Die Liste der Gefallenendenkmäler im Kreis Soest gibt einen Überblick der Ehrenmale und Gedenktafeln für die in den Kriegen gestorbenen Soldaten im Kreis Soest, Nordrhein-Westfalen. Sie enthält Kriegerdenkmale der Städte und Gemeinden Anröchte, Bad Sassendorf, Ense, Erwitte, Geseke, Lippetal, Lippstadt, Möhnesee, Rüthen, Soest, Warstein, Welver, Werl und Wickede (Ruhr).
Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.
Ehrenmale im Wandel der Zeiten
In fast allen Dörfern und Städten im Kreis Soest gibt es Kriegerdenkmale, die an die Toten der vergangenen Kriege erinnern. Je nachdem, wann sie errichtet wurden, unterscheiden sie sich in ihrer Gestaltung und Formensprache. Dem Dekret von Friedrich Wilhelm III. folgend, sollte ab 1813 jeder in den Schlachten gefallene Soldat, unabhängig seines Standes und seines Ranges, geehrt werden. Zur Erinnerung an ihren Heldenmut wurden in den Kirchenspielen ihres Heimatortes Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen und dem Eisernen Kreuz in den Kirchen angebracht.
Nach den Reichseinigungskriegen 1863 – 1871 kam die Tradition auf, Ehrenmale für die gefallenen Soldaten auch in der Öffentlichkeit aufzustellen. Zuvor wurden mit öffentlichen Denkmalen nur Fürsten und Herrscher geehrt oder bedeutende bürgerliche Vorbilder wie Goethe, Schiller und Luther. Mit den Kriegerdenkmalen kamen neue Helden hinzu, mit denen sich auch die einfache Bevölkerung des neu begründeten Nationalstaates identifizieren konnte. Sie zeigen Motive der Treue zu Kaiser und Vaterland des gerade geeinten Deutschen Reiches und den Sieg über Frankreich. Typische Motive sind Reiterstandbilder oder Obelisken mit einem Reliefmedaillon von Kaiser Wilhelm I., Personenstandbilder eines preußischen Soldaten oder der Germania mit Flagge, Siegerkranz und Schwert und der Adler mit ausgebreiteten Schwingen. An die im Krieg gestorbenen Soldaten erinnern Gedenktafeln mit Namen im Sockel. In Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg wurden vielerorts zusätzlich auch Friedenseichen oder Linden gepflanzt.
Bei den Ehrenmalen, die nach dem Ersten Weltkrieg entstanden, dominiert in der Gestaltung und den Inschriften eine einerseits verklärte Kriegsromantik, der für „Gott und Vaterland gefallenen Söhne“ der Städte und Gemeinden. Ihren Ausdruck findet sie oft in Motiven antiker Heldensagen und christlichen Motiven vom Erzengel Michael oder Georg dem Drachentöter. Andererseits wurde im Ersten Weltkrieg durch neue Militärstrategien und Kriegstechnologien anders gekämpft als in den Kriegen davor. Statt bei einem kurzen „Abenteuer“ in einem fernen Land zum Mann zu werden, starben viele Soldaten nach aufreibenden Kämpfen an der Front oder kamen versehrt und traumatisiert zurück. Das Motiv des sterbenden oder trauernden Soldaten oder einfach das eines Stahlhelms auf Eichenlaub fließen in die Gestaltung der Ehrenmale mit ein. In katholisch geprägten Regionen findet sich oft zum Trost der Mütter, die ihre Söhne durch den Krieg verloren, eine Pieta. In Erinnerung an gefallene Kameraden und Freunde entstehen nach dem Krieg viele Gedenkstätten aus privaten Initiativen von Kriegervereinen, Berufs- und Hochschulen, Sport- und Geselligkeitsvereinen.
