mini|Distrikte und Subdistrikte, wie sie von 1942 bis 1948 im Mandatsgebiet bestanden Die Distrikte im Mandatsgebiet Palästina waren die im Verwaltungsaufbau obersten Einheiten in der mehrstufigen territorialen Gliederung im Gebiet des Völkerbundsmandats für Palästina, die während der Mandatszeit zwischen 1920 und 1948 bestanden. Die Distrikte waren keine Selbstverwaltungsorgane der kommunalen Gebietskörperschaften in ihrem Gebiet, sondern Aufsichtsbehörden des zentralen Government of Palestine, der Zivilverwaltung des Mandatsgebiets. Entsprechend setzte das Government of Palestine die leitenden Beamten der Distrikte ein.
Distrikte in den amtlichen Landessprachen In den drei Amtssprachen Palästinas lauteten die Bezeichnungen für Distrikte auf , auf (Sg. ) und auf (Sg. , status constructus ).
Geschichte Die Distrikte waren Neuschöpfungen der britischen Verwaltung. Die zuletzt in diesem Teil des Osmanischen Reiches bestehenden Verwaltungseinheiten, das Mutesarriflik Jerusalem (Mitte und Südwesten Mandats-Palästinas), das syrische Sandschak Maʿan (teilweise äußerster Süden Mandats-Palästinas; ansonsten heute zu Jordanien) und die Sandschaks Akkon wie Nablus (dieses auch Sandschak Balqa genannt; beide Norden Mandats-Palästinas) zum libanonbasierten Vilâyet Beirut gehörig wurden aufgelöst. Distrikte entstanden bereits zu Zeiten der Occupied Enemy Territory Administration South (OETA South), der britischen Militärverwaltung des Gebiets zwischen 1918 und 1920, gefolgt von der Zivilverwaltung ab 1920. Verwaltungsmäßig war das Gebiet ab 1918 in 13 Verwaltungseinheiten unterteilt,A Survey of Palestine: Prepared in December, 1945 and January, 1946 for the Information of the Anglo-American Committee of Inquiry on Jewish Problems: 3 Bde., Government of Palestine (Hrsg.) im Auftr. von ‹Special Committee on Palestine of the United Nations General Assembly› und ‹Anglo-American Committee of Inquiry on Jewish Problems in Palestine and Europe›, Jerusalem: Government Printer, 1946–1947, hier Bd. 1 (1946), S. 125. deren Zahl bereits 1919 auf zehn, 1920 auf sieben Distrikte, 1923 auf vier und 1924 schließlich auf drei reduziert wurde.Erich Topf: Die Staatenbildungen in den arabischen Teilen der Türkei seit dem Weltkriege nach Entstehung, Bedeutung und Lebensfähigkeit (= Hamburgische Universität. Abhandlungen aus dem Gebiet der Auslandskunde; Band 31. ‹Reihe A. Rechts- und Staatswissenschaften›; Band 3), Hamburg: Friedrichsen, de Gruyter & Co, 1929, S. 66.
Die Distrikte unterlagen einem ständigen Wandel (mit allein drei wesentlichen Umgliederungen der Distrikte im Verlauf des Jahres 1920). Die Distrikte waren in Subdistrikte untergliedert, die – anders als die Distrikte – sich in Bestand und Benennung weitgehend stabil entwickelten (1920–1942: 18 Subdistrikte, 1942–1948: 16 Subdistrikte). Die Zuschnitte und Benennungen der Distrikte und Subdistrikte widerspiegeln sich, soweit auf heute israelischem Gebiet gelegen, weitgehend in den Unterbezirken und Bezirken Israels. Sie bestanden zunächst wie zu Mandatszeiten, bevor die Israelische Regierung 1953 den geänderten Grenzen und Bevölkerungschwerpunkten durch Anpassungen Rechnung trug.
