mini|hochkant|Janusz Korwin-Mikke (2016) rahmenlos|zentriert|60px|klasse=skin-invert-image|Unterschrift mini|Korwin-Mikke mit Anhängern (2014)

Janusz Ryszard Korwin-Mikke (* 27. Oktober 1942 in Warschau) ist ein polnischer Politiker und Publizist. Er ist Gründer und ehemaliger Vorsitzender mehrerer rechtslibertärer Parteien (Unia Polityki Realnej, Kongres Nowej Prawicy, Nowa Nadzieja) und war von 1991 bis 1993 sowie 2019 bis 2023 Mitglied des Sejm in dessen I. und IX. Wahlperiode. Von Juli 2014 bis März 2018 war er Mitglied des Europäischen Parlaments.

Korwin-Mikke vertritt libertäreJustyna Goliasz: Janusz Korwin-Mikke – ein politischer Sonderling. In: Polen Heute, 10. Mai 2014. bzw. rechtslibertäreMagdalena Mikulak: The Polish Parliamentary Elections 2015: A Gender Analysis. In: Engenderings, London School of Economics and Political Science, 3. November 2015. und libertär-konservativeTom Lansford (Hrsg.): Political Handbook of the World 2014. CQ Press, Thousand Oaks CA 2014, S. 1157. Positionen. Er ist Anhänger einer freien Marktwirtschaft ohne staatliche Intervention, wie sie von Milton Friedman vertreten wurde. Demokratie lehnt er als Regierungsform ab.Remi Adekoya, Helena Smith, Lizzy Davies, Anne Penketh, Philip Oltermann: Meet the new faces ready to sweep into the European parliament. In: The Guardian (Online), 26. Mai 2014. Gesellschaftspolitisch vertritt er reaktionäre Positionen, lehnt beispielsweise Abtreibung, Sterbehilfe, eingetragene Partnerschaften und die Gleichstellung der Geschlechter ab.

Bekannt wurde er insbesondere durch zahlreiche homophobe, antisemitische und frauenfeindliche Äußerungen, etwa der Forderung nach Abschaffung des Frauenwahlrechts.

Leben Herkunft, Familie und Vermögen Janusz Ryszard Korwin-Mikke wurde am 27. Oktober 1942 als einziges Kind von Ryszard Mikke (* 1911) und Marianna Rosochacka (* 1917) geboren. Seine Familie stammt väterlicherseits aus Sachsen, war protestantisch mit teils schwedischen Wurzeln und ließ sich im 18. Jahrhundert, zu Zeiten der Personalunion zwischen dem Kurfürstentum Sachsen und der Adelsrepublik Polen-Litauen, in Polen nieder. Sein Ur-Urgroßvater Samuel Beniamin Mücke war Bierbrauer in Kielce und Superintendent der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses. Der Nachname „Mücke“ wurde in den Generationen darauf ans Polnische angepasst und lautete fortan „Mikke“. Der Nachname „Korwin“ stammt aus der Zeit der polnisch-litauischen Adelsrepublik und wurde einem zum Katholizismus übergetretenen Zweig der Familie Mikke als Namenszusatz verliehen.

Nur zwei Jahre nach seiner Geburt kam seine Mutter Marianna Rosochacka beim Warschauer Aufstand im Alter von 27 Jahren ums Leben, als sie für den im Keller des Hauses versteckten Knaben Bekleidung holte. Korwin-Mikke wurde danach von seinem Vater alleine großgezogen. Den Entschluss des polnischen Widerstands und der Exilregierung zum Aufstand kritisiert er scharf, ähnlich wie der Historiker Piotr Zychowicz. Er greift auch eine Geschichtspolitik an, die den Warschauer Aufstand unhinterfragt zum Erinnerungsort gemacht hat.

Korwin-Mikke ist zum dritten Mal verheiratet und hat acht Kinder. Aus der Ehe mit Ewa Mieczkowska (1966–73) stammen zwei Kinder, aus der mit Małgorzata Szmit (1993–2016) vier und Dominika Sibiga (seit 2016) zwei. Sein Privateigentum wird auf ungefähr 10 Millionen Złoty (Stand: Juli 2014) geschätzt.https://prawo.money.pl/aktualnosci/wiadomosci/artykul/sprawdzilismy;korwin-mikke;ma;majatek;warty;okolo;10;milionow,42,0,1581610.html Das Einkommen bezieht er zum Großteil aus dem wöchentlich von ihm herausgegebenen Magazin Najwyższy Czas! (Höchste Zeit!). Er war auch langjähriger Kolumnist der Satirezeitschrift Angora, die sich 2022 von ihm wegen seiner Haltung zum Krieg gegen die Ukraine trennte.

