Die Chronologie des Krieges in Nahost, Dezember 2024 und Januar 2025 dokumentiert die Entwicklungen seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 1. Dezember 2024 bis zum 31. Januar 2025. Für den zeitlichen Ablauf des kompletten israelisch-palästinensischen Konflikts siehe Chronologie des israelisch-palästinensischen Konflikts.

Dezember 2024 1. Dezember Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNRWA unterbrach aus Sicherheitsgründen seine über den Hauptgrenzübergang Kerem Schalom getätigten Hilfslieferungen zum Gazastreifen. Bewaffnete Banden hätten wiederholt Lieferungen geplündert.

2. Dezember Der ägyptische Außenminister berichtete, Delegationen der militant-islamistischen Hamas und der im Westjordanland regierenden säkularen Fatah hätten sich dahingehend verständigt, dass der Gazastreifen nach Kriegsende „vollständig“ von der palästinensischen Autonomiebehörde kontrolliert werden solle.

Zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz kam es zu Schlagabtauschen – Raketenbeschuss von der Hisbollah und israelischen Angriffen im Südlibanon. Libanesische Stellen meldeten neun Tote. Beide Seiten warfen einander Verletzungen der Waffenruhe vor. Die USA plädierten dafür, die erfolgten Verstöße nicht überzubewerten.

Die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens riefen Israel brieflich dazu auf, die ungehinderte Einfuhr humanitärer Hilfe im Gazastreifen sicherzustellen. Das israelische Außenministerium wies den Brief scharf zurück. Man schränke die Einfuhr nicht ein, die Probleme entstünden bei der Verteilung, unter anderem „aufgrund von Plünderungen durch die Hamas“.

3. Dezember Ärzte forderten die Wiedereröffnung eines humanitären Korridors für medizinische Evakuierungen aus dem Gazastreifen. Etwa 25.000 Menschen dort bräuchten lebensrettende medizinische Hilfe, hieß es in einer Erklärung der Physicians for Human Rights Israel (PHRI) und des Krankenhausnetzwerks Ostjerusalem.

Die der Islamischen Republik Iran nahestehende Huthi-Miliz reklamierte drei gegen Israel geführte Drohnenattacken für sich. Sie habe dabei Unterstützung aus dem Irak erhalten.

Laut israelischen Meldungen wurde ein hochrangiger, für Verbindungen zur syrischen Armee verantwortlicher Hisbollah-Funktionär in der Nähe von Damaskus bei einem israelischen Luftangriff auf ein Auto getötet. Auch im Westjordanland wurden zwei Menschen bei einem Angriff auf ein Auto getötet; die israelische Armee sagte, der Angriff habe Terroristen gegolten. Bei Angriffen im Zentrum des Gazastreifens seien zudem sieben am Massaker des 7. Oktober beteiligte Palästinenser getötet worden.

Die UN-Vollversammlung stimmte mit einer Mehrheit von 157:8 für die Resolution 79/81, die die Schaffung eines palästinensischen Staates gemäß der Grünen Linie und das Ende der völkerrechtswidrigen israelischen Besatzung der Palästinensergebiete forderte. Neben den acht Gegenstimmen (Argentinien, Israel, Mikronesien, Nauru, Palau, Papua-Neuguinea, Ungarn, USA) gab es sieben Enthaltungen (Ecuador, Georgien, Kamerun, Paraguay, Tschechien, Ukraine, Uruguay). Frankreich und Saudi-Arabien kündigten für das kommende Jahr einen Gipfel zur Zweistaatenlösung an.

5. Dezember Nach monatelangen Recherchen kam die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in einem Bericht zu dem Ergebnis, der israelische Staat begehe „Völkermord“ im Gazastreifen.

8. Dezember Stunden nach dem Sturz des Assad-Regimes übernahmen die israelischen Streitkräfte die vollständige Kontrolle über die UN-Pufferzone auf den Golanhöhen sowie über die Städte Chan Arnaba und Madinat al-Baath. Israel besetzte auch die syrische Seite des Bergs Hermon am Südende des Anti-Libanon.

11. Dezember Laut dem Jahresbericht von Reporter ohne Grenzen sind seit Oktober 2023 im Gazastreifen und im Libanon 145 Journalisten von der israelischen Armee getötet worden. Die Organisation reichte diesbezüglich gegen Israel Klagen beim Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen gegen Journalisten ein. In den Augen der Organisation ist der Gaza-Streifen zur „gefährlichsten Region der Welt für Journalisten geworden“. Dort ist „der Journalismus selbst vom Aussterben bedroht“, da die israelische „Mediensperre“ ausländischen Journalisten die Einreise verwehrt.

