mini|Scheich Ahmed Ben Hassan und seine Gefangene Diana Mayo. (Filmplakat von 1926) Der Scheich (The Sheik) ist ein 1919 veröffentlichter Roman von Edith Maud Hull (1880–1947) und einer der wichtigsten Romane des Literaturgenres romantischer Wüstenromane (Desert Romance).
In der Handlung wird die englische Adelige Diana Mayo bei einem Ausritt in die Wüste Algeriens von dem Araber-Scheich Ahmed Ben Hassan entführt, der sie vergewaltigt und zu seiner Sklavin macht. Mit der Zeit beginnt Diana für ihren Entführer Gefühle zu entwickeln, die sie schließlich zur Selbstaufgabe aus Liebe bewegen.
Das Buch wurde ein Bestseller in der westlichen Welt und bereits 1921 verfilmt (→ Der Scheich). Der Erfolg des Buchs, der Verfilmung sowie des Nachfolgerromans (1924) und dessen 1926 erfolgter gleichnamiger Verfilmung (→ Der Sohn des Scheichs) und führte in den 1920er-Jahren zum sogenannten Scheich-Fieber, das bis in die 1930er-Jahre dauerte und mit einer Reihe verschiedenster Adaptionen in Film, Literatur und Musik und einem starken Absatz von „arabischen“ Verkaufswaren einherging. Zudem veränderten Roman und Verfilmung die Bedeutung des Wortes Scheichs im Westen.
Handlung Kapitel 1
Die Handlung beginnt auf einem Tanzball in einem Hotel in Biskra in Französisch-Algerien. Veranstalter sind die englischen Aristokraten Aubrey Mayo und seine neunzehn Jahre jüngere Schwester Diana Mayo. Zum Missfallen vieler Leute auf dem Ball entspricht Diana Mayo nicht gerade dem Idealbild einer sittlichen Frau, was viele auf ihre Erziehung zurückführen. Ihre Mutter starb bei der Geburt, der Vater beging daraufhin Selbstmord, weshalb ihr älterer, allerdings wenig kompetenter Bruder ihre Erziehung übernahm. Diana wuchs daher „wie ein Junge“ auf. Sie ist nun 21 Jahre alt,Im Buch wird erwähnt, dass sie vor ein paar Monaten volljährig geworden ist, was in Großbritannien im Jahr 1919 mit 21 der Fall war (ohne Wahlrecht). mittelgroß und gertenschlank. Auf dem Ball wird sie von Männern belagert. Diana lehnt einen Heiratsantrag ab, wobei sie erklärt, dass sie keine Liebe kenne und dass ein Mädchen seine Unabhängigkeit aufgeben müsse, wenn es heiratet.
Kapitel 2
Zum enormen Missfallen der Leute will Diana eine einmonatige Reise in die Wüste von Algerien unternehmen, nur in Begleitung von einheimischen Kameltreibern und Dienern. Versuche sie von der Reise abzubringen, schlagen fehl. Diana bricht mit dem Führer Mustafa Ali in die Wüste auf, ein Stück noch begleitet von ihrem Bruder Aubrey, der sie versucht von ihrem Plan ein letztes Mal abzubringen. Als sie dies erbost ablehnt, entfährt ihm: „Hoffentlich begegnest du einem Mann, der dir Gehorsam beibringt.“ Kurz nachdem Diana mit ihrem Führer Mustafa Ali allein in die Wüste geritten ist, werden sie von einer Gruppe berittener Araber angegriffen. Dianas Fluchtversuch scheitert, sie wird von einem der Männer, der sich ihr als der etwa 35-jährige Scheich Ahmed Ben Hassan vorstellt, entführt und in sein Lager in einer Oase verschleppt, wo er sie vergewaltigt und entjungfert.
Kapitel 3
Am nächsten Tag stellt Diana schnell fest, dass das Lager des Scheichs einigen Luxus bietet, unter anderem kümmert sich das Mädchen Zilah um sie. Auch stellt sie fest, dass ihr Vergewaltiger französische Literatur liest und somit kein ungebildeter Mann ist. Ahmed eröffnet ihr, dass ihre Entführung kein Zufall war, sondern er sie im Voraus detailliert geplant hat und ihren Karawanenführer Mustafa Ali bestochen hat. Er begegnete ihr vor Wochen kurz in Biskra und war sofort entschlossen sie in seinen Besitz zu bringen. Ahmed eröffnet ihr, dass er damals in Biskra „eine Frau“, statt „einen Jungen“ sah und spielt damit auf ihre Expeditionskleidung an. Seine Bemerkung verdeutlicht ihr, dass er in ihr seine Frau sieht, und sie fühlt sich wie eine Ware auf dem Sklavenmarkt. Auch wenn Diana Ahmed als ihren Peiniger fürchtet und verabscheut, kann sie sich ihrer Faszination für ihn und seiner Attraktivität nicht entziehen.
