Virgil Earnest Irvan (* 13. Januar 1959 in Salinas, Kalifornien) ist ein ehemaliger US-amerikanischer Automobilrennfahrer, der bei NASCAR-Rennen aktiv war. Er ging im NASCAR Winston Cup in über 300 Rennen an den Start und gehörte in den 1990er-Jahren zu den Titelfavoriten. 1994 erlitt er jedoch beim Training auf dem Michigan International Speedway eine schwere Kopfverletzung, welche ihm nur eine geringe Überlebenschance ließ, woraufhin er über ein Jahr lang pausieren musste. Dennoch gelang ihm sein Comeback und er fuhr noch bis 1999 Rennen.

Für seine Leistungen im Motorsport wurden Irvan verschiedene Ehrungen zuteil. Er ist seit 1998 Teil der NASCAR’s 50 Greatest Drivers.

Herkunft und Privatleben Virgil Earnest Irvan wurde am 13. Januar 1959 in Salinas, Kalifornien, als Sohn von Jo und Vic Irvan geboren und wuchs mit seinen beiden Schwestern und seinem Bruder auf. Die ursprünglich aus Oklahoma stammende Familie war aufgrund der Dust Bowl in den 1930er-Jahren an die Westküste der Vereinigten Staaten gezogen. Sein Vater war an Wochenenden als Rennfahrer aktiv und steckte seinen Sohn bereits früh mit der Leidenschaft an. Er besuchte die Salinas High School, wo er neben seinen Aktivitäten im Motorsport auch Tennis spielte.

Irvan ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die Familie lebt in Ocala im US-Bundesstaat Florida.

Karriere Anfänge Irvan begann seine Motorsportkarriere im Alter von neun Jahren mit kleineren Kartrennen. Mit 15 Jahren gewann er 1974 die kalifornische Kartmeisterschaft und fuhr ab dann in nationalen Rennen. Er beendete die nationale Kartmeisterschaft in seiner Klasse auf dem zweiten Platz. Im darauffolgenden Jahr stieg er in kleinere Stockcar-Klassen auf und gewann seine ersten Rennen auf dem Stockton 99 Speedway. In den folgenden Jahren fuhr er in regionalen Rennserien und verbuchte regelmäßig Siege. 1980 bestritt er seine ersten Rennen in der damaligen Winston West Series und verpasste sogar seine Abschlussfeier an der Highschool, um in Riverside zu fahren. Im Alter von 18 Jahren gewann er seinen ersten großen Titel mit der Stockton-Speedway-Meisterschaft. Zu der Zeit verlor er seinen engen Freund Tim Williamson, der bei einem Rennunfall auf dem Riverside International Raceway ums Leben kam.

Erste Rennen im Winston Cup Irvans Vater Vic war bereits Anfang der 1980er-Jahre an die Ostküste gezogen und Irvan folgte ihm 1982, um seine Motorsportkarriere dort fortzusetzen, da es an der Westküste an Sponsoren mangelte. Da er mit nur 700 Dollar seine Heimat verließ (dazu 200 Dollar, welche er auf dem Weg in Las Vegas gewann), plagten ihn zuerst finanzielle Probleme, weshalb er gezwungen war, sich mit Gelegenheitsjobs durchzuschlagen. Er arbeitete unter anderem auf dem Charlotte Motor Speedway und lebte vorerst in North Carolina. Nebenbei fuhr er weiterhin Rennen mit Late-Model-Wagen und gewann mehrere davon auf dem Concord Speedway.

Nach einiger Zeit lernte Irvan den Fahrzeugbauer Marc Reno kennen und die beiden wurden schnell Partner. 1986 bauten die beiden einen Rennwagen, mit dem Irvan erstmals in der NASCAR Busch Series zwei Rennen bestreiten konnte. Gleichzeitig suchten sie weiterhin nach Möglichkeiten, im prestigeträchtigen Winston Cup anzutreten. In ihrer Werkstatt war unter anderem der Rennfahrer Ken Schrader Kunde, woraufhin die beiden ihn um Hilfe bei der Suche nach Sponsoren für ihre Motorsportaktivitäten baten. Schrader stellte den Kontakt zum mehrfachen Winston-Cup-Sieger Dale Earnhardt Sr. her, welcher sich bereit erklärte, als Sponsor zu fungieren. Der Deal beinhaltete zwar keine finanzielle Unterstützung, Earnhardts Name konnte allerdings zu Werbezwecken genutzt werden, was den Fahrern mehr Glaubwürdigkeit verschaffte. Irvan fuhr daraufhin gegen Ende der Saison 1987 erstmals im Winston Cup. Sein erstes Rennen in Richmond startete er vom 20. Startplatz, fiel jedoch mit einem überhitzten Motor aus und beendete das Rennen auf Platz 29. Wenig später weckte er durch einen achten Platz in Charlotte das Interesse des Rennfahrers und Teameigners D. K. Ulrich, für den er weitere Rennen absolvierte.

