mini|Schubmaststapler ETV214 Die Jungheinrich Aktiengesellschaft mit Sitz in Hamburg ist ein börsennotiertes deutsches Unternehmen in der Flurförderzeug-, Lager- und Materialflusstechnik. In diesen Segmenten rangiert das Unternehmen weltweit auf Platz drei (nach Toyota Industries und Kion), in Europa auf dem zweiten Platz.
Die Hauptverwaltung befindet sich in Hamburg-Wandsbek, wo das Unternehmen Anfang 2016 einen eigenen Neubau bezog. Der Entwurf stammt von den Hamburger Architekten Prof. Klaus Sill & Assoziierte, bauausführend war als Generalunternehmer die MBN Bau AG, Georgsmarienhütte.
Geschichte Friedrich Jungheinrich gründete am 7. August 1953 die H. Jungheinrich & Co. Maschinenfabrik in Hamburg. Die erste Filiale im Ausland wurde 1956 in Österreich eröffnet. 1958 wurde die Unternehmenszentrale mit Werk in Hamburg-Wandsbek in Betrieb genommen. Unter dem Namen „Ameise GmbH“ mit Sitz in Aarau wurde am 11. Juli 1960 die heutige Jungheinrich AG als schweizerische Tochtergesellschaft gegründet. Ein Gelände in Friedrichsgabe im heutigen Norderstedt wurde 1966 erworben und die Produktion von Hamburg schrittweise bis 1984 dorthin verlagert. Der Unternehmensgründer Friedrich Jungheinrich starb am 28. Januar 1968. 1974 startete das Miet- und Gebrauchtgerätegeschäft mit eigener Organisation. 1989 entstand der Neubau des Werks Lüneburg. Die ersten osteuropäischen Filialen wurden 1991 in Tschechien und Ungarn gegründet.
1994 erwarb Jungheinrich die Steinbock und Boss Group. Die Produktionsstätten in Frankreich, Großbritannien und Spanien wurden geschlossen und die Produktion nach Deutschland verlagert. 2002 wurden die Konzernmarken MIC, Steinbock und Boss aufgegeben und seitdem Geräte nur noch unter dem Markennamen Jungheinrich verkauft. 2004 wurde die Dr.-Friedrich-Jungheinrich-Stiftung gegründet. Sie fördert Stipendien für Studenten im Hauptfach Maschinenbau oder Wirtschaftsingenieurwesen. Das Unternehmen präsentierte 2005 den weltweit ersten Gabelstapler mit Drehkabine.
Im Jahr 2006 eröffnete ein Montagewerk im chinesischen Qingpu bei Shanghai. Hier werden elektrobetriebene Deichselhubwagen montiert. Die gefertigten Niederhub- und Hochhubwagen dienen der Versorgung des Jungheinrich-Vertriebs in China und des asiatischen Marktes. Ebenfalls 2006 nahm das Gebrauchtgeräte-Zentrum Dresden zur Wiederaufbereitung von Gebrauchtgeräten den Betrieb auf. Im Jahr 2009 nahm Jungheinrich in seinem neuen Werk in Landsberg in Sachsen-Anhalt die Produktion von Elektro-Niederhubwagen auf. 2013 wurden in Moosburg an der Isar ein Werk für Lager- und Systemfahrzeuge,, Pressemitteilung vom 27. November 2013 in Kaltenkirchen das neue Zentrallager für Ersatzteile, Pressemitteilung vom 6. September 2013 und in Qingpu das neue Werk für Flurförderzeuge für die Region Asia-Pacific eingeweiht,, Pressemitteilung vom 8. August 2013 Anfang Oktober 2015 ein neues Ersatzteillager am Standort Kuzayevo bei Moskau in Betrieb genommen, das 2022 aufgelöst wurde. Dieses wurde vom Logistikdienstleister Kühne + Nagel Kontrakt-Logistik betrieben und sollte nicht nur Jungheinrich-Kunden in Russland, sondern auch in dessen Anliegerstaaten mit Ersatzteilen versorgen.