Korwin-Mikke befindet sich in einer Auseinandersetzung mit der staatlichen polnischen Sozialversicherung und Rentenkasse ZUS. Er ist der Auffassung, dass er erst 10 Jahre nach Erreichen des Rentenalters auch Altersbezüge beantragte und daher für diesen Zeitraum keine Beiträge zu leisten habe. Die Kasse fordert von ihm mit Stand vom Juni 2022 Nachzahlungen (incl. Zinsen und Bußgeldern) in Höhe von etwa 80.000 Złoty. Deswegen wurden im Mai 2023 zum zweiten Mal nach 2019 Konten Korwin-Mikkes gepfändet.

Studium und Beruf Korwin-Mikke studierte an der Universität Warschau zunächst Mathematik, später parallel auch Philosophie. Im April 1964 wurde er erstmals für einige Tage inhaftiert, nachdem er antikommunistische Flugblätter verteilt hat. Aus politischen Gründen durfte er sein Mathematikstudium nicht abschließen und belegte daher neben der Philosophie auch die Fächer Jura, Psychologie und Soziologie. Eine erneute Inhaftierung im März 1968, die im Zusammenhang mit seiner Teilnahme an Studentenprotesten stand, führte zum Verweis von der Universität. Durch den Einsatz des Dekans der philosophischen und soziologischen Fakultät der Universität Warschau konnte er jedoch sein Philosophiestudium außeruniversitär wieder aufnehmen und schloss dieses im Jahr 1969 als Magister mit einer Arbeit über die Ansichten Stephen Toulmins ab. Zwischen 1969 und 1974 arbeitete Korwin-Mikke als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Warschau. Anschließend lebte er hauptsächlich vom Bridgespielen und den Tantiemen aus dem Verkauf von Bridge-Handbüchern, die er mit dem polnischen Bridge-Meister Andrzej Macieszczak unter dem Namen „Janusz Mikke“ verfasste.

Politischer Werdegang Seit 1962 war Korwin-Mikke Mitglied der auf den kleinbürgerlichen Mittelstand ausgerichteten Blockpartei Stronnictwo Demokratyczne (Demokratische Partei, kurz SD),Andrzej Chwalba: Kurze Geschichte der Dritten Republik Polen 1989 bis 2005. Verlag Otto Harrassowitz, Wiesbaden 2010, S. 47. aus der er 1982 aus Protest gegen die Unterstützung des Kriegsrechts austrat. Während des Ausnahmezustands war er aufgrund einer Denunziation (man beschuldigte ihn zutreffend der Verbreitung oppositioneller Schriften) für vier Monate inhaftiert. Unterdessen entwickelte er sich zu einem Kritiker der Solidarność, die ihn anfangs wegen seiner exzentrischen Ansichten ablehnte und später ein ihm widersprüchliches Wirtschaftsprogramm beschloss. Nach einer erneuten Inhaftierung während es Kriegsrechts und illegaler publizistischer Tätigkeit gründete er 1987 die Ruch Polityki Realnej (RPR, dt. Bewegung der Realpolitik). Sie entwickelte sich, zunächst illegal agierend, zu einem Sammelbecken aus Konservativen, Libertären, Monarchisten und Nationalisten. Gemeinsam mit Aleksander Hall, Gabriel Janowski, Tadeusz Syryjczyk, Donald Tusk und Janusz Zabłocki beteiligte er sich am ersten Liberalen Kongress, der am 10. und 11. Dezember 1988 in Danzig abgehalten wurde.„Gdańsk 1988. Kongres Liberałów i pierwsze kroki ku wolnej Polsce“ auf wiadomosci.onet.pl, abgerufen am 12. August 2025. Dort kritisierte er die Gruppe um Tusk für die Unterstützung der Arbeiterstreiks.

