Das (allgemeine öffentliche) Bezirkskrankenhaus Reutte (kurz BKH Reutte) ist ein Krankenhaus in Ehenbichl, Tirol, Österreich. Es wird von einem Gemeindeverband geführt, dem alle Gemeinden des Bezirks Reutte, bis auf die Gemeinde Jungholz, angehören.
Obmann des Gemeindeverbandes ist aktuell BGM Hans Peter Wagner, Bürgermeister der Gemeinde Breitenwang.
Geschichte Das Krankenhaus in Reutte wechselte im Lauf seiner Geschichte mehrmals den Standort und ihm wurde erst im Jahre 1957 das Öffentlichkeitsrecht verliehen.
Standort Reutte mini|Das ehemalige erste bürgerliche Krankenhaus in Reutte (Kög 22) Die Geschichte der stationären Versorgung im Außerfern beginnt bereits im Jahr 1735. Damals beschloss der Rat in Reutte, das „Palsische Haus“ um 400 Gulden anzukaufen. Dieses Haus, das sich heute in der Kög 22 im Gemeindegebiet von Reutte befindet, war damit das erste bürgerliche Krankenhaus der Region. 1758 trat Peter Paul Mayr als erster fest angestellter Arzt im Gemeindegebiet von Reutte seinen Dienst an. Das zu jener Zeit neu entstandene Schwefelbad Kreckelmoos bei Breitenwang fand in Mayr einen bedeutenden Förderer.
1795 wurde das „Pfarrliche Spital und Armenhaus“ (heute Seniorenzentrum „Zum guten Hirten“ in der Allgäuer Straße in Reutte) als Krankenhaus eröffnet.
Standort Kreckelmoos mini|Das ehemalige Heilbad Kreckelmoos In alter Zeit waren es hauptsächlich Stiftungen und Bürger, die durch hochherzige Spenden Spitäler und Armenhäuser in Städten und größeren Orten entstehen ließen und sich damit der kranken Menschen annahmen. In den meisten Landgemeinden gab es überhaupt keine ärztliche Betreuung.
Das Krankenhaus Kreckelmoos war in alter Zeit ein bekanntes Heilbad, über dessen Entstehung Ungewissheit herrscht. Ein nicht mehr vorhandenes Fresko an der Fassade des ehemaligen Badhauses gab einige Anhaltspunkte dafür. Es zeigte einen Mönch, der mit einem Stab in der Hand auf einen Felsen deutet, dem zwei Quellen entspringen. Die Inschrift lautete: „Philippius Benitius Fortpflanzer des Ordens U.L.F. erhält auf dem Berge Thuniat ein Gesundheitswasser zum Trinken und Baden“.
Philippius Benitius war General des Servitenordens und kam auf seinen Reisen auch nach Kreckelmoos. Er starb im Jahre 1235. Demnach ist anzunehmen, dass die Entstehung des Bades in das 13. Jahrhundert zurückgeht.
Das Bad wurde bald in der weiteren Umgebung bekannt. Es gab zahlreiche Beispiele auffallender Heilwirkung des Wassers. Dies bewog den reichen Bürger Johann Amann aus Reutte, mit Einverständnis der Bürgerschaft anstelle des alten, unzulänglichen Badhauses ein neues Gebäude aufzuführen. Die Entstehung neuer Heilbäder in Tirol und dem benachbarten Bayern aber ließ den Glanz des Heilbades verblassen.
Trotz verschiedener Anstrengungen war das Bad dem Verfall preisgegeben. Das Gebäude und der große landwirtschaftliche Grundbesitz kamen durch Zwangsversteigerung im Jahre 1848 in das Eigentum der drei Reuttener Gasthäuser „Post“, „Krone“ und „Hirschen“.
Die Idee, das Bad in ein allgemeines Krankenhaus für die Bevölkerung de Bezirkes Reutte umzuwandeln, wurde 1925 verwirklicht, als die ehemalige Steiermärkische Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder in Graz die gesamte Liegenschaft des Bades von Josef Kustatscher kaufte.
