Memento Mori ist ein 1959 bei Macmillan Publishers erschienener Roman von Muriel Spark. Der gleichnamige erste deutsche Übersetzung von Peter Naujack erschien 1960 im Diogenes Verlag. Im Jahr 2018 publizierte Diogenes eine Neuübersetzung von Andrea Ott.
Kurzbeschreibung Memento Mori handelt von einer Gruppe älterer Menschen, die bedrohlich wirkende anonyme Anrufe erhalten, welche sie an ihre Sterblichkeit erinnern. Eingebettet sind die Anrufe in eine Handlung von „Gier, Egoismus und Angst vor dem Tod“„greed, egotism, and the fear of death“ – Gerald F. Manning: Sunsets and sunrises. Nursing home as microcosm in „Memento Mori“ and „Mr. Scobie's Riddle“. In: Ariel. A review of international English literature. Jg. 18, Nr. 2, 1987, , S. 27–43. Hier S. 33 (pdf). sowie einer Geschichte voller „Leidenschaften, Verrat und Manipulationen“.„a history of passions, betrayals and manipulations“ – Rod Mengham: The Cold War way of death. Muriel Spark's Memento Mori. In: Marina MacKay (Hrsg.): British fiction after modernism. The novel at mid-century. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2007. ISBN 1-4039-8642-8. S. 157–165. Hier S. 159.
Inhalt Haupthandlungsstrang Erbschaftsstreit und Erpressung Im Sommer des ersten Jahres der Romanhandlung stirbt Lisa Brooke „im dreiundsiebzigsten Lebensjahr, nach ihrem zweiten Schlaganfall. Sie hatte neun Monate gebraucht, um zu sterben“.Muriel Spark: Memento Mori. Roman. Aus dem Englischen von Peter Naujack. Lizenzausgabe. (=Süddeutsche Zeitung Bibliothek, Band 87.) Süddeutsche Zeitung, München 2007. ISBN 978-3-86615-537-4. S. 19. Bei der Beerdigung der Lisa Brooke, für die eine Ehe „nur ein gesetzliches Band war, welches Lisa ermöglichte, ihre vielen Perversitäten voll zu genießen“,Spark, Memento Mori, S. 205. taucht auch Ex-Brauereidirektor Spark, Memento Mori, S. 153. Godfrey Colston mit seiner Schwester Lettie auf. Godfrey sucht eine helfende Hand für seine 85-jährige Gattin, die Romanschriftstellerin Charmian Colston, die seit ihrem Schlaganfall zunehmend verfällt: „Wie verworren sie doch in den meisten Dingen war, wie vernünftig sie aber redete, wen sie über die Bücher sprach, die sie geschrieben hatte.“ Spark, Memento Mori, S. 14. Die Colston-Geschwister wissen nicht, dass Lisa Brooke Charmian einst mit deren Seitensprung mit Guy Leet erpresst hatte, „so daß sie zahlen und zahlen mußte, obwohl Lisa das Geld nicht brauchte. Viele Nächte hatte sie stundenlang wachgelegen, und am Ende mußte sie doch ihren Liebhaber Guy Leet aufgeben. Guy hatte dann heimlich Lisa geheiratet, um sie zufrieden zu stellen und um Charmians willen zum Schweigen zu bringen.“ Spark, Memento Mori, S. 68. Lettie Colston hat bei der Beerdigung folgendes Ziel: Lisa Brookes Faktotum Mabel Pettigrew für die Colstons zu gewinnen: „Charmian muß hart angefaßt werden. Charmian braucht eine feste Hand.“ Spark, Memento Mori, S. 23. Anfangs scheint das Vorhaben zu scheitern, weil Pettigrew von Lisa Brookes Testament begünstigt wird: Die Verstorbene vermachte „ihr gesamtes Vermögen ‚meinem Ehemanne, falls er mich überlebt, und danach meiner Haushälterin Mabel Pettigrew‘“.Spark, Memento Mori, S. 34. Einige Brooke-Verwandte wollen dieses Testament jedoch anfechten mit der Begründung, dass Lisas namensgebender Ehemann Brooke tot wäre: „Sie müßte nicht mehr recht bei Verstand gewesen sein, führten sie an, daß sie überhaupt einen Ehemann erwähnte. Sie bestanden darauf, daß dieser Fetzen Papier ungültig sein müßte.“Spark, Memento Mori, S. 35. Allerdings taucht jener Guy Leet auf, der Lisa einst heimlich heiratete, damit Lisa Brooke Charmian nicht mehr belästigte. Das „plötzliche Auftauchen von Guy Leet“ trägt „maßgeblich dazu bei, die Dynamik zwischen den anderen Charakteren zu verändern, da Pettigrew, die das Geld verliert, das sie von Lisa erwartet hatte, zu Charmians Haushälterin wird, wodurch sie weiter mit Lisas Freunden in Verbindung gebracht wird.