Das Kastell Füssen (auch: Foetes oder Foetibus) war ein römisches Militärlager der späten Kaiserzeit in der bayerisch-schwäbischen Stadt Füssen im Landkreis Ostallgäu.
Lage, Quellen und Forschungsgeschichte mini|Trasse der Via Claudia Augusta im Forggensee Das antike Militärlager und heutige Bodendenkmal liegt auf dem 100 m langen und 45 m bis 60 m breiten, nach Norden, Osten und Süden hin steil abfallenden Sporn des „Schlossbergs“. In der antiken Verkehrsgeographie querte dort die von Norditalien heranführende Via Claudia Augusta den Lech um dann weiter nordwärts nach Augusta Vindelicorum und zur Donau zu führen. Nördlich von Füssen, im Forggensee hebt sich noch heute bei Niedrigwasser der Straßenkörper der Via Claudia über den Wasserspiegel. Der Name des Kastells wird in der Notitia Dignitatum als Foetibus (deutsch: „mit den Füßen“) oder Foetes (deutsch: „Füße“) überliefert, was möglicherweise mit der Aufgabe der dort stationierten Truppe zusammenhängt, Nachschub zu Fuß über die Berge zu transportieren. Im heutigen Siedlungsbild befindet sich die Fundstelle im Innenhof des Hohen Schlosses zu Füssen.
Die Lokalisierung des Kastells gelang bei Ausgrabungen des Jahres 1955, 1957 wurden rund 400 m westsüdwestlich der rezenten Kirche St. Mang, im Stadtteil Bad Faulenbach spätrömische Gräber entdeckt.Wolfgang Czysz: Füssen, Lkr. Ostallgäu, Schw. Spätrömisches Kastell auf dem „Schloßberg“. In: Ders., Karlheinz Dietz, Thomas Fischer, Hans-Jörg Kellner: Die Römer in Bayern. Lizenzausgabe. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-11-6, S. 447.Karlheinz Dietz, Thomas Fischer, Veronika Fischer: Bayern zur Römerzeit. Archäologie und Geschichte. Pustet, Regensburg 2025, ISBN 978-3-7917-3520-7, S. 390.
Archäologische Befunde und Hypothesen Am Nordufer des Lechs, unterhalb des „Schlossbergs“ wird schon lange ein frühkaiserzeitlicher Militärposten oder zumindest eine der Mansiones der via Claudia Augusta vermutet, bislang ohne greifbares archäologisches Ergebnis. Ebenfalls wird eine mittelkaiserzeitliche Ansiedlung angenommen, hierzu gibt es wenigstens einen auf diese Zeit datierbaren Inschriftstein, der sekundär im Kloster St. Mang verbaut wurde, = HD053608 aber darüber hinaus auch keinen archäologischen Beleg. Im Jahr 1684 sollen zudem auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Bad Faulenbach 2000 römische Silbermünzen ausgegraben worden sein, die jedoch heute verschollen sind. Lediglich drei der Münzen konnte man dem Kaiser Trebonianus Gallus (251–253) zuschreiben.Peter Kos: Sub principe Gallieno ... amissa Raetia ? Numismatische Quellen zum Datum 259/260 n. Chr. in Raetien. In: Germania, Band 73, Nummer 1, 1995, S. 131–144, insbesondere S. 139 (Digitalisat).