Am 27. April 1925 wurde mit dem Umbau und der Vergrößerung des Gebäudes begonnen. Aus dem alten Haus, das nur sechs bewohnbare Zimmer aufwies, entstand in 19-monatiger Bauzeit ein Spital mit 60 Krankenbetten. Gleichzeitig wurde der Holzstadel abgerissen und an seiner Stelle das Badhaus errichtet. Es konnte 20 Badegäste aufnehmen. Am 12. Dezember 1926 fand die feierliche Einweihung der neuen Anstalten durch H. H. Bischof Sigmund Waitz statt. Am darauffolgenden Tag, dem 13. Dezember 1926, konnten die ersten Patienten aufgenommen werden.
1938 wurde das Krankenhaus beschlagnahmt und die Brüder mussten 1939 das Haus verlassen. Während der Kriegszeit stand das Krankenhaus unter der Führung des damaligen Landratsamtes. Nach Kriegsende, und zwar 1946, wurde das Krankenhaus vom Orden der Barmherzigen Brüder wieder übernommen, nachdem es für kurze Zeit dem Mutterhaus in Zams pachtweise überlassen war. Unter schwierigen Umständen haben die Barmherzigen Brüder das Krankenhaus modernisiert und auf 110 Krankenbetten erweitert. Jährliche Haussammlungen erbrachten neben öffentlichen Zuschüssen die für den Ausbau erforderlichen Geldmittel. Ende 1957 erhielt das Spital das Öffentlichkeitsrecht verliehen.
Die immer größer werdenden Betriebsabgänge und der Mangel an Brüdernachwuchs ließen den Plan, das Krankenhaus dem Bezirk Reutte zu übergeben, immer mehr reifen.
In Anbetracht der Notwendigkeit eines Krankenhauses für das Außerfern wurde daher am 11. Juli 1960 bei einer Bürgermeisterkonferenz die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft der Gemeinden des Bezirkes Reutte (ohne Gemeinde Jungholz) zum Erwerb und Betrieb des allgemeinen öffentlichen Bezirkskrankenhauses Kreckelmoos beschlossen, acht Bürgermeister wurden als Ausschussmitglieder gewählt.
Am 1. Jänner 1961 übernahm die Verwaltungsgemeinschaft die Führung des Bezirkskrankenhauses Kreckelmoos, nachdem sie die gesamte Liegenschaft vom Orden der Barmherzigen Brüder um 3 Millionen Schilling (€ 218.018,50) erworben hatte.
Am 16. Juni 1961 verabschiedeten sich die zwei letzten Barmherzigen Brüder, die schweren Herzens Kreckelmoos verließen. Nach über 34 Jahren ging damit das segensreiche Wirken der Barmherzigen Brüder im Bezirk Reutte zu Ende.
Der neuen Verwaltung und dem Rechtsträger des Krankenhauses standen 1961 schwere Aufgaben bevor. Das Krankenhaus Kreckelmoos wurde in einem Zustand übernommen, der infolge wirtschaftlicher Schwierigkeiten baulich und einrichtungsmäßig den Ansprüchen eines modernen Krankenhausbetriebes nicht mehr gerecht wurde.
Es mussten also Wege und Mittel gesucht werden, um das Krankenhaus den steigenden Bedürfnissen anzupassen. Die bereits 1960 begonnenen Beratungen über die Erweiterung und Modernisierung des Bezirkskrankenhauses wurden wieder aufgenommen. Ursprünglich war vorgesehen, das alte Gebäude in Kreckelmoos umzubauen und durch den Anbau eines Bettentraktes zu vergrößern. Dazu hätte die viel befahrene Straße zum Plansee, die beide Gebäude trennt, verlegt werden müssen. Vorstudien ergaben, dass bei diesem Plan höchstens ein Achtel der gegenwärtigen Baulichkeiten stehen geblieben wäre. Außerdem wären erhebliche Kanalisierungsarbeiten und die Verlegung der Landstraße erforderlich gewesen.
Auf Grund eingehender Überlegungen und Kostenberechnungen entschied sich der Ausschuss am 17. Mai 1963 für die Errichtung eines neuen Bezirkskrankenhauses.
Standort Ehenbichl
Nach eingehenden Überlegungen wurde als Standort für das neue Bezirkskrankenhaus der Südhang des Sinntwags in der Gemeinde Ehenbivchl gewählt. Der Entwurf von Architekt IHans Rauth wurde im Frühjahr 1964 genehmigt und am 1. September 1964 erfolgte der erste Spatenstich.
