dass dabei die Auswirkungen auf die zukünftige Kriegsführung erkannt wurden. Der Grabenkrieg des Ersten Weltkrieges wäre ohne Stacheldrahtverhaue nicht möglich gewesen.

Stacheldraht als Sperre gegen Personen wurde und wird unter anderem an der EU-Außengrenze, in Gefängnissen, Konzentrationslagern, an der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze eingesetzt. Er ist darum ein Symbol für Unterdrückung und Unfreiheit und wird beispielsweise verwendet im Logo von Amnesty International oder Open Doors.

Ursprung Wandel in der US-amerikanischen Rinderhaltung mini|Verlauf der Great PlainsDie rote Linie ist der 100. Längengrad. Die Rinderzucht in Texas in der Mitte der 1860er Jahre beruhte auf der Ausnutzung der besonderen Bedingungen der Great Plains und des natürlichen Herdenverhaltens von Rindern. Die großen Bisonherden waren zu diesem Zeitpunkt ausgerottet und die Prärie-Indianer in Reservaten interniert. Den texanischen Ranchern gab dies die Möglichkeit, auf den Great Plains Longhorn-Rinder zu weiden und dabei den Verlauf der Great Plains auszunutzen, die sich vom Süden der Vereinigten Staaten bis hoch zur kanadischen Grenze erstreckten. Der ökonomische Wert der Longhorn-Rinder, einer Rasse, die aus verwilderten spanischen Hausrindern entstand, lag darin, dass diese auch unter den schwierigen Bedingungen der Plains in der Lage waren, sich selbst zu versorgen.Reviel Netz: Barbed Wire: An Ecology of Modernity. Wesleyan University Press, Middletown 2004, ISBN 978-0-8195-6959-2, S. 17. Die Arbeit der Rancher beschränkte sich darauf, diese Rinderherden langsam Richtung Norden zu treiben, wo sie dann in den Schlachthäusern Chicagos getötet wurden. Diese Form der Rinderwirtschaft zwang texanische Rancher zwar zu einem semi-nomadischen Leben, es waren jedoch nur sehr wenige Cowboys notwendig, um große Herden nach Norden zu treiben. Möglich war dies, weil die Rinder ihr Futter in den überwiegend ariden Plains ausschließlich in Flusstälern fanden, die nur sieben Prozent dieser Landfläche ausmachten,Reviel Netz: Barbed Wire: An Ecology of Modernity. Wesleyan University Press, Middletown 2004, ISBN 978-0-8195-6959-2, S. 18. und es zum natürlichen Verhalten der Rinder gehörte, in Herden dicht beieinander zu bleiben. Diese Form der Rinderhaltung setzte offene, unbegrenzte Flächen voraus. Konkurrenz der Rancher um Weideflächen wurde zunächst reduziert, indem man sich darauf einigte, auf welcher Flussseite man seine jeweiligen Herden trieb.

Der Erfolg dieser Form der Landnutzung barg allerdings auch den Keim ihres eigenen Untergangs in sich. Die unwirtlichen Great Plains waren anfangs nur für Rinderbesitzer ökonomisch interessant. Der vergleichsweise geringe Ertrag, der mit nach Norden getriebenen Rindern zu erwirtschaften war, war jedoch immer noch ausreichend, um im nördlichen Bereich der Great Plains zu einem Ausbau von Eisenbahnstrecken und der Gründung neuer Städte zu führen. Diese Investitionen erhöhten den Wert des Landes und sorgten für eine zunehmende Konkurrenz um Gelände.Reviel Netz: Barbed Wire: An Ecology of Modernity. Wesleyan University Press, Middletown 2004, ISBN 978-0-8195-6959-2, S. 21. Gleichzeitig nahm die Zahl der Rinder zu, die nach Norden getrieben wurden, und die fruchtbareren Gebiete der Great Plains wurden landwirtschaftlich genutzt. Bereits gegen Ende der 1860er Jahre sahen sich Rancher gezwungen, Land unter ihre Kontrolle zu bringen, um ausreichend Futter für ihre Herden sicherzustellen.Reviel Netz: Barbed Wire: An Ecology of Modernity. Wesleyan University Press, Middletown 2004, ISBN 978-0-8195-6959-2, S. 22. Damit gab es drei Interessengruppen, denen daran lag, den Zutritt zu ihrem jeweiligen Land zu begrenzen:Reviel Netz: Barbed Wire: An Ecology of Modernity. Wesleyan University Press, Middletown 2004, ISBN 978-0-8195-6959-2, S. 22. Farmer, die ihre Äcker vor nach Nahrung suchenden Rindern schützen mussten Eisenbahngesellschaften, die verhindern mussten, dass Rinderherden ihre Schienenwege versperrten und letztlich Rinderzüchter, die ihr Weideland schützen mussten. Dieses Problem war nicht neu. Im waldreichen Europa und im Nordosten Amerikas waren Felder und Weiden von Steinwällen, Holzzäunen und Hecken begrenzt. In und entlang der Great Plains fehlten diese traditionellen Materialien. Der Milchorangenbaum war die einzige Pflanze, die sich im Gebiet der Great Plains für Heckenpflanzungen anbot. Allerdings konnten Hecken aus Milchorangenbäumen nicht versetzt werden, warfen Schatten auf die wenigen wirklich fruchtbaren Böden, minderten damit deren Ertrag und brauchten außerdem Platz. Hinzu kam, dass sie für die Form der Landkolonialisierung, wie sie in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts im Mittleren Westen in rasantem Tempo stattfand, viel zu langsam wuchsen: Eine Milchorangenbaumhecke musste mindestens vier Jahre wachsen, bevor sie Schutz vor nach Nahrung suchenden Rindern bot. Vier Jahre entsprachen aber auch dem Zeitraum, in dem Abilene im US-Bundesstaat Kansas zu einem Zentrum des Rinderhandels aufstieg und diese einflussreiche Position auch wieder verlor.Reviel Netz: Barbed Wire: An Ecology of Modernity. Wesleyan University Press, Middletown 2004, ISBN 978-0-8195-6959-2, S. 22.

