mini|rechts|350px|Mount Edziza, ein Schichtvulkan in der Provinz mini|rechts|350px|Karte des nordwestlichen Nordamerika; die Northern Cordilleran Volcanic Province ist braun markiert.

Die Northern Cordilleran Volcanic Province (NCVP), früher als Stikine Volcanic Belt bezeichnet, ist eine geologische Provinz, die durch das Vorkommen miozäner bis holozäner Vulkane im Pazifischen Nordwesten von Nordamerika definiert ist. Dieser Vulkangürtel erstreckt sich in einem hunderte Kilometer breiten Korridor grob nordnordwestwärts vom nordwestlichen British Columbia und dem Alaska Panhandle durch Yukon bis zum Southeast Fairbanks Census Area im fernen Osten Alaskas. Es ist die jüngste definierte vulkanische Provinz in der Westlichen Kordillere. Sie entstand durch einen Dehnungsbruch des nordamerikanischen Kontinents – ähnlich wie andere Vulkanzonen an Land wie die Basin and Range Province und der Ostafrikanische Graben. Obwohl sich der Name von der Western Cordillera (dt. Westliche Kordillere) ableitet, handelt es sich eher um eine geologische Kategorie als um eine geographische. Im südlichsten Teil der NCVP finden sich mehr und größere Vulkane als im Rest der Provinz; im Norden ist sie weniger klar umrissen und bildet einen großen Bogen, der westwärts durch das zentrale Yukon schwenkt.

Mindestens vier große Vulkane sind in der Northern Cordilleran Volcanic Province zu finden, der Hoodoo Mountain in den Boundary Ranges, der Mount Edziza Volcanic Complex auf dem Tahltan Highland sowie der Level Mountain und der Heart Peaks auf dem Nahlin Plateau. Diese vier Vulkane haben Volumina von jeweils mehr als 15 km³; der Level Mountain als ältester und größter umfasst eine Fläche von 1800 km² und ein Volumen von mehr als 860 km³. Neben den großen Vulkanen gibt es in der gesamten Northern Cordilleran Volcanic Province mehrere kleinere Vulkane, darunter Schlackenkegel, die in der ganzen Vulkanzone weit verbreitet sind. Die meisten dieser kleinen Kegel waren die Orte einer einzigen Eruption; dies steht im Gegensatz zu den größeren Vulkanen, die auf mehr als eine Eruption in ihrer Geschichte zurückgehen.

Die Northern Cordilleran Volcanic Province ist Teil eines Gebietes mit intensiven Erdbeben und vulkanischer Aktivität rund um den Pazifik, das als Pazifischer Feuerring bezeichnet wird. Die Northern Cordilleran Volcanic Province wird allgemein als Teil einer Lücke im Feuerring zwischen dem weiter südlich gelegenen Cascade Volcanic Arc und dem nördlich gelegenen Aleutenbogen angesehen. Die NCVP wird jedoch als Heimstatt von über 100 einzelnen Vulkanen angesehen, die in den letzten 1,8 Millionen Jahren aktiv waren. Mindestens drei von ihnen brachen in den vergangenen 360 Jahren aus, was die Provinz zum vulkanisch aktivsten Gebiet in Kanada macht. Ungeachtet dessen hat die spärlich vorhandene Bevölkerung nur wenige Eruptionen beobachten können, weil die Gegend sehr entlegen ist und die Vulkane unregelmäßig aktiv sind.