Ab der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 nimmt die Herorisierung der in den Kriegen gefallenen Soldaten wieder zu. Teilweise wurden bisherige Kriegerdenkmale zu groß angelegten Ehrenmalanlagen ausgebaut und für Propagandazwecke genutzt. Zusätzlich wurde 1934 ein einheitlicher reichsweiter Heldengedenktag für das politisch instrumentalisierte Gefallenengedenken eingeführt. Zuvor fand das Totengedenken am Sedantag, Totensonntag und bei Schützenfesten im Juli statt. Im Kreis Soest erinnern letztere an die Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866 zwischen Preußen und Österreich-Sachsen. Während des Zweiten Weltkriegs wurden neben Kirchenglocken auch viele Bronzestatuen der Kriegerdenkmale als Metallspende eingeschmolzen und nicht wieder ersetzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einem tiefgreifenden Bruch in der Gestaltung der Ehrenmale. Zum einen durch den Schock und die Hilflosigkeit im Umgang mit dem Massensterben im Krieg. Zum anderen durch den veränderten Umgang mit dem Kriegskult in der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland. Im Kreis Soest lassen sich drei wesentliche Gruppen unterscheiden: Erweiterung der alten Ehrenmale durch Gedenktafeln und Anbauten Ehrenmale mit profanen Motiven (Adler, Eisernes Kreuz, Eichenlaub, Soldatenhelm, Schwert) Neu errichtete mit christlichen Darstellungen (Hochkreuz, Altar, Pieta, Engel, Hl. Georg, Hl. Sebastian…)
Ab Mitte der 1960er Jahre erfolgt eine weitere Zäsur. In vielen Städten und Gemeinden sollten die Kriegerdenkmale aus dem täglichen Blickfeld der Bevölkerung verschwinden und wurden an weniger zentrale Orte oder auf den Friedhof verlegt. War dies nicht möglich, wurden sie zum „Mahnmal für die Opfer der Kriege und der Gewaltherrschaft“ umgedeutet. Manche wurden aber auch einfach abgerissen, da sie anderen Bauvorhaben im Weg standen und nicht mehr in den politischen Zeitgeist passten. Oft erinnert nur noch ein Findling, eine moderne Skulptur oder eine unscheinbare Gedenktafel an ihren ehemaligen Standort. Bei den ab etwa Mitte der 1970er Jahre errichteten oder neu gestalteten Denkmale wird auch verstärkt Bezug zu den Zwangsarbeitern und den Opfern von Verfolgung und Euthanasie im 3. Reich genommen.
Während in den Städten die Kriegerdenkmale bestenfalls am Volkstrauertag, beim Schützenfest oder Veteranentreffen gewürdigt werden, haben sie auf den Dörfern ein verbindendes Element, da sich die Dorfgemeinschaft ehrenamtlich um die Pflege, den Erhalt und die Bepflanzung kümmert. Sie bringen die Menschen zusammen und sind Teil der lokalen Ortsgeschichte. Seit den letzten Jahren ändert sich die Tabuisierung der Kriegerdenkmale so langsam. Im Rahmen des Schulunterrichts und Friedensprojekten bekommen sie wieder Aufmerksamkeit und fördern das Geschichtsbewusstsein für eine bestimmte Zeitepoche.
Gefallenendenkmäler und Gedenkorte
NameOrt / AdresseTypKriegErrichtetBeschreibung / AnmerkungenBildEhrenmal AnröchteAnröchte Piepergasse 1 / Marktplatz, gegenüber St. Pankratius KircheEhrenmal1870–18711. Weltkrieg2. Weltkrieg≈1950Verzierte viereckige Säule mit Adler zum Gedenken der Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges. Inschrift: „Ihren gefallenen Kriegern – Die Gemeinde Anröchte“.Dahinter Gedenkwand mit Reliefs von einem sterbenden Soldaten und einer trauernden Frau mit gesenkten Schwert und den Namenstafeln der Toten aus den Weltkriegen.Baudenkmal Nr. 28 (Anröchte)150px|Kriegerdenkmal AnröchteEhrenmal AltengesekeAnröchte – AltengesekeKreisstraße / WachtstraßeEhrenmal1. Weltkrieg2. Weltkrieg1924Von Bruchsteinmauer eingefasste Gedenkanlage mit Eisentor. Zentral eine viereckige Steinsäule aus 5 Steinblöcken mit den Jahreszahlen des 1. Weltkrieges und Eisernen Kreuz. Inschrift: „Unseren gefallenen Helden – Die dankbare Gemeinde Altengeseke“. Dahinter Gedenkmauer mit Namenstafeln der Toten aus dem 2. Weltkrieg mit Inschrift: „Es starben den Heldentod“ und „Ruhet in Frieden“. Auf der Mauerkrone sind Steinkugeln und Eiserne Kreuze.Altengeseke Online – Ehrenmal 1. & 2. Weltkrieg150x150px|zentriert|Ehrenmal AltengesekeEhrenmal AltenmellrichAnröchte – AltenmellrichKapelle St. Georg, St.