mini|200px|Karte Palästinas mit Distrikten und Subdistrikten des Jahres 1937 Seit September 1920 bestanden sieben Distrikte (von Nord nach Süd) nämlich Galiläa (Sitz Nazareth), Phönikien (Sitz Haifa), Samaria (Sitz Nablus), Jerusalem, Jaffa, Gaza und Beerscheba (heute Beʾer Scheva).Official Gazette of the Government of Palestine, Nr. 26, 1. September 1920. Schon 1922 wandelten die Behörden das Bild: Es gab dann vier Einheiten, den Nördlichen Distrikt (Sitz Nazareth), Samaria, Jerusalem–Jaffa (Sitz Jerusalem) und den Südlichen Distrikt (Sitz Gaza).Official Gazette of the Government of Palestine, Nr. 70, 1. Juli 1922.J. B. Barron (Kompil.), Palestine – Report and Abstract of the Census of 1922, Datenerhebung am 23. Oktober 1922, Government of Palestine (Hrsg.), Jerusalem: Greek Convent Press, 1923, S. 3. Die nächste Umgliederung folgte 1924, eine neue Mittelebene zwischen Distrikt Jerusalem–Jaffa und seinen Subdistrikten wurde eingezogen, die Divisionen Jaffa (1922) und Jerusalem (1925), die bis 1927 bestanden.
Im August 1925 verschmolzen die südlichen Bezirke Jerusalem–Jaffa und Südlicher Distrikt zum Jerusalem-Südlichen Distrikt.Official Gazette of the Government of Palestine, Nr. 147, 16. September 1925, S. 459.“Palestine from Day to Day”, in: The Palestine Bulletin, 21. September 1925, S. 3. Zwei Jahre darauf gab es wieder drei Bezirke im Lande, den fortbestehenden Nördlichen Distrikt und wieder getrennt den Südlichen Distrikt und die Division Jerusalem,Official Gazette of the Government of Palestine, Nr. 190, 1. Juli 1927, S. 392. die 1931 wieder in Distrikt umbenannt wurde, wobei der Subdistrikt Hebron vom Südlichen zum Distrikt Jerusalem wechselte.Official Gazette of the Government of Palestine, 16. Oktober 1931, S. 763. Der Nördliche Distrikt wurde 1937 geteilt, die Subdistrikte Akkon, Baisan, Nazareth, Safed und Tiberias bildeten den neuen Distrikt Akkon und Galiläa (Sitz Nazareth; der Namensbestandteil Akkon entfiel im Dezember 1939Palestine Gazette, 30. Dezember 1939, ‹Supplement Nr. 2›, S. 1529.The Palestine Post, 1. Januar 1940, S. 2.), die übrigen Subdistrikte Dschenin, Haifa, Nablus und Tulkarm den neuen Distrikt Haifa und Samaria (Sitz Haifa),Palestine Gazette, Nr. 733, 28. Oktober 1937, ‹Supplement Nr. 2›, S. 1001–1002. womit es wieder vier Bezirke gab. Letzterer wurde im nächsten Jahr zerlegt, die seinerzeit größte Metropole Palästinas, Haifa, bildete mit Umland einen eigenen Distrikt, die anderen drei Subdistrikte (Dschenin, Nablus und Tulkarm) zusammen Samaria (Sitz Nablus).
Die Subdistrikte Beerscheba und Gaza schieden 1938 aus dem Südlichen Distrikt aus und bildeten den neuen Distrikt Gaza.The Palestine Post, 1. Dezember 1938, S. 2. Der verbliebene Südliche Distrikt, aus den Subdistrikten Jaffa und Ramleh bestehend, trug in seinem Umfang dem neuen Bevölkerungsschwerpunkt Jaffa und Tel Aviv Rechnung, deckte aber nicht mehr den Landessüden ab, weshalb er 1939 in Distrikt Lydda (Sitz Jaffa) umbenannt wurde.Vgl. Administrative Divisions (Amendment) Proclamation, mitgeteilt in The Palestine Post, 2. Juli 1939, S. 1. Im Jahre 1942 gingen die beiden Subdistrikte Bethlehem und Jericho im Subdistrikt Jerusalem auf,Vgl. Administrative Divisions (Amendment) Proclamation, 1942. die dann sechs Distrikte selbst blieben unverändert,Aida Essaid, Zionism and Land Tenure in Mandate Palestine, London: Taylor & Francis, 2013, S. 132. ISBN 978-1-134-65368-3. bestanden auch nach dem Krieg um Israels Unabhängigkeit (1948/1949), soweit sie dann in Israel lagen, bevor dieses 1953 einige den Grenzänderungen und Bevölkerungsverlagerungen geschuldete Anpassungen vornahm.