Geologie Herkunft und chemische Zusammensetzung mini|250px|alt=Diagramm eines großen Felsbruchs; zwei Seiten der kontinentalen Kruste streben auseinander und bilden eine Verwerfung. Lava entweicht durch den Bruch.|Der Grabenbruch der Northern Cordilleran Volcanic Province Die Northern Cordilleran Volcanic Province war eine Zone aktiven Vulkanismus, seit sie vor 20 Millionen Jahren entstand. Anders als in anderen Teilen des Pazifischen Feuerrings liegt der Ursprung der NCVP im Gebiet eines kontinentalen Grabenbruchs, wo die Erdkruste und Lithosphäre auseinandergezogen werden. Die Abweichung zu anderen Teilen des Pazifischen Feuerrings besteht darin, dass letzterer aus großen Vulkanbögen besteht, die bei der Subduktion der ozeanischen Kruste an Tiefseerinnen entlang der Kontinentalränder rund um den Pazifik entstanden sind. Die kontinentale Kruste in der Northern Cordilleran Volcanic Province wird mit einer Rate von etwa 2 cm pro Jahr gedehnt. Dieses einsetzende Rifting entstand im Ergebnis des nordwärts gerichteten Gleitens der Pazifischen Platte entlang der Queen-Charlotte-Verwerfung auf ihrem Weg zum Aleutengraben, welcher sich entlang der Südküste von Alaska und der angrenzenden Gewässer südlich der Halbinsel Kamtschatka erstreckt. Im Ergebnis ist der Vulkanismus in der NCVP auch nicht mit einem Backarc-Becken-Vulkanismus gekoppelt. Wenn die aufgestaute Energie plötzlich in unregelmäßigen Intervallen bei einer Rutschung der Platte entlang der Verwerfung freigesetzt wird, können sehr schwere Erdbeben ausgelöst werden wie das Erdbeben vor den Queen Charlotte Islands 1949 mit einer Magnitude von 8,1. Da diese Fernfeld-Kräfte die Kruste an der Nordamerikanischen Platte dehnen, zerbrechen die Gesteine nahe der Oberfläche entlang tief reichender Verwerfungen parallel zum Grabenbruch. Heißes Magma steigt zwischen den Rissen auf und erzeugt passive oder effusive Eruptionen. Vulkane in der Northern Cordilleran Volcanic Province sind entlang sich leicht nordwärts verschiebender Abschnitte angeordnet, welche im Norden der vulkanischen Provinz unzweifelhaft in sich nordwärts verschiebende Grabenstrukturen einbezogen werden, wozu auch synvulkanische Gräben und Gräben mit einer Haupt-Verwerfung entlang nur einer Grenze („Halb-Gräben“) gehören. Gräben sind Hinweise auf Spannungs-Kräfte und Krusten-Dehnungen.

Zwei wichtige, hunderte Kilometer lange, nordwärts strebende Verwerfungen erstrecken sich entlang der Northern Cordilleran Volcanic Province. Diese beiden Fels-Objekte, die sogenannten Tintina- und Denali-Verwerfungssysteme, waren seit der Kreidezeit tektonisch als Blattverschiebung aktiv. Die Denali-Verwerfung im Westen und die Tintina-Verwerfung im Osten sind nahezu 2000 km lang und erstrecken sich vom nördlichen British Columbia bis nach Zentral-Alaska. Zu den anderen Vulkanismus auslösenden Mechanismen in der Northern Cordilleran Volcanic Province gehören Mantel-Plumen, Rückzug von Vereisungen und Schollen-Fenster, obwohl kontinentales Rifting die genaueste Erklärung für den Vulkanismus in der Zone liefert. Dies wird dadurch gestützt, dass die Magmen hauptsächlich alkalisch sind, wozu alkalische und peralkalische Gesteinstypen gehören, und dass das hauptsächlich auftretende räumlich-zeitliche Muster des Vulkanismus in der Mitte der vulkanischen Provinz zu finden ist, was von einer Bewegung nach Süden, Norden und möglicherweise Nordosten gefolgt wird. Außerdem ist der Hitzestrom in der Northern Cordilleran Volcanic Province stark, seismische Aktivität fehlt großräumig und die längste Epoche vulkanischer Aktivität korreliert mit einer Zeitverzögerung der reinen Erweiterung zwischen Pazifischer und Nordamerikanischer Platte.

mini|250px|links|alt=Karte der Northern Cordilleran Volcanic Province und Orte nahegelegener Verwerfungszonen; die Vulkane liegen in der Region zwischen den beiden Verwerfungen.|Kleinere und größere Vulkane der Northern Cordilleran Volcanic Province, einschließlich der Queen-Charlotte-, der Denali- und der Tintina-Verwerfung Eine Palette eher stark alkalischer Gesteinstypen, die normalerweise nicht in der westlichen Kordillere gefunden werden, ist in der Northern Cordilleran Volcanic Province regional weit verbreitet. Dazu gehören Nephelinit- und Basanit- sowie die peralkalischen Phonolith-, Trachyt- und Comendit-Laven. Die Magnesiumoxid-reichsten Nephelinite, Basanite und alkalischen Basalte in der gesamten Northern Cordilleran Volcanic Province zeigen Gehalte an Spurenelementen sowie Isotopen-Zusammensetzungen, die folgerichtig sind, wenn eine asthenosphärische Quelle wie die durchschnittlicher ozeanischer Insel-Basalte und weniger als fünf Millionen Jahre alter alkalischer Basalte aus der mit einem Grabenbruch in Zusammenhang stehenden Basin and Range Province der südwestlichen Vereinigten Staaten und des nordwestlichen Mexiko existiert. Eine hypothetische Erklärung für ozeanische Insel-Basalte im oberen Erdmantel unter der Northern Cordilleran Volcanic Province ist die Existenz eines Schollenfensters. Es gibt jedoch nicht sehr viel wahrnehmbare Evidenz für die Verbindung zwischen der Produktion von Magma im oberen Erdmantel und einem möglichen tektonischen System.