Nach dem Fall des Kommunismus wandelte Korwin-Mikke die RPR in eine politische Partei, die Unia Polityki Realnej (Union der Realpolitik, kurz UPR) um, und trat 1991 bei den ersten freien Parlamentswahlen 1991 an. Da zu dieser Zeit noch keine allgemeine Sperrklausel bestand, schaffte es die Partei, in den Sejm einzuziehen. Bis zum Sturz von Premierministerin Hanna Suchocka durch ein Misstrauensvotum und die darauffolgenden Neuwahlen 1993 war er Parlamentsabgeordneter für den Wahlkreis Poznań.Siehe: Posłowie I kadencji 1991–1993. Janusz Korwin-Mikke (dt.: Abgeordnete der 1. Wahlperiode 1991–1993. Janusz Korwin-Mikke) auf der Homepage des Sejm (Strona główna Sejmu). Seit 1995 nahm Korwin-Mikke an jeder polnischen Präsidentschaftswahl teil und erreichte dabei zwischen 1,4 und 3,3 % der Stimmen. Neben der parlamentarischen Tätigkeit gründete er die Wochenzeitung „Najwyższy Czas!“ (dt. „Höchste Zeit!“) und veröffentlichte mehrere Bücher über seine politischen Ansichten. In den 1990er Jahren kam es auch zu einer Begegnung zwischen ihm und Milton Friedman.

Im Jahr 2005 trat er aus der UPR aus und gründete unter dem Namen Wolność i Praworządność (Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, kurz WiP) eine neue Partei. Für diese kandidierte er bei der Parlamentswahl 2007 auf der Liste der Liga Polskich Rodzin, die jedoch mit nur 1,3 % der Stimmen an der 5-%-Hürde scheiterte.Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 28. Dezember 2024. Im Vorfeld der polnischen Parlamentswahlen 2011 fusionierten UPR und WiP zum Kongres Nowej Prawicy (Kongress der Neuen Rechten, kurz KNP), dessen Vorsitzender Korwin-Mikke wurde. Bei der Europawahl 2014 gelang ihm zudem neben drei weiteren Kandidaten des KNP mit 7,15 % der Stimmen der Einzug in das Europäische Parlament. Während diese den Parlamentsfraktionen ENF bzw. EFDD beitraten, ist Korwin-Mikke selbst fraktionslos geblieben. Während seiner Zeit im Europäischen Parlament sorgte er mit rassistischen und frauenfeindlichen Redebeiträgen wiederholt für Aufmerksamkeit und Empörung über Polen hinaus.

Bei den am 16. November 2014 abgehaltenen Kommunalwahlen erreichte der KNP mit durchschnittlich 3,89 % allerdings kein einziges Mandat. Als Konsequenz trat Korwin-Mikke vom Vorsitz der Partei zurück und gründete am 22. Januar 2015 eine neue politische Gruppierung mit dem Namen Koalicja Odnowy Rzeczypospolitej Wolność i Nadzieja (Koalition der Erneuerung der Republik Freiheit und Hoffnung), kurz KORWiN. Für diese trat er schließlich bei der Präsidentschaftswahl in Polen 2015 an und ließ sich am 9. März 2015 als erster Kandidat bei der staatlichen Wahlkommission registrieren.Maverick MEP Korwin-Mikke launches new party. In: TheNews.pl. 23. Januar 2015. Laut eigenen Aussagen wurden über 200.000 Unterstützerunterschriften gesammelt. Im ersten Wahlgang am 10. Mai 2015 erreichte er mit 3,26 % der Wählerstimmen den vierten Platz und schied somit für den zweiten Wahlgang aus.

In der Konfederacja Am 1. März 2018 trat Korwin-Mikke von seinem Sitz im Europäischen Parlament zurück, für ihn rückte Dobromir Sośnierz nach. Bei der Wahl zum Stadtpräsidenten von Warschau im Oktober 2018 erreichte er 1,3 % der Stimmen und damit den siebten Platz.Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 22. Juli 2020. Im Vorfeld zur Europawahl 2019 und der im selben Jahr stattfindenden Parlamentswahl schloss sich die Partei KORWiN mit der nationalistischen Ruch Narodowy und dem Monarchisten Grzegorz Braun am 8. Dezember 2018 zur Partei Konfederacja Wolność i Niepodległość (dt. Konföderation der Freiheit und Unabhängigkeit, kurz Konfederacja) zusammen. Bei den Parlamentswahlen im Jahr 2019 errang die Konfederacja sieben Prozent und er zog nach 26 Jahren wieder in den Sejm ein.Adam Soboczynski: Wahlen in Polen: Die Katastrophe von nebenan. Deutschlands Nachbar rückt weiter nach rechts. In: Die Zeit vom 17. Oktober 2019. Bei den Vorwahlen der Konfederacja vor der Präsidentschaftswahl 2020 unterlag er Krzysztof Bosak.„Kulisy prawyborów Konfederacji. Janusz Korwin-Mikke tłumaczy się wyborcom“ auf wiadomosci.onet.pl, abgerufen am 23. Februar 2026.