Enzo ist ein Spielfilm von Robin Campillo aus dem Jahr 2025. Im Mittelpunkt des Dramas steht die Titelfigur, der 16-jährige Enzo, der entgegen den familiären Erwartungen eine Maurerlehre beginnt und dabei einem charismatischen ukrainischen Kollegen begegnet. Die Hauptrollen übernahmen die jungen Nachwuchsschauspieler Eloy Pohu und Maksym Slivinskyi. Die europäische Koproduktion zwischen Frankreich, Belgien und Italien wurde Mitte Mai 2025 im Rahmen der Internationalen Filmfestspielen in Cannes uraufgeführt.
Handlung Enzo wächst bei seiner Familie in einer eleganten Villa in Südfrankreich auf. Entgegen aller Erwartungen beschließt der 16-Jährige eines Tages eine Ausbildung als Maurer zu beginnen. Diese Entscheidung schockiert seine Familie, die sich ein prestigeträchtigeres Leben für ihren Sohn vorgestellt hatte. Daraufhin nehmen im Elternhaus die Spannungen zu, was Enzo belastet. Auf der Baustelle die Bekanntschaft mit dem 25-jährigen Ukrainer Vlad. Der Arbeitskollege holt Enzo aus der Komfortzone und stellt seine Welt auf den Kopf. Schon bald muss Enzo erkennen, dass ihm das Leben unerwartete Möglichkeiten bietet.Enzo. In: mk2films.com (abgerufen am 9. März 2025).
Die Eltern versuchen, Enzo auf eine Privatschule für Schulabbrecher zu locken, der Sohn entgegnet ihnen, nie wieder eine Schule zu betreten und will auf der Baustelle bleiben. Bald erklärt er Vlad seine Zuneigung und versucht eine körperliche Annäherung, wird aber abgewiesen. Zugleich erlebt Enzo eine romantische Episode mit einem Mädchen. Die Spannungen mit Vlad gipfeln in einem Kampf auf der Baustelle mit einem Bluterguss bei Enzo als Folge. Vlad beschließt, anders als eben noch geplant, mit einem Arbeitskollegen in die Ukraine zurückzukehren und in die Streitkräfte einzutreten.
Hintergrund mini|hochkant|Robin Campillo (2018) Enzo ist der fünfte Spielfilm des französischen Filmemachers Robin Campillo. Das Drehbuch verfasste er gemeinsam mit dem im April 2024 verstorbenen Filmemacher Laurent Cantet. Ursprünglich hatte Cantet geplant die Regie an dem Projekt selbst zu übernehmen. Im Jahr 1983 hatten Campillo und er gemeinsam ihre Ausbildung an der Pariser Filmhochschule Institut des hautes études cinématographiques (IDHEC) begonnen und waren seitdem freundschaftlich und beruflich miteinander verbunden gewesen. So war Campillo fünfmal als Co-Autor und sechsmal als Editor an den Filmen Cantets beteiligt gewesen, darunter an dessen preisgekröntem Werk Die Klasse (2008).Fabien Lemercier: Shooting now imminent on Robin Campillo’s Enzo. In: Cineuropa, 10. Juni 2024 (abgerufen am 9. März 2025). Am Drehbuch arbeitete auch Gilles Marchand mit, der am Skript von Campillos vorangegangenen Spielfilm L’île rouge (2023) beteiligt war.Enzo. In: advitamdistribution.com (abgerufen am 22. April 2025).
Für das Projekt tat sich Campillo mit seinen langjährigen Weggefährtinnen Marie-Ange Luciani (Produktion) und Jeanne Lapoirie (Kamera) zusammen. Für die Hauptrollen von Enzo und Vlad wurden die im Kino noch unerprobten jungen Nachwuchsdarsteller Eloy Pohu und Maksym Slivinskyi verpflichtet. In weiteren Rollen sind die bekannten Kinoschauspieler Pierfrancesco Favino und Élodie Bouchez zu sehen. Die Dreharbeiten fanden in einem Zeitraum von sechs Wochen zwischen Mitte Juni und Ende Juli 2024 in Südfrankreich, in Toulon und La Ciotat, statt.
Der Film ist eine belgisch-französisch-italienische Koproduktion, produziert von Marie-Ange Luciani für Les Films de Pierre. Es ist für sie die vierte gemeinsame Zusammenarbeit mit Campillo. Als Koproduzenten traten France 3 Cinéma, Page 114 und Ami Paris aus Frankreich, BeTV und RTBF aus Belgien sowie das italienische Unternehmen Lucky Red in Erscheinung. Die Vorverkaufsrechte sicherten sich Canal+ und Ciné+. Darüber hinaus wurde das Filmprojekt durch die Région Sud, die Stadt Toulon sowie von den SOFICA-Unternehmen Cinécap, La Banque Postale Image, Cofinova und Cinéaxe unterstützt.
Rezeption Janick Nolting bezeichnete Enzo im Sissy Magazin als „betörenden, aber ebenso drückenden sommerlichen“ Film. Er hebt besonders die Bildgestaltung von Jeanne Lapoirie hervor, deren statische Einstellungen und kontrollierte Bewegungen eine streng gerahmte, geordnete Welt entwerfen. Nolting liest den Film als Coming-of-Age-Erzählung, in der familiäres Drama, verunsicherte Sexualität und soziale wie geopolitische Spannungen ineinandergreifen.
Im Filmdienst bemerkt Kira Taszman, der Film zeichne „ein sensibles Porträt über Sehnsucht und soziale Zugehörigkeit“ und überzeuge durch seine ruhige, beobachtende Erzählweise, die die innere Zerrissenheit der Hauptfigur authentisch erfahrbar mache.
Auch Gerhard Midding bewertete den Film in epd Film positiv und beschrieb ihn als kein einfach postumes Werk Laurent Cantets, sondern als „Vermächtnis, das an der Schwelle zur Zukunft steht“; hervorgehoben wurden dabei die sommerliche Atmosphäre, Jeanne Lapoiries leichtfüßige Kameraarbeit sowie die Darstellung vorläufiger, noch namenloser Gefühle des jugendlichen Protagonisten.
Im Kinder- und Jugendfilmportal schreibt Frank Münschke, Enzo unterlaufe die Erwartung eines konventionellen Queer-Coming-of-Age-Films. Er sieht in der Gegenüberstellung von jugendlicher Überforderung, Klassenkonflikt und gegenwärtiger Kriegserfahrung die besondere Stärke des Films; gerade diese Verschränkung mache ihn so wirkmächtig.
Veröffentlichung Seine Uraufführung hatte Enzo als Eröffnungsfilm der unabhängigen Nebensektion Quinzaine des cinéastes bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes.
In Frankreich wird Enzo von Ad Vitam in den Kinos gebracht, in Italien durch den Verleih Lucky Red.Enzo. In: allocine.fr (abgerufen am 9. März 2025).Enzo. In: crew-united.com (abgerufen am 9. März 2025). Der Weltvertrieb liegt bei mk2 Films. In Deutschland wird Enzo durch den Verleih Salzgeber ins Kino gebracht. Der deutsche Kinostart erfolgte am 2. April 2026.
Weblinks Enzo im Programm der Quinzaine des cinéastes (englisch/französisch) Offizielle Website von Ad Vitam (französisch)
Enzo beim deutschen Verleih Salzgeber
Einzelnachweise
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