Mit der Resolution ES-10/26 fordert die UN-Vollversammlung mit 158 Ja-Stimmen bei 9 Nein-Stimmen eine sofortige, bedingungslose und dauerhafte Waffenruhe und die sofortige Freilassung aller Geiseln.

12. Dezember Bei einem israelischen Luftangriff sind laut Reuters 33 Palästinenser getötet worden. Reuters zufolge beschossen die israelischen Streitkräfte eine Poststelle im Flüchtlingslager Nuseirat. Israel erklärte, der Luftangriff habe einen Anführer des Islamischen Dschihad zum Ziel gehabt.

15. Dezember Israel flog im Anschluss an den Fall der syrischen Assad-Regierung Luftangriffe auf militärische Ziele in Syrien. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte eine Expansion israelischer Siedlungen in den besetzten syrischen Gebieten an.

19. Dezember Die nichtstaatliche Organisation Human Rights Watch warf der israelischen Regierung in einem ausführlichen Bericht Völkermord vor, da Israel den Palästinensern im Gazastreifen bewusst sauberes Wasser verweigere.

In einem Bericht kam die Organisation Ärzte ohne Grenzen zu dem Schluss, dass es im Gazastreifen klare Zeichen ethnischer Säuberungen gebe.

Die UN-Generalversammlung stimmte einer Resolution zu, nach der der Internationale Gerichtshof ein Rechtsgutachten zur Frage erstellen müsse, ob Israel Hilfsleistungen für Palästinenser von den Vereinten Nationen und internationalen Gruppen zulassen müsse.

21. Dezember Beim Einsatz gegen die Huthi-Miliz schoss die Gettysburg versehentlich eine F/A-18 Hornet der Harry S. Truman vor der Küste des Jemen mit einer Rakete ab („Friendly Fire“). Beide Piloten wurden gerettet, einer leicht verletzt. Beim Einsatz der US-Truppen wurden mehrere Huthi-Drohnen und ein Marschflugkörper über dem Roten Meer abgeschossen.

26. Dezember Die New York Times veröffentlichte eine Recherche, der zufolge das israelische Militär nach dem 7. Oktober 2023 die als akzeptabel eingestufte Anzahl toter Zivilisten in Gaza scharf erhöhte. So seien israelische Offiziere mittlerer Dienstgrade autorisiert worden, zur Tötung eines niederrangigen Hamas-Kämpfers bis zu 20 tote Zivilisten in Kauf zu nehmen. In einigen Fällen seien Angriffe genehmigt worden, von denen man wusste, dass sie an die 100 Zivilisten gefährden würden. Dabei habe sich das israelische Militär oft auf „ein grobes statistisches Modell“ gestützt.

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, geriet bei einem israelischen Luftangriff auf den Flughafen von Jemens Hauptstadt Sanaa unter Feuer. Laut der BBC wurden nach Angaben der Huthi-Miliz drei Menschen getötet und 30 weitere verletzt. Der WHO-Chef und die anderen Mitglieder seiner Delegation blieben unverletzt, doch unter den Verletzten befand sich ein Besatzungsmitglied ihres Flugzeugs.

28. Dezember Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) übte scharfe Kritik an einem Militäreinsatz der israelischen Armee, der das Kamal-Adwan-Krankenhaus, das letzte noch funktionierende Krankenhaus im Norden des Gazastreifens, außer Betrieb setzte. Die israelische Armee nahm dabei nach eigenen Angaben 240 mutmaßliche Hamas-Kämpfer gefangen. Nach Angaben der WHO gefährdet die „über 80 Tagen andauernde Belagerung“ das Leben der 75.000 Menschen, die in diesem Gebiet verblieben sind.

31. Dezember Das UN-Menschenrechtsbüro veröffentlichte einen Bericht, wonach Israel zwischen Oktober 2023 und Juni 2024 mindestens 27 Kliniken und 12 andere medizinische Einrichtungen im Gazastreifen 136 Mal angegriffen habe. Das Menschenrechtsbüro spricht von „erheblichen“ Opferzahlen. Dem Bericht zufolge liegen keine stichhaltigen Beweise vor, dass die Krankenhäuser von der Hamas für militärische Zwecke genutzt worden seien, wie es Israel als Begründung für die Angriffe anführte. Gezielte Angriffe auf nicht militärisch genutzte Kliniken und unverhältnismäßige Angriffe auf Zivilisten seien Kriegsverbrechen, erklärte das Büro.