Kapitel 4
Seit Dianas Entführung ist ein Monat vergangen. Während dieser Zeit hat Ahmed sie regelmäßig vergewaltigt und damit Dianas Eigenwahrnehmung geändert. Sie erlebt die „Unterlegenheit ihres Geschlechts“,Edith Maud Hull: Der Scheich, Übersetzung von Eva Malsch, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1998, S. 97. eine Erfahrung, die ihre jahrelange jungenhafte Erziehung zunichtegemacht hat; unentwegt lässt „man sie spüren, dass sie eine Frau“ ist; alle Unsäglichkeiten muss sie hinnehmen, die sich mit ihrer Weiblichkeit verbinden. „Wie ein Stück Vieh, wie eine Sklavin“ erduldet sie die Gelüste und den Tadel von Ahmed Ben Hassan.Edith Maud Hull: Der Scheich, Übersetzung von Eva Malsch, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1998, S. 98. Für Diana ist es ein Schock, dass all ihre Überzeugungen nichts mehr wert sind, während Ahmed sie unterdrückt, weil sie eine Frau ist, für ihn – den Araber – hätten Frauen keine Gefühle. Einmal will Diana Selbstmord mit einem Revolver begehen, doch hat Ahmed vorsorglich die Kugeln entfernt. Eines Tages erklärt Ahmed Diana, dass er ihren Ungehorsam zähmen wird. Er stellt sie für diesen Tag vor die Wahl freiwillig mit ihm zu schlafen, oder sich von ihm vergewaltigen zu lassen. Am Ende ihrer Widerstandskräfte schwört Diana ihm Gehorsam.
Kapitel 5
Vier Wochen sind vergangen. Diana ist Ahmed widerstrebend gehorsam geworden, sie kämpft mit ihrem Unwillen, hat sich aber in ihr Schicksal ergeben. Doch als sich bei einem Reitausflug die Gelegenheit bietet, unternimmt sie einen Fluchtversuch, wobei sie ständig an Ahmed denken muss. Als dieser sie schließlich in der Wüste aufgreift und wieder zurück ins Lager bringt, gesteht Diana sich ein, dass sie in Ahmed verliebt ist. Trotz allem oder gerade wegen all dem, was er ihr angetan hat: „Trotz seiner Grausamkeit liebte sie ihn, gerade wegen seiner Brutalität und großartigen animalischen Kraft. Und dabei war er ein Araber! Er gehörte einer anderen Rasse an [...] Doch das kümmerte Diana nicht.“Edith Maud Hull: Der Scheich, Übersetzung von Eva Malsch, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1998, S. 137. Sie begreift zudem, dass sie seine Sklavin ist und es ihr daher verwehrt ist, eigenständig ihre Gefühle und Liebe ihm gegenüber auszudrücken. Eine Sklavin müsse alles geben, dürfe aber nichts verlangen.
Kapitel 6
Zwei Monate sind vergangen seit Dianas gescheitertem Fluchtversuch und ihrem Eingeständnis, dass sie Ahmed liebt. Seit dem Fluchtversuch ist er äußerst freundlich zu ihr und sie selbst überglücklich. Doch Ahmed hat keine Gefühle der Liebe für sie, sondern begehrt sie lediglich als Lustobjekt. In ihrem Kopf hallen seine einstigen Worte wieder: „Wenn du mich liebst, würdest du mich langweilen und ich müsste dich gehenlassen.“ Diana wagt es daher nicht, ihm ihre wahren Gefühle der Liebe zu offenbaren, und verbleibt daher in der Rolle der Sklavin, die den Wünschen und sexuellen Begierden ihres Herrn nachkommt. Auf seine Aufforderung gibt sie ihm den ersten freiwilligen Kuss. Immer noch hat er nicht ihren Hochmut vollständig besiegt. Als es zu einer Konfrontation kommt, bei der Ahmed tyrannisch wird, sucht Diana die Schuld bei sich, da sie aufbegehrte, obwohl sie weiß, dass Ahmed keinen Widerspruch duldet. Ahmed wiederum findet für sich genau darin den Reiz, Diana vollständig seinem Willen zu unterwerfen. Schließlich entscheidet Diana sich ihm vollständig zu unterwerfen und keinerlei Widerspruch mehr zu geben, ihre Persönlichkeit aufzugeben und sich uneingeschränkt seinen Launen und Wünschen zu fügen. Ahmed trifft seinen Jugendfreund, den französischen Grafen Raoul Saint Hubert, der Ahmed für dessen Versklavung von Diana kritisiert. Raoul beginnt sich in Diana zu verlieben.
