alt=Marie Schumann mit Marie-Louise (Loucky) Von der Mühll, Eugenie Schumann und Clara Schumann in Basel, um 1895|mini|hochkant|Marie Schumann (links) mit Marie-Louise (Loucky) Von der Mühll, Eugenie Schumann und Clara Schumann in Basel (ca. 1895) alt=Die junge Marie Schumann mit ihren Geschwistern|mini|hochkant|Die junge Marie Schumann (2. von links) mit fünf ihrer Geschwister (1854)

Marie Friederike Elisabeth Schumann (* 1. September 1841 in Leipzig; † 14. November 1929 in Interlaken) war eine deutsche Pianistin und Klavierpädagogin. Sie war die älteste Tochter von Robert und Clara Schumann.

Leben Marie Schumann war Tochter des Komponisten Robert Schumann und dessen Ehefrau, der Pianistin und Komponistin Clara Schumann (geb. Wieck). Zu ihren Taufpaten zählte Felix Mendelssohn Bartholdy. Ab 1847 besuchte sie die Elementarschule. Im Jahr 1848 übernahm die Klavierlehrerin Friederike Malinska aus Dresden den Unterricht von Marie Schumann und ihrer jüngeren Schwester Elise. Nach dem Umzug der Familie nach Düsseldorf im Herbst 1850 wurde Karoline Dupré, eine Schülerin von Clara Schumann, als Lehrerin für die beiden Mädchen engagiert. Während dieser Zeit erhielten sie auch Unterricht von Johannes Brahms. Harmonielehre und Kontrapunkt lernten sie bei Woldemar Bargiel, dem Halbbruder von Clara Schumann. Ab August 1851, als die Schwestern bereits über Grundkenntnisse und -fertigkeiten verfügten, unterrichtete auch Clara Schumann selbst ihre Töchter im Klavierspiel.

Im Jahr 1848 schenkte Robert Schumann seiner siebenjährigen Tochter ein Büchlein mit acht Klavierstücken, die das Grundgerüst für das Album für die Jugend bildeten, eines der erfolgreichsten Werke Schumanns. Weitere Werke, die Robert Schumann seiner Tochter widmete, sind zum Beispiel die dritte der Drei Klaviersonaten für die Jugend op. 118 C-Dur und das Schlummerlied Es-Dur.

Anfang der 1850er Jahre komponierte Robert Schumann zwei Lieder auf Texte von Marie, die Clara Schumann gewidmet sind: Seht ihr den Mai (Duett ohne Begleitung, 1851; Text von Marie Schumann) und Gern macht’ ich dir heute (Duett ohne Begleitung, 1852).

Als Clara sich nach Robert Schumanns Tod 1856 wieder verstärkt auf ihre Konzertkarriere konzentrierte, um sich und die Familie zu ernähren, sah sie sich nicht mehr in der Lage, den gemeinsamen Haushalt mit ihren sieben Kindern fortzuführen. Marie Schumann kam 1856 zusammen mit ihrer Schwester Elise zunächst in eine Pension in Leipzig, 1857 dann in die neugegründete Höhere Pensions- und Erziehungsanstalt von Luise Hausleuthner in Berlin.Thomas Synofzik: Clara Schumann und ihre Kinder. In: Clara Schumann. Ein Künstlerinnenleben (= Leipziger Blätter. Sonderedition). Passage-Verlag, Leipzig 2019, ISBN 978-3-95415-084-7, S. 52–57. Ab 1860 wurden die Kinder wieder in einem gemeinsamen Haushalt in Berlin zusammengeführt, für den zunächst Clara Schumanns langjährige Freundin Elisabeth Werner als Hauswirtschafterin eingestellt war. 1861 trat dann Marie Schumann in ihren „Hausmutterstand“,Berthold Litzmann (Hrsg.): Clara Schumann, Johannes Brahms. Briefe aus den Jahren 1853–1896. Band 1: 1853–1871. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1927, S. 376; . und die Verantwortung für den Haushalt und die Erziehung der jüngeren Geschwister ging auf sie über. Marie ordnete von da an ihre möglichen eigenen künstlerische Ambitionen sowie ihren gesamten Lebensentwurf der Karriere ihrer Mutter unter. Marie war auch die Künstlerbetreuerin Claras und begleitete sie regelmäßig auf ihren Konzertreisen. Eugenie Schumann schreibt dazu apologetisch in ihren Erinnerungen:

Im Jahr 1878 trat Clara Schumann die Position der ersten Klavierlehrerin am Hoch’schen Konservatorium an und zog mit ihren Töchtern Marie und Eugenie nach Frankfurt am Main. Bereits während der Vertragsverhandlungen setzte sie sich für die Einstellung einer Hilfslehrerin ein, die den Schülern helfen sollte, sich auf den Unterricht bei ihr vorzubereiten. Marie Schumann war von Anfang an als Assistentin ihrer Mutter tätig, wurde jedoch offiziell erst 1880 ans Konservatorium berufen. Ab dem Studienjahr 1881/1882 hatte auch Eugenie Schumann eine Anstellung dort. Beide Schwestern führten eigene Klassen, die darauf abzielten, die Schüler auf Clara Schumanns Klavierunterricht vorzubereiten. Zu ihren Schülern zählten unter anderem Ottilie Braunfels, Anna Cossmann, Alice Guggenheim, Mabel Frances Hime, Charles Holden-White, Adelina de Lara, Carel Oberstadt und Mathilde Verne, die bei Marie oder Eugenie Schumann Fähigkeiten erlernten, die sie für den Unterricht bei Clara Schumann qualifizierten. Viele Schüler erreichten jedoch nicht das erforderliche Niveau und mussten das Konservatorium nach ein bis zwei Semestern verlassen, ohne je bei der angesehenen Pianistin unterrichtet worden zu sein. Als Clara Schumann 1892 aus Gesundheitsgründen ihre Lehrtätigkeit beendete, schieden auch Marie und Eugenie als Lehrerinnen aus dem Konservatorium aus.Peter Cahn: Das Hoch’sche Konservatorium 1878–1978. Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1979, ISBN 37829-0214-9, S. 125.

Nach Clara Schumanns Tod 1896 wurde Marie ihre Nachlassverwalterin und überwachte fortan die Veröffentlichungen der biographischen Schriften. Sie beauftragte 1901 Berthold Litzmann mit einer Biographie ihrer Mutter und der Herausgabe ihres Briefwechsels mit Johannes Brahms. Nach der Auswertung von Clara Schumanns Tagebüchern durch Litzmann wurden die Originale von Marie Schumann vernichtet.Irmgard Knechtges-Obrecht: Clara Schumann: ein Leben für die Musik. 2. Auflage. wbg Paperback, Darmstadt 2022, ISBN 978-3-534-27396-6, S. 241 f. (). Auch aus der Korrespondenz Clara Schumanns mit Brahms vernichtete sie viele Originale, die möglicherweise Aufschluss über die häufig vermutete Liebesbeziehung zwischen den beiden gegeben hätten. Zur Vorbereitung des Robert-Schumann-Museums Zwickau führte Marie Schumann Gespräche mit dessen Gründer Martin Kreisig und übergab dem Museum zahlreiche Familienerbstücke.

mini|hochkant|Todesanzeige für Marie Schumann, 14. November 1929 mini|hochkant|Grabstein von Marie und Eugenie Schumann

Über Marie Schumanns Privatleben existieren nur wenige Informationen, es ist nicht systematisch erforscht, und ihre Persönlichkeit wirkt „unkonturiert“.Eva Weissweiler: Nachwort. In: Eugenie Schumann: Claras Kinder. Neuausgabe. Dittrich, Köln 1995, ISBN 3-920862-05-8, S. 347. Offenbar blieb sie bis an ihr Lebensende unverheiratet. 1897 erwarb sie in Interlaken – wo sich auch ihre Mutter gerne aufgehalten haben soll – ein Grundstück und ließ dort ein Haus bauen. Marie Schumann bewohnte dieses bis zu ihrem Tod im Jahr 1929 mit ihrer Freundin Maria Maassen aus Düsseldorf.Walter Bettler: Robert Schumann, Clara Schumann und ihre Töchter Marie und Eugenie in Interlaken. Schlaefli und Maurer, Interlaken 1994, , S. 65, 67, 71. Auch ihre Schwester Eugenie zog 1918 ins benachbarte Matten bei Interlaken, um Marie zu unterstützen; Eugenies Lebensgefährtin Marie Fillunger zog 1919 nach. Marie Schumann wurde auf dem Friedhof Gsteig-Interlaken beerdigt; auch Marie Fillunger und Eugenie Schumann wurden später in demselben Grab beigesetzt.