Januar 2025 3. Januar Der Staat Israel und die Palästnenserorganisation Hamas wollen in eine neue Runde der am 25. August 2024 vorläufig ausgesetzten Waffenstillstandsverhandlungen treten. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu genehmigte nach Angaben seines Büros am 3. Januar 2025 die Entsendung einer Verhandlungsdelegation in die Hauptstadt des arabischen Emirats Katar Doha. Katar vermittelt zusammen mit Ägypten und den Vereinigten Staaten im seit Oktober 2023 laufenden Golfkrieg zwischen Israel und der der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas. Diese lehnte direkte Verhandlungen bisher ab, will aber anscheinend zu den bevorstehenden Verhandlungen Vertreter ihrer Organisation schicken. Wie die französische Nachrichtenagentur AFP meldete, sei eine Delegation der Palästinenserorganisation bereits in der ägyptischen Hauptstadt Kairo eingetroffen, um in den kommenden Tagen die in Doha bevorstehenden Verhandlungen vorzubereiten. Zuletzt hatten sich Israel und die Hamas gegenseitig vorgeworfen, den Abschluss einer Waffenstillstandsvereinbarung zu verzögern. Einer der Hauptstreitpunkte in den bevorstehenden Verhandlungen wird die Frage einer dauerhaften Waffenruhe sein. Die Hamas fordert Medienberichten zufolge, dass Israel sich nicht nur zu einer Waffenruhe, sondern darüber hinaus zu einem Ende des laufenden Gazakrieges verpflichtet. Israel hingegen will nur eine mehrstufige Vereinbarung mit befristeten Feuerpausen akzeptieren.Verhandlungen über Waffenruhe wieder aufgenommen, 4. Januar 2025, tagesschau.de, abgerufen am 13. Januar 2025.

Als Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Waffenstillstandsverhandlungen fordert Israel von der Hamas eine Liste mit Namen aller im Gazastreifen festgehaltenen noch lebenden Geiseln. Medienberichten zufolge erklärte die Hamas, dass sie für die Zusammenstellung einer solche Liste eine Kampfpause benötige, um Aufenthaltsort und Gesundheitszustand der Geiseln feststellen zu können.

4. Januar Israels Luftwaffe und der Inlandsgeheimdienst Schin Bet meldeten mehr als 100 Angriffe auf sogenannte „Terrorziele“ in Gaza an, darunter auch mehrere Raketenabschussrampen. Dabei sollen Dutzende Mitglieder der Hamas „eliminiert“ worden sein. Man habe auf deren Raketenangriffe reagiert. Angeblich sollen vor den Angriffen Maßnahmen ergriffen worden sein, um Zivilopfer zu vermeiden, nach Hamas-Angaben gab es auch viele zivile Opfer.

Die Hamas veröffentlichte ein Video mit der 19-jährigen Soldatin Liri Albag, die am 7. Oktober 2023 aus einem Grenzüberwachungszentrum der israelische Armee (IDF), dass sich in der Nähe des Kibbuz Nahal Oz am Grenzzaun zum Gazastreifen als Geisel der Hamas in den Gazastreifen entführt wurde und sich dort noch in Geiselhaft befindet. Liri Albag sagte in dem Video, das von der Hamas von ihr während ihrer Geiselhaft aufgenommen wurde: „Ich bin seit mehr als 450 Tagen eine Gefangene in Gaza.“ Albags Mutter wandte sich an die Bevölkerung: „Liebes Volk Israel, heute haben wir ein Lebenszeichen von Liri erhalten. Wir haben ein Video gesehen, das schwer zu ertragen war. Das ist nicht die Liri, die wir kennen.“ Ihr Vater fügte hinzu: „Wir haben vom Premierminister und vom Verteidigungsminister gefordert, dass das Verhandlungsteam nicht ohne eine Einigung zurückkehren darf. Wir haben ihren Worten entnommen, dass sie bereit sind, ein Abkommen zu schließen und alle Geiseln nach Hause bringen.“Hamas veröffentlicht weiteres Geisel-Video, 4. Januar 2025, tagesschau.de, abgerufen am 13. Januar 2025.