Des Weiteren übernahm das Unternehmen Ende 2015 die Münchner MIAS Group, die sich auf Maschinenbau in der Lagerlogistik spezialisiert hat. Im Jahr 2019 gründet Jungheinrich gemeinsam mit der Triathlon GmbH das Joint Venture „JT Energy Systems“ für die Weiterverwendung und Wiederaufbereitung von Lithium-Ionen-Batterien. Seit den 2020er Jahren baut das Unternehmen seine Aktivitäten im Bereich der Lagerautomatisierung und Robotik aus. Dazu zählen die Beteiligung am Robotikunternehmen Magazino GmbH im Jahr 2020, die Übernahme des Robotikunternehmens arculus GmbH im Jahr 2021 sowie die vollständige Übernahme der Magazino GmbH im Jahr 2023. Zuletzt erweiterte das Unternehmen den Direktvertrieb mit der Eröffnung der neuseeländischen Vertriebsgesellschaft. Anfang des Jahres 2023 baute Jungheinrich die Präsenz im nordamerikanischen Markt durch die Übernahme der Storage Solutions Gruppe aus Indiana (USA) aus.
2025 gab Jungheinrich Maßnahmen zur Anpassung der Unternehmensstruktur bekannt. Im Rahmen dieses Restrukturierungsprogramms wurde auch die Schließung des Werks in Lüneburg angekündigt, die zum 31. März 2027 abgeschlossen sein soll. Aufgrund des mit der Schließung verbundenen Abbaus von 160 Stellen kam es zu einem mehr als 80 Tage andauernden Streik, bis zwischen der Gewerkschaft IG Metall und dem Unternehmen eine Einigung erzielt wurde. Die russische Tochtergesellschaft Jungheinrich Lift Truck OOO mit Sitz in Moskau wurde am 13. Februar 2026 an einen Investor verkauft, nachdem der Geschäftsbetrieb in Folge von Sanktionen aufgrund des russischen Angriffs gegen die Ukraine im Jahr 2022 bereits weitgehend eingeschränkt war. Aufgrund der russischen Regeln über ausländische Investitionen lag der Verkaufspreis deutlich unter dem ursprünglichen Buchpreis.
Börsennotierung Im Jahr 1990 verschmolzen die inländischen Gesellschaften, anschließend firmierten sie in einer Aktiengesellschaft, die mit Vorzugsaktien an die Börse ging und am 30. August 1990 zum ersten Mal notiert wurde. Die Stammaktien, und somit die unternehmerische Kontrolle, liegt weiterhin bei den Familien der beiden Töchter des Unternehmensgründers. Die Jungheinrich-Aktie ist im SDAX gelistet.
Produkte und Dienstleistungen mini|Jungheinrich Lithium-Ionen-Kommissionierer mini|Jungheinrich-Hubwagen „Ameise“ mini|Jungheinrich Schlepper (Plattformwagen) Jungheinrich bietet Produkte und Dienstleistungen für die Intralogistik an. Das Angebot umfasst Flurförderzeuge, Automatisierungslösungen, Serviceleistungen sowie den Versandhandel für Betriebs- und Lagerausstattung.
Flurförderzeuge Das Unternehmen entwickelt und produziert elektrische Flurförderzeuge für den innerbetrieblichen Materialtransport. Das Produktportfolio umfasst unter anderem:
Hubwagen Kommissionierstapler Schubmaststapler Hochregalstapler Gabelstapler Elektro-Schlepper Routenzug-Anhänger
Das wohl bekannteste Produkt ist die „Ameise“. Sie ist ein eingetragenes Warenzeichen der Jungheinrich PROFISHOP AG & Co. KG und wird häufig als Synonym für Hand- oder Elektro-Hubwagen benutzt.Florian Langenscheidt (Hrsg.): Deutsche Standards: Marken des Jahrhunderts. Die Königsklasse deutscher Produkte und Dienstleistungen in Wort und Bild – von Aspirin bis Zeiss. 15., neubearb. Auflage. Deutsche Standards EDITIONEN, Köln 2006, ISBN 3-8349-0436-8, S. 260.
Seit 2025 vertreibt Jungheinrich Produkte zusätzlich unter der Marke "antON by Jungheinrich". Diese Produkte werden im Rahmen einer Partnerschaft mit dem chinesischen Hersteller EP Equipment angeboten.