Siehe auch Genealogie der Familie Wieck-Schumann

Literatur Hermann Christern (Hrsg.): Deutsches Biographisches Jahrbuch. hrsg. vom Verband der Deutschen Akademien. 11. Band: Das Jahr 1929. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart/Berlin 1932, S. 368. Walter Bettler: Robert Schumann, Clara Schumann und ihre Töchter Marie und Eugenie in Interlaken. Schlaefli und Maurer, Interlaken 1994, , S. 57–71. Eugenie Schumann: Claras Kinder. Mit einem Nachwort von Eva Weissweiler. Dittrich, Köln 1995, ISBN 3-920862-05-8, S. 168 f., 178–185, 347–351 u. passim (Neuausgabe von: Erinnerungen, Stuttgart 1925). Dieter Kühn: Clara Schumann, Klavier. Fischer, Frankfurt am Main (1996), erweiterte Neufassung 2019, ISBN 978-3-596-90712-0, S. 211 f., 491–493, 614 f. Beatrix Borchard: Marie und Eugenie Schumann. In: Katharina Raabe (Hrsg.): Deutsche Schwestern: Vierzehn biographische Porträts. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1998, ISBN 3-499-60710-7, S. 178–220. Nancy B. Reich: Clara Schumann, the artist and the woman. Revised Edition. Cornell University Press, Ithaca / London 2001, ISBN 0-8014-8637-8, S. 138 f. (). Veronica Beci: Robert & Clara Schumann. Musik und Leidenschaft – Biographie. Artemis & Winkler, Düsseldorf 2006, ISBN 3-538-07223-X, S. 284–288. Ute Bär: „Sie war die einzige der Schwestern, die ein lebendiges Bild des Vaters in ihrem Herzen bewahrte …“. Zum Gedenken an den 80. Todestag von Marie Schumann. In: Die Tonkunst. Heft 4, 2009, S. 495–497. Abgedruckt in: Correspondenz. Mitteilungen der Robert-Schumann-Gesellschaft Düsseldorf. Nr. 32, Dezember 2009, ISBN 978-3-8322-8774-0, S. 41–48; schumann-ga.de, PDF, 675 KB. Janina Klassen: Clara Schumann. Musik und Öffentlichkeit. Böhlau, Köln u. a. 2009, ISBN 978-3-412-19405-5, S. 452 f., 479 f. Annkatrin Babbe: Clara Schumann und ihre SchülerInnen am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt am Main (= Schriftenreihe des Sophie Drinker Instituts. Band 11). BIS-Verlag, Oldenburg 2015, ISBN 978-3-8142-2312-4, S. 218–222; . Gerd Nauhaus: „Wir waren sieben“ – Die Kinder Robert und Clara Schumanns (= Mitteilungen der Robert-Schumann-Gesellschaft e. V. Düsseldorf, Correspondenz. Sonderheft II). Shaker, Aachen 2013, ISBN 978-3-8440-2443-2, S. 15–21, 27 f. Thomas Synofzik: Clara Schumann und ihre Kinder. In: Clara Schumann. Ein Künstlerinnenleben (= Leipziger Blätter. Sonderedition). Passage-Verlag, Leipzig 2019, ISBN 978-3-95415-084-7, S. 52–57. Irmgard Knechtges-Obrecht: Clara Schumann: ein Leben für die Musik. 2., durchgesehene Auflage. wbg Paperback, Darmstadt 2022, ISBN 978-3-534-27396-6, S. 134–143, 164–166, 185–190, 238–242.

Weblinks

Einzelnachweise

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