Reno und Irvan plagten trotz der ersten Winston-Cup-Rennen finanzielle Sorgen, worauf letzterer in der Folgesaison für Ulrich mit der Startnummer 2 antrat. Er absolvierte 25 der 29 Rennen und war Anwärter im Kampf um den Rookie of the Year Award, den er letztendlich sehr knapp an Ken Bouchard verlor. Sein bestes Resultat erzielte er mit einem elften Platz auf dem Martinsville Speedway und beendete die Saison auf Platz 29. Auch im Folgejahr startete er im Winston Cup für Ulrichs Team und bestritt erstmals alle 29 regulären Saisonrennen. Mit mehreren Top-10-Platzierungen wurde er mit 2919 Punkten 22. in der Fahrerwertung. In der Zeit gewann er zudem ein Rennen in der ARCA Permatex SuperCar Series.

Erfolge der 1990er-Jahre Aufgrund verschiedener Probleme mit den Sponsoren verlor Irvan seinen Sitz bei D. K. Ulrichs U.S. Racing und musste sich für die Saison 1990 nach Alternativen umsehen. Er unterschrieb zuerst bei Donlavey Racing, doch auch dort kam es zu Problemen. Hauptsponsor True Cure erfüllte seine finanziellen Verpflichtungen nicht, woraufhin Teambesitzer Junie Donlavey Irvan nach nur drei Rennen freistellen musste. Sein bestes Resultat für das Team holte er mit einem 13. Platz beim Daytona 500.

Nach seiner Freistellung unterschrieb er einen Vertrag bei Morgan–McClure Motorsports und ersetzte dort Phil Parsons im Wagen mit der Startnummer 4. Direkt beim ersten Rennen gelang Irvan sein erstes Podium mit einem dritten Platz auf dem Atlanta Motor Speedway. Kontrovers diskutiert wurde sein zweites Rennen auf dem Darlington Raceway, da er in einen Unfall verwickelt war, bei dem Neil Bonnett sich schwere Verletzungen zuzog. Nach mehreren Top-10-Platzierungen entschied sich das Team gegen Saisonmitte von Oldsmobile zu Chevrolet zu wechseln. Am 25. August gewann Irvan daraufhin sein erstes Rennen auf dem Bristol Motor Speedway und beendete mit weiteren Podien die Saison als Neunter die Fahrerwertung. Im selben Jahr gelangen ihm erstmals, sowohl in Daytona als auch in Rockingham, Top-10-Platzierungen in der Busch Series.

Zur Saison 1991 startete Irvan erneut für Morgan-McClure Motorsports mit der #4 und gewann zum Saisonauftakt das prestigeträchtige Daytona 500. Im weiteren Verlauf holte er seinen dritten Karrieresieg beim Rennen in Watkins Glen. Dazu kamen drei zweite Plätze in Bristol, Darlington und Atlanta. Neben der höchsten Motorsportliga der NASCAR fuhr Irvan ebenfalls in der NASCAR Busch Series, gewann dort auf dem North Carolina Speedway sein erstes Rennen und holte in Watkins Glen einen dritten Platz. Insgesamt wurde die Saison 1991 zu seiner besten im Winston Cup, mit 3925 Punkten wurde er Fünfter in der Fahrerwertung, während Morgan-McClure Motorsports den fünften Platz in der Fahrerwertung holte. In dieser Zeit erhielt er aufgrund seiner Fahrweise den Spitznamen „Swervin Irvan“.