-Georgs-PlatzEhrenmal1. Weltkrieg2. Weltkrieg1956Gedenktafeln auf Treppenpodest an der westlichen Fassade der Kapelle. In der Mitte ein Relief eines Vesperbildes bei dem Maria ihren toten Sohn entgegennimmt. Zu beiden Seiten Gedenktafeln mit den Namen der Toten aus beiden Weltkriegen.Dorfwebseite Altenmellrich – Die Kapelle150x150px|zentriert|Ehrenmal AltenmellrichEhrenmal BergeAnröchte – BergeErwitter Straße / Am Brink, westlich der St. Michael KircheEhrenmal1870–18711. Weltkrieg2. Weltkrieg1922Erzengel Michael siegt über einen schlangenartigen Dämon mit Affengesicht und Kalbshörnern. Auf der Gedenksäule die Namen der Gefallenen aus den Kriegen 1870/71 und 1914–18 und ein Relief von Steinhauerwerkzeugen. Später angebaut wurden 2 Gedenkstelen mit den Namen der Toten aus dem 2. Weltkrieg.Das Kriegerdenkmal wurde vom damaligen Kriegerverein errichtet. Am Ehrenmal befinden sich 14 Linden. Sie erinnern an die 14 gefallenen Söhne der Ortschaft Berge im 1. Weltkrieg.150x150px|zentriert|Ehrenmal BergeGedenktafeln für die in den Weltkriegen gefallenen SoldatenAnröchte – BergeIn der St. Michael Kirche, unter der Orgelempore, links.Gedenktafeln1. Weltkrieg2. WeltkriegGedenktafeln mit Namen der gefallenen und vermissten Soldaten des Katholischen Jünglingsvereins aus dem 1. Weltkrieg und zwei Eichentafeln mit den eingeschnitzten Namen der Schützengesellschaft St. Michael aus dem 2. Weltkrieg.150x150px|zentriert|Gedenktafeln St. MichaelGedenkkapelle EffelnAnröchte – EffelnIn der Kirche St. Maria MagdalenaGedenkkapelle1. WeltkriegGedenkschrein mit Pieta und Gedenktafel für die im 1. Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder.150x150px|zentriert|Gedenkkapelle EffelnEhrenmal KlieveAnröchte – KlieveAn der St. Vinzenz Kapelle, Alte AlleeEhrenmal1. Weltkrieg2. Weltkrieg1955/56Das Denkmal für die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege steht an der Südwestseite der Kapelle. Ein Steinernes Kruzifix auf einem Podest mit Soldatenhelm. Zu beiden Seiten Gedenktafeln für die in den Kriegen gestorbenen Soldaten.150x150px|zentriert|Ehrenmal KlieveEhrenmal MellrichAnröchte – MellrichMittelstraße 29, an der Kirche St. AlexanderEhrenmal1. Weltkrieg2. WeltkriegEhrenmal Gefallene 1. und 2. Weltkrieg am westlichen Treppenaufgang zur Kirche. Vor der Mauer mit Gedenktafeln kniet auf einen Podest ein Soldat im Mantel und betet für seine gefallenen Kameraden.150x150px|zentriert|Ehrenmal MellrichGedenkkapelle MellrichAnröchte – MellrichIn der Kirche St. AlexanderGedenkkapelle1. Weltkrieg2. WeltkriegGedenkschrein mit Pieta und Gedenktafeln für die in den beiden Weltkriegen gefallenen Gemeindemitglieder des Kirchenspiels Mellrich.150x150px|zentriert|Gedenkkapelle MellrichEhrenmal RobringhausenAnröchte – RobringhausenAn der St. Luzia KapelleGedenkstein1. Weltkrieg2. WeltkriegFindling mit Eisernen Kreuz an der nordwestlichen Kirchenmauer.Inschrift: „1914-1918 – Zum Gedenken der Vermissten und Gefallenen beider Kriege aus Robringhausen – 1939 – 1945“, umgeben von Eichenblättern.Ehrenmal UeldeAnröchte – UeldeAn der St. Antonius KapelleGedenkstätte1. Weltkrieg2. WeltkriegÜberdachtes Wandbild an der Fassade, links vom Glockenturm. Auferstandener Jesus und Inschrift: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“. Davor eine Sitzbank aus Anröchter Stein mit den Namen der Gefallenen beider Weltkriege.Kriegerdenkmal Bad SassendorfBad SassendorfKarl-Volke-Platz / Bismarckstraße (Am Kurpark)Kriegerdenkmal1831183318661870–1871„Kaiser-Wilhelm-Denkmal“ – Klassizistische Säule mit Adler auf einen viereckigen Podest mit Gedenktafeln für die Gefallenen der Kriege 1831, 1833, 1866 und 1870/71. Früher stand es neben dem Alten Gradierwerk und den Badehäusern. Inschriften:„Und wer den Tod im heil’gen Kampfe fand, ruht auch in fremder Erd’ im Vaterland! – Die Gefallenen zu ehren. Die Muthigen zu mehren. Die Kommenden zu lehren. – Gewidmet von den dankbaren Gemeinden – Sassendorf – Heppen – 1831“.„Sie zogen aus der Erde Schmerzen, zur obern Heimat siegreich ein. Und ewig soll in unsern Herzen ihr Name unvergessen sein.(Kor. 15, 55)“„Es starben den Heldentod für’s Vaterland den 16. August 1870 bei Mars la Tour“ – (Namen der Gefallenen).
Am Kriegerdenkmal befindet sich auch ein Gedenkstein für die Kriegsgefangenen aus dem 2. Weltkrieg mit einem Relief von einem Riesen der in einem Gefangenenlager steht. Inschrift: „Gedenket den Gefangenen“.