Kapitel 7mini|Rudolph Valentino als Scheich Ahmed Ben Hassan und Agnes Ayres als Diana Mayo in Verfilmung des Romans Der Scheich, 1921.Eine Woche nach der Ankunft seines Freundes Saint Hubert hat sich Ahmed von Diana zunehmend immer mehr zurückgezogen. Diana fürchtet, dass er das Interesse an ihr verloren hat, doch ihre ganze eigene Existenz und Persönlichkeit ist nur noch abhängig von ihrer Liebe zu Ahmed. Diana gesteht sich ein, dass die jungenhafte Erziehung ihres Bruders gescheitert ist und unter „Ahmeds vitaler Männlichkeit und gebieterischer Persönlichkeit“ ihre „fraulichen Instinkte“ erweckt wurden und „die Oberhand“ gewonnen haben.Edith Maud Hull: Der Scheich, Übersetzung von Eva Malsch, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1998, S. 190. Diana ist nun fest entschlossen „alle Waffen“ einzusetzen, „die ihr Schönheit und weibliche Intuition verliehen“, um Ahmeds Aufmerksamkeit und Liebe zurückzugewinnen. Diana erschaudert bei dem Gedanken, dass sie sich „auf dieselbe Stufe“ begibt wie „jene anderen“ Frauen. Bei einem Ausritt in die Wüste wird Diana von den Männern des verfeindeten Stammesführers Ibrahim Omair angegriffen und entführt. Als Ahmed und Raoul erfahren, dass Diana von ihrem Ausritt nicht zurückgekehrt ist, suchen sie sie in der Wüste, finden jedoch, abgesehen von Dianas Kammerdiener, nur ihre getöteten Wächter vor.
Kapitel 8
Diana erwacht im Lager von Ibrahim Omair, der sie über Ahmeds Stamm ausfragt. Als Diana sich weigert, versucht er sie zu vergewaltigen. In diesem Moment greifen Ahmed und seine Männer den feindlichen Stamm an. Ahmed rettet Diana und erdrosselt seinen Gegner, doch wird er im Kampf schwer verletzt. Als seine Männer gesiegt haben bringen sie ihn und Diana in sein eigenes Lager zurück, wo sich Raoul Saint Hubert in Dianas Abwesenheit um Ahmed kümmert, der später im Fieberwahn unbewusst vor sich hin redet. Es wird deutlich, dass Ahmeds ein Gelübde, demnach er geschworen hat, die ihm verhassten Engländer leiden zu lassen - da Diana Engländerin ist, war sie Teil dessen, weshalb er sie vergewaltigte und quälte. Ebenso wird deutlich, dass er in Wahrheit in Diana verliebt ist.
Kapitel 9
Als Diana sich von den Strapazen ihrer Entführung und Befreiung erholt hat, eröffnet ihr Raoul die ganze Wahrheit über Ahmed. Tatsächlich ist er kein Araber, sondern der Sohn des englischen Earl von Glencaryll und einer zwangsverheirateten spanischen Mutter mit maurischen Wurzeln. Die bereits schwangere Mutter litt unter ihrem grausamen und gewalttätigen Ehemann. Als das Paar eine Reise nach Algerien unternahm und in der Wüste lagerte, floh die Mutter vor ihrem Mann aus dem Lager in die Wüste, wo sie von Arabern, dem Stamm des Ahmed Ben Hassan - dem Vater von Ahmed dem Jüngeren - gefunden wurde. Aus Furcht zu ihrem Ehemann zurückgebracht zu werden, verbarg die Mutter ihre Identität und brachte ihren Sohn im Lager zur Welt. Sie starb jedoch bald darauf, vertraute aber vorher dem Scheich das Geheimnis um die Herkunft ihres Sohnes an. Dieser adoptierte ihren Sohn und zog ihn als seinen eigenen auf. Aufgrund des maurischen Blutes seiner Mutter hatte er auch das Aussehen eines Arabers. Als Ahmed im Alter von 21 Jahren schließlich die Wahrheit erfährt, ist er zutiefst wütend und entrüstet und entwickelt einen wahnhaften Hass auf die Engländer.
Kapitel 10