Auch in der Saison 1992 gewann er erneut mehrere Rennen und erzielte gute Resultate. Den ersten Sieg holte er sich auf dem Sonoma Raceway, darauf folgten weitere in Daytona und Talladega. Er erzielte ebenfalls drei Pole-Positions sowie mehrere Top-10-Platzierungen. Dazu kamen auch zwei weitere Siege in der Busch Series sowie ein zweiter Platz beim Auftaktrennen in Florida. In dieser Rennserie kam es auf dem Atlanta Motor Speedway zu einem schweren Unfall, bei dem er sich sein Schlüsselbein brach und den Kiefer prellte.

mini|Irvan in der #28 auf dem Indianapolis Motor Speedway, 1994. Auch 1993 startete er zu Beginn der Saison im Winston Cup für Morgan-McClure Motorsports und gewann noch einmal das Rennen in Talladega. Im Juli kam der Rennfahrer Davey Allison, der auch ein guter Freund Irvans war, bei einem Hubschrauberunfall ums Leben. Allison war bis zu dem Zeitpunkt für Robert Yates Racing mit der #28 an den Start gegangen, woraufhin Teambesitzer Robert Yates Irvan als Ersatzfahrer verpflichten wollte. Dieser war allerdings noch an Morgan-McClure Motorsports gebunden, was zu langen Verhandlungen und Rechtsstreitigkeiten führte. Letztendlich konnte Irvan allerdings wechseln und beim Rennen in Darlington sein Debüt in der #28 geben. Nach vier Rennen für das neue Team gelang ihm sein erster Sieg auf dem Martinsville Speedway, zwei Rennen später wiederholte er diesen Erfolg. Insgesamt beendete er die Saison auf dem sechsten Platz, sein zweitbestes Ergebnis in der Rennserie.

Das Folgejahr wurde seine erste volle Saison für Robert Yates Racing und begann für seine Titelaussichten vielversprechend. Die ersten sechs Rennen beendete er alle innerhalb der Top 10, gewann davon zwei und landete beim Daytona 500 als Zweiter auf dem Podium. Nachdem er aufgrund eines Problems mit dem Motor seines Wagens im siebten Rennen ausgeschieden war, kam er daraufhin bis zum 13. Rennen immer in die Top 10, darunter ein weiterer Sieg auf dem Sonoma Raceway. Insgesamt ging er als einer der Titelfavoriten in das 21. Saisonrennen auf dem Michigan International Speedway, mit einem Unterschied von lediglich 27 Punkten befand er sich mit Dale Earnhardt im Rennen um die Meisterschaft.

Unfall in Michigan Am Morgen des 20. August 1994 war Irvan beim freien Training zum GM Goodwrench Dealer 400 auf der Strecke des Michigan International Speedway und fuhr dort seine ersten Runden. Nachdem sein Crew Chief ihn nach zehn Runden zurück in die Box holte, platzte der rechte Vorderreifen und Irvan verlor die Kontrolle über den Wagen. Mit einer Geschwindigkeit von beinahe 273 km/h kollidierte dieser mit der Mauer neben Kurve 2. Irvan verlor bei dem Unfall das Bewusstsein und wurde von den eintreffenden Notfallteams aus dem Wrack befreit. Der Notarzt führte an ihm noch vor Ort eine Tracheotomie durch, was ihm wahrscheinlich das Leben rettete. 23 Minuten später wurde er per Hubschrauber ins Saint Joseph’s Hospital im nahegelegenen Ann Arbor transportiert, wo bei ihm ein Schädelbasisbruch und Lungenverletzungen diagnostiziert wurden. Seine Überlebenschancen wurden auf 10 % bemessen.

Nach einigen kritischen Tagen verbesserte sich Irvans Zustand, etwa 20 Tage nach dem Unfall war er wieder bei Bewusstsein. Er wurde daraufhin in das Charlotte Institute of Rehabilitation verlegt und konnte zwei Monate später auf dem NASCAR Awards Banquet erneut in der Öffentlichkeit auftreten. Während seiner Genesung war er als Kommentator für TNN Motorsports aktiv. Da er keines der restlichen Saisonrennen bestritt, verlor er die Meisterschaft und beendete die Fahrerwertung auf Platz 22. Dale Jarrett ersetzte ihn für den Rest der Saison.

Irvans Unfall in Michigan war einer von mehreren schweren Zwischenfällen, welche die 1990er-Jahre in der NASCAR prägten. Bereits bei den Testfahrten zum Daytona 500 1994 kamen Neil Bonnett sowie Rodney Orr durch Unfälle ums Leben. Weitere bekannte Fahrer wie Dale Earnhardt Sr. und Rusty Wallace waren ebenfalls in schwere nicht-tödliche Unfälle verwickelt. Nach den Todesfällen von Adam Petty und Dale Earnhardt im Jahr 2001 setzte die NASCAR letztendlich strengere Sicherheitsmaßnahmen durch, zum Beispiel die SAFER Barriers und das HANS-System, um den Kopf der Fahrer besser zu schützen.

Rückkehr in die NASCAR mini|Irvan beim Aussteigen aus seinem Wagen, 1997.