Die Existenz einer Verwerfung an der Westflanke des Mount Edziza Volcanic Complex wird normalerweise für die primäre strukturelle Evidenz für ein kontinentales Rifting in der Northern Cordilleran Volcanic Province gehalten. Jüngere Kartierungen und seismische Studien in den Coast Mountains haben jedoch die Anwesenheit von Sprödbrüchen im Zusammenhang mit dem Grabenbruch südwestlich der kleinen Gemeinde Stewart im Nordwesten von British Columbia dokumentiert. Aber diese Verwerfungen waren 1997 Gegenstand des Disputs bei Geologen, welche darlegten, dass diese Verwerfungen zuletzt vor 20 bis 5 Millionen Jahren aktiv waren. Eine Abfolge nordwärts strebender Verwerfungen wurde 1999 kartiert, die jüngere Bruchereignisse parallel zur Südwestgrenze der Northern Cordilleran Volcanic Province zu repräsentieren scheinen. Diese Rifting-bezogenen Verwerfungen könnten allenfalls vor fünf Millionen Jahren aktiv gewesen sein, und sie könnten auch Verbindungen mit miozäner oder jüngerer vulkanischer Aktivität in der Nachbarschaft des südlichen Teils der NCVP haben. Im Endeffekt könnten die Sprödbrüche mit ähnlichen nordwärts strebenden Richtungen sogar bis zur Westflanke des Mount Edziza Volcanic Complex reichen. Diese tektonischen Ereignisse halfen bei der Bildung der Struktur der Northern Cordilleran Volcanic Province.

Die Subduktion neben dem Westteil der Westlichen Kordillere endete vor 43 bis 40 Millionen Jahren. Dies führte schließlich zur Bildung eines Schollenfensters unter dem Nordteil der Westlichen Kordillere vor 10 Millionen Jahren und ermöglichte den Zugang zum relativ wenig aufgebrauchten oberen Erdmantel. Ein Umschalten der relativen Plattenbewegungen an der Queen-Charlotte-Verwerfung vor 10 Millionen Jahren produzierte folgerichtig Spannungen über den gesamten Nordteil der Westlichen Kordillere hinweg, was zu einer Ausdünnung der Erdkruste und einem druckentlastenden Schmelzen des ozeanischen inselbasaltartigen Mantels mit alkalischem Vulkanismus führte. Verschiedene Modell der Plattenbewegung zeigen einen Rückschlag auf die reine Kompression der Queen-Charlotte-Verwerfung irgendwann nach einem Zeitpunkt vor fünf Millionen Jahren. Obwohl kein ausgedehntes Rifting in der Northern Cordilleran Volcanic Province erkannt wurde, ist der Vulkanismus in den vergangenen 1,6 Millionen Jahren möglicherweise auf wiederholtes Aufwallen des oberen Erdmantels und dieses begleitende Scherung in der gesamten Queen-Charlotte-Verwerfung zurückzuführen, die teilweise von zahlreichen von Ost nach West strebenden Bruchzonen aufgenommen wurden, welche sich über die gesamte Northern Cordilleran Volcanic Province erstrecken.

Die vulkanischen Objekte, aus denen die Northern Cordilleran Volcanic Province besteht, fügen sich widerspruchsfrei in die Rifting-Umgebung ein. Alkalischer Basalt, weniger hawaiitische und basanitische Magmen aus effusiven Eruptionen schufen die mächtigen Schildvulkane und die kleinen Schlackenkegel in der vulkanischen Provinz, von denen einige aus Lherzolith-Magma bestehen. Felsische Magmen aus stärker viskosen Eruptionen schufen die mächtigen zentralen Vulkane und bestehen großenteils aus Trachyt-, Pantellerit- und Comendit-Laven. Die Entstehung dieser felsischen vulkanischen Objekte wird so verstanden, dass sie durch Fraktionierung hauptsächlich alkalischen basaltischen Magmas in Speichern der Erdkruste entstanden. Ein Gebiet kontinentalen Riftings wie die Northern Cordilleran Volcanic Province würde die Bildung leistungsstarker Speicher von geeigneter Größe und thermaler Aktivität unterstützen, welche langlebige Fraktionierung aufrechterhalten könnte.

Dicke der Lithosphäre mini|200px|alt=Dunkle raue Felsen nahe einem Gletscher|Exponierte Lavaströme an den Flanken des Hoodoo Mountain