Leiter der Distrikte Das Government of Palestine setzte die leitenden Beamten der Distrikte, den jeweiligen District Commissioner (Distriktskommissar; bis 1925 lautete der Amtstitel District GovernorPalestine Royal Commission Report, dem Parlament präsentiert durch den Secretary of State for the Colonies William Ormsby-Gore, London: His Majesty’s Stationery Office, 1937, S. 159.), ein. Dem District Commissioner waren jeweils Assistant District Commissioners untergeordnet, die jeweils für Subdistrikte im Distrikt zuständig waren. Bei Abwesenheit wegen Reisens oder ernstlicher Krankheit zum Beispiel wurde zur Vertretung ein Deputy District Commissioner ernannt. Darunter folgten dann District Officers. Das Government of Palestine berief in Ämter der beiden oberen Ränge allein Angehörige des Britischen Imperiums (Briten, Australier etc.), auf der Ebene darunter besetzte es Stellen auch mit einheimischen Landeskindern ohne britische, aber mit palästinensischer Staatsangehörigkeit.Marcella Simoni, ‹Germs know no racial lines:› health policies in British Palestine (1930-1939), London: University of London, Diss., 2003, Fußnote 22 auf S. 42.
So wie die Subdistrikte mehrfach wechselnd den Distrikten zugeordnet und letzterer Namen geändert wurden, wechselten auch die leitenden Beamten zwischen den Distrikten. Die Amtsinhaber durchliefen meist verschiedene Stationen im Britischen Imperium, bekannter sind Lewis Yelland Andrews,In der englischsprachigen Wikipedia gibt es über ihn den Eintrag «Lewis Yelland Andrews». Reginald Stuart Champion,Reginald Stuart Champion war von 1945 bis 1950 Gouverneur von Aden. In der englischsprachigen Wikipedia gibt es über ihn den Eintrag «Reginald Stuart Champion». Martin Clemens,In der englischsprachigen Wikipedia gibt es über ihn den Eintrag «Martin Clemens». Robert Edward Harold Crosbie,In der englischsprachigen Wikipedia gibt es über ihn den Eintrag «Robert Edward Harold Crosbie». Edward Keith-Roach,In der englischsprachigen Wikipedia gibt es über ihn den Eintrag «Edward Keith-Roach». Alec Kirkbride,In der englischsprachigen Wikipedia gibt es über ihn den Eintrag «Alec Kirkbride». Ivan Lloyd-PhillipsIvan Lloyd-Phillips war 1934 bis 1938 an der Goldküste und 1948 bis 1951 in Britisch-Zypern. In der englischsprachigen Wikipedia gibt es über ihn den Eintrag «Ivan Lloyd-Phillips». und James Huey Hamill Pollock.In der englischsprachigen Wikipedia gibt es über ihn den Eintrag «James Pollock (Northern Ireland politician)».
Die Tabelle ist sortiert nach den Sitzen der Distrikte, die seltener wechselten als deren Namen und Zuschnitte. Im jeweiligen Feld mit den Namen der leitenden Beamten, sortiert nach Zeitabschnitten, ist der jeweils seinerzeitige Name des Distrikts vorangestellt, den sie leiteten. Außer Acht gelassen wurde Beʾer Scheva, das zwar von 1920 bis 1922 Sitz eines Distrikts war, danach aber bis 1948 nicht wieder.