Automatisierung und Lagerlösungen Jungheinrich entwickelt und integriert Automatisierungslösungen für Lager und Distributionszentren. Das Angebot in diesem Bereich umfasst
automatisierte Flurförderzeuge, autonome mobile Roboter (AMR), Regalbediengeräte, automatische Kleinteilelager, Fördertechnik sowie Lagerverwaltungs- und Materialflusssoftware
Durch die Übernahme verschiedener Automatisierungs- und Robotikunternehmen, darunter Magazino, arculus, Storage Solutions und Invar hat das Unternehmen sein Angebot in diesem Bereich deutlich erweitert.
Weiterhin umfasst das Portfolio intralogistische Gesamtlösungen, sowohl Neuplanung als auch Optimierung bestehender Lager. Die Palette reicht von der Analyse über Planung, Projektierung und Realisierung bis zum Kundendienst und ist für alle Automationsgrade möglich. Die Jungheinrich AG bietet hierfür sowohl manuelle Lagersysteme mit einem Warehouse Management System (WMS), Datenfunkdienstleistungen und Datenfunkequipment als auch vollautomatische Lagersysteme mit Regalbediengeräten an.
Service- und Finanzdienstleistungen Jungheinrich betreibt ein internationales Servicenetzwerk mit über 6.100 Technikern weltweit. Zu den Servicedienstleistungen zählen alle Tätigkeiten aus dem Bereich der Instandhaltung, wie Reparaturen, Wartungen und Sicherheitsprüfungen aber auch die Ersatzteilversorgung. Mit einem Umsatzanteil von rund 30 % spielt der Kundendienst eine bedeutende Rolle für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens.
Ergänzend hierzu bietet das Unternehmen Schulungen, Flottenmanagement, Energieberatung sowie Finanzierungs-, Leasing- und Mietkaufmodelle an.
Versandhandel Über die Tochtergesellschaft Jungheinrich PROFISHOP AG & Co. KG betreibt Jungheinrich seit 2006 einen B2B fokussierten Online-Versandhandel für Intralogistik-Lösungen, Betriebs- und Lagerausstattung und Material Handling. Das Sortiment umfasst über 100.000 Artikel aus den Bereichen Stapeln und Heben, Transport, Lager, Betriebs- und Büroausstattung, Werkstatt, Arbeitsschutz und Umwelt. Der Shop richtet sich primär an Gewerbetreibende aus Industrie, Handel und Handwerk, steht aber auch Privatpersonen offen.
Der Jungheinrich PROFISHOP ist heute in mehreren europäischen Ländern aktiv, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz. Neben Produkten der Marke Jungheinrich und der Marke „Ameise“ werden auch Artikel weiterer Exklusiv-Marken wie Steinbock und Hemmdal sowie Produkte von Drittanbietern angeboten.
Standorte mini|Konzernzentrale am Friedrich-Ebert-Damm in Hamburg-Wandsbek Jungheinrich ist weltweit in über 40 konzerneigenen Vertriebs- und Servicegesellschaften vertreten. Darüber hinaus ist Jungheinrich über Händler, insbesondere in den Überseemärkten, präsent. Der Konzern ist insgesamt in rund 120 Ländern aktiv; er betreibt ein Logistikzentrum für Osteuropa in Bratislava und ein Montagewerk in Qingpu in der Volksrepublik China.
Deutschland Hamburg, Konzernzentrale Norderstedt, Produktion Lüneburg, Produktion – Schließung 2027 Moosburg an der Isar, Produktion, Planung und Realisierung von Gesamtsystemen Klipphausen, Gebrauchtgeräte-Zentrum Dresden Kaltenkirchen, Zentrallager Ersatzteile Landsberg (bei Halle), Produktion München, Produktion In Deutschland werden zwei Vertriebszentren mit insgesamt 23 Niederlassungen betrieben.
Weblinks
jungheinrich.de
Einzelnachweise
Kategorie:Unternehmensgründung 1953 Kategorie:Maschinen- und Gerätehersteller Kategorie:Unternehmen im SDAX Kategorie:Unternehmen im MDAX (ehemalig) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Hamburg) Kategorie:Flurförderzeuge