Fachabteilungen und Bettenübersicht (Stand 1968) Innere Medizin – 60 Betten Chirurgie mit Kinderabteilung – 60 Betten Unfallchirurgie – 30 Betten Geburtshilfe und Frauenheilkunde – 24 Betten Infektionsabteilung – 18 Betten
1990 wurde die Krankenpflegeschule gegründet und zunächst im Kolpinghaus untergebracht, bevor sie 1992 in ein neues Gebäude am BKH Reutte übersiedelte. Zwischen 1993 und 1997 erfolgte ein erneuter Neubau des Krankenhauses, das am 28. Juni 1997 feierlich eingeweiht wurde. Gleichzeitig wurde das Wohn- und Pflegeheim Ehrenberg in den renovierten Räumlichkeiten des alten Krankenhausgebäudes eröffnet. In diesem Zeitraum nahm auch ein Computertomograph (CT) seinen Betrieb auf.
Von 2005 bis 2016 erlebte das BKH Reutte weitere Entwicklungen: Der Notarzthubschrauber RK-2 wurde am Krankenhaus stationiert und eine Kooperation mit der m&i Fachklinik Enzensberg wurde etabliert. In diesem Zeitraum wurde zudem ein Magnetresonanztomograph (MRT) in Betrieb genommen sowie eine dislozierte Tagesklinik für Augenheilkunde eingerichtet. Darüber hinaus begann eine Kooperation mit der Klinik Füssen im Rahmen des Herzzentrums Füssen-Außerfern. Weitere Neuerungen umfassten die Einführung einer zentralen Patientenaufnahme außerhalb der Kernarbeitszeiten der Ambulanzen sowie den Bau eines neuen Personalwohnhauses.
Obmänner des Gemeindeverbandes seit 1968 +Obmannvon–bisTheodor Amamm1968–1982Hubert Hosp1982–1992Otto Erd1992–2010Aurel Schmidhofer2010–2021Hans Peter Wagnerseit 2021
Direktoren und Vorstände seit 1926 +Ärztlichvon–bisVerwaltungvon–bisPflegevon–bisOtto Maier1926–1928Barmherzige Brüder1926–1961Barmherzige Schwestern1926Leo Stecher1929–1938Franz Fuchs1961–1992Hedwig SchwesternRichard Bauer1939–1942Dietmar Baron1992–2021Margarita Pietsch1968–1986Adolf Meusburger1942–1943FH Helmut Ziegler2021–2023Martin Wiedemann1986–1989Otto Biendl1943–1945Dietmar Baron (interim)2023–2024Stefanie Zobl1989–2012Paul Angerer1945–1973Birgit Schliernzauerseit 2024David Heitzinger2012–2020Emil Eckl1973–1986Claudius WurmDieter Ziegler1987–1990Michaela Traubseit 2020Hartmut Frick1990–1993Helmut Eger1993–2006Eugen Ladner2006–2026Wolfgang Schlosserseit 2026
Einrichtungen und Abteilungen Das Krankenhaus verfügt über mehrere medizinische Abteilungen, darunter: Innere Medizin Viszeral- allgemeine Chirurgie Orthopädie und Traumatologie Gynäkologie und Geburtshilfe Kinder- und Jugendheilkunde Anästhesiologie und allgemeine Intensivmedizin Radiologie
Zusätzlich bietet das BKH Reutte spezialisierte Konsiliarfächer und medizinische Systemabteilungen an.
Tagesklinische Augenchirurgie Neurologisches Konsiliar Schmerztherapeutisches Konsiliar
Technische Ausstattung Das BKH Reutte ist mit medizinischen Geräten ausgestattet. Der Hubschrauberlandeplatz befindet sich direkt neben dem Krankenhaus, in Nachbarschaft befindet sich auch der Hangar der ARA Flugrettung mit dem Rettungshubschrauber RK-2. Röntgen Ultraschall CT (Computertomographie) MRT (Magnetresonanztomographie) Mammographie Schockraum
Bildung und Forschung Das Krankenhaus dient als akademisches Lehrkrankenhaus der medizinischen Universitäten Innsbruck und Wien und bietet medizinische Versorgung in verschiedenen Fachbereichen.
Weblinks
Literatur
Festschrift anlässlich der Eröffnung des Bezirkskrankenhauses Reutte, am 9. November 1968
Einzelnachweise
Kategorie:Ehenbichl Reutte