Patentierungen mini|Anzeige für Stacheldraht in einer texanischen Zeitung (1874) mini|Maschendraht wurde vor Stacheldraht patentiert

Die Entwicklung von Stacheldraht, die um 1870 begann, fällt in eine Zeit, in der eine Reihe von organischen Materialien durch Eisen- und Stahlprodukte ersetzt wurde. Samuel Fox entwickelte 1852 die ersten Drahtgestelle für Schirme, die bis dahin in Europa aus Holz oder Walbarten gefertigt wurden. In gleicher Weise wurde die Herstellung von Korsetts geändert. Bei Musikinstrumenten wurden Saiten zunehmend weniger aus Schafdärmen, sondern aus Stahl hergestellt.Reviel Netz: Barbed Wire: An Ecology of Modernity. Wesleyan University Press, Middletown 2004, ISBN 978-0-8195-6959-2, S. 26. Die Verwendung von Eisen statt Hanf für Seile begann ab 1840, und bald danach wurden auch Maschinen entwickelt, die mehrere Eisendrähte zu stabilen Seilen verdrehen konnten. Erste Maschendrahtzäune wurden ebenfalls in den 1840er Jahren hergestellt, waren aber noch gegen Ende der 1850er Jahre zu fragil, um für ein Rind ein ernsthaftes Hindernis darzustellen.Reviel Netz: Barbed Wire: An Ecology of Modernity. Wesleyan University Press, Middletown 2004, ISBN 978-0-8195-6959-2, S. 27. Die Notwendigkeit für stabile, billige Begrenzungen und die neuen technologischen Voraussetzungen führten dazu, dass in den USA mehrere Erfinder sowohl unabhängig als auch voneinander inspiriert an mit Dornen versehenen Eisenseilen arbeiteten. Inspiriert von Sporen, wie sie Reiter tragen, patentierte beispielsweise William D. Hunt 1867 Drähte, auf die Sporenräder aufgezogen waren. Michael Kelly patentierte 1868 Drähte, in die Nägel eingetrieben waren. Beide Erfindungen hatten jedoch den Nachteil, dass sie robusten Tieren wie Rindern nicht ausreichend Schmerzen zufügten, um sie an einem Durchbrechen des Zaunes zu hindern.Reviel Netz: Barbed Wire: An Ecology of Modernity. Wesleyan University Press, Middletown 2004, ISBN 978-0-8195-6959-2, S. 25. Henry Rose schließlich entwickelte 1873 einen Zaun bestehend aus Drähten und Holzteilen, die mit scharfen Stacheln versehen wehrhaft genug waren, Rinder am Durchbrechen zu hindern. Er stellte diesen Vorläufer des Stacheldrahts, auf den er das Patent erworben hatte, noch im selben Jahr auf einer Messe in DeKalb im US-Bundesstaat Illinois vor, wo Joseph F. Glidden diese Konstruktion sah.Reviel Netz: Barbed Wire: An Ecology of Modernity. Wesleyan University Press, Middletown 2004, ISBN 978-0-8195-6959-2, S. 26. Inspiriert von Roses Patent entwickelte Glidden einen Draht, bei dem Stacheln in zwei miteinander verseilte Spanndrähte eingesetzt wurden, indem in regelmäßigen Abständen ein Spitzendraht um einen der beiden Drähte gewickelt und dann schräg abgeschnitten wurde. Die beiden miteinander verdrehten Spanndrähte fixierten den Stachel, der sich unter der Last eines sich dagegen lehnenden Tieres auch nicht wegdrehen konnte. Glidden meldete am 27. Oktober 1873 sein Patent dafür an.Vor 135 Jahren: Joseph Glidden erhält US-Patent für Stacheldraht. Ende der endlosen Weite. WDR 2 vom 22. November 2009. Glidden war nicht der einzige, der Roses Idee weiterentwickelte. Fünf weitere Patente für die Stacheldrahtherstellung wurden in der Folge der Ausstellung von DeKalb angemeldet.

Verwendung in den USA und deren Auswirkung mini|Stacheldraht in den Great Plains mini|Cowboys der texanischen XIT Ranch im Jahre 1891