“„the death of Lisa Brooke and sudden appearance of Guy Leet are instrumental in changing the dynamics between the rest of the characters, as Pettigrew, who loses the money she had expected from Lisa, becomes Charmian’s housekeeper, through which she is further involved with Lisa’s friends“ – Sebastían Kristinsson: Muriel Spark and Ali Smith. In: Sebastían Kristinsson: A genealogy of the uncanny in Scottish literature. From James Hogg and Robert Louis Stevenson to Muriel Spark and Ali Smith. (Bachelorarbeit.) Háskóli Íslands, Reykjavík 2016. S. 8–17. Hier S. 9 (PDF). Parallel dazu hat Pettigrew zusammen mit Lisa Brookes wohlhabender und resoluter Schwägerin Tempest Sidebottome das Brooke-Testament angefochten: „Tempest besaß das Geld sowie die nötige Ausdauer und Entschlossenheit, und in Mrs. Pettigrews Besitz befanden sich die entsprechenden Briefe“, die an der Wirksamkeit der Ehe mit Guy Leet zweifeln ließen.Spark, Memento Mori, S. 115. Als Tempest am 18. Dezember einem Krebsleiden erliegt, zerschlägt sich allerdings die Hoffnung der recht mittellosen Mabel Pettigrew, doch noch reich zu werden, und sie schnüffelt in erpresserischer Absicht in den Unterlagen der Colstons herum, findet zwar nichts gegen Charmian, aber Godfreys Privatpapiere über einen Geldskandal in der Colston-Brauerei sowie über dessen Liebschaften,Spark, Memento Mori, S. 144. insbesondere mit Lisa Brooke in den Jahren 1902 bis 1904.Spark, Memento Mori, S. 170. Godfrey, selbst stets „unsensibel, herumhurend“,„insensitive, philandering“ – Myrcyl G. Pullen: Memento Mori. The Ballad of Peckham Rye. In: Myrcyl G. Pullen: The satiric element in the novels of Muriel Spark. (Masterarbeit.) University of Windsor, Windsor (Ontario) 1964. S. 18–40. Hier S. 27 (pdf). hält Charmian für eine Säulenheilige, vor der er nicht bloßgestellt werden mag, „kann in seinem Egoismus die Fixierung auf seine frühere Untreue nicht überwinden und wird entsprechend erpresst“.„in his egotism cannot overcome his obsession with his past unfaithfulness and is blackmailed accordingly“ – Manning, Sunsets and sunrises, S. 29. Außerdem hart für ihn: „Die innere Stütze fehlt ihm, denn Mrs. Pettigrew hält den Whisky unter Verschluß. […] Nun, er schweigt und zahlt. Aber sie verlangt immer mehr. Er zahlt äußerst ungern. Und das Neueste, sie verlangt, daß er ein neues Testament zu ihren Gunsten aufsetzt.“Spark, Memento Mori, S. 145. Charmian Colstons ehemalige Bedienstete und Vertraute Jean Taylor klärt ihren Ex-Liebhaber Alec Warner, der durch eine gemeinsame Bekannte von ihm und Godfrey über die Zustände im Hause Colston weiß, darüber auf, dass Charmian Colston nicht so fromm und unschuldig wäre, wie man glaubte, sondern von 1902 bis 1907 und dann nochmal 1926 eine Affäre mit Guy Leet gehabt hätte.Spark, Memento Mori, S. 184. „Ich halte es für notwendig, daß Godfrey Colston sich nicht mehr moralisch vor Charmian zu fürchten braucht – zum mindesten ist es den Versuch wert“, so Taylor: „Ich glaube, wenn er von Charmians Treulosigkeit weiß, wird er die Enthüllung seiner eigenen nicht fürchten.“Spark, Memento Mori, S. 185. Warner sucht das Gespräch mit Godfrey, wird zwar hinausgeworfen, hinterlässt aber eine Notiz mit Daten und Ortsnamen, woraus Godfrey seine Schlüsse zieht. „Und über seinem Glase verachtete er Guy Leet und mochte ihn dennoch ganz gern, weil er der Grund für sein neues, zufriedenes Gefühl war“,Spark, Memento Mori, S. 195. bei dem Godfrey Colston sich seiner Frau nicht mehr moralisch unterlegen fühlt, so dass er die Erpressung Pettigrews ins Leere laufen und sie aus dem Dienste der Colstons entlassen kann.
Haupthandlungsstrang Memento-Mori-Anrufe