Gesichert ist lediglich das spätantike Kastell. Im Hof des Hohen Schlosses zu Füssen wurde in zwei Sondierungsschnitten Keramik des zweiten und vierten Jahrhunderts geborgen, sowie ein Antoninian des Diocletian aus dem Prägejahr 303 und ein Follis des Konstantin I. aus dem Prägezeitraum 318 bis 326. In einem weiteren Suchschnitt im rückwärtigen Graben der mittelalterlichen Burgmauer konnten weitere Mauerreste dokumentiert werden, die offenbar in römischer Bautechnik konstruiert worden waren, da sie aus Opus caementitium mit Ziegelverblendung auf beiden Seiten bestanden. Eine an die Mauer anstoßende Kulturschicht enthielt das Randstück einer Terra sigillata Schale vom Typ Drag. 18/37 aus dem 2. Jahrhundert. In der Höhe der Maueroberkante wurde als Streufund noch eine Maiorina des Constantius Gallus (351–354) geborgen. Zudem wurden 400 m westsüdwestlich der Kirche St. Mang drei spätrömische Frauengräber freigelegt.Joachim Werner: Spätrömische Befestigung auf dem Schloßberg in Füssen (Allgäu). In: Germania, Band 34, Nummer 3/4, 1956, S. 243–248 (Digitalisat). mini|Schematische Darstellung der Kastelle unter dem Kommando des Dux Raetiae in der Notitia dignitatum, darunter auch Foetibus und Teriolis (untere Reihe) Die Besatzung des in der Notitia dignitatum erwähnte Foetibus (Foetes) stand als Vexillation der Legio III Italica unter dem Kommando eines Praefectus legionis tertiae Italicae transvectioni specierum deputatae, Foetibus (deutsch: „Präfekt der Dritten Italienischen Legion, zuständig für den Transport von zugewiesenen Arten in Foetibus“). Diese Einheit der rätischen Provinzarmee (lateinisch: exercitus Raeticus) unter dem Oberkommando des Dux Raetiae primae et secundae hatte die Aufgabe, zusammen mit der Schwestereinheit in Zirl (lateinisch: Teriolis) unter Befehl eines Praefectus legionis tertiae Italicae transvectioni specierum deputatae, Teriolis (deutsch: „Präfekt der Dritten Italienischen Legion, zuständig für den Transport von zugewiesenen Arten in Teriolis“) die Alpenübergänge und damit auch den Nachschub zwischen dem süddeutschen Voralpenland und dem italischen Mutterland zu sichern.
Unterhalb der Ruinen dieses Kastells wurde im 8. Jahrhundert das Benediktinerkloster St. Mang erbaut. Das Kastell selber wurde später vom Hohen Schloss Füssen überbaut.
Denkmalschutz Das Kastell und die römischen Körpergräber sind mit dem Aktenzeichen D-7-8430-0004 registrierte Bodendenkmale nach dem Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler (Bayerisches Denkmalschutzgesetz – BayDSchG).Bodendenkmal D-7-8430-0004 im Bayerischen Denkmalatlas, abgerufen am 8. Juni 2026. Die Via Claudia zum und im See ist unter den Aktenzeichen D-7-8430-0001Bodendenkmal D-7-8430-0001 im Bayerischen Denkmalatlas, abgerufen am 8. Juni 2026. und D-7-8430-0003Bodendenkmal D-7-8430-0003 im Bayerischen Denkmalatlas, abgerufen am 8. Juni 2026. geschützt. Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind dort erlaubnispflichtig, Zufallsfunde sind den Denkmalbehörden anzuzeigen.
Siehe auch Liste der Kastelle des Donau-Iller-Rhein-Limes
Literatur Wolfgang Czysz: Füssen, Lkr. Ostallgäu, Schw. Spätrömisches Kastell auf dem „Schloßberg“. In: Ders., Karlheinz Dietz, Thomas Fischer, Hans-Jörg Kellner: Die Römer in Bayern. Lizenzausgabe. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-11-6, S. 447. Karlheinz Dietz, Thomas Fischer, Veronika Fischer: Bayern zur Römerzeit. Archäologie und Geschichte. Pustet, Regensburg 2025, ISBN 978-3-7917-3520-7, S. 390. Joachim Werner: Spätrömische Befestigung auf dem Schloßberg in Füssen (Allgäu). In: Germania, Band 34, Nummer 3/4, 1956, S. 243–248 (Digitalisat).
Einzelnachweise
Fussen Fussen Fussen Fussen Fussen Fussen Kategorie:Füssen Kategorie:Legio III Italica